ReProtein: Regionale Proteinquellen im Kreislaufsystem für neue Wege in der Fischfütterung
Projektleitung
Gottfried Pichler
Forschungseinrichtung
Waldland Holding GmbH
Projektnummer
102281Projektlaufzeit
-
Finanzierungspartner
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft
Allgemeine Projektinformationen
Abstract (deutsch)
Das Forschungsprojekt LeTe-Protein hat bereits gezeigt, wie hochwertige regionale Proteinquellen aus Reststoffen gewonnen werden können. In Fütterungsversuchen mit Bachsaiblingen gab es keine Unterschiede in Akzeptanz und Wachstum zwischen Versuchsfutter und herkömmlichem Fischfutter. Das Projekt ReProtein verfolgt einen ressourcenschonenden Ansatz und nutzt die bereits evaluierten pflanzlichen Nebenrohstoffe zur Gewinnung nachhaltiger Proteinquellen aus Mehlkäferlarven und Wasserlinsen für die Fischfütterung.
Ziel ist es, den regionalen Fischproduktionskreislauf zu stärken und die Resilienz der heimischen Futtermittelversorgung zu erhöhen.
Erste Versuche mit Futtermischungen aus Mehlkäferlarven und Wasserlinsen zeigten vielversprechende Ergebnisse. Bei Bachsaiblingen führte die Wasserlinsen-Futtermischung zu einer Grünfärbung. Langzeitversuche bei WALDLAND Edelwelsen sollen die Eignung dieser Mischungen weiter untersuchen. Zudem wird die Effizienz der Proteingewinnung aus Wasserlinsen, sowie die Schwermetall-Akkumulation erforscht.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Proteingewinnung aus Mehlkäferlarven, die sich durch ihre vorteilhafte Fettsäurezusammensetzung für die Fischfütterung eignen. Die Fütterung mit Öllein erhöht den Omega-3-Gehalt in den Larven. Langzeitversuche sollen die Effektivität dieser Futtermischungen bei WALDLAND Edelwelsen prüfen.
Das Projekt untersucht nachhaltige regionale Alternativen, um Fischmehl im Futter zu reduzieren. Die Produktion von Wasserlinsen und Mehlkäferlarven in einem Kreislaufsystem bietet großes Potenzial für hochwertige Proteine aus regionalen Rohstoffen. Diese Ansätze sollen die regionale Wertschöpfung stärken und internationale Abhängigkeiten reduzieren.
Ein wesentlicher ökologischer Vorteil ist die hohe CO2-Einsparung durch kurze Transportwege und die Nutzung regionaler Nebenrohstoffe. Das Projekt dient als Modell für zirkuläre Wirtschaft und zeigt, wie Nachhaltigkeit, Innovation und wirtschaftliche Regionalentwicklung verbunden werden können.
Schlagwörter (deutsch)
regionale Wertschöpfung und Produktion, nachhaltige Produktionskette, alternative Proteinquellen, Insektenaufzucht aus Nebenrohstoffen, Kultivierungsversuche zur Wasserlinse aus Fischrestwasser, Herstellung von regionalem Fischfutter, Kreislaufproduktion; Ressourcenschonung und -effizienz
Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)
Titel (englisch)
ReProtein - Regional Protein Sources in a Circular System for New Approaches in Fish Feeding
Abstract (englisch)
The research project LeTe-Protein has already demonstrated how high-quality regional protein sources can be obtained from residual materials. Feeding trials with brook trout showed no differences in acceptance or growth between the experimental feed and conventional fish feed. Building on these findings, the ReProtein project pursues a resource-efficient approach by using previously evaluated plant-based by-products to generate sustainable protein sources from mealworm larvae and duckweed for aquaculture.
The project's main objective is to strengthen the regional fish production cycle and enhance the resilience of local feed supply chains.
Initial feeding trials with mixtures of mealworm larvae and duckweed yielded promising results. For brook trout, the duckweed-based feed led to a noticeable green coloration. Long-term trials with WALDLAND African catfish aim to further evaluate the suitability of these feed mixtures. In parallel, the efficiency of protein extraction from duckweed and its potential for heavy metal accumulation are being investigated.
Another focus is on protein usage from mealworm larvae, which are considered suitable for fish nutrition due to their favourable fatty acid profile. Feeding the larvae with linseed increases their omega-3 content. Long-term trials will assess the effectiveness of these feed mixtures with WALDLAND African catfish.
The project explores sustainable, regional alternatives to fishmeal in aquafeeds. The integrated production of duckweed and mealworm larvae within a circular system holds significant potential for generating high-value proteins from regional raw materials. These innovative approaches aim to strengthen local value chains and reduce international dependencies.
