WaldWandel

Allgemeine Projektinformationen

Titel (deutsch)

Klimawandelanpassung in der Waldbewirtschaftung: Chancen und Risiken nicht-heimischer Baumarten

Titel (englisch)

Climate change adaptation in forest management: opportunities and risks of non-native tree species

Abstrakt (englisch)

The expected benefits and potential risks of non-native trees (NNT) to European geographic forest regions have polarised opinions. Benefits include adaptation to climate change (CC), contributions to a bioeconomy, and mitigation of natural hazards by NNT, while risks involve NNT invasiveness and effects on native biodiversity. Therefore it is necessary to develop site specific recommendations, which meet both, the silvicultural management targets and nature conservation aims. The aim of the study is to investigate the effects of climate change on forest ecosystems and the current and future forest management options, particularly from the perspective of tree species selection, in particular focusing on the risks of NNT in protected areas. Further the study aims to predict the risks and opportunities of the use of NNT in Austria under climate change scenarios. The tasks are organised in five work packages with project duration of 36 month.

Schlagwörter (deutsch)

Klimawandel, Waldvegetation, nicht-heimische Baumarten, Lebensraum, Biodiversität

Projektleitung

Silvio Schüler

Forschungseinrichtung

Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft

Finanzierungspartner

Amt der Burgenländischen Landesregierung, Amt der Kärntner Landesregierung, Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Amt der Oberösterreichischen Landesregierung, Amt der Salzburger Landesregierung, Amt der Vorarlberger Landesregierung, Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus

Projektnummer

101469

Projektlaufzeit

-

Projektziele

Ziel der Studie ist es, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Waldvegetation und damit auf die derzeitige und zukünftige Bewirtschaftung der Wälder insbesondere unter dem Blickwinkel der Baumartenwahl zu untersuchen. Dabei sollen die Risiken des Anbaus nicht-heimischer Baumarten insbesondere in und angrenzend an Schutzgebiete aus Sicht des Naturschutzes, sowie die Chancen dieser Baumarten auf durch den Klimawandel gefährdeten Waldstandorten aus Sicht der Forstwirtschaft erfasst, quantifiziert und bewertet werden. Diese Bewertung soll die Grundlage für – zwischen Forstwirtschaft und Naturschutz – abgestimmte Handlungsempfehlungen sein, die vom BMNT und den Forst- und Naturschutzabteilungen der Länder als faktenbasierte Entscheidungsgrundlage herangezogen werden können.

Die Studie gliedert sich in eine Gesamtbetrachtung der Situation in Österreich, die die Risiken und Potenziale des Vorkommens sowie des Einbringens (Anbaus) nicht-heimischer Baumarten unter waldökologischen, biodiversitätsrelevanten, landschaftlichen und funktionellen Aspekten beleuchtet. Dafür werden die unterschiedlichen Rahmenbedingungen der österreichischen Naturräume und Wuchsbezirke unter dem Aspekt ihrer prognostizierten Entwicklung (Klimaszenarien) differenziert berücksichtigt. Für die detaillierte Bearbeitung der Problematik nicht-heimischer Baumarten im Rahmen der geplanten Studie ist es vorgesehen, sechs Regionen in den beteiligten Bundesländern auszuwählen, in denen das Fortbestehen von bestimmten Waldökosystemen/-gesellschaften und damit auch die forstwirtschaftlichen Grundlagen in Zukunft voraussichtlich besonders vom Klimawandel gefährdet sind. In diesen Pilotregionen sollen sämtliche Optionen und Gefährdungen hinsichtlich nicht-heimischer Baumarten auf Ebene des jeweiligen Standorts (Boden, Wasser, Lebensraum, Biodiversität) und ihre Auswirkungen auf alle Funktionen des Waldes (Ökosystemleistungen) untersucht werden. Die Ergebnisse werden unter Einbeziehung von ExpertInnen der Verwaltungen aus Forstwirtschaft und Naturschutz, sowie aller Interessenvertretungen diskutiert und sollen in konkrete Handlungsempfehlungen bzw. Strategien (waldbauliche Optionen) münden. Dieser Teil der Studie soll einerseits den regionalen Aspekt betonen und anderseits auch die Überlebensfähigkeit des ländlichen Raumes – auf der Basis nachhaltig ökonomischer Einkommensmöglichkeiten durch die Waldbewirtschaftung im Einklang mit dem Naturschutz und ökologischen Erfordernissen – stärken.

> Ziel des AP1 ist die erfolgreiche und effiziente Durchführung des Projektes unter bestmöglicher Einbindung zahlreicher relevanter Akteure sowie die Publikation und Verbreitung der Projektergebnisse. Weitere Aufgaben von AP1 sind die Koordination der projektinternen und externen Kommunikation, das Monitoring der Finanzen, die Einhaltung des Zeitplans sowie die Erstellung von Zwischen- und Endberichten. Für die Beteiligung von Akteuren aus den Bereichen Naturschutz und Forstwirtschaft sollen in AP1 zwei Workshops veranstaltet werden.

