CLIFF WF-Projekt

Allgemeine Projektinformationen

Titel (deutsch)

Krankheiten und Schädlinge an Baumarten für den klimafitten Wald der Zukunft

Titel (englisch)

Diseases and pests of tree species intended for resilient forests of the future

Abstract (englisch)

Maples, fir, pines and oaks are considered trees of the future since, unlike other tree species, above all spruces, they are more adapted to drought stress and rising temperatures. However, even these trees can be damaged by epidemic pathogens, some of which, as the past decade has shown, are already rising in importance. This project is aimed at increasing knowledge of novel disease problems currently harming these trees. The findings are intended to identify and assess the biotic risks that may arise from increasing use of maple, fir, pine and oak in Austrian forests. The project results should provide technical support for silvicultural measures from the forest protection side and thus contribute to the sustainability of climate protection measures. Target pathosystems are: sooty bark disease and dieback of maples, current invasive fungal diseases and epidemics of adelgids of fir, new pine needle diseases and acute oak decline. The distribution and infestation intensity of contributing pathogens will be assessed and in case of pine diseases long-term observation plots will be established. The influence of climate and location on spread of the diseases will be analysed. The host species of several pathogens will be identified and studies on infection dynamics and analysis of the spread routes will be performed. Diagnosis will comprise differential diagnostics, isolation of fungi and molecular methods. Potential vector- or pre-infestation functions will be investigated for fir adelgids and bark beetles. In case of adelgids the possible use of environmentally friendly and biological plant protection agents will be tested and evaluated. The project shall serve an intensive dialogue and knowledge exchange between the project partners and stakeholders. The results will provide a technical basis for decisions on silvicultural and forest ecological measures to prevent or control tree diseases. In addition, future research needs will be prioritized in collaboration with stakeholders. Project results will be presented periodically to stakeholders in the form of fact sheets and electronic information, as well as at information sessions.

Schlagwörter (deutsch)

Klimafitter Wald, Krankheiten, Schädlinge, Zukunft, Pathologie

Projektleitung

Katharina Schwanda

Forschungseinrichtung

Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus

Projektnummer

101685

Projektlaufzeit

-

Projektziele

Klimafitte Wälder der Zukunft erfordern den Ersatz nicht mehr klimaadaptierter Baumarten durch angepasste heimische Arten. Allerdings treten auch an diesen „Hoffnungs-Baumarten” neuartige Schadorganismen und komplexe Krankheitsphänomene auf. Vertiefende Kenntnisse zur Biologie und Ökologie ausgewählter Krankheiten und Schädlinge sollen gewonnen und Strategien gegen die Auswirkungen dieser Schadorganismen entwickelt werden, um diese Baumarten auch zukünftig im österreichischen Wald vermehrt einsetzen zu können.

Spezifische Zielsetzungen des geplanten Projektes sind:
• Erfassung der Verbreitung und Befallsintensität von Krankheitserregern: Cryptostroma corticale (Rußrindenkrankheit des Ahorn), Neonectria neomacrospora (Triebsterben bei Tanne und Fichte), Dothistroma spp. und andere Nadelpathogene (Nadelbräune an Kiefern), „Acute oak decline (AOD)“ bei Eiche, Wurzelpathogene bei Eiche (Gymnopus fusipes und andere)
• Analysen des Einflusses von Klima und Standort auf die Krankheitserreger: Cryptostroma corticale (Rußrindenkrankheit), Dreyfusia spp. (Tannentriebläuse) und andere Läuse, Dothistroma spp. und andere Nadelpathogene (Nadelbräune), AOD und Wurzelpathogene
• Abgrenzung des Wirtsspektrums von Cryptostroma corticale, Neonectria neomacrospora, Acute oak decline, Untersuchung der Anfälligkeit verschiedener Tannenarten gegenüber Neonectria neomacrospora mit Hilfe von Inokulationsversuchen
• Untersuchungen zur Infektionsdynamik und Analyse der Ausbreitungswege: Cryptostroma corticale, Nadelpathogenen in Hochlagen
• differenzialdiagnostische Untersuchungen und Isolierungen aus Pflanzengeweben zur Identifikation der Krankheitserreger und Zusammenhänge zwischen Schädigung, standörtlichen und klimatischen Parametern (Ahornsterben-Komplex mit Stammrissen, Wurzelpathogene bei Eichen Gymnopus fusipes und andere)
• differenzialdiagnostische Untersuchungen zur Befallsentwicklung und Schädigung von Latschen und Zirben durch Dothistroma-Arten und anderen Nadelpathogenen in Hochlagen
• Anlage von Langzeitbeobachtungsflächen zum Monitoring von Nadelkrankheiten an Latschen, Spirken und Zirben im Hochgebirge
• Potentielle Vektor- oder Vorschädigungsfunktion von Xyleborus dispar und Dreyfusia-Arten
• Einsatzmöglichkeiten umweltfreundlicher und biologischer Pflanzenschutzmittel gegen Dreyfusia-Arten
• Entwicklung von Eindämmungsstrategien und Managementmaßnahmen
• Wissenstransfer

