Weidegras

© HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Weidelösungen: Innovationen zur Weidehaltung unter schwierigen Betriebsbedingungen

Projektleitung

Stefanie Gappmaier

Forschungseinrichtung

Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein

Projektnummer

101728

Projektlaufzeit

-

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus

Allgemeine Projektinformationen

Abstract (deutsch)

Die Verschärfungen in der Bio-Weideverpflichtung stellen die Bäuerinnen und Bauern vor neue Herausforderungen, die speziell die bisher nicht bearbeiteten Weide-Themenfelder „Bewegungsweide“; „Ackerflächenweide und Weide in niederschlagsarmen Regionen“ sowie „Innovative Parasitenvorbeuge bei Weidehaltung“ betreffen. Das vorliegende Projekt soll Lösungsansätze dazu liefern, welche bisher in der Forschung und Beratung unter österreichischen Produktionsbedingungen nicht bearbeitet wurden. Dazu werden vier Versuche an unterschiedlichen Standorten in Österreich angelegt. 1) In einem Parzellenversuch werden Weidemischungen getestet, welche speziell auf intensiv bestoßenen Weideflächen (Bewegungsweide) einen dichten, trittfesten sowie ausdauernden Pflanzenbestand liefern. 2) In einem Parzellenversuch werden in einer niederschlagsarmen Region auf Ackerflächen innovative Weidemischungen geprüft, welche in einem standortangepassten Mob-Grazing-System gute Qualitätserträge liefern sollen. 3) In zwei weiteren Versuchen werden mit Jungschafen und Ziegenkitzen Weidestrategien- und Weidemischungen die zu einer Minimierung des Parasitendrucks beitragen können, geprüft.

Schlagwörter (deutsch)

Wiederkäuer, Weide, Biologisch, Parasiten, Trockenheit, Steilflächen, Bewegungsweide

Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)

Titel (englisch)

Innovations for pasture management under difficult farm conditions

Abstract (englisch)

The tightening of the organic grazing obligation poses new challenges for farmers, especially in the areas of grazing that have not been dealt with so far, i.e. " grazing of areas with high livestock numbers", "grazing on arable land and grazing in regions with low precipitation" and "innovative parasite prevention strategies in grazing systems". The present project intends to provide approaches to solving grazing problems, which have not yet been dealt with in research and advisory services under Austrian production conditions. Therefore, four experimental trials will be set up at different locations in Austria. 1) In a pasture plot experiment, seed-mixtures will be tested which provide a dense, tread-resistant and persistent pasture composition on intensively grazed pastures. 2) In a second pasture plot experiment, innovative pasture mixtures are tested on arable land in a low-precipitation region, which should deliver good quality yields in a site-adapted mob grazing system. 3) In two further experimental trials grazing strategies and pasture mixtures are tested with young sheep and goats which can contribute minimising parasite pressure.

Schlagwörter (englisch)

ruminats, grazing, organic, parasites, drought, exercise pasture, steep slopes

Projektziele

Das vorliegende Projekt soll Lösungen zu speziellen Herausforderungen in der Weidehaltung von Wiederkäuern liefern, welche bisher in der Forschung und Beratung unter österreichischen Produktionsbedingungen nicht bearbeitet wurden. Dazu zählen:

Weidemischungen für Bewegungsweiden: Betriebe, die nur wenig weidefähige Flächen zur Verfügung haben und trotzdem den Tieren in der Vegetationsperiode einen Weidezugang ermöglichen wollen (hoher Weidedruck), benötigen einen speziellen Weidepflanzenbestand (Trittfestigkeit etc.) und ein angepasstes Weidemanagement.

Weidemischungen für Ackerflächen unter niederschlagsarmen Standortbedingungen: Bei der Beweidung von Ackerflächen bzw. auf trockenen Standorten dürften Weidestrategien mit längeren Weideruhezeiten in einer Weideperiode zwischen den neuerlichen Beweidungen vorteilhaft sein. In diesem Fall stehen den Pflanzen längere Ruhezeiten zur Verfügung, können in die Blattbildung investierte Reservestoffe wieder rückgeliefert werden, ist ein tieferes Wurzelwachstum zu erwarten und können auch andere Pflanzenbestände (Luzerne, Esparsette, Horstgräser etc.) beweidet werden.

Weidebestände und Weidestrategien zur Reduzierung des Parasitendrucks: Speziell bei kleinen Wiederkäuern (Ziegen, Schafe) ist die Parasitenproblematik bei Weidehaltung gegeben. Der Parasitendruck kann durch das Weidemanagement (Weideruhezeiten, Bisstiefe etc.) und den Weidepflanzenbestand beeinflusst werden. Die Kombination von Pflanzenarten mit einer gewissen parasitenreduzierenden Wirkung (Esparsette, Weidezichorie etc.), längeren Weideruhezeiten (Koppelweide) und Weidesystemen, bei denen weniger tief gegrast wird, (Top-Grazing) könnten einzeln und auch in Kombination Vorteile bringen.

