STRATMARILLE: Strategien gegen akute Pflanzenschutzprobleme der Marille - Projekt in EIP-AGRI
Projektleitung
Monika Riedle-Bauer
Forschungseinrichtung
HBLA und BA für Wein- und Obstbau Klosterneuburg
Projektnummer
102174Projektlaufzeit
-
Finanzierungspartner
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft | EIP
Allgemeine Projektinformationen
Abstract (deutsch)
Das European stone fruit yellows phytoplasma, Candidatus phytoplasma prunorum ist der Erreger der Europäischen Steinobstvergilbung (European stone fruit yellows, ESFY). Diese Krankheit ist gegenwärtig einer der wichtigsten limitierenden Faktoren für die Produktion von Marillen. Im Rahmen des Projekts sollen mit Hilfe von Veredlungsversuchen, Versuchen mit künstlicher Phytoplasmeninokulation und quantitativer PCR möglichst resistente Unterlagen-Genotypen identifiziert werden. Praxisübliche Unterlagengenotypen und auch derzeit nicht für die Produktion von Marillenbäumen verwendete Prunus-Arten bzw. Genotypen sollen evaluiert werden.
Seit einigen Jahren verursacht die Asiatische Marillenblattlaus, Myzus mumecola umfangreiche Schäden in österreichischen Marillenanlagen. Projektziel ist die Erarbeitung von Bekämpfungsstrategien für die Bio- Marillenproduktion in der Praxis. Dazu soll eine Reihe von Bio - Wirkstoffen und -strategien in Labor-, Halbfreiland- und Feldversuchen untersucht werden. Parallel wird die Entwicklung der Laus im Jahresverlauf an mehreren Standorten in Österreich erhoben.
Schlagwörter (deutsch)
Marille, European Stone Fruit Yellows Phytoplasma, ‘Candidatus Phytoplasma prunorum’, Steinobstvergilbung, Asiatische Marillenblattlaus, Myzus mumecola, biologische Kontrolle
Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)
Titel (englisch)
Management of acute plant protection problems in apricots
Abstract (englisch)
The European stone fruit yellows phytoplasma, ‘Candidatus phytoplasma prunorum’, causing European stone fruit yellows (ESFY) is one of the most important limiting factors for apricot production. The aim of the project is to identify rootstock genotypes with the lowest possible susceptibility through grafting trials and trials with artificial phytoplasma inoculation. Standard rootstock genotypes and also Prunus species and genotypes not currently used in the production of apricot trees will be evaluated.
The Asian apricot aphid, Myzus mumecola, has been causing extensive damage in Austrian apricot orchards for several years. The aim of the project is to develop control strategies for organic apricot production in practice. To this end, a range of organic active substances and strategies will be investigated in laboratory, semi-outdoor and field trials. At the same time, the development of the aphid over the course of the year will be surveyed at several locations in Austria.
Schlagwörter (englisch)
Apricot, European Stone Fruit Yellows Phytoplasma, ‘Candidatus Phytoplasma prunorum’, Asian Apricot Aphid, Myzus mumecola, organic control
Projektziele
Das Projekt beschäftigt sich mit 2 aktuellen Schaderregern der Marille, dem European stone fruit yellows phytoplasma (ESFY) (‚Candidatus Phytoplasma prunorum‘) und der Asiatischen Marillenblattlaus (Myzus mumecola), die sich in den letzten Jahren in Österreich etabliert hat.
European stone fruit yellows phytoplasma (ESFY)
Nach aktuellem Kenntnisstand spielt die Unterlage eine entscheidende Rolle für die Anfälligkeit von Marillenbäumen gegen ESFY (siehe dazu –Abschnitt „Stand des Wissens“). Es sollen daher möglichst gering anfällige Unterlagen-Genotypen wie folgt identifiziert werden:
- Betreffend aktuell praxisübliche Unterlagen werden im Projekt gezielte „Anfälligkeitsversuche“ durchgeführt, indem Veredelungen von Marillen auf verschiedenen Unterlagen künstlich mit dem Erreger infiziert, ausgepflanzt, über die Projektlaufzeit beobachtet und mit quantitativer PCR getestet werden.
- Bei einigen Steinobst (Prunus)- Arten ist die Toleranz gegen den Erreger in der Literatur bekannt z.B. Kirschen oder Schlehen. Ob diese jedoch auch ausreichend kompatibel mit der Marille wären, um stabile, praxistaugliche Bäumen zu erzielen, ist noch weitgehend unklar. Basierend auf einer Literaturrecherche sollen potentiell interessante Steinobst-Arten/Genotypen für Marillen als Unterlage (mit und ohne Zwischenveredelung) oder als Zwischenveredelung eingesetzt werden. Die erzielten Veredelungen werden ausgepflanzt und sowohl in obstbaulicher Hinsicht (Verwachsung, Vitalität der Bäume) als auch betreffend verbesserte Toleranz gegen ESFY mehrjährig evaluiert.
