ROBVEK

Allgemeine Projektinformationen

Titel (deutsch)

Robuste Wertschöpfungs- und Versorgungsketten für Agrargüter und Lebensmittel in Österreich

Titel (englisch)

Robust Food Supply Chains in Austria

Abstract (deutsch)

Die zuverlässige Versorgung mit leistbaren Lebensmitteln hoher Qualität ist einer der größten Erfolge einer auf Arbeitsteilung, Innovation, Wettbewerb und Unternehmertum basierenden sozialen Marktwirtschaft. In dem vorgelegten Forschungsprojekt soll mit Blick auf aktuelle Marktentwicklungen durchleuchtet werden, wie robust die Versorgung mit Lebensmitteln in Österreich ist. Dabei werden beide Aspekte der Versorgungssicherheit, also sowohl die quantitative Versorgung als auch die Leistbarkeit der Güter, entlang der Wertschöpfungskette in mehreren Arbeitspaketen beleuchtet:

  • Preistransparenz: Wie entwickeln sich die aktuellen Preise von Gütern, die für die österreichische Landwirtschaft relevant sind? Wie soll die Information dargestellt werden, damit für Landwirtinnen und Landwirte der größtmögliche Nutzen entsteht? Ein im Projekt erstelltes Portal zeigt nicht nur Preise von Agrargütern, sondern auch Preise von Vorleistungen, vor allem Energieträgern.
  • Transparenz über Mengen und Werte der Warenströme von Agrargütern und Lebensmitteln in Österreich: Welche Mengen von Agrargütern und Lebensmitteln sind in Österreich verfügbar? Welche Elemente der Wertschöpfungskette wirken zusammen und wie funktioniert die Koordination der Teilnehmer/innen der Wertschöpfungskette? Damit wird die Robustheit der Wertschöpfungskette in Österreich bestimmt.
  • Ein Dashboard zur Darstellung der Robustheit von Versorgungs- und Wertschöpfungsketten: Wie robust sind internationale Versorgungs- und Wertschöpfungsketten, die für die Lebensmittelversorgung in Österreich von Bedeutung sind? Ergebnisse dazu werden zusammen mit jenen des Arbeitspaketes 2 anhand eines Dashboards dargestellt.
  • Transparenz zur Preiserwartung: Wie werden sich die Preise von verarbeiteten und nicht-verarbeiteten Nahrungsmitteln und von wichtigen Energieträgern in den kommenden Quartalen entwickeln? Der angestrebte Output umfasst eine Methodendokumentation und einen Workflow zur quartalsweisen Aktualisierung der Preisprognosen von Agrargütern, Energieträgern und Gruppen von Nahrungsmitteln.
  • Policy Briefs zur Robustheit der Versorgungsketten: Die Agrarproduktion und die Versorgung mit Lebensmitteln ist eingebettet in ein umfassendes Regelwerk von verschiedenen Politikfeldern (z.B. Agrarpolitik, Energie- und Gesundheitspolitik). Wie gut diese Regeln geeignet sind, das Funktionieren von Versorgungsketten in Krisenzeiten zu erleichtern und zu verbessern, wird in Policy Briefs beurteilt und bewertet.

Abstract (englisch)

The reliable supply of affordable, high-quality food is one of the greatest successes of a social market economy based on the division of labour, innovation, competition and entrepreneurship. In the research project presented, the robustness of the food supply in Austria is to be examined with a view to current market developments. Both the quantitative supply and the affordability of goods, i.e. both aspects of supply security, will be examined along the value chain in several work packages:

  • Price transparency: How do the current prices of goods relevant for Austrian agriculture develop? How should the information be presented so that farmers derive the greatest possible benefit? A portal created in the project shows not only prices of agricultural goods, but also prices of intermediate inputs, especially energy sources.
  • Transparency about quantities and values of the commodity flows of agricultural goods and food in Austria: What quantities of agricultural goods and food are available in Austria? Which elements of the value chain interact and how does the coordination of the participants in the value chain work? This is used to determine the robustness of the value chain.
  • A dashboard to show the robustness of supply and value chains: How robust are international supply and value chains that are relevant for food supply in Austria? The results are presented together with those of work package 2 on the basis of a dashboard.
  • Transparency on price expectations: How will the prices of processed and non-processed food and of important energy sources develop in the coming quarters? The targeted output includes methodology documentation and a workflow for quarterly updates of price forecasts of agricultural commodities, energy commodities and groups of food commodities.
  • Policy briefs on the robustness of supply chains: Agricultural production and food supply is embedded in a comprehensive set of rules from different policy areas (e.g. agricultural policy, energy and health policy). How well these rules are able to facilitate and improve the functioning of supply chains in times of crisis is assessed and evaluated in policy briefs.

Schlagwörter (deutsch)

Lebensmittel,Versorgungssicherheit,Wertschöpfungsketten,Österreich,Stabilität

Schlagwörter (englisch)

food,food security,value chains,Austria,stability

Projektleitung

Franz Sinabell

Forschungseinrichtung

Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft 

Projektnummer

101863

Projektlaufzeit

-

Projektziele

Im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union sind unter anderem folgende Ziele der Agrarpolitik definiert:

  • die Märkte zu stabilisieren,
  • die Versorgung sicherzustellen und
  • für die Belieferung der Verbraucherinnen und Verbrauchern zu angemessenen Preisen Sorge zu tragen.

Im österreichischen Landwirtschaftsgesetz lauten die analogen Ziele folgendermaßen:

  • "... die agrarische Produktion, Verarbeitung und Vermarktung so auszurichten, dass sie imstande ist, die Marktnachfrage nach qualitativ hochwertigen, sicheren und nachhaltig erzeugten Lebensmitteln zu bedienen …" (§ 1 Abs. 3) und
  • "der Bevölkerung die bestmögliche Versorgung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und Rohstoffen zu sichern (§ 1 Abs. 6 Zb).

Die aktuelle Lage auf Agrargütermärkten und die derzeit sehr hohen Preise für Lebensmittel rücken diese Ziele in den Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit.

Das zentrale Ziel des Projektes ist, die vorliegenden Informationen, Befunde und Datenbestände zu sichten und auszuwerten, um anhand von geeigneten Indikatoren bestimmen zu können, inwieweit die Ziele der Versorgungssicherheit erreicht werden, um gegebenenfalls weitere Maßnahmen ergreifen zu können. Dabei werden auch derzeit laufende Forschungsprojekte mitberücksichtigt. Die Information dazu soll allen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern, darunter auch Landwirtinnen und Landwirten, zur Verfügung gestellt werden.

Um dieses grundlegende Ziel zu erreichen, werden die folgenden Teilziele verfolgt:

  1. Schaffung einer aktuellen Internet-Präsenz zur Gewährleistung von Preistransparenz:
    Angestrebt wird eine öffentlich zugängliche Website, auf welcher in leicht zugänglicher Weise die aktuellsten Preise der Agrargüter und von wichtigen Betriebsmitteln dargestellt werden. Derzeit gibt es verschiedene Institutionen, die jeweils für ihre speziellen Zwecke Daten bereitstellen. Auf der von der EU im Rahmen eines EIP-Projektes finanzierten Website (www.landnutzung.at/preise.html) werden einige Aspekte bereits gut umgesetzt. Es gibt aber zahlreiche Daten (z.B. von der AMA, der AMA GmbH und von den Landwirtschaftskammern), die nicht integriert sind. Die Funktionalität ist ebenfalls noch verbesserbar und zwar im Hinblick auf die Individualisierung der von der Website vermittelten Daten. Es soll nach Möglichkeiten gesucht werden, ein persönliches Dashboard zusammenzustellen, das sich nach den individuellen Bedürfnissen der Nutzer und Nutzerinnen richtet. Denn nicht jede Landwirtin bzw. jeder Landwirt interessiert sich für alle Daten gleichermaßen.
  2. Entwicklung einer Methode, die bestehende Datenquellen nutzt, um Transparenz zu den in Österreich verfügbaren Mengen und den Werten entlang der Wertschöpfungskette Agrargüter- und Lebensmittel zu schaffen:
    Es liegen zahlreiche Marktdaten und administrative Daten vor, durch welche der Warenfluss entlang der Wertschöpfungskette dokumentiert wird. Diese werden allerdings zu jeweils unterschiedlichen Zwecken gesammelt und sind nicht immer direkt vergleichbar. Das Ziel ist, anhand des Beispiels der Wertschöpfungskette „Fleisch“ aufzuzeigen, wie aus landwirtschaftlichen Rohstoffen Lebensmittel werden und welche Datenbestände genutzt werden können, die die Mengenströme zeitnah und konsistent abbilden. Als Darstellungsform werden Sankey-Diagramme (mengenproportionale Flussdiagramme) vorgeschlagen, deren Daten – nach Möglichkeit – automatisch aktualisiert werden sollen. In Verbindung mit den Ergebnissen von Ziel 1 (Preistransparenz) wird herausgearbeitet, auf welchen Ebenen nicht nur Mengen-, sondern auch Wertströme dargestellt werden können. Dort wo dies nicht möglich ist, wird der Sachverhalt dokumentiert und es werden Optionen zur Verbesserung der Lage vorgeschlagen. Ein weiteres Teilziel ist herauszufinden, für welche weitere Warengruppen ähnliche Systeme entwickelt werden können und welcher Aufwand damit verbunden ist. Auf diese Weise soll – als weiteres Ziel – die Informationsbasis und die Möglichkeit der Informationsbereitstellung für die AMA gestärkt werden. Ein weiteres Teilziel ist, Ergebnisse von parallel laufenden oder zurückliegenden Forschungsprojekten bestmöglich zu nutzen, um redundante Arbeit zu vermeiden.
  3. Entwicklung eines Prototyps für ein Dashboard zur Darstellung der Robustheit von internationalen Versorgungs- und Wertschöpfungsketten, die für Österreich relevant sind:
    In diesem Teilziel soll eine Methode entwickelt werden, um die Robustheit der Versorgung mit internationalen Lebensmitteln und Betriebsmitteln für die Agrar- und Lebensmittelproduktion sichtbar zu machen. Dazu sollen ähnlich wie im Teilziel 2 bestehende Statistiken (z.B. Versorgungsbilanz, Außenhandelsbilanz) ausgewertet und anhand eines Fallbeispiels (Fleisch) gezeigt werden, in welcher Weise die Versorgung im Inland von Lieferungen aus dem Ausland abhängt. Neben landwirtschaftlichen Produkten sollen auch die verschiedenen Vorleistungen und deren Verfügbarkeit entlang der Wertschöpfungskette betrachtet werden. Als weiteres Ziel ist vorgesehen, eine Abschätzung vorzunehmen, welcher Aufwand mit der Erweiterung der erfassten Produkte und dem laufenden Betrieb eines solchen Dashboards verbunden ist.
  4. Entwicklung einer Methode zur Prognose der Inflation von Nahrungsmitteln und Energieprodukten:
    Derzeit werden Inflationsraten für Konsumgüter auf aggregierter Ebene veröffentlicht. Zur Preiserwartung von (der Gruppe der verarbeiteten und nicht-verarbeiteten) Lebensmitteln und von für die Landwirtschaft relevanten Energieprodukten gibt es keine regelmäßigen Prognosen. Um solche Prognosen zu ermöglichen, sind zunächst dazu geeignete Methoden zu entwickeln. Um eine quartalsmäßige Aktualisierung zu ermöglichen, muss einen Workflow entwickelt werden. Als weiteres Unterziel ist vorgesehen, eine Abschätzung vorzunehmen, welcher Aufwand mit der wiederholten Durchführung solcher Prognosen verbunden ist.
  5. Die Schaffung von Entscheidungsgrundlagen und Handlungsoptionen zu Themen der Versorgungssicherheit: Um dieses generelle Teilziel zu erreichen, werden zu Spezial-Themen, die mit dem Auftraggeber abgestimmt werden, Policy Briefs verfasst. Mögliche Themen sind die Darstellung der rechtlichen und ökonomischen Eingriffsmöglichkeiten der öffentlichen Hand im Fall von Versorgungsengpässen, etwa um die Abhängigkeit der Getreideversorgung von Lieferungen aus dem Schwarzmeerraum abzumildern. Als weitere Themen sollen die in den zuvor genannten Zielen erarbeiteten Ergebnisse handlungsorientiert vorgestellt werden. Damit wird angestrebt Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in der Wertschöpfungskette Agrargüter und Lebensmittel über grundlegende Sachverhalte zum Thema Versorgungssicherheit zu informieren und Handlungsoptionen aufzuzeigen.
  6. Effizientes Projektmanagement und effektive Projektumsetzung:
    Ein wesentliches Ziel des Projekts ist, dass die angestrebten Outputs zeitnah und in hoher Qualität erreicht werden. Zur Qualitätssicherung wird ein Scientific Board eingerichtet.