Im geplanten Forschungsprojekt sollen diese Aspekte in Parzellenversuchen mit Rindern (Jungrinder), Schafen (Hammel) und Ziegen (Jungziegen) wissenschaftlich näher untersucht werden.

Praxisrelevanz

Die Weidehaltung von Wiederkäuern ist mit Vorteilen am Markt verbunden, sie unterstützt das Erreichen der Klimaziele, wirkt sich bei gutem Management positiv auf die Tiergesundheit und Produktqualität aus, ist von zentraler Bedeutung für unsere Kulturlandschaft und ist auch in der Gesellschaft gefragt. In der landwirtschaftlichen Praxis gibt es jedoch bei der Weidehaltung viele Herausforderungen. In den letzten Monaten haben sich die rechtlichen Vorgaben zur Weidehaltung in der biologischen Landwirtschaft deutlich verschärft und daher benötigen speziell Betriebe in „Weide-Problemlagen“ standortangepasste Lösungen. In einem EIP-Projekt wird dazu gemeinsam mit Praxisbetrieben, der Beratung, Firmen und der HBLFA Raumberg-Gumpenstein an Lösungen gearbeitet. Das vorliegende wissenschaftliche Projekt soll diese Aktivitäten durch fundierte Daten und Ergebnisse unterstützen.

Neu zusammengestellte Saatgutmischungen, Mob Grazing, aber auch die Beweidung von höheren Aufwüchsen mit Kleinwiederkäuern sind innovative Ansätze, die es LandwirtInnen ermöglichen, ihre Tiere auch unter schwierigen Bedingungen zu weiden. Es sind auch positive Auswirkungen auf die Ertragsfähigkeit der Weideflächen und die Tiergesundheit zu erwarten. Im Projekt werden erstmals für Österreich völlig neue Ansätze beim Weidemanagement und bei der Bestandsführung wissenschaftlich geprüft.

Die zu erwartenden Ergebnisse unterstützen:

  • die Umsetzung der Weideverpflichtung in der Bio-Tierhaltung
  • die Absicherung bzw. den Ausbau der Weidehaltung in der Bio-Landwirtschaft in Österreich
  • die Weidehaltung auf konventionellen Betrieben
  • Vermarktungsstrategien, die auf Bio-Wirtschaftsweise bzw. Weidehaltung setzen
  • das Erreichen der Klimaziele
  • die Verhinderung der Bodenerosion und die Verbesserung der Bodenbewirtschaftung
  • die Verbesserung der Wirtschaftsleistung landwirtschaftlicher Betriebe und eine Betriebsumstrukturierung und -modernisierung
  • die Risikovorsorge und das Risikomanagements landwirtschaftlicher Betriebe

Berichte

Abschlussbericht

Kurzfassung

Das Forschungsprojekt „Weide-Lösungen“ entwickelte zukunftsorientierte Strategien für die Bio-Weidehaltung im Kontext der EU-Verordnung 2018/848 und ergänzte das EIP Projekt "Weide-Innovationen". Im Zentrum standen drei thematische Schwerpunkte: Bewegungsweiden, Ackerflächenweide in niederschlagsarmen Regionen sowie parasitenreduzierende Ansätze für kleine Wiederkäuer. An verschiedenen Praxisstandorten wurden neu entwickelte Saatgutmischungen auf Bewegungsweiden erprobt, um dort trittfeste, ausdauernde und regenerationsfähige Pflanzenbestände zu etablieren. Da die Futterproduktion nicht im Vordergrund steht, musste das Artenspektrum herkömmlicher Weidemischungen gezielt angepasst werden. Dafür wurden leistungsstarke Gräser wie Lolium perenne (Englisches Raygras), Festuca rubra (Rotschwingel) und Poa pratensis (Wiesenrispe) mit bislang kaum berücksichtigten Arten wie Poa annua (Jährige Rispe), Poa supina (Lägerrispe), Agrostis stolonifera (Flechtstraußgras) und Agrostis capillaris (Rotstraußgras) kombiniert, um Narbenstabilität und Regenerationsfähigkeit unter intensiver Nutzung sicherzustellen. Die Einbindung von Ackerflächen ins Weidemanagement – etwa durch Mob-Grazing-Systeme – verbessert Bodenbeschattung, Mikroklima und Wurzeltiefgang. In der Praxis wird empfohlen, bei Trockenperioden von klassischen Kurzrasensystemen auf angepasste Koppel- oder Portionsweiden umzusteigen. Im Rahmen standortübergreifender Versuche mit Schafen und Ziegen wurde der Einfluss von Saatgutmischung, Weidesystem und Rasse auf tägliche Zunahmen (TGZ) und Parasitenlast (EPG) untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Rasse einen signifikanten Einfluss auf die Parasitenausscheidung hat: Tiroler Bergschafe wiesen zwar höhere EPG-Werte auf als Jura-Hammel, jedoch wurde hinsichtlich der täglichen Zunahmen (TGZ) kein signifikanter Unterschied festgestellt. Saatgutmischung und Weidesystem zeigten keinen signifikanten Einfluss auf die EPG-Werte oder die Leistungsparameter. Das Projekt liefert praxisnahe, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zur Weiterentwicklung einer robusten, tiergerechten und klimatisch resilienten Weidehaltung für die biologische Landwirtschaft.

