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RGHeavyMetal

Allgemeine Projektinformationen

Titel (deutsch)

Wasserwirtschaftliche Aspekte von Blockgletschern in Kristallingebieten der Ostalpen -Speicherverhalten, Abflussdynamik und Hydrochemie mit Schwerpunkt Schwermetallbelastungen

Titel (englisch)

Water resources management issues of rock glaciers in alpine catchments of the Eastern Alps - storage capacitiy, flow dynamics and hydrochemistry in particular heavy metal pollution

Abstract (deutsch)

Die zu untersuchenden alpinen Gebiete umfassen im Wesentlichen die Grundwasserkörper GK100010 Zentralraum [DUJ], GK100055 Salzburger Hohe Tauern [DUJ], GK100185 Salzburger Hohe Tauern [MUR], GK100052 Niedere Tauern einschl. Grauwackenzone [DUJ] und GK100116 Niedere Tauern einschl. Seckauer Tauern [MUR]. Quellen mit nennenswerten und somit auch wasserwirtschaftlich interessanten Schüttungen sind in derartigen alpinen Kristallingebieten vorrangig an aus Schuttmaterial entstandenen Landschaftsformen gebunden. Bedeutende Landschaftsformen sind in diesem Kontext Blockgletscher, die je nach Höhenlage noch dem Permafrost unterliegen (intakte d.h. aktive und inaktive Blockgletscher) oder nicht (reliktische Blockgletscher). Lokale Voruntersuchungen an Quellwässer von aktiven Blockgletschern in Tirol haben gezeigt, dass diese beträchtliche Schwermetallbelastungen aufweisen können, welche an konkrete Eiszonen in den Blockgletschern gebunden sind. Als mögliche Eintragspfade werden Luft oder Gestein vermutet. Eine detaillierte aber auch großflächige, österreichweite Ursachenforschung, wie sie in diesem Projekt vorgesehen ist, wurde bislang noch nicht durchgeführt.
Aufgrund des Klimawandels erfolgt ein Abschmelzen des durch Permaforst gebundenen Eises. Dies und zu erwartende Änderungen der Niederschlagsmengen und -intensitäten bedeuten eine Änderung des Abflussverhaltens der alpinen Einzugsgebiete in diesen Höhenstufen. Damit ist aber auch eine mögliche qualitative Veränderung der Gewässer durch die Schwermetallbelastung verbunden, was Auswirkungen auf die wasserwirtschaftliche Nutzung nach sich zieht.

Ziel des Projektes ist es daher, eine Grundlage für die qualitative und quantitative Beurteilung in Bezug auf Schwermetallbelastung der Blockgletscherquellen im östlichen Alpenraum zu schaffen. Grundlage für das Verständnis der saisonalen Variabilität der Schwermetallkonzentrationen ist die Kenntnis der Entwässerungsdynamik und der Speicherfunktion von aktiven wie auch reliktischen Blockgletschern in alpinen Einzugsgebieten. Hierfür ist eine großflächige und in Teilgebieten flächendeckende Erfassung der von Permafrost beeinflussten und an Blockgletscher (intakt und reliktisch) gebundenen Quellen und deren Schwermetallbelastung vorgesehen. Die Ergebnisse und Daten werden digital für weitere Auswertungen und Untersuchungen zur Verfügung gestellt (z.B. H2O-Fachdatenbank; ArcGIS). Hydrographanalysen sowie natürliche und künstliche Traceruntersuchungen werden zur Beschreibung/Charakterisierung der Grundwasserkörper herangezogen.
Niederschlags-Abflussmodellierungen im regionalen Maßstab wie auch an lokalen Testgebieten sollen helfen, quantitativ das Abflussverhalten der Blockgletscher selbst und der tiefer liegenden Fließgewässer und die damit verbundene Verdünnung von Schwermetallkonzentrationen durch z.B. die Schneeschmelze besser zu verstehen.

