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LeKoWolf: Lebensraum- und Konfliktpotenzialmodell für den Wolf (Canis lupus) in Österreich

Projektleitung

Jennifer Hatlauf

Forschungseinrichtung

Universität für Bodenkultur Wien

Projektnummer

102002

Projektlaufzeit

-

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft | Amt der Niederösterreichischen Landesregierung| Amt der Oberösterreichischen Landesregierung| Amt der Steiermärkischen Landesregierung| Amt der Tiroler Landesregierung| Amt der Kärntner Landesregierung| Amt der Salzburger Landesregierung| Amt der Vorarlberger Landesregierung

Allgemeine Projektinformationen

Abstract (deutsch)

Das landschaftsökologische Lebensraumpotential beschreibt das Potenzial einer Fläche, die Entstehung natürlicher Habitatstrukturen für eine Art zu gewährleisten und damit als Habitat für eine Art zu dienen. Ein solches Modell gibt die generelle Eignung und potenzielle Besiedlungsmöglichkeit wieder, unabhängig von einer aktuellen, tatsächlichen Verbreitung. Bisher existieren verschiedene Modelle zur Eignung von Wolfslebensräumen im gesamten Alpenraum, welche jedoch nicht auf aktuellen Daten aus Österreich basieren. Das Konfliktpotenzialmodell soll in dieser Studie nicht anhand von Fragebögen erstellt werden, sondern auf Basis vorhandener Daten analysiert werden. Das Lebensraumpotenzialmodell wird darauf abzielen, die Eignung von Flächen für Wölfe zu bewerten, während das Konfliktpotenzialmodell ökonomische Daten zur Analyse von potenziellen Konflikten heranziehen wird. Beide Modelle werden auf aktuellen österreichischen Daten basieren und verschiedene Szenarien berücksichtigen (z.B. einschließlich Konfliktbehaftung, Entschädigungszahlungen und/oder Herdenschutzmaßnahmen). Die Verfügbarkeit von hochwertigen Daten ist entscheidend für die Genauigkeit und Relevanz dieser Modelle. Das Projekt wird die Datengrundlage im Zusammenhang mit Faktoren wie Viehzucht, Herdenschutz, Siedlungsnähe, Rissgeschehen und anderen wolfsbiologischen Parametern prüfen und, sofern verfügbar und sinnvoll, in die Modelle integrieren. Die Hauptforschungsfragen dieses Projekts umfassen die Ermittlung geeigneter Lebensräume für Wölfe in Österreich, die Identifikation von Konfliktpotenzialen aus sozio-ökonomischer Sicht und die Identifizierung besonders betroffener Gebiete hinsichtlich Habitat- und Konfliktpotenzial. Dieses Forschungsprojekt wird wertvolle Erkenntnisse für den Naturschutz und das Management von Wolfsbeständen in Österreich liefern.

Schlagwörter (deutsch)

Wolf, Koexistenz, Lebensraumpotenzial

Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)

Titel (englisch)

Habitat- and conflict potential model for the wolf (Canis lupus) in Austria

Abstract (englisch)

The landscape ecological habitat potential describes the potential of an area to ensure the development of natural habitat structures for a species and thus serve as a habitat for this species. Such a model reflects the general suitability and colonization potential, irrespective of the current actual distribution. To date, various models exist for the suitability of wolf habitats in the entire Alpine region, but these are not based on current data from Austria. In this study, the conflict potential model will not be based on questionnaires but will be analyzed on the basis of economic data. The habitat potential model will aim to assess the suitability of areas for wolves, while the conflict potential model will use economic data to analyze potential conflicts. Both models will be based on current Austrian data and consider different scenarios (e.g., including conflict liability, compensation payments, and/or herd protection measures). The availability of high-quality data is crucial for the accuracy and relevance of these models. The project will review the data base related to factors such as livestock production, herd protection, proximity to settlements, predation and other wolf biological parameters and integrate them into the models where available. The main research questions of this project include the determination of suitable habitats for wolves in Austria, the identification of conflict potentials from a socio-economic perspective and the identification of particularly affected areas in terms of habitat and conflict potential. This research project will provide valuable insights for nature conservation and the management of wolf populations in Austria.