A key ecological benefit lies in the substantial CO₂ savings achieved through short transport routes and the utilization of regional by-products. The project serves as a model for circular economy in aquaculture, demonstrating how sustainability, innovation, and regional economic development can be effectively combined.
Schlagwörter (englisch)
regional value creation and production, sustainable production chain, alternative protein sources, insect rearing on secondary raw materials, cultivation trials of duckweed using fish residual water, production of regionally sourced fish feed, circular production, resource conservation and efficiency
Projektziele
Das innovative Forschungsprojekt LeTe-Protein (DaFNE Projekt 101750, Laufzeit 2022-2025) zeigte, wie regionale hochwertige Proteinquellen aus Reststoffen erzeugt werden können und brachte neue wissenschaftliche Forschungsfragen hervor. Außerdem konnte in einem Fütterungsversuch mit Bachsaiblingen gezeigt werden, dass es in der Akzeptanz und im Wachstum der Fische keine Unterschiede zwischen dem Versuchsfutter und herkömmlichem Fischfutter gab. Im Einklang mit den Zielen des BMLRT für Kreislaufwirtschaft verfolgte das Projekt einen systemischen Ansatz der Ressourcenschonung. Im Fokus stand die Nutzung pflanzlicher Nebenrohstoffe zur Gewinnung nachhaltiger Proteinquellen aus Mehlkäferlarven und Wasserlinsen für die Fischfütterung. Ziel war es den Kreislauf der regionalen Fischmast zu stärken und die Resilienz der heimischen Futtermittelversorgung zu steigern.
Erste Futterakzeptanzversuche zeigten vielversprechende Ergebnisse mit den entwickelten Futtermischungen aus Mehlkäferlarven und Wasserlinsen. Neben der sehr guten Akzeptanz und dem sehr guten Wachstum der Fische zeigte sich bei den Futtermischungen mit Wasserlinsenanteil bei den Bachsaiblingen eine äußerliche Grünfärbung. Diese Entdeckung, hauptsächlich aber auch die Eignung von neuen Futtermischungen (verschiedene Mischverhältnisse und Substitutionsanteile von konventionellem Fischfutter) sollen in Langzeit-Fütterungsversuchen bei einer weiteren Fischart, den WALDLAND Edelwelsen (Clarias gariepinus), untersucht werden. Zugleich soll die Kultivierung der Proteinquelle Wasserlinse im Kreislaufsystem weiter untersucht werden, mit besonderem Fokus auf die mögliche Akkumulation von Schwermetallen. Zur Lösung dieser Herausforderungen sind bereits Forschungsansätze vorhanden.
Ein weiterer Fokus gilt der Produktion alternativer Proteinquellen aus Mehlkäferlarven. Diese eignen sich besonders aufgrund ihrer vorteilhaften Fettsäurezusammensetzung für die Fischfütterung (Huang et. al, 2025). Besonders bemerkenswert ist die Steigerung des Omega-3-Fettsäuregehalts in Mehlkäferlarven durch die Fütterung mit Öllein und Ölleinfiltertrub, einem Nebenrohstoff der Leinölherstellung. Diese neue Erkenntnis ist wegweisend zur vertiefenden Erforschung der Replizierbarkeit. Die Effektivität der Fischmast eines ressourcenschonenden Fischfutters, substituiert aus dem höchstmöglichen Mehlkäferlarven-Anteil, soll ebenfalls in Langzeit-Fütterungsversuchen bei WALDLAND Edelwelsen untersucht werden.
Die Erzeuger tierischer Produkte stehen vor großen Herausforderungen. Die Frage nach der Herkunft, der Produktionsweise dieser Produkte und der Futtermittel beschäftigt die Konsumentinnen und Konsumenten zunehmend.
Ein wichtige Rohproteinquelle von Fischfutter ist Fischmehl. 75% des weltweit produzierten Fischmehls wird in der Fischfütterung verwendet. Obwohl Fischmehl eine hochwertige Proteinquelle ist, soll sein Einsatz aus ökologischen und ökonomischen Gründen reduziert werden (FAO, 2024). In diesem Projekt soll die Möglichkeit einer nachhaltigen, regionalen Alternative für Fischmehl in Fischfutter erforscht werden.
