WF-Projekt ANS: Kohlenstoffkreisläufe in Waldökosystemen: Was passiert wenn wir Wälder aus der Nutzung nehmen?

Projektleitung

Hubert Hasenauer

Forschungseinrichtung

Universität für Bodenkultur Wien

Projektnummer

102044

Projektlaufzeit

-

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft 

Allgemeine Projektinformationen

Abstract (deutsch)

Mit dem 2015 unterzeichneten Pariser Klimaabkommen soll die Erderwärmung auf 1.5 bis 2 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit (vor 1850) beschränkt werden. Dazu will man bis Mitte des Jahrhunderts (2050) Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft, Industrie, Verkehr (Auto, Flugzeuge) und andere Verursacher, möglichst auf null reduzieren, indem durch Effizienzsteigerungen Energie eingespart wird bzw. die notwendige Energie durch erneuerbare Energieformen (Solar, Wind etc.) die heute üblichen fossilen Energieträger ersetzt. Derartige Umstellungen sind technisch schwierig und brauchen Zeit.

Als eine der Sofortmaßnahmen (Brückentechnologien) gilt Wald, in dem (i) großflächig neue Waldflächen aufgeforstet werden und (ii) bewirtschaftete Wälder großflächig befristete oder auch unbefristete aus der Nutzung gestellt werden. Damit können zumindest befristet große zusätzliche Mengen an CO2 der Atmosphäre entzogen und im Wald gespeichert werden. Aus diesen Entwicklungen ergeben sich für die Waldwirtschaft folgende methodische Überlegungen:

1.Welchen Einfluss hat eine zeitlich befristete aus der Nutzung-Stellung (20 - 40 Jahre) für die Entwicklung der Kohlenstoffpools der ehemals bewirtschafteten Waldflächen?

2. Was bedeutet eine (a) befristete und/oder (b) dauerhafte aus der Nutzung-Stellung für die Totholzdynamik und damit für die Kohlenstoffspeicherung von ehemals bewirtschafteten Waldflächen? Wie wirkt sich eine zu erwartende Zunahme von Totholz und damit auch der Freisetzung von Kohlenstoff an die Atmosphäre durch Abbauprozesse auf die Kohlenstoffbilanz von aus der Nutzung gestellten Wäldern langfristig aus?

Schlagwörter (deutsch)

Kohlenstoff, Aus der Nutzung Stellung, Waldwirtschaft, Totholz

Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)

Titel (englisch)

Carbon flux in forest ecosystems: What happens if we stop managing our forests

Abstract (englisch)

The Paris agreement in 20215 aims for a limited temperature increase of 1.5 to 2 degrees versus the preindustrial time (1850). In achieving this goal by 2050, the emissions from agriculture, industry, traffic and other sources have to be reduced by enhancing the energy efficiency, and the replacement of fossil energy with green energy sources such as wind, solar etc. This change is difficult and requires time. A method which may be put in place immediately is the carbon capture and storage through forest growth. Thus, forests are seen as a “technology” which is in place and until the new “green” technologies are available they can buffer large amounts of carbon. Forests carbon storage can be increased by (i) afforestation and (ii) no harvesting operations for a limited time. Based on this the following challenges for forest management are important:
1. What consequences in the development of the carbon pools result from a limited period of not utilizing forest products from managed forests
2. What impacts for deadwood development including a carbon release from deadwood have to be considered for a limited or unlimited protection of managed forests.

Schlagwörter (englisch)

Carbon, No management, forest management, dead wood

Projektziele

Aufgabenstellung und Zielsetzung des Vorhabens

Mit dem 2015 unterzeichneten Pariser Klimaabkommen soll die Erderwärmung auf 1.5 bis 2 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit (vor 1850) beschränkt werden. Dazu will man bis Mitte des Jahrhunderts (2050) Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft, Industrie, Verkehr (Auto, Flugzeuge) und andere Verursacher, möglichst auf null reduzieren, indem durch Effizienzsteigerungen Energie eingespart wird bzw. die notwendige Energie durch erneuerbare Energieformen (Solar, Wind etc.) die heute üblichen fossilen Energieträger ersetzt. Neue Formen des Wirtschaftens, der Mobilität bzw. der allgemeinen Lebensbedingungen sollen dies zusätzlich unterstützen. Man spricht in diesem Zusammenhang von der Energiewende bzw. einer notwendigen gesellschaftlichen Transformation, damit die Treibhausgasemissionsziele bis 2050 geschafft werden können.