Schlagwörter (englisch)

habitat potential, co-existence, habitat model

Finanzierung BMLUK

63.375,00 €

Projektziele

Dem Ziel der Grundlagenforschung und Erarbeitung neuer Erkenntnisse folgend stellen sich als Motive für die Abwicklung dieses Projekts folgende Hauptforschungsfragen:

  1. Welcher Lebensraum ist in Österreich für Wölfe aus ökologischer Sicht potenziell geeignet?
  2. Wo ergeben sich Konfliktpotenziale mit Wölfen in Österreich aus sozi-ökonomischer Sicht?
  3. Welche Flächen sind durch Habitatpotenzial und Konfliktpotenzial besonders betroffen?

Praxisrelevanz

Dieses Forschungsprojekt wird wertvolle Erkenntnisse für den Naturschutz und das Management von Wolfsbeständen in Österreich liefern. Die Hauptforschungsfragen dieses Projekts umfassen die Ermittlung geeigneter Lebensräume für Wölfe in Österreich, die Identifikation von Konfliktpotenzialen aus sozio-ökonomischer Sicht und die Identifizierung besonders betroffener Gebiete hinsichtlich Habitat- und Konfliktpotenzial. Das Projekt soll eine Unterstützung in Ko-Existenz und Konfliktminderung bieten und einen wichtigen Beitrag zu aktuellen Fragen leisten.

