SurvAyling: Steigerung von Überlebensrate und Standorttreue bei Besatzfischen durch Akklimatisierung im Zielgewässer

Projektleitung

Maxim Teichert

Forschungseinrichtung

Bundesamt für Wasserwirtschaft

Projektnummer

102155

Projektlaufzeit

-

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft 

Allgemeine Projektinformationen

Abstract (deutsch)

Die anthropogene Überformung von Fließgewässern hat zu deutlichen Rückgängen der Fischbestände und fischereilichen Erträge geführt. Eine gängige Praxis, um heimische Arten zu erhalten und Erträge zu sichern, ist der Fischbesatz, d.h. das gezielte Aussetzen von Zuchtfischen in natürliche Gewässer. Dieser ist jedoch häufig nicht erfolgreich, da Zuchtfische in freier Wildbahn oft geringe Überlebensraten haben. Gründe hierfür sind fehlende Anpassung an natürliche Lebensräume sowie mangelnde Erfahrung mit Prädatoren und wechselnde Umweltbedingungen. Die Akklimatisierung, d.h. Eingewöhnung der Fische in geschützten Käfigen im Zielgewässer vor dem Besatz ist eine vielversprechende Methode, um die Effizienz von Fischbesatzmaßnahmen zu verbessern. Diese Studie soll über einen Zeitraum von sechs Monaten das Überleben, Wanderverhalten und Wachstum von europäischen Äschen (Thymallus thymallus) zwischen akklimatisierten und nicht-akklimatisierten Besatzfischen sowie einer Referenzgruppe von Wildfischen vergleichen. Äschen werden laut der österreichischen Roten Liste als gefährdet eingestuft und sind nicht nur von großem fischereilichem Interesse, sondern auch stark durch Prädation von fischfressenden Vögeln und dem Fischotter betroffen. Die geplante Studie soll hierzu radiotelemetrische Methoden verwenden, welche die individuelle Verortung der besetzten Fische über größere Distanzen und Zeiträume ermöglichen. Dabei sollen Fischereiorganisationen aktiv miteinbezogen werden, um die Akzeptanz der Ergebnisse in der Praxis zu fördern. So sollen die Erkenntnisse aus diesem Projekt zur Entwicklung effizienter und nachhaltiger Besatzmaßnahmen beitragen.

Schlagwörter (deutsch)

Äsche, Telemetrie, Fischwanderung, Aquakultur

Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)

Titel (englisch)

Increasing survival rates and site fidelity of stocked fish through acclimatization in the target environment

Abstract (englisch)

Anthropogenic alteration of running waters has led to significant declines in fish stocks and fisheries yields. A common practice to preserve native species and maintain yields is fish stocking, i.e., the deliberate release of farmed fish into natural waters. However, this is often unsuccessful because farmed fish typically have lower survival rates in the wild. Low survival of stocked fish is commonly attributed to a lack of adaptation to natural habitats as well as insufficient experience with predators and changing environmental conditions. Acclimatization, i.e., the exposition of fish in protected cages to the conditions of the target environment before stocking, is a promising method to improve the efficiency of stocking measures. This study aims to compare the survival, movement, and growth of European grayling (Thymallus thymallus) between acclimatized and non-acclimatized stocked fish, as well as a reference group of wild fish, over a period of six months. Grayling are classified as endangered according to the Austrian Red List and are not only a popular game species, but are also heavily affected by predation from fish-eating birds and otters. The planned study will use radio telemetry to track the individual locations of the stocked fish over long distances and time periods. Fisheries organizations will be actively involved to promote the acceptance of the results. The findings from this project are expected to contribute to the development of efficient and sustainable stocking measures.

Schlagwörter (englisch)

fish migration, aquaculture, telemetry, grayling

Projektziele

Ziel der vorliegenden Studie ist es für die Dauer von ca. 6 Monaten Überlebensrate, Wanderverhalten und Wachstum der besetzten Äschen in Abhängigkeit der Akklimatisierung, bzw. nicht-Akklimatisierung zu untersuchen. Zusätzlich soll als Referenz eine Gruppe von Wildfischen einbezogen werden. So soll die Möglichkeit geprüft werden, ob diese Methodik zu besseren Besatzergebnissen und so auch zu ethisch verantwortungsvollerem Vorgehen führen kann.

Praxisrelevanz

Die Ergebnisse der Studie haben direkte praktische Relevanz, da sie die gängige Gewässerbewirtschaftung unmittelbar betreffen. Sollte sich die Akklimatisierung positiv auf Überleben, Standorttreue oder Wachstum auswirken, wäre dies eine niederschwellige Möglichkeit den Erfolg von Fischbesatzmaßnhamen zu erhöhen. Diese Erkenntnisse können zudem in dem vom Bundesamt für Wasserwirtschaft durchgeführten Aus- und Weiterbildungen direkt an Fischereifacharbeiter, -meister, Angler und andere Gewässerbewirtschafter vermittelt werden.

