Muttersau mit Ferkel

© HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Säugezeit (EIP)

Allgemeine Projektinformationen

Titel (deutsch)

Verlängerte Säugezeit auf Bioschweinebetrieben (Projekt in EIP-AGRI)

Titel (englisch)

prolonged suckling period

Abstrakt (deutsch)

1. Verbesserung des Wohlbefindens der Ferkel ohne negative Auswirkungen auf die Muttersauen zu verursachen
2. Verringerung des Medikamenteneinsatz durch stabilere Ferkelgesundheit

Abstrakt (englisch)

The aim of a prolonged suckling period is to increase welfare on organic pig farms. Piglets of 7 to 9 weeks age are more stable in digestion of creep feed. Diarrhoea is less likely in older piglets and so therapeutic treatments can decrease. The benefit for the farmers is most of all to be part of a group of farmers and experts, which ensures transfer of knowledge for all participants.
In the first year acquisition of participating farms and defining of possible goals play a significant role. After that participants get coaching of experts and other farmers to reach the appointed goals. In the third year, knowledge will be spread in terms of workshops and leaflets.

Schlagwörter (deutsch)

Durchfall, Antibiotikaminimierung, Produktionsrhythmus

Projektleitung

Werner Hagmüller

Forschungseinrichtung

HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus

Projektnummer

101227

Projektlaufzeit

-

Projektziele

Nach wie vor zählen Durchfallerkrankungen nach dem Absetzen zu den am häufigsten auftretenden Erkrankungen auf Bio-Schweinebetrieben (Leeb et al. 2010). Erkrankungen dieser Art werden sowohl mit traditionellen Heilmitteln (ansäuern des Futters, Vorgabe von Torf oder Erde) als auch mit chemisch-synthetischen Arzneimitteln behandelt. Eine verlängerte Säugezeit könnte dazu beitragen, Jungtiere stabiler in den Prozess des Absetzens zu bringen. Eine verbesserte Enzymausstattung durch vermehrte Festfutteraufnahme spielt hier ebenso eine Rolle wie eine verbesserte aktive Immunitätslage. Da Ferkel mit 6 Wochen Lebensalter weder ein ausgereiftes aktives Immunsystem noch einen ausreichenden passiven Schutz durch die Muttermilch haben, fällt das Absetzen in den Bereich der sogenannten \"Immunologischen Lücke\" (Gellermann, 2006).
Das vorliegende Projekt soll dazu dienen, das Konzept der verlängerten Säugezeit auf österreichischen Bioschweinebetrieben zu etablieren. Dabei geht es weniger um exakte Erhebungen von Daten, sondern vielmehr um die Begleitung von teilnehmenden Betrieben bei den notwendigen Schritten. Dies betrifft nicht nur die Frage der Fütterung von Sauen und Ferkel, sondern vor allem Fragen des Raumkonzeptes, des Betriebsmanagements und des Reproduktionsmanagements.
Im ersten Jahr werden Projektbetriebe aquieriert und gemeinsam mit den Betrieben ein Fahrplan für die Umsetzung der verlängerten Säugezeit erstellt. In diesen Zeitraum fällt auch eine status quo Analyse des aktuellen Absetzmanagements, um Veränderungen nach der Umstellung sichtbar zu machen. Dazu zählen: stichprobenweise Wiegung der Ferkel beim Absetzen, Überprüfung der Ration von Ferkel und Sauen inklusive Abschätzung des Futterverbrauches. Abschätzung der Körperkondition anhand einer BCS Beurteilung;
Das zweite Projektjahr steht im Zeichen der Umstellung auf verlängerte Säugezeit, wobei es den Betrieben grundsätzlich freisteht, wie lange die Säugezeit gewählt wird. Als Mindestsäugezeit sind aber 7 Wochen vorgegeben. Die Projektbetriebe werden bei diesem Schritt begleitet und bei gemeinsamen Projekttreffen werden die Erfahrungen der Betriebsleiter an alle Projektbetriebe weitergegeben. Anpassungen des Managements sind grundsätzlich während der gesamten Projektlaufzeit möglich.
Im dritten Proejktjahr werden die gesammtelten Erfahrungen in Form von Beratungsblättern und Seminarkonzepten verarbeitet und stehen so weiteren Interessenten zur Verfügung. Eine Abschlussveranstaltung soll das Thema \"verlängerte Säugezeit\" von Experten als auch von Projektlandwirtenaufbereitet unmittelbar einer größeren Anzahl Landwirten bekannt machen.
Die HBLFA Raumberg - Gumpenstein nimmt mit dem Forschungsbetrieb Thalheim/Wels an dem Projekt teil und stellt zusätzlich Expertise zur Verfügung.