Berichte

Abschlussbericht

Kurzfassung

Die vorliegende Studie befasst sich mit der Rückkehr der Wölfe nach Österreich, einer Entwicklung, die als Erfolg des Artenschutzes gefeiert wird, aber auch erhebliche Herausforderungen mit sich bringt. Ziel des Projekts war die Entwicklung wissenschaftlich fundierter Modelle, die das Lebensraumpotenzial und das Konfliktpotenzial von Wölfen in Österreich darstellen. Diese Modelle sollen eine datengestützte Grundlage für ein effektives Wolfsmanagement bieten, das sowohl den Schutzstatus des Wolfs nach Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG, Anhang V) als auch die Interessen der betroffenen Menschen berücksichtigen kann. Das vorliegende Projekt hat vor allem methodische und datengrundlagenseitige Voraussetzungen für weitere Themen geschaffen, eine Berechnung des günstigen Erhaltungszustands (FCS), die potenzielle Ausweisung von Ausschlusszonen oder eine Bewertung der Wichtigkeit einzelner Konflikte zählten jedoch nicht zu den Zielen des Projekts. Diese Aspekte erfordern weiterführende Analysen und ergänzende Datengrundlagen, die über das Ausmaß dieser Arbeit hinausgehen. Der Fokus lag auf der Erstellung von vier verschiedenen Modellen, um sowohl das Lebensraumpotenzial als auch den potenziellen Konflikt räumlich zu verorten (siehe grafische Zusammenfassung): 1) Das Lebensraumpotenzialmodell beschreibt die Eignung von Flächen als Lebensraum für Wölfe, unabhängig von ihrer aktuellen Verbreitung. Die Ergebnisse zeigen, dass Österreich über große Flächen mit hohem Lebensraumpotenzial verfügt, insbesondere in den Alpenregionen. Diese Gebiete zeichnen sich durch eine hohe Waldbedeckung, geringe menschliche Störung und geeignete topografische Bedingungen aus. Regionen wie etwa die zentralen und nördlichen Ostalpen sowie das Wald- und Mühlviertel weisen hohes Potenzial auf, während städtische Gebiete und intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen ein geringeres Potenzial zeigen*. 2) Das Risspotenzialmodell analysiert, inwieweit bestimmte Gebiete anfällig für Nutztierrisse durch Wölfe sind. Die Ergebnisse zeigen, dass alpine Regionen mit extensiver Weidewirtschaft ein besonders hohes Risspotenzial aufweisen. Die Anwesenheit von Nutztieren (besonders von Schafen und in geringerem Ausmaß auch von Rindern) ist der stärkste Prädiktor für ein hohes Risspotenzial, gefolgt von der Nähe zu Wäldern, die Wölfen als Rückzugsgebiete dienen können. Wie auch in den anderen Modellen ist ein West-Ost-Gefälle erkennbar: Die höchsten Risspotenziale wurden in den westlichen Bundesländern Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Kärnten und Steiermark festgestellt, während die östlichen Landesteile wie weite Regionen Ober- und Niederösterreichs, Wien und das Burgenland ein geringes Risspotenzial aufweisen*. 3) Das Konfliktpotenzialmodell wurde auf Basis von Einschätzungen der in die Arbeitsgruppe entsandten Behördenvertreter*innen erstellt. Es kombiniert ökologische und sozio-ökonomische Variablen, um die potenzielle Intensität von Konflikten zwischen Mensch und Wolf darzustellen (vgl. Tabelle 1). Es wurde das Augenmerk auf die methodische Entwicklung der Modelle gelegt; zur Abbildung aller Interessengruppen ist die weitere Integration dieser zielführend. Die Hauptfaktoren für ein hohes Konfliktpotenzial waren nach der Einschätzung der Behördenvertreter*innen die Nutztierrissanfälligkeit sowie eine Kombination weiterer wirtschaftlicher und allgemeiner Variablen (vgl. Resultate). Die westlichen Bundesländer Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Kärnten zeigen durch die Modellierung die höchsten Konfliktpotenziale, während städtische Gebiete wie Wien ein mittleres und Regionen in Niederösterreich und dem Burgenland ein geringes Konfliktpotenzial aufweisen*. 4) Das Kombinationsmodell integriert die Ergebnisse des Lebensraumpotenzial- und Konfliktpotenzialmodells und hebt sogenannte "Hot-Spot-Gebiete" hervor, in denen die Potenziale beider Modelle hoch sind. Diese Gebiete befinden sich ebenso vor allem in den westlichen Alpenregionen, insbesondere in Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Kärnten. Diese Hot-Spots sind besonders relevant für das Wolfsmanagement, da hier Konfliktlösungsstrategien und Monitoring priorisiert werden können*. Herauszulesen sind auch Gebiete, in welchen das Lebensraumpotenzial hoch und der potenzielle Konflikt gering sind. Diese sind für Wolfsmanagement ebenso bedeutend, da sie geeignete Lebensräume mit minimalen Mensch-Wildtier-Konflikten bieten und somit ideal sind, um Bestände zu unterstützen und gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit von Auseinandersetzungen mit Menschen gering zu halten. * Diese Vereinfachungen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch innerhalb der Länder große Unterschiede zu sehen sind. Die Studie zeigt auch Limitationen auf: Die Datenverfügbarkeit ist zum Teil nicht flächendeckend, insbesondere fehlen detaillierte Informationen zur Umsetzung und Wirksamkeit von Herdenschutzmaßnahmen. Zudem berücksichtigt das Konfliktpotenzialmodell keine detaillierten Daten zur gesellschaftlichen Akzeptanz (aller betroffenen Interessengruppen) von Wölfen, obwohl diese ein entscheidender Faktor für das Management wären. Die Modelle stellen eine Momentaufnahme dar und berücksichtigen keine zeitlichen Entwicklungen oder dynamische Veränderungen in der Wolfsverbreitung und den Konflikten. Zukünftige Studien sollten sich auf die Verbesserung der Datenbasis konzentrieren, insbesondere durch die Integration von Langzeit-Monitoring-Programmen und die systematische Erhebung von Daten zur gesellschaftlichen Wahrnehmung von Wölfen. Die Wirksamkeit von Herdenschutzmaßnahmen sollte systematisch analysiert werden, um deren Akzeptanz und Umsetzung zu evaluieren und zu fördern. Darüber hinaus könnten Szenarien entwickelt werden, die unterschiedliche Managementoptionen simulieren und deren potenzielle Auswirkungen auf Konflikte und Lebensraumpotenziale bewerten. Langfristig könnte dies dazu beitragen das Nebeneinander zwischen Mensch und Wolf nachhaltig konfliktarm zu gestalten.