Falls es keine Auswirkungen der Akklimatisierung auf den Besatzerfolg geben sollte, generiert die Studie dennoch hochauflösende Daten über das Verhalten und die Mortalität von Besatzfischen. Vergleichbare Daten sind selten und Hinweise auf z.B. starke Abwanderung besetzer Äschen aus der Besatzstrecke geben Anreiz dazu solche Maßnahmen stärker zu hinterfragen.  

Berichte

Abschlussbericht

Kurzfassung

Der Besatz mit Zuchtfischen ist eine verbreitete Maßnahme zur Stützung natürlicher Fischbestände, jedoch zeigen Besatzfische häufig geringe Überlebensraten oder verlassen das Zielgewässer rasch. In dieser Studie wurde das Bewegungsverhalten von Äschen (Thymallus thymallus) im Unterlauf der Vöckla (Oberösterreich) mittels Radiotelemetrie über 14 Wochen untersucht. Verglichen wurden Zuchtfische mit einwöchiger Akklimatisierung (n = 40), Zuchtfische ohne Akklimatisierung (n = 50) und Wildfische (n = 57). Die Ergebnisse zeigen insgesamt geringe Bewegungsdistanzen. Die meisten Individuen verblieben im Bereich der Besatzstelle. Wildfische zeigten eine signifikante Aufwärtsbewegung, während Besatzfische überwiegend standorttreu blieben. Akklimatisierte Fische wiesen die geringsten Bewegungsdistanzen auf. Die Interpretation der Daten ist jedoch mit Unsicherheiten verbunden: Die Detektionsrate der Sender nahm im Studienverlauf deutlich ab, wobei technische Defekte als wahrscheinlichste Ursache identifiziert wurden. Zudem erschwerte die hohe individuelle Variabilität der Bewegungsmuster eine zuverlässige Unterscheidung zwischen lebenden und toten Fischen. Die Studie zeigt, dass Äschen unter geeigneten Habitatbedingungen eine ausgeprägte Standorttreue aufweisen können. Ein positiver Effekt der Akklimatisierung konnte nicht nachgewiesen werden. Weitere Untersuchungen sollten geeignetere Akklimatisierungsverfahren entwickeln und testen.

Berichtsdateien

SurvAyling_DaFNE-Endbericht_barrierefrei_2026-04-08.pdf

Abstract (deutsch)

Der Besatz mit Zuchtfischen ist eine verbreitete Maßnahme zur Stützung natürlicher Fischbestände, jedoch zeigen Besatzfische häufig geringe Überlebensraten oder verlassen das Zielgewässer rasch. In dieser Studie wurde das Bewegungsverhalten von Äschen (Thymallus thymallus) im Unterlauf der Vöckla (Oberösterreich) mittels Radiotelemetrie über 14 Wochen untersucht. Verglichen wurden Zuchtfische mit einwöchiger Akklimatisierung (n = 40), Zuchtfische ohne Akklimatisierung (n = 50) und Wildfische (n = 57).

Die Ergebnisse zeigen insgesamt geringe Bewegungsdistanzen. Die meisten Individuen verblieben im Bereich der Besatzstelle. Wildfische zeigten eine signifikante Aufwärtsbewegung, während Besatzfische überwiegend standorttreu blieben. Akklimatisierte Fische wiesen die geringsten Bewegungsdistanzen auf. Die Interpretation der Daten ist allerdings mit Unsicherheiten verbunden: Die Detektionsrate der Sender nahm im Studienverlauf deutlich ab, wobei technische Defekte als wahrscheinlichste Ursache identifiziert wurden. Zudem erschwerte die hohe individuelle Variabilität der Bewegungsmuster eine zuverlässige Unterscheidung zwischen lebenden und toten Fischen.

Die Studie zeigt, dass Äschen unter geeigneten Habitatbedingungen eine ausgeprägte Standorttreue aufweisen können. Ein positiver Effekt der Akklimatisierung konnte nicht nachgewiesen werden. Weitere Untersuchungen sollten geeignetere Akklimatisierungsverfahren entwickeln und testen.

Abstract (englisch)

Stocking with hatchery-reared fish is a common measure to support natural fish populations. However, stocked fish often show low survival rates or quickly leave the target water body. In this study, the movement behavior of European grayling (Thymallus thymallus) in the lower reaches of the Vöckla River (Upper Austria) was investigated using radio telemetry over 14 weeks. Hatchery fish with one week of acclimatization (n = 40), hatchery fish without acclimatization (n = 50), and wild fish (n = 57) were compared.

The results show overall low movement distances, where individuals remained in the vicinity of the stocking site. Wild fish showed small but significant upstream movement, while stocked fish predominantly remained site-faithful. Acclimatized fish exhibited the lowest movement distances. However, the interpretation of the data is subject to uncertainties: the detection rate of the transmitters decreased considerably over the course of the study, with technical defects identified as the most likely cause. Additionally, the high individual variability in movement patterns made it difficult to reliably distinguish between living and dead fish.

The study shows that grayling can exhibit strong site fidelity under suitable habitat conditions. A positive effect of acclimatization could not be demonstrated. Further research should develop and test more suitable acclimatization methods.

Autor/innen

Teichert, M., Cosma, A., Demel, M., Dutter, N.