© Gregor Poier
HealthyCalf: Eine kälbergerechte Fütterung für eine gesunde Pansenentwicklung von Aufzuchtkälbern
Projektleitung
Qendrim Zebeli
Forschungseinrichtung
VetMed
Projektnummer
101363Projektlaufzeit
-
Finanzierungspartner
Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus| Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus
Allgemeine Projektinformationen
Schlagwörter (deutsch)
Kälberaufzucht, Zuckerheu, Kälber-TMR, Sauermilchtränke
Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)
Titel (englisch)
Rearing calf nutrition for a healthy rumen
Abstract (englisch)
To follow the idea of that project “Sugarhay”, the aim of this study is to evaluate the effects of hay feeding and hay quality on feed intake, daily gains, rumen development and rumen health of calves in comparison to a commercial grain based starter feed. Starter feeds for calves are largely composed of easily digestible grains, rich in starch, which help in meeting the nutrient requirements of the calf, however, can be problematic for the physiological development of a healthy rumen. In contrast to starter feed, high-quality hay contains more fiber, while still providing high energy and nutrients, and thus meets the physiological adaptation of ruminants to cellulose-rich feeds. Special interest is on early programming of the rumen development and microbial establishment.
Accordingly, we want to test the following hypotheses in a feeding trial with 40 calves of the breeds Simmental and Holstein Friesian:
1. Because of an elevated content of sugars, high-quality hay contains more energy and less fiber than typical hay used for calf nutrition, and thus will promote feed intake and body weight gain.
2. Replacing concentrate based starter feed by high-quality, energy rich hay primes rumen microbial ecology, reduces the risk for developing ruminal acidosis in calves, and a healthy rumen ecosystem can establish.
3. In comparison to concentrate based starter feed, feeding high-quality hay promotes the establishment of a healthy rumen microbial ecosystem and the development of a healthy efficient rumen wall in calves.
4. Replacing concentrate based starter feed by high-quality hay stimulates ruminating behaviour in calves, which in turn promotes rumen health and offers occupation to prevent stereotypies.
Projektziele
Die detaillierten Hypothesen dieses Projektes sind:
Hypothese 1: Qualitativ hochwertiges Heu enthält aufgrund eines erhöhten Zuckergehaltes mehr Energie und weniger Fasern als typisches Kälberheu und fördert so die Futteraufnahme und die Gewichtszunahme bei Aufzuchtkälbern.
Hypothese 2: Durch den Ersatz von stärkereichem Kraftfutter in Form von Kälberstarter durch qualitativ hochwertiges, energiereiches Heu sinkt das Risiko der Entstehung einer Pansenazidose bei Aufzuchtkälbern und ein gesundes Pansenökosystem kann entstehen.
Hypothese 3: Durch Fütterung von qualitativ hochwertigem, energiereichem Heu werden ein gesundes Pansenökosystem und die Ausbildung einer gesunden effizienten Pansenwand gefördert.
Hypothese 4: Durch den Ersatz von Kraftfutter durch qualitativ hochwertiges, energiereiches Heu wird das Wiederkauverhalten von Kälbern gefördert, welches wiederum wichtig für die Pansengesundheit ist und Beschäftigung für das Tier bietet.
Um die aufgestellten Hypothesen zu beweisen, soll ein Fütterungsversuch mit je 20 männlichen Kälbern der Rassen Fleckvieh und Holstein Friesian an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein durchgeführt werden. Die Kälber werden unmittelbar nach der Geburt einer von vier Versuchsgruppen zugeteilt, um die Auswirkungen der Fütterung, d.h. zum einen Raufutterfütterung vs. Kraftfutterfütterung, aber auch gute Raufutterqualität vs. sehr gute Raufutterqualität (Energieheu), auf das Wachstum und die Pansen- und Tiergesundheit zu untersuchen.
Im Anschluss an den Fütterungsversuch werden die Kälber geschlachtet, um die Auswirkungen der Fütterung auf die Pansenhistologie und -physiologie genauer untersuchen zu können. Im Detail werden Gewebeproben aus Pansen, Labmagen und verschiedenen Darmabschnitten entnommen, um die Auswirkungen auf die Expression von verdauungs- und gesundheitsrelevanten Genen zu untersuchen. Die Ausprägung der Pansenzotten soll zusätzlich anatomisch und histologisch evaluiert werden. Zusätzlich werden Pansensaft- und Digestaproben unterschiedlicher Abteile des Pansens entnommen, um eine ausführliche Mikrobiom-Analyse durchführen zu können. Diese Analysen werden am Institut für Tierernährung und funktionelle Pflanzenstoffe der Vetmeduni Wien durchgeführt.
Die Entwicklung des Wiederkauverhaltens bei Kälbern ist bislang kaum erforscht. Es gibt Ergebnisse, die zeigen, dass Tiere, die mit 8 Wochen abgesetzt werden, mehr wiederkauen, als Kälber, die zwei Wochen früher abgesetzt werden (ECKERT et al., 2015). Auch ist bekannt, dass Tiere, die Raufutter angeboten bekommen, mehr wiederkauen als Kälber, die ausschließlich Kälberstarter fressen (CASTELL et al., 2012). Aber zu welchem Zeitpunkt sich das Wiederkauverhalten entwickelt und welchen Einfluss die Raufutterqualität hat, ist bisher nicht bekannt. Aus diesem Grund ist ein weiteres Ziel dieses Projektes, die Entwicklung des Wiederkauens bei Kälbern mit unterschiedlicher Fütterung zu beobachten.