Abstract (englisch)

The alpine regions going to be investigated herein cover basically the groundwater bodies GK100010 Zentralraum [DUJ], GK100055 Salzburger Hohe Tauern [DUJ], GK100185 Salzburger Hohe Tauern [MUR], GK100052 Niedere Tauern including Grauwackenzone [DUJ] and GK100116 Niedere Tauern including Seckauer Tauern Range [MUR]. Springs with considerable discharge and consequently relevant for water resources management issues in such crystalline alpine regions are mainly related to landforms that evolved out of debris accumulations. Important landforms in this context are rock glaciers which are, depending on their altitude, subject to permafrost conditions (intact i.e. acitve and inactive rock glaciers) or not (relict rock glaciers). Local preliminary investigations at active rock glaciers in Tyrol have shown that spring waters may have considerable heavy metal pollution, which are related to distinct ice layers within the rock glacier itself. Potential emission pathways are either via air or rock. Detailed and extensive research throughout Austria into these causes has not yet been done, but is intended in this project.
Ongoing climate change results in melting of ice bound as permafrost and expected changes in the amount and intensity of precipitation might lead to changes in the discharge dynamics of alpine headwaters. Associated with this is also a potential change in heavy metal pollution of these water bodies, which has consequences for the water resources management.
It is therefore the aim of this project to develop a solid basis for the qualitative and quantitative assessment of heavy metal pollution of rock glacier springs in the Eastern Alps. Basis for the understanding of seasonal variability of heavy metal concentrations is the knowledge of the discharge dynamics and storage properties of active as well as relict rock glaciers in alpine catchments. For this purpose an extensive and in subregions detailed mapping of springs that are influenced by permafrost and bound to rock glaciers (intact and relict) is intended to investigate heavy metal pollution. Results and data will be provided in digital form for further analysis and investigations (e.g. H2O-database; ArcGIS).
Hydrograph analysis as well as natural and artificial tracer tests will be used to characterize these groundwater bodies (aquifers). Moreover, rainfall-runoff modeling on a regional scale as well as for local test sites is going to help to quantify the discharge dynamics. The actual flow components of rock glaciers can be studied in more detail as well as the influence on downstream water bodies, especially the related dilution of heavy metal concentration due to e.g. snow melt events.

Schlagwörter (deutsch)

Hydrogeologie von Blockgletschern, Schwermetallkonzentration, Speicherverhalten, Abflussdynamik alpiner Einzugsgebiete, Permafrost, Ostalpen, Österreich

Projektleitung

Gerfried Winkler

Forschungseinrichtung

Universität Graz, Institut für Erdwissenschaften

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Amt der Kärntner Landesregierung
Amt der Salzburger Landesregierung
Amt der Steiermärkischen Landesregierung
Amt der Tiroler Landesregierung
Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus

Projektnummer

101093

Projektlaufzeit

-

Projektziele

Aktive Blockgletscher sind Schutt- und Eisgemische in Permafrostgebieten die langsam talabwärts kriechen und große Schutt- und Eisvolumina beinhalten können. Bedingt durch klimatische Erwärmung verlieren diese Formen ihren Permafrost- und folglich Eisgehalt und werden zu reliktischen Formen. Die Blockgletschersedimente bleiben und bilden bedeutende Grundwasserspeicher (z.B. Untersweg & Schwendt, 1995; Kellerer-Pirklbauer et al., 2013; Winkler et al., 2015). Untersuchungen im alpinen Permafrost, insbesondere an aktiven Blockgletschern in den Ötztaler Alpen (Tirol) haben gezeigt, dass bei einigen Quellen (v.a. Blockgletscherquellen) massive Schwermetallbelastungen (v.a. Ni, auch Mn, Co, Cu, Zn) vorliegen (Krainer et al., 2015). Eiskerne aus Kernbohrungen am Blockgletscher Lazaun (Schnalstal, Südtirol) haben gezeigt, dass bestimmte Schwermetalle im Permafrosteis in mehreren Lagen stark angereichert sind. Bestimmte Schwermetalle (z.B. Ni) sind vermutlich über atmosphärischen Eintrag in das Eis gelangt, andere Schwermetalle (z.B. Arsen) können aus dem umliegenden Festgestein stammen. Die Schwermetallkonzentrationen in den Quellen zeigen saisonale Schwankungen, wobei Grenzwerte der nach der Trinkwasserverordnung (TWVO) um ein Vielfaches (bis zum Hundertfachen) überschritten werden. Aufgrund des vermuteten atmosphärischen Eintrags ist davon auszugehen, dass die Belastungen für Teilgebiete flächendeckend oder sogar großflächig für den gesamten östlichen Alpenraum vorliegen könnten.
Des Weiteren zeigen erste Wasserproben von Blockgletscherquellen in den Seckauer Tauern (Steiermark) deutlich erhöhte Arsengehalte, welche vereinzelt über dem Grenzwert der TWVO liegen. Erhöhten Arsenbelastungen sind aus anderen alpinen Regionen Österreichs (z.B. Kärnten, Tirol) bereits bekannt und teilweise auf die zugrunde liegende Geologie zurück zu führen. Bezogen auf die Schwermetallbelastung wurden noch keine großflächigen, österreichweiten Untersuchungen der wasserwirtschaftlich relevanten Blockgletscherquellen in den alpinen Kristallingebieten durchgeführt. Die zu untersuchenden Gebiete umfassen im Wesentlichen die Grundwasserkörper GK100010 Zentralraum [DUJ], GK100055 Salzburger Hohe Tauern [DUJ], GK100185 Salzburger Hohe Tauern [MUR], GK100052 Niedere Tauern einschl. Grauwackenzone [DUJ] und GK100116 Niedere Tauern einschl. Seckauer Tauern [MUR].
Die saisonalen Schwankungen der Schwermetallkonzentrationen (Krainer et al., 2015) weisen auf eine Verdünnungskomponente hin, weshalb auch das Abflussverhalten mit Hilfe von Niederschlags-Abflussmodellierungen näher untersucht werden soll, um ein Prozessverständnis der Verdünnung zu erhalten. Erste Grundlagen zum Abflussverhalten von aktiven und reliktischen Blockgletschern wurden bereits in Studien der letzten Jahre in Tirol (PermaNET, PERMAQUA, Permafrost and Climate Change) bzw. in den steirischen Niederen Tauern (RrgAlpCatch) erarbeitet. Untersuchungen in Tirol haben gezeigt, dass sich Blockgletscher in Kristallingebieten im hydrogelogischen Verhalten deutlich von Blockgletschern im Kalkalpin unterscheiden. Dies ist vor allem auf das geringere Speichervolumen der Kluftaquifer in den meisten Kristallingesteinen, der unterschiedlichen Korngrößenverteilung und dem Gesteinschemismus zurückzuführen (Krainer und Mostler 2002; Krainer et al. 2007).
Speziell die wasserwirtschaftliche Bedeutung der reliktischen Blockgletscher als wichtige Grundwasserspeicher in alpinen Einzugsgebieten (z.B. Untersweg und Schwendt, 1995,1996; Winkler et al., 2015) konnte aufgezeigt werden. Die Entwässerungsdynamik der aktiven im Vergleich zu den reliktischen Blockgletschern ist jedoch noch mit vielen offenen Fragen verbunden. In Tirol wurden in den letzten Jahren bereits zwei Pegelmessstellen vom Hydrographischen Dienst eingerichtet, die den Abfluss von aktiven Blockgletschern kontinuierlich aufzeichnen (Äußeres Hochebenkar bei Obergurgl und Berglerloch bei Galtür). Eine besondere Relevanz der sich ändernden Abflussdynamik ergibt sich aus dem Klimawandel (Änderung der Lufttemperaturen und Niederschlagsmenge und –intensität, verstärktes Abschmelzen des Permafrost-Eises). Dieser bewirkt das Abschmelzen des Permafrosteises in den Blockgletschern und die damit verbundene Veränderung von aktiven zu inaktiven und letztendlich zu reliktischen Blockgletschern, die vermutlich gänzlich unterschiedliche Speichereigenschaften aufweisen.

