TU Wien

Allgemeine Projektinformationen

Titel (deutsch)

Leerstand mit Aussicht (Leerstands-Studie: Erhebung und Reaktivierung im Stadt- und Ortskern)

Projektleitung

Isabel Stumfol

Forschungseinrichtung

TU Wien - Institut für Raumplanung - Forschungsbereich für Regionalplanung

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus

Projektnummer

101629

Projektlaufzeit

-

Projektziele

Ziele kurz:
+ Den Kern der Studie stellt das Zusammenführen der Expertise des Studien-Teams mit der Praxis-Erfahrung der Leerstands-Pionier*innen und der Leerstands-Profis dar. Durch ein cleveres und erprobtes Studien-Prozess-Design wird dieses Wissen aus Forschung und Praxis zusammengebracht, reflektiert und in Feedbackrunden verbessert, damit ein anwendungsorientiertes Handbuch als Studien-Ergebnis erstellt werden kann.
+ Nach erfolgreicher Durchführung der Studie liegt ein druckfertiges, veröffentlichungsbereites Handbuch vor, das die Studienergebnisse verständlich und grafisch aufgearbeitet zusammenfasst (Definition der Leerstandstypen, Methoden zur Leerstandserhebung, Methoden zur Leerstandsaktivierung).
+ Das Handbuch ist so gestaltet und inhaltlich aufbereitet, dass es für Personen, die im Bereich der Leerstandsaktivierung in Stadt- und Ortskernen tätig sind (bzw. in Zukunft sein werden), eine Grundlage und Unterstützung in ihrer täglichen Arbeit bietet.
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Langfassung Ziele:

Leerstand ist kein neues Phänomen und der Umgang mit leerstehenden Immobilien beschäftigt Leerstands-Profis aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Planung, Architektur, Partizipation und (Immobilien-)Wirtschaft nicht erst seit Kurzem. Eine Entwicklung der jüngeren Zeit ist das Berufsfeld der Leerstandsmanager*innen, deren Hauptaufgabe darin besteht, Lösungen zur Reaktivierung des vorhandenen Leerstands zu finden. (Im Prozessdesign dieser Studie werden die Vorreiter*innen dieser beruflich tätigen Leerstandsmanager*innen „Leerstands-Pionier*innen“ genannt. Es dient auch einer Zusammenfassung der zahlreichen und unterschiedlichen Berufsbezeichnungen.)

Die Studie zielt darauf ab, das vorhandene Wissen zur Typisierung, Erhebung und Reaktivierung von Leerständen im Stadt- und Ortskern zu erfassen und in einem umfassenden Nachschlagewerk den bereits tätigen und in Zukunft neu tätigen Leerstandsmanager*innen in österreichischen Gemeinden und Regionen zugänglich zu machen. Die Form des Handbuchs wurde dabei so gewählt, dass es in der Praxis täglichen Einsatz finden kann und einen klaren Mehrwert für die Zielgruppe schafft.

Bei der Erstellung setzt das Studienteam auf ein umfassendes Netzwerk an Leerstands-Pionier*innen und Leerstands-Profis sowie hohe Eigenkompetenz in den Bereichen Leerstandsmanagement, Standort- und Immobilienvermarktung, regionale Kooperation und Methodenwissen (Ermittlung und Aktivierung von Leerstand).

Mit Studienende im April 2022 (vgl. Zeitplan) liegt das Handbuch druckfertig vor. Ergänzend dazu gibt es eine Digitalversion, welche sich auf Smartphone, Tablet oder Laptop gut „durchblättern“ und durchscrollen lässt – mit dem Vorteil einer Suchfunktion zum schnellen Auffinden von bestimmten Themen und Methoden. Digitale Vorlagen (Formulare, Excel-Files etc.) dienen als Grundlage zum Weiterarbeiten für Leerstandsmanager*innen und runden das Gesamtpaket ab.

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Da es sich beim Handbuch nicht um ein Buch im klassischen Sinn handelt, sondern um ein innovatives Tool für Leerstandsmanager*innen, hier ein Interview dazu zum besseren Verständnis:

*Was ist das Handbuch?*

1.) eine Zusammenfassung und Dokumentation der Ergebnisse der Studie
2.) eine Hilfestellung, eine Methodensammlung, eine Inspirationsquelle, ein prägnanter Leitfaden für angehende und bereits tätige Leerstandsmanager*innen
3.) ein Wissensschatz mit klaren Definitionen, Kennzahlen, Kontakten und Erfahrungsberichten
4.) eine Handreichung an Politik und Verwaltung (z.B. Bürgermeister*innen, Regionsverantwortliche, ...), um sich dieses drängenden Problems mit Ernst und Lust anzunehmen
5.) ein Ergebnis, dass analog und digital funktioniert bzw. davon ganz klar durch dieses Zusammenspiel von analog + digital profitiert
6.) ein Tool zur Generierung von Innovation und Kreativität, weil durch das Karten“spiel“ (durch den Gamification-Ansatz) bei dem*r Anwender*in das Neu-Denken, Neu-Kombinieren, Neu-Vernetzen angeregt und angeleitet wird (Raster-Poster, Vorlagen)
7.) ein Qualifikations-Check für den Job Leerstandsmanager*in
8.) eine Netzwerkbibel zum Thema Leerstand im Stadt- und Ortskern
9.) ein Hoffnungsschimmer für Liegenschaftseigentümer*innen in Ortskernen, um aus der geerbten „Liability“ ein zukunftstaugliches „Asset“ zu machen
10.) eine Nachtlektüre für Ortskern-Engagierte (in spe) aller Art
11.) eine Morgengabe für Sanierungsmagier*innen
12.) die Grundlage für ein neues Berufsbild

*Welche Zielgruppe hat das Handbuch?*

Zukünftige und bereits tätige Leerstandsmanager*innen! Und Personen, die im selben Bereich tätig sind, aber eine andere Berufsbezeichnung haben: Ortskernkümmernde, Stadtmarketer*innen, Innenstadtkoordinator*innen, Projektentwickler*innen, Bauträger*innen, Distriktsmanager*innen, Immobilienvermittler*innen etc.

Darüber hinaus gibt es eine erweiterte Zielgruppe: Personen, die sich dafür interessieren, selbst Leerstandmanager*innen zu werden, denn das Handbuch zeichnet gut das Berufs- und Tätigkeitsfeld von Leerstandsmanager*innen nach. Deshalb dient das Handbuch auch als Information und Grundlage für (politische) Entscheidungsträger*innen, die planen, das Leerstandsthema anzugehen bzw. endlich ins Tun und Handeln kommen wollen. Dazu zählen Bürgermeister*innen, Mitarbeiter*innen und Geschäftsführer*innen von gemeindeeigenen Immobilienunternehmen, Mitarbeiter*innen der Gemeindeverwaltung, die Gemeindebetriebe gewerblicher Art abwickeln, Liegenschaftseigentümer*innen, Retail-Ketten, gemeinnützige Bauvereinigungen, lokale Freiberufler*innen, regionale Bauwirtschaft, lokale Vereine, Kirche etc.

*Wie schafft es das Studien-Team, trockene und wissenschaftliche Inhalte so aufzubereiten, dass sie in der Praxis des Leerstandsmanagements auch wirklich nützlich sind?*

Das Handbuch, welches in innovativer Form aufbereitet wird, bietet durch die Inhalte, die Gestaltung, die mobilen Einsatzmöglichkeiten, zahlreiche Vorlagen und Beispiele Unterstützung in der täglichen Praxis eines*r Leerstandsmanager*in.

Im Handbuch wird gezeigt, was geht, wie es geht – und vor allem, DASS es geht. Mittels Storytelling-Techniken werden Leerstands-Pionier*innen portraitiert und Beispiele aus Gemeinden und Regionen dargestellt.

Das Studien-Team macht die Reaktivierung untergenutzter Struktur greifbar und zeigt Schritt für Schritt, wie die Methoden angewandt werden können und worauf es bei der Wahl der richtigen Methode ankommt. Dabei darf Raum für Flexibilität nicht fehlen, denn nicht jeder Stadt- und Ortskern ist gleich – es wird also auch gezeigt, wie das „Maßschneidern“ geht. Dabei arbeitet das Studien-Team nicht nur mit Texten, sondern setzt sorgfältig erstellte Grafiken, Fotos und Karten gezielt ein, um die Inhalte klar zu vermitteln. Essenziell für die inhaltliche Qualität ist die Einbeziehung von Leerstands-Pionier*innen und Leerstands-Profis in den Erstellungsprozess.

Fortsetzung des Interviews im PDF ab S.7!

Praxisrelevanz

Auszug aus dem Problemaufriss:

\"Die Verlagerung der traditionellen Funktionen des Ortskerns in die Peripherie hat weitreichende Folgen: Durch den steigenden Flächenverbrauch und die Versiegelung von Boden gehen landwirtschaftliche Flächen mit guter Bodenqualität verloren, Grundwasserspiegel und Wasserqualität sinken, Hochwasserereignisse nehmen zu, die biologische Vielfalt wird gefährdet und für den Menschen wichtige Freizeit- und Erholungsräume gehen verloren.\"

Aktives Leerstandsmanagement und die Aktivierung von bestehenden leeren Objekten, Baulücken und unternutzten Gebäuden sind essentiell für eine nachhaltige und klimaschonende Raumplanung und tragen wesentlich dazu bei, die Lebensqualität für den Menschen in ganz Österreich zu erhöhen.