Die Futtermittelerzeugung aus Rohstoffen von geschlossen Kreislaufsystemen stellt ein noch unerforschtes Zukunftspotential dar. Die Produktion der Wasserlinse (Lemna minor) und der Mehlkäferlarven (Tenebrio molitor) in einem Produktionskreislauf versprechen enormes Potenzial zur Bereitstellung hochwertiger Proteinquellen für die tierische Ernährung aus regionalen Rohstoffen. Diese beiden Spezies bieten die Möglichkeit, Restwasser aus Fisch-Kreislaufanlagen bzw. pflanzliche Nebenerzeugnisse aus der lokalen landwirtschaftlichen Primärproduktion als wertvolle Rohstoffe wieder zurück in den Kreislauf der tierischen Ernährung zu bringen.
Angesichts eines aktuellen Selbstversorgungsgrads bei Fisch von rund 8% in Österreich (Statistik Austria, 2025) begründet sich ein großer Bedarf in der Produktionssteigerung von heimischem Speisefisch, sowie für Fischfutter mit hohem regionalem Anteil. Regional erzeugte Proteinquellen, wie getrocknete Wasserlinsen in Kombination mit Mehlkäferlarvenmehl stellen eine sehr gute Ausgangslage für ein bedarfsgerechtes und effizientes Futtermittel für die österreichische Fischhaltung dar. Im Projekt wird der regional erzeugte afrikanische Raubwels als Modellfisch herangezogen.
Darüber hinaus stellt das Forschungsvorhaben ein praxisnahes Beispiel für zirkuläre Wirtschaft (Circular Economy) dar und dient als Modellprojekt für andere Betriebe, wie innovative nachhaltige, ressourcenschonende Produktionsprozesse erfolgreich umgesetzt werden können.
Im Mittelpunkt steht die Erforschung und Nutzung völlig neuer Rohproteinquellen (Mehlkäferlarven und Wasserlinsen) zur regionalen Futtermittelproduktion für die Fischzucht. Durch diese innovativen Ansätze werden herkömmliche, vorwiegend importierte Eiweißträger substituiert und lokale Stoffkreisläufe geschlossen. Im Kontext des weltweit steigenden Bedarfs an Fisch bietet das Forschungsprojekt ein zukunftsweisendes Beispiel dafür, wie regionale Produktion die Wertschöpfung vor Ort stärkt und gleichzeitig internationale Abhängigkeiten reduziert werden können.
Ein wesentlicher ökologischer Vorteil ergibt sich aus der hohen CO2-Einsparung, die durch den Verzicht auf lange Transportwege und den Einsatz von Nebenrohstoffen der regionalen Landwirtschaft erzielt wird. Die klimafreundliche Gewinnung von Proteinquellen im Kreislaufverfahren leistet somit einen nachweislich positiven Beitrag zum Umweltschutz und zur Dekarbonisierung der Ernährungssysteme.
Das Forschungsvorhaben veranschaulicht, wie Nachhaltigkeit, Innovation und wirtschaftliche Regionalentwicklung wirkungsvoll miteinander verbunden werden können, mit einem hohen Modellcharakter für andere Branchen und Regionen.
Durch die Nutzung alternativer, regional erzeugbarer Proteinressourcen (Insekten, Wasserpflanzen) sollen klassische Futtermittel teilweise ersetzt, sowie biologische Kreisläufe gestärkt und die Resilienz der heimischen Futtermittel- und Lebensmittelversorgung erhöht werden.
Zusammengefasst werden folgende neue wissenschaftliche Erkenntnisse erarbeitet:
Weiterentwicklung eines regionalen Kreislaufsystems zur Futtermittelproduktion
Entwicklung und Implementierung eines geschlossenen Produktionskreislaufs zur Erzeugung von Fischfutter aus Mehlkäferlarven (Tenebrio molitor) und Wasserlinsen (Lemna minor) unter Nutzung regionaler Reststoffe (z. B. Öllein-Nebenerzeugnisse, Restwasser aus Aquakultur).
Durchführung praxisnaher Langzeit-Fütterungsversuche
Testung der entwickelten Futtermischungen mit unterschiedlichen Substitutionsanteilen bei WALDLAND Edelwelsen (Clarias gariepinus) hinsichtlich Futterakzeptanz, Wachstum, Gesundheit und qualitativer Veränderungen (z. B. Grünfärbung durch Wasserlinsen).
Optimierung der Nährstoffzusammensetzung durch gezielte Auswahl von Futtermittelquellen für die Insektenfütterung
Erprobung von Fütterungsstrategien zur Steigerung des Omega-3-Fettsäruegehalts in Mehlkäferlarven durch Einsatz regionaler Nebenprodukte wie Öllein und Ölleinfiltertrub.