Derartige Umstellungen sind technisch schwierig, werden vom Markt getrieben und bedürfen einer grundlegenden Änderung unserer Lebens- und Wirtschaftsformen. Diese Dinge brauchen Zeit und um nun diese Zeit der Umstellung effizient zu nutzen, werden sogenannte Brückentechnologien gesucht, die sofort, rasch und effizient den weiteren Anstieg von CO2 in der Atmosphäre verhindern, bis dann die Transformation geschafft ist. Als eine dieser Brückentechnologien gilt Wald, in dem (i) großflächig neue Waldflächen aufgeforstet werden und (ii) bewirtschaftete Wälder großflächig befristete oder auch unbefristete aus der Nutzung gestellt werden. Damit können zumindest befristet große zusätzliche Mengen an CO2 der Atmosphäre entzogen und im Wald gespeichert werden. Diese Überlegungen sind im Wege der Zertifikatshandels bereits zu einem Geschäftsmodell geworden: Man geht davon aus, dass in naher Zukunft der Preis für eine Tonne CO2 bis zu 70 Euro erreichen könnte.

Aus diesen Entwicklungen ergeben sich für die österreichischen Waldwirtschaft folgende methodische Überlegungen:

  1. Welchen Einfluss hat eine zeitlich befristete aus der Nutzung-Stellung (20 - 40 Jahre) für die Entwicklung der Kohlenstoffpools der ehemals bewirtschafteten Waldflächen? Was passiert nach dem Außer-Nutzung-Stellungszeitraum, wie ist danach vorzugehen bzw. welche Optionen der Waldwirtschaft haben Betriebe im Hinblick auf den Kohlenstoffkreislauf? (Arbeitspaket 1)
  2. Was bedeutet eine (a) befristete und/oder (b) dauerhafte aus der Nutzung-Stellung für die Totholzdynamik und damit für die Kohlenstoffspeicherung von ehemals bewirtschafteten Waldflächen? Wie wirkt sich eine zu erwartende Zunahme von Totholz und damit auch der Freisetzung von Kohlenstoff an die Atmosphäre durch Abbauprozesse auf die Kohlenstoffbilanz von aus der Nutzung gestellten Wäldern langfristig aus? (Arbeitspaket 2)

Praxisrelevanz

Praxisrelevanz bzw. Warum will man Wälder aus der Nutzung stellen

Kohlenstoffspeicherung im Wald, sei es durch große Aufforstungsprogramme oder durch aus der Nutzung-Stellung von bewirtschafteten Wäldern, ist eine der zentralen globalen Brückentechnologien im Kampf gegen den Klimawandel. Die Etablierung eine Zertifikatshandels (rechtlich ist hier noch nicht ganz klar, wie das ablaufen wird) hat weiters eine ökonomische Vision geschaffen, die zunehmend von Emittenten aufgegriffen wird, um sich damit frei zu kaufen bzw. fossile Technologien so lange wie möglich nutzen zu können. Andererseits ist der Zertifikatshandel auch eine potentielle Einkommensquelle für Waldbesitzer.

Aus Sicht des globalen Kohlenstoffkreislaufes ist der Entzug von Kohlenstoff aus der Atmosphäre wichtig um eine rasche effiziente Linderung der weiteren Erderwärmung zu erzielen. Aus waldwirtschaftlicher Sicht – also der Holznutzung – ist die weitere Verwendung von genutztem Holz (Verbrennung oder Holzbau, etc.) und damit die Verweildauer von Kohlenstoff, wichtig. Eine aus der Nutzung-Stellung von bewirtschafteten Wäldern entspricht im Prinzip einer Umtriebszeitverlängerung, die mit einer Reihe von offenen Fragen verbunden istg, die im Zuge dieses Vorhabens konzeptuell und an Hand von Beispielen analysiert werden (Ziele des Vorhabens).