Leeb, C., Bernardi, F., Winckler, C. (2010). Einführung und Monitoring von 'BetriebsEntwicklungsPlänen (BEP) Tiergesundheit und Wohlbefinden' in österreichischen Bioschweinebetrieben; Endbericht
Gellermann, M. (2006) Immunisierung von Muttersauen mit definierten Hapten-Carrier-Komplexen zur Prüfung des Konzeptes der Idiotyp-Vakzinierung von Ferkeln nach Kolostrumaufnahme; Inaugural Dissertation

Praxisrelevanz

Das bearbeitete Thema kann einen wichtigen Beitrag zu zwei Leitthemen des BMLFUW liefern:
1. Maßnahmen zur Steigerung des Wohlbefindens von landwirtschaftlichen Nutztieren: Durchfallerkrankungen schwächen Ferkel und verursachen verringertes Wachstum und mangelndes Wohlbefinden. Der Absetzstress wird durch Verlängerung der Säugezeit verringert.
2. Verbesserung des Risikomanagements in landwirtschaftlichen Betrieben: geringere Durchfallinzidenz bedeutet einen geringeren Einsatz chemisch-synthetischer Arzneimittel und weniger rückstandsbildende Stoffe in lebenmittelliefernden Tieren.

Berichte

Abschlussbericht

Haltungsvorschriften für die Bioferkelproduktion finden sich in der EU-VO 848/2018. Darin ist festgelegt, dass Ferkel mindestens 40 Tage mit natürlicher Milch versorgt werden müssen. Eine Verlängerung der Säugezeit scheint gewisse Vorteile beim Absetzen der Ferkel zu bringen (Bussemas et al. 2009). Das vorliegende Projekt beschäftigte sich mit der Implementierung einer verlängerten Säugezeit auf Bioschweinebetrieben in Österreich. Das Ziel war, Gesundheit und Wohlergehen der Ferkel zu fördern. Gleichzeitig sollte für die Sauen kein Nachteil hinsichtlich der Körperkondition und Zitzengesundheit entstehen. Alle Betriebe verlängerten ihre Säugezeit um mindestens eine Woche. Die verlängerte Säugezeit wurde von allen Betrieben während des gesamten Erhebungszeitraums durchgeführt. Die mittlere Säugezeit reichte von 49 Tagen bis 61 Tagen. Es konnte kein direkter Zusammenhang zwischen der Länge der Säugedauer und der Körperkondition nachgewiesen werden. Manche Sauen profitierten sogar von der längeren Säugedauer und legten nach der 6. Säugewoche an Gewicht zu. Der Zitzenzustand wurde durch die längere Säugezeit nicht beeinflusst, zu keinem Beobachtungszeitpunkt konnten vermehrt Verletzungen nachgewiesen werden. Der Futterverbrauch bei Sauen und Ferkeln variierte stark zwischen den Betrieben, was sich auch auf die Lebendmasse der Ferkel beim Absetzen, sowie die Aufzuchtdauer und damit auch auf die Kosten auswirkte. Es konnte errechnet werden, dass 5 kg Futter weniger pro Ferkel die Kosten pro Sau und Jahr um ca. 50 Euro senken. Das Sparpotenzial bei den Tiergesundheitskosten hält sich in Grenzen, da ca. 95 % dieser Kosten auf Routinemaßnahmen wie Impfungen und Kastration entfallen. Die Ergebnisse zeigten, dass eine verlängerte Säugezeit keinesfalls im Widerspruch zu hohen Leistungen steht, eine betriebswirtschaftlich relevante Veränderung durch die Maßnahme aber kaum realistisch scheint. Nichtsdestotrotz wurde von einigen Betrieben als Vorteil der verlängerten Säugezeit angeführt, dass sie ein besseres Gefühl hätten, wenn sie wüssten, dass die Ferkel nach dem Absetzen gesünder wären und der Betrieb insgesamt runder laufen.

Anhänge

Dateiname

Verlaengerte_Saeugezeit_auf_Biobetrieben.pdf

Beschreibung

Verlängerte Säugezeit auf Bioschweinebetrieben

Author/innen

Dr. Werner Hagmüller, HBLFA Raumberg-Gumpenstein