Bewertung rechtlicher und gesundheitlicher Aspekte
Untersuchung der Schwermetall-Akkumulation in Wasserlinsen in Abhängigkeit der Erntemenge und Erntehäufigkeit.
Modellhafte Demonstration zirkulärer Wirtschaft in der Fischzucht
Dokumentation und Dissemination der Projektergebnisse als übertragbares Modell für andere landwirtschaftliche Betriebe und Aquakulturen zur Förderung nachhaltiger, regionaler Futtermittelproduktion.
Praxisrelevanz
Das Potential der Kreislaufproduktion von Proteinquellen für die Lebensmittelproduktion ist enorm und zugleich ein Beispiel, sowohl für eine ressourceneffiziente, nachhaltige Versorgungskette für Lebensmittel, als auch die regionale Wertschöpfung. Zugleich werden Maßnahmen zur Umsetzung der Österreichischen Eiweißstrategie adressiert.
Die Ausweitung dieses Versorgungskonzeptes auf Österreich für Aquakultur-Kreislaufanlagen oder die generelle Proteingewinnung ist ein nachhaltiges Konzept für Menschen und die Umwelt.
Der Anspruch des Projektes liegt auf der Verwertung von Nebenrohstoffen für die Proteingewinnung. In der WALDLAND Aquakultur-Kreislaufanlage fällt jährlich 5.000 m3 Fischrestwasser an. Bei der Kräuter- und Körnerveredelung entstehen jährlich 4.000 m3
Kräuterreste und 370 Tonnen Körnerabfall, die bisher als Futtermittel verwendet oder kompostiert wurden. Diese hochwertigen Rohstoffe stehen für die Aufwertung in diesem Forschungsprojekt zur Verfügung.
Auf Basis der erzeugten nachhaltigen Proteinquellen soll in diesem Forschungsvorhaben ein bedarfs- und fischgerechtes Alleinfuttermittel entwickelt werden. Die Akzeptanz und quantitative Einsatzmöglichkeiten sollen in diesem Projekt in Langzeit-Fütterungsversuchen empirisch erforscht werden, um den Futterbedarf der bestehenden Fischproduktion zukünftig zum überwiegenden Teil aus regionalen Rohstoffen und Proteinquellen zu decken.
Die Produktion von Proteinquellen zur Erzeugung von hochwertigem Fischfutter ist langfristiges Ziel und ein Forschungsschwerpunkt von WALDLAND. Die Ergebnisse des abgeschlossenen Forschungsprojektes LeTe-Protein im Bereich der Insektenzucht und der Kultivierung der Wasserlinse bestätigen großes Potenzial für die Region und die Umwelt. Mit der Erprobung der ressourceneffizienten Futtermittelgewinnung im Kreislaufsystem, aus nachhaltigen Proteinquellen für die Fischmast in der Aquakultur, soll aufzeigt werden, wie Teile des Nährstoffkreislaufs geschlossen werden können. Das Forschungsvorhaben setzt somit auch Maßnahmen für einen verbesserten ressourcenschonenden Einsatz bei Futtermitteln aus dem Abschlussbericht Österreichische Eiweißstrategie um.
Neben den Projektpartnern besteht besondere Umsetzungsrelevanz bei nachfolgenden Gruppen:
Aquakultur-Betriebe: Diese Betriebe profitieren direkt von der Entwicklung nachhaltiger, regionaler Futtermittel. Durch die mögliche Ausweitung auf kleinere Verarbeiter, können diese ihre Produktionskosten senken und die Umweltbelastung reduzieren.
Landwirtschaftliche Betriebe: Durch die Verwertung von Nebenrohstoffen wie Kräuterresten und Körnerabfällen entsteht ein neuer Wertschöpfungszweig. Ernteverluste werden verringert und somit ökologische und ökonomische Vorteile geboten.
Futtermittelhersteller: Futtermittel für die Aquakultur stellen hierzulande üblicherweise ein Nischenprodukt in der Futtermittelherstellung dar. Das Projekt bietet Innovationspotenzial für die Entwicklung ressourcenschonender Futtermittel aus alternativen Proteinquellen, wie Insekten und Wasserlinsen auf regionaler Ebene für Klein- und Kleinstverarbeiter.
Politik: Das Vorhaben setzt konkrete Maßnahmen der Österreichischen Eiweißstrategie um und unterstützt nationale Ziele zur Ressourceneffizienz und Ernährungssicherheit. Die regionale Verwertung von Reststoffen stärkt zudem lokale Wirtschaftskreisläufe und fördert nachhaltige Standortentwicklung.