Ziel des Projektes ist es daher, eine Grundlage für die qualitative und quantitative Beurteilung in Bezug auf Speicherverhalten, Abflussmengen und Konzentration an gelösten Stoffen, insbesondere Schwermetallbelastung der Blockgletscherquellen im östlichen Alpenraum zu schaffen. Grundlage für das Verständnis der saisonalen Variabilität der Schwermetallkonzentrationen ist die Kenntnis der Entwässerungsdynamik und der Speicherfunktion von aktiven wie auch reliktischen Blockgletschern in alpinen Einzugsgebieten. Hierfür ist eine großflächige und in Teilgebieten flächendeckende Erfassung der von Permafrost beeinflussten und an Blockgletscher (aktiv, inaktiv und reliktisch) gebundenen Quellen und deren Schwermetallbelastung vorgesehen. Die Ergebnisse und Daten werden digital für weitere Auswertungen und Untersuchungen zur Verfügung gestellt (z.B. Quellkataster/GZÜV-Messstellen-Stammdaten; H2O-Fachdatenbank; ArcGIS Datensätze).
Hydrographanalysen sowie natürliche und künstliche Traceruntersuchungen werden zur Beschreibung/Charakterisierung der Grundwasserkörper herangezogen.
Niederschlags-Abflussmodellierungen im regionalen Maßstab wie auch an lokalen Testgebieten sollen helfen, quantitativ das Abflussverhalten und den Anteil der jeweiligen schnellen und langsamen Abflusskomponenten der Blockgletscher selbst und der tiefer liegenden Fließgewässer und die damit verbundene Verdünnung von Schwermetallkonzentrationen durch z.B. die Schneeschmelze besser zu verstehen.
Zusätzlich zu den bereits bekannten Permafrost-Quellen, die in bestehende Datenbanken aufgenommen werden sollen, ist in ausgewählten Einzugsgebieten eine umfassende Quellaufnahme und –beprobung geplant. Dazu sollen für jede Quelle die entsprechenden „Stammdaten“ (in Anlehnung an Vorgaben der H2O-Fachdatenbank) erfasst und angegeben werden.

Praxisrelevanz

Das beantragte Projekt hat eine hohe wasserwirtschaftliche Bedeutung, da im Projekt wesentliche, österreichweite Grundlagen für künftige wasserversorgungswirtschaftliche Nutzungen in alpinen Einzugsgebieten erstellt werden. Dies umfasst sowohl die qualitativen Aspekte in Bezug auf Schwermetallbelastung und Trinkwassernutzung als auch ein vertieftes Prozessverständnis der Entwässerungs- und Speicherdynamik von Blockgletschern in alpinen Einzugsgebieten. Die großflächige Erfassung der Schwermetallbelastungen von Blockgletscherquellen in alpinen Einzugsgebieten ist eine wichtige Grundlage für die Nutzung der Quellwässer als Trinkwasserversorgung (gemäß Trinkwasserverordnung bzw. Lebensmittelbuch Codexkapitel I für Trinkwasser). Ein weiterer wesentlicher Nutzungsaspekt liegt in der Verwendung als Nutzwasser für Beschneiungen (gemäß ÖNORM M 6257 „Anforderungen an das Wasser für die technische Beschneiung“). Die verstärkte touristische Nutzung des Hochgebirges erfordert eine zunehmende Erschließung von Quellen im Hochgebirge sowohl für die Trinkwasserversorgung als auch beispielsweise für Beschneiungsanlagen. Dabei treten gerade in Kristallinarealen immer wieder Probleme auf hinsichtlich der Schüttungsmengen und auch hinsichtlich der Wasserqualität (z.B. erhöhte Al-Gehalte, oder erhöhte Schwermetallgehalte). Der zunehmende Bedarf an Trink- und Brauchwasser führt dazu, dass zunehmend Quellen in hochalpinen Lagen, vor allem auch Blockgletscherquellen als potentielle Wasserspeicher in Frage kommen.