Berichtsdateien

Innovationen zur Weidehaltung unter schwierigen Betriebsbedingungen

Abstract (deutsch)

Das Forschungsprojekt „Weide-Lösungen“ entwickelte zukunftsorientierte Strategien für die Bio-Weidehaltung im Kontext der EU-Verordnung 2018/848 und ergänzte das EIP Projekt "Weide-Innovationen". Im Zentrum standen drei thematische Schwerpunkte: Bewegungsweiden, Ackerflächenweide in niederschlagsarmen Regionen sowie parasitenreduzierende Ansätze für kleine Wiederkäuer.

An verschiedenen Praxisstandorten wurden neu entwickelte Saatgutmischungen auf Bewegungsweiden erprobt, um dort trittfeste, ausdauernde und regenerationsfähige Pflanzenbestände zu etablieren. Da die Futterproduktion nicht im Vordergrund steht, musste das Artenspektrum herkömmlicher Weidemischungen gezielt angepasst werden. Dafür wurden leistungsstarke Gräser wie Lolium perenne (Englisches Raygras), Festuca rubra (Rotschwingel) und Poa pratensis (Wiesenrispe) mit bislang kaum berücksichtigten Arten wie Poa annua (Jährige Rispe), Poa supina (Lägerrispe), Agrostis stolonifera (Flechtstraußgras) und Agrostis capillaris (Rotstraußgras) kombiniert, um Narbenstabilität und Regenerationsfähigkeit unter intensiver Nutzung sicherzustellen.

Die Einbindung von Ackerflächen ins Weidemanagement – etwa durch Mob-Grazing-Systeme – verbessert Bodenbeschattung, Mikroklima und Wurzeltiefgang. In der Praxis wird empfohlen, bei Trockenperioden von klassischen Kurzrasensystemen auf angepasste Koppel- oder Portionsweiden umzusteigen.

Im Rahmen standortübergreifender Versuche mit Schafen und Ziegen wurde der Einfluss von Saatgutmischung, Weidesystem und Rasse auf tägliche Zunahmen (TGZ) und Parasitenlast (EPG) untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Rasse einen signifikanten Einfluss auf die Parasitenausscheidung hat: Tiroler Bergschafe wiesen zwar höhere EPG-Werte auf als Jura-Hammel, jedoch wurde hinsichtlich der täglichen Zunahmen (TGZ) kein signifikanter Unterschied festgestellt. Saatgutmischung und Weidesystem zeigten keinen signifikanten Einfluss auf die EPG-Werte oder die Leistungsparameter.

Das Projekt liefert praxisnahe, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zur Weiterentwicklung einer robusten, tiergerechten und klimatisch resilienten Weidehaltung für die biologische Landwirtschaft.

Abstract (englisch)

The research project ​“Pasture Innovations” focused on developing forward-looking strategies for organic grazing systems in light of the challenges posed by EU Regulation 2018/848. The project centers on three key areas: transit pastures, using arable land for pasture in regions with low precipitation, and parasite-reducing approaches for small ruminants.

At various practice sites, newly developed seed mixtures were tested on transit pastures to establish resilient, durable, and regenerating plant stands under frequent hoof traffic. As forage yield was not the primary goal, the species composition of conventional pasture mixtures was specifically adjusted. Proven grasses such as Lolium perenne, Festuca rubra, and Poa pratensis were combined with less commonly used species like Poa annua, Poa supina, Agrostis stolonifera, and Agrostis capillaris to enhance sward stability and regenerative capacity under intensive use.

The integration of arable land into pasture systems — particularly through mob grazing — improved soil shading, microclimate, and root depth. In practice, a shift from conventional short-grazing systems to adapted paddock or rotational grazing methods is recommended during dry periods.

In multi-location trials with sheep and goats, the effects of seed mixtures, grazing systems, and breed on animal performance and parasite pressure were examined. The results indicate that breed had a significant influence on parasite excretion: although Tyrolean mountain sheep showed higher EPG values than Jura rams, no significant difference was observed in terms of daily weight gains (DWG). Seed mixture and grazing system showed no significant influence on EPG values or performance indicators.

This project delivers hands-on, scientifically grounded insights for advancing a resilient, animal-friendly, and climate-adaptive pasture management approach in organic farming.

Autor/innen

Gappmaier, S., Guggenberger, T., Podstatzky, L., Krauzer, B., Gaier, L., Straz, W., Lehner, D., Terler, G., Raggl, M., Huber, R., Scherzer, E.