Berichtsdateien

Endbericht: Lebensraum- und Konfliktpotenzialmodell für den Wolf in Österreich

Abstract (deutsch)

Die vorliegende Studie befasst sich mit der Rückkehr der Wölfe nach Österreich, einer Entwicklung, die als Erfolg des Artenschutzes gefeiert wird, aber auch erhebliche Herausforderungen mit sich bringt. Ziel war die Entwicklung wissenschaftlich fundierter Modelle, die das Lebensraumpotenzial und das Konfliktpotenzial von Wölfen in Österreich darstellen. Diese sollen eine datengestützte Grundlage für ein effektives Wolfsmanagement bieten, das sowohl den Schutzstatus des Wolfs nach Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie als auch die Interessen der betroffenen Menschen berücksichtigen kann. Das vorliegende Projekt hat vor allem methodische Voraussetzungen für weitere Studien geschaffen, eine Berechnung des günstigen Erhaltungszustands, die potenzielle Ausweisung von Ausschlusszonen oder eine Bewertung der Wichtigkeit einzelner Konflikte zählten jedoch nicht zu den Zielen des Projekts. Der Fokus lag auf der Erstellung von vier Modellen zur visuellen Darstellung von Lebensraum und Konfliktpotenzial:

  • Das Lebensraumpotenzialmodell beschreibt die Eignung von Flächen als Lebensraum für Wölfe, unabhängig von ihrer aktuellen Verbreitung. Die Ergebnisse zeigen, dass Österreich über große Flächen mit hohem Lebensraumpotenzial verfügt, insbesondere in den Alpenregionen. Diese Gebiete zeichnen sich durch eine hohe Waldbedeckung, geringe menschliche Störung und geeignete topografische Bedingungen aus.
  • Das Risspotenzialmodell analysiert, inwieweit bestimmte Gebiete anfällig für Nutztierrisse durch Wölfe sind. Die Ergebnisse zeigen, dass alpine Regionen mit extensiver Weidewirtschaft ein besonders hohes Risspotenzial aufweisen. Die Anwesenheit von Nutztieren (besonders von Schafen und in geringerem Ausmaß auch von Rindern) ist der stärkste Prädiktor für ein hohes Risspotenzial, gefolgt von der Nähe zu Wäldern, die Wölfen als Rückzugsgebiete dienen können.
  • Das Konfliktpotenzialmodell wurde auf Basis von Einschätzungen der in die Arbeitsgruppe entsandten Behördenvertreter*innen erstellt. Es kombiniert ökologische und sozio-ökonomische Variablen, um die potenzielle Intensität von Konflikten zwischen Mensch und Wolf darzustellen. Es wurde das Augenmerk auf die methodische Entwicklung der Modelle gelegt; zur Abbildung aller Interessengruppen ist die weitere Integration dieser zielführend.
  • Das Kombinationsmodell integriert die Ergebnisse des Lebensraumpotenzial- und Konfliktpotenzialmodells und hebt sogenannte "Hot-Spot-Gebiete" hervor, in denen die Potenziale beider Modelle hoch sind.

Abstract (englisch)

This study deals with the return of wolves to Austria, a development that is celebrated as a success for species conservation but also poses considerable challenges. The aim was to develop scientifically sound models that represent the habitat potential and conflict potential of wolves in Austria. These models are intended to provide a data-based foundation for effective wolf management that takes into account both the protection status of the wolf under the Flora-Fauna-Habitat Directive and the interests of the people affected. This project primarily created the methodological prerequisites for further studies, but calculating the favorable conservation status, the potential designation of exclusion zones, or an assessment of the importance of individual conflicts were not among the project's objectives. The focus was on creating four models for the visual representation of habitat and conflict potential:

The habitat potential model describes the suitability of areas as habitat for wolves, regardless of their current distribution. The results show that Austria has large areas with high habitat potential, especially in the Alpine regions. These areas are characterized by high forest cover, low human disturbance, and suitable topographical conditions. The predation potential model analyzes the extent to which certain areas are susceptible to livestock predation by wolves. The results show that alpine regions with extensive grazing have a particularly high predation potential. The presence of livestock (especially sheep and, to a lesser extent, cattle) is the strongest predictor of high predation potential, followed by proximity to forests, which can serve as retreat areas for wolves. The conflict potential model was created based on assessments by the government representatives sent to the working group. It combines ecological and socio-economic variables to represent the potential intensity of conflicts between humans and wolves. The focus was on the methodological development of the models; further integration of stakeholders into the models is necessary to represent all interest groups. The combination model integrates the results of the habitat potential and conflict potential model and highlights so-called “hot spot areas” where the potential of both models is high.

Autor/innen

Hatlauf, J., Knufinke, F., Fuchs, L., Amon, M., Hackländer, K., Kunz, F.