Ein besseres Prozessverständnis der Speicherfunktion von Blockgletschern sowohl von intakten als auch von reliktischen, ist eine wesentliche Hilfestellung für Aussagen bzgl. Prognosen der Auswirkungen von Klimawandel auf Abflussverhalten alpiner Einzugsgebiete. Der Klimawandel bewirkt eine Änderung der Höhenlage der Permafrostuntergrenze, wodurch aktive Blockgletscher künftig zu reliktischen werden. Das hydraulische Verhalten sowie die Speicher – und Abflussdynamik beider Schuttakkumulationsformen im Vergleich ist noch nicht untersucht. Die wasserwirtschaftliche Bedeutung liegt einerseits in der Grundwasserspeicherung für den Abfluss während der Trockenwetterperioden und des Winters und andererseits in der Speicherung von Niederschlagswasser bei Starkniederschlagsereignissen (Schutz vor Hochwasserwellen in tiefer liegenden Flussabschnitten).

Berichte

Abschlussbericht

In den letzten Jahren rückten alpine Einzugsgebiete und ihre hydrologische Auswirkung auf darunterliegende Gewässer immer mehr in den Fokus der Forschung und wasserwirtschaftlicher Untersuchungen. Vor allem im Zusammenhang mit Permafrost und dem durch die Klimaänderung bedingten Rückgang seiner Ausdehnung ergeben sich bedeutende wasserwirtschaftliche Herausforderungen. In diesem Kontext wurden speziell die in alpinen Einzugsgebieten vorliegenden Schuttakkumulationen wie Blockgletscher, an die oft stark schüttende Quellen gebunden sind, aufgrund ihrer wasserwirtschaftlichen Bedeutung für den österreichischen Alpenraum intensiv untersucht. Blockgletscher sind die markantesten Landschaftsformen in (ehemaligen) Permafrostgebieten. Jüngste Forschungsergebnisse zeigen die Bedeutung der Blockgletscher für das Speicherverhalten und die Abflussdynamik alpiner Einzugsgebiete. Des Weiteren konnten regional in Tirol Schwermetallbelastungen von Quellwässern aus Permafrostbereichen und im Speziellen aus Blockgletscher beeinflussten Einzugsgebieten festgestellt werden. Das gegenständliche Projekt hatte daher die Zielsetzung, eine fundierte Grundlage für die quantitative und qualitative Beurteilung, vor allem auch in Bezug auf mögliche Schwermetallbelastungen von Blockgletscherquellen im östlichen Alpenraum (primär für Kristallingebiete) zu schaffen. Die Grundlage für das Verständnis der saisonalen Variabilität der Schwermetallkonzentrationen ist die Kenntnis der Entwässerungsdynamik unter Berücksichtigung der einzelnen Abflusskomponenten und der Speicherfunktion von intakten (aktiven und inaktiven) wie auch reliktischen Blockgletschern in alpinen Einzugsgebieten. Die Basis ist hierbei die flächendeckende Erfassung aller Blockgletscher und ihrer hydrologischen Einzugsgebiete für den österreichischen Alpenraum. Es wurde daher ein Blockgletscherinventar und ein Blockgletschereinzugsgebietsinventar für die österreichischen Alpen erstellt. Die Ausweisung erfolgte für die Bundesländer Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Steiermark und Kärnten. Die Inventarisierung basiert auf einem Geländemodell mit einer Auflösung von 1 m (airborne laserscan/ALS – Datensatz) und berücksichtigt die bereits vorhandenen Teilinventare. Insgesamt konnten 5769 Blockgletscher verdächtige Landschaftsformen und ihre hydrologischen Einzugsgebiete mit einer Gesamtfläche von ca. 303 km² bzw. 1279 km² ausgewiesen und mit verschiedenen Kennwerten