> Zur Feststellung des rezenten Vorkommens aller nicht-heimischen Baumarten werden die entsprechenden Daten der Österreichischen Waldinventur (ÖWI) analysiert und kartographisch aufbereitet. Parallel dazu werden die vorhandenen Daten hinsichtlich nicht-heimischer Baumarten der Naturschutzabteilungen der Bundesländer recherchiert und Gebiete/Regionen mit (potenziell) problematischen Vorkommen nicht-heimischer Baumarten identifiziert und kartographisch dargestellt. In einem weiteren Schritt werden die Schutzziele der naturschutzrechtlich verordneten Schutzgebiete (insbesondere Europa- und Naturschutzgebiete) auf ihre Schutzgüter und Bestimmungen in Zusammenhang mit Waldökosystemen evaluiert. Anschließend werden - aufbauend auf den Verschneidungen der Regionen mit Vorkommen nicht-heimischer Baumarten mit den Schutzgebieten - diese hinsichtlich ihrer Gefährdung durch nicht-heimische Baumarten für ihre Schutzziele vorläufig bewertet und priorisiert.

> Die Analysen in AP3 beruhen auf Klimahüllenmodellen der wichtigsten heimischen und nicht-heimischen Baumarten unter heutigen und zukünftigen Klimabedingungen. Diese Klimahüllenmodelle wurden in früheren Forschungsprojekten (ACRP-Projekt DouglAS, Interreg-Projekte MANFRED, SUSTREE) für zahlreiche Baumarten erstellt und wissenschaftlich publiziert.
Zusätzlich dazu wird für alle diese heimischen und nicht-heimischen Baumarten deren Beitrag zur Erfüllung der in österreichischen Wäldern wichtigsten Ökosystemleistungen durch Nutzung von Modellen, Literaturstudien und einem Expertenworkshop quantifiziert. Diese Ökosystemleistungen umfassen zumindest: Holzproduktion, Kohlenstoffspeicherfunktion, Schutzfunktion gegenüber Steinschlag, Lawinen und Erosion, Lebensraumfunktion/Biodiversität heimischer Tier- und Pflanzenarten, Wasserhaushalt (u. a. Trinkwasser) und orientieren sich an den im Waldentwicklungsplan ausgewiesenen Waldfunktionen. Auf Basis von Inventurdaten und Waldwachstumsmodellen sowie von Literaturstudien wird zunächst eine Abschätzung der Beiträge der einzelnen Baumarten zu den wichtigsten Ökosystemleistungen erstellt und einem Expertengremium aus Forstwirtschaft und Naturschutz zur Diskussion gestellt.

> Aufbauend auf den erhobenen Risiken (AP3) und Chancen (AP4) von nicht-heimischen Baumarten ist es das Ziel dieses Arbeitspakets, eine Bewertungsmatrix zu erstellen, mit deren Hilfe WaldbewirtschafterInnen und Naturschutzverantwortliche die potenziellen Vor- und Nachteile des Anbaus nicht-heimischer Baumarten anhand von qualitativen und quantitativen Kriterien einschätzen können.

>Die Erhebung des Ist-Zustandes beinhaltet die Inventur der vorhandenen Datensätze aus den Regionen (z. B. Biotopkartierungen), die Verknüpfung der Daten aus AP2 sowie – soweit erforderlich – die Erhebung neuer Daten im Gelände. Die Geländeaufnahmen zur Verjüngung, der Konkurrenzfähigkeit und Wuchsleistung von nicht-heimischen Baumarten im Vergleich zu den heimischen Baumarten in der Pilotregion bildet eine solide Grundlage für eine gebietsbezogene Bewertung des Risikos der vorhandenen und potenziellen nicht-heimischen Baumarten in der Pilotregion.



Praxisrelevanz

Die aus dem Projekt resultierenden Ergebnisse sind für die Entwicklung einer Strategie für den Umgang mit nicht-heimischen Baumarten richtungsweisend. Darüber hinaus wird eine Datengrundlage geschaffen, die zur Lösung von Konflikten zwischen Naturschutz und Forstwissenschaft dienen kann. Die gemeinsame Bearbeitung durch ExpertInnen der Botanik (Vegetationsökologie), des Naturschutzes und der Forstwissenschaften sowie die Kommunikation zwischen einschlägigen InteressenvertreterInnen und eine aktive Öffentlichkeitsarbeit spielen dabei eine wesentliche Rolle.

Aufbauend auf den erhobenen Risiken (AP3) und Chancen (AP4) von nicht-heimischen Baumarten ist es das Ziel dieses Arbeitspakets, eine Bewertungsmatrix zu erstellen, mit deren Hilfe WaldbewirtschafterInnen und Naturschutzverantwortliche die potentiellen Vor- und Nachteile des Anbaus nicht-heimischer Baumarten anhand von qualitativen und quantitativen Kriterien einschätzen können.

Die gesamte, multiple Bewertungsmatrix erlaubt potenziellen NutzerInnen aus Forstwirtschaft und Naturschutz eine schnelle, nachvollziehbare Bewertung von nicht-heimischen Baumarten. Darüber hinaus wird es möglich sein, spezifische Anforderungen an bestimmte Baumarten (z. B. im Schutzwald) für den jeweiligen Anwendungsfall, für geschützte Lebensräume oder spezifische Standorte entsprechend zu gewichten und mit dem Waldentwicklungsplan zu vergleichen. Derartige Anwendungsfälle werden in AP5 für Pilotregionen durchgespielt und dokumentiert.

Durch Pilotstudien in (von den beteiligten Bundesländern) ausgewählten Gebieten Österreichs sollen die Ergebnisse der österreichweiten Untersuchungen (AP-2 bis 4) für einzelne Regionen konkretisiert und auf die spezifischen Waldökosysteme angepasst werden. Dadurch werden präzise Aussagen zu Chancen und Risiken nicht-heimischer Baumarten auf lokaler Ebene durch den standortsbezogenen Einsatz der multiplen Bewertungsmatrix (AP-4) ermöglicht.