- Des Weiteren soll erhoben werden, ob hochveredelte Bäume (= Stammbildung vollständig durch einen möglichst toleranten Zwetschken-Genotyp), gesünder bleiben. Hochveredelte Bäume wurden vor ca.10 Jahren bereits an verschiedenen Standorten in Österreich ausgepflanzt. Sie sollen im Projekt visuell und mittels PCR evaluiert werden.
Zudem soll die ESFY-Verbreitung über Vermehrungsmaterial analysiert werden. Frühere Untersuchungen (rund um 2010) ergaben, dass bei Winterveredelung das Übertragungsrisiko geringer ist als im Sommer. Dieser Effekt könnte aber durch warme Winter reduziert bzw. zunichtegemacht werden. Im Projekt wird untersucht, ob Winterveredelung auch in den aktuell warmen Wintern noch zu gesünderen Bäumen führt und ob Kaltlagerung der Reiser oder Reisergewinnung von Bäumen aus höher gelegenen Gebieten eine Wirkung haben könnten.
Asiatische Marillenblattlaus
Die Laus tritt in Österreich neu auf. In der integrierten Produktion kann ihre Bekämpfung gut mit den vorhandenen Strategien bewältigt werden, nicht aber im biologischen Anbau. Ziel ist ein praxisgerechtes Bekämpfungskonzept für Bio-Betriebe. Die erarbeiteten Maßnahmen können aber auch in integriert wirtschaftenden Betrieben zur Reduktion des Pflanzenschutzmittelaufwandes bzw. zur Verbesserung der Behandlungsstrategien führen.
Unterschiedliche Kombinationen biologischer Wirkstoffe werden im Spätwinter und Frühjahr und eventuell zusätzlich im Herbst in Marillenanlagen ausgebracht und ihre Wirkung evaluiert. Erhebungen vor und nach jeder Behandlung erlauben es, die Wirkung jedes einzelnen Behandlungsschrittes zu ermitteln und auch die Wirkungsdauer abzuschätzen. Im Idealfall kann durch das Zusammenspiel der Schadensbonituren der Betriebe mit den Erhebungen zur Lausdichte auch eine Schadschwelle entwickelt werden, ab welcher Behandlungen nach der Blüte empfohlen werden können.
Die Auswahl von Wirksubstanzen für Freilandversuche wird durch Laborversuche unterstützt. Effekte von Wirkstoffen in unterschiedlichen Konzentrationen auf das Überleben der Läuse bzw. auf das Wirtswahlverhalten (Repellenteffekte) werden beobachtet.
Wichtig für die biologische Bekämpfung ist, dass die Maßnahmen zum richtigen Zeitpunkt in Bezug auf Entwicklungsstadien und Populationsgrößen der Blattlaus gesetzt werden. Daher soll die Populationsentwicklung über mehrere Jahre an mehreren Standorten erhoben werden.
Erste Beobachtungen zeigen deutliche Unterschiede zwischen Marillensorten und Unterlagen hinsichtlich Anfälligkeit auf die Asiatische Marillenblattlaus. Durch visuelle Bonituren in den Betrieben bzw. den teilnehmenden Schulen sollen diese Unterschiede genauer erhoben bzw. verifiziert werden. Dieses Wissen ist für Neuauspflanzungen und auch für die Planung von erforderlichen Bekämpfungsmaßnahmen für Marillenbetriebe von Bedeutung.
Praxisrelevanz
Das Schlagtreffen ist die wirtschaftlich relevanteste Krankheit im österreichischen Marillenanbau (5-10% aller gepflanzten Bäume fallen aus). Somit ist die Bekämpfung von ESFY ertragsrelevant und die Unterdrückung der Krankheit für Marillenproduzent:innen unglaublich wichtig. Eine erfolgreiche ESFY-Bekämpfung (= erregertolerante und gleichzeitig wüchsige Genotypen) würde für die Betriebe die Arbeitskosten und die Ausgaben für Pflanzmaterial sehr deutlich reduzieren, denn dann wäre die jetzt notwendige jährliche Nachpflanzung von Bäumen hinfällig.
Bis dato gab es keine Blattlausproblematik bei der Marille. Aus diesem Grund fehlt in der bio-Produktion im Moment eine wirksame Bekämpfungsstrategie. Es sollen Informationen zum optimalen biologischen Mitteleinsatz, sowie Informationen zur Sortenunterschieden hinsichtlich Anfälligkeit gegen die Marillenblattlaus zur Verfügung gestellt werden. Durch die gewonnenen Erkenntnisse zur Entwicklungsbiologie können optimierte Behandlungstermine ermöglicht und regionale Unterschiede besser herausgearbeitet werden. Die optimale Sortenwahl kann diese Maßnahmen unterstützen, um eine Massenvermehrung zu verhindern. Langfristig soll der Pflanzenschutzmitteleinsatz reduziert und punktgenau erfolgen, daraus ergibt sich ein ökologischer Mehrwert für die Praxis. Dies ist derzeit mangels Kenntnissen nicht möglich
Anhand der Projektergebnisse werden Betriebe bei der Problemlösung kompetent unterstützt und können ihre Betriebsabläufe optimieren, sowohl betreffend Unterlagen, als auch betreffend Marillenblattlaus.