attributiert werden. Eine große Zahl (3148) an Blockgletschern in Tirol ist aufgrund des hohen Gebirgsanteils offenkundig. In weiterer Folge wurden die Daten der Blockgletscher- und Blockgletschereinzugsgebietsinventare statistisch ausgewertet. Auf dem Blockgletscherinventar aufbauend wurden Teilgebiete der Bundesländer Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Steiermark flächendeckend in Bezug auf Blockgletscherquellen hydrogeologisch kartiert. Die erhobenen Quellen dienten in weiterer Folge der Auswahl jener Quellen, die für ein Monitoring über eine Dauer von maximal zwei Jahren herangezogen und hydrochemisch bzgl. Schwermetallbelastung untersucht wurden. Das Monitoring zeigte, dass die Schwermetallbelastung der Blockgletscherquellen saisonal zwar variiert aber ganzjährig erkennbar ist. Das heißt, trotz einer Verdünnung durch saisonale unterschiedlich dominante Abflusskomponenten (Schneeschmelze, Schmelzwasser von Permafrost- oder Gletschereis, Regen) ist eine Belastung ganzjährig nachweisbar. Daher wurde ergänzend eine einmalige Probenahme an Quellen in Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Steiermark im letzten Projektjahr 2018 durchgeführt, um eine zusätzliche räumlichen Verdichtung der untersuchten Quellen im Alpenraum zu bekommen. Die großflächige Erhebung zeigt, dass sich die Quellwasserbelastung durch Schwermetalle, vor allem Nickel mit teilweise einem Vielfachen des Grenzwertes der Trinkwasserverordnung (TWV), im Wesentlichen auf den Großraum der Ötztaler Alpen (geologisch Ötztal-Stubai-Kristallin) beschränkt und dort primär an Quellen intakter Blockgletscher gebunden ist. Eine befürchtete Verbreitung in den westlich und östlich angrenzenden Alpenraum hat sich nicht bestätigt. Die detaillierte Auswertung der hydrochemischen Daten ermöglichte die Charakterisierung der belasteten Quellwässer und den Vergleich mit anderen bekannten, rein lithologisch/geologisch bedingten Belastungen von Quellwässern in einzelnen regionalen Gebieten der Alpen. Es konnten zwei Kationenvergesellschaftungen an belasteten Quellwässern identifiziert werden, eine Nickel/Mangan/Aluminium-Gruppe und eine Arsen/Uran-Gruppe. Die Ergebnisse zeigen, dass die Belastung von Quellwässern durch die Nickel/Mangan/Aluminium-Gruppe großflächig primär im Gebiet Ötztal-Stubai-Kristallin auftritt. Eine derartige Belastung konnte nur an einer weiteren Quelle in den steirischen Schladminger Tauern festgestellt werden, wo eine an Störungen gebundene sulfidische Vererzung bekannt ist. Aufgrund der hydrochemischen Ähnlichkeit der belasteten Quellenwässer im Gebiet Ötztal-Stubai Kristallin und der Quelle in den Schladminger Tauern erscheinen sulfidische Vererzungen auch für die Quellen Tirols sehr plausibel. Sämtliche erhobenen hydrochemischen Daten wurden in die H2O-Datenbank des Bundesministeriums im Umweltbundesamt eingepflegt und stehen somit bundesweit zur Verfügung. Um die Abflussdynamik und das Speicherverhalten v.a. von intakten Blockgletschern besser zu verstehen, wurden Monitoringsysteme an einzelnen Blockgletscherstandorten in Tirol installiert und bestehende erweitert, um ergänzende Untersuchungen durchführen zu können. Neben der kontinuierlichen Erfassung des Abflusses und der Parameter Wassertemperatur und elektrische Leitfähigkeit der Quellwässer wurden