Praxisrelevanz

Verschiedene Akteurinnen und Akteure haben unterschiedliche Ansprüche in Bezug auf die Praxis. Anhand von verschiedenen Gruppen werden die entsprechenden Bezüge bzw. Nutzenkategorien identifiziert. Dabei stellt sich heraus, dass je nach Definition der Zielgruppe unterschiedliche Ergebnisse von besonderem Nutzen sind:

  • Landwirtinnen und Landwirte: Die Kenntnis zur Entwicklung der Marktpreise für Agrargüter und Betriebsmittel ist für Produktionsentscheidungen unerlässlich. Die Ansprüche sind dabei vielfältig. Es sollen vor allem aktuelle Preise verfügbar sein, um in Preisverhandlungen über die Marktlage informiert zu sein. Ausblicke auf künftige Preise sind ebenfalls wichtig, nicht nur für Anbauentscheidungen, sondern auch für Investitionsentscheidungen. Für die gezielte Informationssuche sollen möglichst alle relevanten Preise an einer Stelle verfügbar und leicht zugänglich sein.
  • Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in der Wertschöpfungskette Agrargüter und Nahrungsmittel: Ebenso wie Landwirtinnen und Landwirte ist diese Zielgruppe an aktuellen und leicht zugänglichen Preisinformationen interessiert. Außerdem können Informationen über die Robustheit von Liefer- und Wertschöpfungsketten für sie bei der Planung von Produktion, Lagerhaltung und Lieferbeziehungen wichtig sein. Einige Unternehmen haben eine Abteilung für Risikomanagement aufgebaut als Konsequenz der Situation im Jahr 2020. Diese Personen können von den angestrebten Ergebnissen ebenfalls profitieren.
  • Die allgemeine Öffentlichkeit: Sowohl Informationen über die Preise als auch die erwartete Preisentwicklung ist für alle Konsumentinnen und Konsumenten relevant. Die Kenntnis über die Preise in einem halben Jahr oder einem Jahr helfen dabei, bessere Konsumentscheidungen oder Entscheidungen über das Sparen zu treffen. Die Ausgabenplanung wird damit verbessert und die Resilienz der Haushalte gestärkt, mit Preisrisiken umzugehen.
  • Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in der Politik: Dieser Personenkreis interessiert sich für alle zuvor genannten Informationen. Da die Agrar- und Ernährungspolitik verschiedene Instrumente vorsieht, die zur Verbesserung der Funktionsfähigkeit der Wertschöpfungskette dienen bzw. Maßnahmen im Fall von Friktionen, ist eine zuverlässige und rasche Information über die Lage sehr wichtig. Dabei sind sowohl die Informationen über die Mengenströme wichtig, als auch jene über die damit im Zusammenhang stehenden Preise. Schließlich sagt die Verfügbarkeit wenig aus über die Leistbarkeit von Produkten. Die systematische Sichtung von Datenbeständen, die für verschiedene Zwecke gesammelt werden und ihre Bewertung im Hinblick auf die Eignung zur Messung der Robustheit von Versorgungs- und Wertschöpfungsketten befähigt öffentliche Einrichtungen auch in diesem Bereich politische Entscheidungen vorzubereiten und ihre Umsetzung zu unterstützen.