Praxisrelevanz
Viele Studien haben die Entstehung von Pansenazidosen bei Milchkühen und Mastrindern untersucht, aber es gibt kaum Untersuchungen bei Aufzuchtkälbern, die noch in der Tränkephase sind. Auch ist nicht bekannt, wie sich die frühe fütterungsabhängige Pansenentwicklung und das damit verbundene mikrobielle Ökosystem und das Pansenepithel mit den zugehörigen Absorptionsmechanismen auf die Gesundheit und Leistung der Tiere auswirkt. Von daher wird dieses Projekt einen wichtigen Beitrag zum Verständnis des Fütterungseinflusses auf die Pansenentwicklung und Tiergesundheit leisten, mit dem Ziel nachhaltige landwirtschaftliche Produktionssysteme zu fördern.
Berichte
Kurzfassung
Berichtsdateien
Abstract (deutsch)
Der Versuch wurde mit 40 neugeborenen Kälbern (n = 10 Kälber/Gruppe) der Rasse Holstein Friesian durchgeführt. Das Versuchsschema erfolgte nach einer randomisierten longitudinalen Versuchsanordnung. Jedes Tier war vom Lebenstag 1 bis in der 14. Lebenswoche im Versuch. Auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis und eine gleichmäßige Geburtsgewichtverteilung der Gruppen wurde geachtet. Die Kälber bekamen in den ersten vier Lebenswochen angesäuerte Vollmilch ad libitum und in der restlichen Versuchszeit Milch laut einem festgesetzten Tränkeplan angeboten. Wasser und Festfutter wurden den Tieren täglich ad libitum angeboten. Die einzelnen Versuchsgruppen unterschieden sich wie folgt in der Festfutterzusammensetzung: Gruppe 1: 100 % Zuckerheu (ZH); Gruppe 2: 100 % Normales Heu (NH); Gruppe 3: 30 % Zuckerheu plus 70% Kraftfutter bzw. Kälberstarter (ZH+KF); Gruppe 4: 30 % Normales Heu plus 70 % Kraftfutter bzw. Kälberstarter (NH+KF). Das Zuckerheu war qualitativ hochwertig (20,5 % wasserlösliche Kohlenhydrate, 11,2 ME/kg TM, 21 % Rohprotein), während das normale Heu eine mittlere Qualität (12,4 % wasserlösliche Kohlenhydrate, 14,9 % XP, 52,2 % NDF, 9,4 MJ ME/kg TM) aufwies. Die Festfutteraufnahme nahm von Woche 9 bis 14 stark zu, wobei die ZH-Gruppe mit den beiden KF-Gruppen vergleichbar war und die NH-Gruppe eine viel geringere Aufnahme hatte, v.a. in den Lebenswochen 13 und 14. Das spiegelte sich bei den Nährstoff-, Wasser- und Energieaufnahmen sowie Tageszuwachsraten wieder. Weitere Ergebnisse zeigten, dass die Verfütterung vom ZH die Kauaktivität und somit die Beschäftigung der Kälber stimulierte. Weiters trägt das ZH dazu bei, die Ketogenese und damit den Stoffwechselstatus der Kälber weitgehend zu verbessern, insbesondere durch eine Verbesserung der Pansen- und Darmfermentation. Die erwartete verbesserte Pansenwanddicke und damit der Pansenentwicklung durch ZH-Fütterung konnte jedoch nicht bestätigt werden. Zusammenfassend lässt dieses Projekt den Schluss zu, das ZH ohne jegliche Supplementierung, wie etwa Kälberstarter, bei den Aufzuchtkälbern gefüttert werden kann, ohne dabei Einbußen in den Nährstoffaufnahmen und täglichen Zunahmen befürchten zu müssen, während die Kauaktivität und die Funktion des Pansen-Darm-Traktes nur positiv beeinflusst werden können. Allerdings ist auf die Qualitätsmerkmale des ZH bei der Gewinnung besonders zu achten.
Abstract (englisch)
The experiment was carried out with 40 newborn Holstein Friesian calves (n = 10 calves / group). The experimental design was based on a randomized longitudinal arrangement of the treatments, and each animal was tested from day 1 to 14th week of life. Attention was paid to a balanced gender ratio and an even distribution of birth weights in the groups. In the first four weeks of life, the calves were given acidified whole milk ad libitum and, for the remainder of the experiment, milk according to a specified feeding plan. The animals were offered water and solid feed ad libitum daily. The individual experimental groups differed in the solid feed composition as follows: Group 1: 100% sugar hay (ZH); Group 2: 100% normal hay (NH); Group 3: 30% sugar hay plus 70% concentrated feed/calf starter (ZH + KF); Group 4: 30% normal hay plus 70% concentrate/calf starter (NH + KF). The sugar hay was of high quality (20.5% water-soluble carbohydrates, 11.2 ME / kg DM, 21% crude protein), while the normal hay was of medium quality (12.4% water-soluble carbohydrates, 14.9% XP, 52, 2% NDF, 9.4 MJ ME / kg DM). The solid feed intake increased sharply from week 9 to 14, whereby the ZH group was comparable to the two KF groups and the NH group had a much lower intake, especially in weeks 13 and 14 of the experiment. These results were reflected in similar intakes of water, nutrient and energy as well as daily growth rates of the calves. Further results showed that feeding the ZH stimulated the chewing activity and thus the employment of the calves with eating and chewing processes. The ZH also helped to improve ketogenesis and thus the metabolic status of the calves, in particular by improving rumen and gut fermentation. However, the expected improved rumen wall thickness and thus the rumen development due to ZH feeding could not be confirmed. In summary, this project suggests that ZH can be fed to rearing calves without any supplementation, such as calf starter, without having to fear loss of nutrient intake and daily weight gain, while the chewing activity and the function of the rumen intestinal tract can only be positively influenced. However, particular attention must be paid to the quality features of the ZH during harvesting and drying.
Autor/innen
Prof. Dr. Qendrim Zebeli