Markierungsversuche, Isotopen-Ereignisbeprobungen der Quellwässer sowie Isotopenmessungen von Regen, Schnee (Schneeprofile) und Permafrosteis durchgeführt. Basierend auf den Vorkenntnissen von reliktischen Blockgletschern konnte mit den neuen Daten ein verbessertes Prozessverständnis der Abflussdynamik von intakten (im Speziellen von aktiven) Blockgletscher erarbeitet werden. Dadurch ließ sich auch ein konzeptionelles Entwässerungsmodell für intakte Blockgletscher ableiten. Es konnte bei intakten Blockgletschern eine entsprechende Grundwasserkomponente - wie bei den reliktischen - nachgewiesen werden, die in den Wintermonaten einen entsprechenden Basisabfluss aus diesen Landschaftsformen ermöglicht. Im Sommerhalbjahr sind Schnee, Regen und Schmelzwasser von Gletscher- und Permafrosteis wichtige Abflusskomponenten. Es ist gelungen, grob die saisonale sowie die tageszyklische Variabilität der einzelnen Komponenten zueinander aufzuschlüsseln. Für reliktische Blockgletscher konnte mit Hilfe eines Niederschlags-Abflussmodells an einem alpinen Einzugsgebiet mit einer Größe bis ca. 44 km² gezeigt werden, dass auf Tagesbasis der Abflussanteil an darunterliegenden Pegeln bis zum vierfachen der Blockgletschereinzugsgebietsfläche betragen kann. Erste Ansätze, diese Modellierung auch auf wesentlich größere Einzugsgebiete mit einer Größe bis zu ca. 200 km² (d.h. deutlich tiefer liegende Pegel) anzuwenden, wurden im Zuge des Projekts an Einzugsgebieten in der Steiermark umgesetzt und zeigen eine mehr als dreifache Beeinflussung auf Tagesbasis. Dieser Ansatz für eine regionale Skala sollte konsequent weiterverfolgt werden. In weiterer Folge konnte das Niederschlags-Abflussmodell erfolgreich mit einem Eisspeichermodul erweitert und für ein Testgebiet mit einem aktiven Blockgletscher in Tirol (Ölgrube Süd) angewendet werden. Neben reliktischen können somit auch intakte Blockgletscher als bedeutende Grundwasserspeicher/-puffer angesprochen werden. Somit wurde eine Grundlage geschaffen, den Einfluss von intakten Blockgletschern auf das Abflussverhalten darunterliegender Gewässer zu quantifizieren und somit auch Permafrost und Gletscher beeinflusste Einzugsgebiete zu modellieren. Dies ist eine wesentliche Grundlage für Prognosen in Bezug auf Klimawandel bedingte Änderung der Permafrostgrenze in alpinen Einzugsgebieten, bedarf aber noch weiterführenden Untersuchungen. Generell zeigen die Ergebnisse, dass Blockgletscher (reliktische und intakte) als seichte Aquifere und deren Funktion als Speicher/Puffer eine hohe wasserwirtschaftliche Relevanz haben. Angesichts des Klimawandels und der touristischen Nutzung alpiner Regionen wird ihre Bedeutung noch bekräftigt, wie z. B. hinsichtlich der Trinkwasserversorgung für Hütten oder der Beschneiungsanlagen, die durch Blockgletscherquellen gespeiste Speicherteiche ihr Wasser beziehen. Weiterführende Untersuchungen in Bezug auf das Abflussverhalten im größeren regionalen Maßstab und auf die Auswirkungen des Klimawandels auf Blockgletscher (Abschmelzprozess des Permafrosteises und damit Wandel von intakt zu reliktischen Blockgletschern) sind konsequent anzustreben. Ein weiterführendes Monitoring relevanter Quellen und deren übergeordneter Einzugsgebiete ist hierfür essentiell um lokal und folglich auch regional diese Grundwasserkörper besser und nachhaltig bewirtschaften zu können