Ahorn (Acer spp.) – Rußrindenkrankheit und Symptomkomplex des Zurücksterbens unter Rissbildungen am Stamm
Die Rußrindenkrankheit ist eine Pilzkrankheit verschiedener Ahornarten, die von Cryptostroma corticale verursacht wird und in den vergangenen Jahren im sommerwarmen Osten Österreichs an Häufigkeit zugenommen und bereits zu bestandesweiten Ausfällen von Bergahorn (Acer pseudoplatanus) geführt hat. Darüber hinaus sind Sporenmassen von C. corticale für den Menschen gesundheitsgefährdend. Primäre Aufgaben sind die Erfassung der Verbreitung von C. corticale sowie die Klärung der für Ausbrüche ursächlichen Klima und Standortsfaktoren. Unter Einbeziehung von Strategien zur Vermeidung negativer Wirkungen auf die Humangesundheit sollen Managementoptionen erarbeitet werden.
Das mit Stammrissen assoziierte Absterben von Ahorn-Beständen ist ein weit verbreitetes und zunehmend häufiges Phänomen. Neben Verticillium-Arten, die Welke verursachen, wurden mehrere Pilzarten isoliert, deren Infektionsbiologie und Pathologie noch nicht geklärt sind. In Stangenhölzern von Bergahorn und anderen Laubholzarten wurde auch der Borkenkäfer Xyleborus dispar als dominanter Schadfaktor festgestellt, dessen mögliche Rolle als Vektor verschiedener Pilzarten überprüft werden soll. Die Krankheitserreger sowie prädisponierende standörtliche und klimatische Parameter sollen identifiziert und darauf aufbauend Managementoptionen erarbeitet werden.

Tanne (Abies sp.) – Aktuelle Bedrohungen der Tanne durch invasive Pilzkrankheiten und Massenauftreten der Tannentrieblaus
Neonectria neomacrospora verursacht Triebsterben an mehreren Tannenarten und Fichten. Das Pathogen hat sich von Skandinavien ausgehend in Europa ausgebreitet und wurde 2019 erstmalig in Österreich nachgewiesen. Die geographische Verbreitung des Erregers In Österreich soll erfasst, das genaue Wirtsspektrum charakterisiert sowie die Anfälligkeit verschiedener Tannenarten untersucht werden. Eine mögliche Assoziation mit Trieblausbefall und die Beteiligung anderer Krankheitserreger an der Schädigung sollen überprüft werden.
Die klimabedingte Zunahme des Massenauftretens der Tannentrieblaus erfordert eine Neubeurteilung der Bedeutung standörtlicher Faktoren zur Anpassung bestehender Managementstrategien: alternativ zu klassischen Insektiziden sollen umweltfreundliche und biologische Pflanzenschutzmittel auf Wirksamkeit und Einsatzmöglichkeiten überprüft werden.

Kiefern (Pinus sp.) – Neuartige Schäden durch Nadelpathogene
Die heimischen Kiefernarten Latsche (P. mugo), Spirke (P. uncinata) und Zirbe (P. cembra) sind seit einigen Jahren insbesondere in alpinen Schutzwäldern von mehreren Nadelkrankheiten bedroht, von denen die Dothistroma-Nadelbräune (Dothistroma spp.) und Lecanosticta-Nadelbräune (Lecanosticta acicola) sich in den vergangenen Jahren stark ausgebreitet haben. Untersuchungen zum Vorkommen sowie den Ausbreitungswegen von Dothistroma septosporum, der bisher noch nicht nachgewiesenen Art D. pini sowie anderen Nadelpathogenen , sollen an verschiedenen Kiefernarten in Österreich durchgeführt werden.
Basierend auf Befallsentwicklung und Schädigung bei Latschen, Spirken und Zirben sollen Ausbreitungswege ermitteltet und beurteilt werden. Auf Langzeitbeobachtungsflächen in Hochlagen soll der Einfluss des Klimas auf das Auftreten der Krankheiten analysiert werden. Resultierend aus den Ergebnissen sollen Eindämmungsstrategien und Managementmaßnahmen entwickelt werden.

Eiche (Quercus sp.) – Acute oak decline (AOD), stammbürtige Insekten und Wurzelfäuleerreger
Acute oak decline (AOD) beschreibt einen Symptom- und Ursachenkomplex, bei dem verschiedene pathogene Bakterienarten und der Prachtkäfer Agrilus biguttatus das Absterben von Eichen verursachen. Das in England grassierende Phänomen wurde kürzlich erstmals in Österreich nachgewiesen. Eine Risikoabschätzung durch Erfassung der Verbreitung von AOD und weiterer am Stamm und in den Wurzeln auftretender Schadfaktoren (Insekten, Pilze) an verschiedenen Eichenarten soll durchgeführt werden.

Wissenstransfer der Projektergebnisse
Die Projektergebnisse werden laufend an Stakeholder und die Öffentlichkeit kommuniziert. Vordringliche Adressaten sind Forstbehörden, Naturschutzbehörden, Pflanzenschutzdienste, Forstbetriebe, Kammern und NGOs. Die Projektergebnisse sollen bei nationalen und internationalen Kongressen präsentiert werden bzw. in wissenschaftlichen Publikationen ihren Niederschlag finden.

Praxisrelevanz

Das Projekt dient der Einschätzung und Verringerung des Risikos, das von neuartigen Schadorganismen ausgeht, wenn einzelne Baumarten durch waldbaulich bewusst gesteuerte Veränderungen der Baumartenzusammensetzung in Österreichs Wäldern in besonderem Maß an Bedeutung gewinnen. Wissenslücken, die insbesondere das Verhalten neuartiger Krankheitserreger unter geänderten Klimabedingungen betreffen, müssen geschlossen, werden. Durch die Kooperation der Forschungspartner mit Forstbehörden, Waldeigentümern und anderen Stakeholdern sollen Maßnahmen erarbeitet werden, die verhindern können, dass die Nutzung der Baumarten für klimafitte Wälder durch Krankheiten in Frage gestellt wird.