REGRASS 3: Re-Etablierung von Graslandstreifen zur Förderung von Biodiversität und Ökosystemleistungen im Agrarland

Projektleitung

Wilhelm Graiss

Forschungseinrichtung

Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein

Projektnummer

102300

Projektlaufzeit

-

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft

Allgemeine Projektinformationen

Abstract (deutsch)

Die Förderung der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft stellt eine zentrale Herausforderung aktueller Agrar- und Umweltpolitik dar. Insbesondere artenreiche Wiesen und Biodiversitätsflächen gelten als wesentliche Elemente ökologischer Ausgleichsmaßnahmen. Das gegenständliche Projekt ist als Langzeitstudie konzipiert und baut inhaltlich sowie methodisch auf zwei vorangegangenen Forschungsprojekten auf, in denen artenreiche Biodiversitätsflächen im Jahr 2016 angelegt und dokumentiert wurden. Die geplanten Untersuchungen erfolgen in enger Kooperation mit der Universität für Bodenkultur Wien, Department für Integrative Biologie und Biodiversitätsforschung, Institut für Zoologie sowie der Universität Wien, Department of Botany and Biodiversity Research. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht eine Bewertung sowohl botanischer als auch entomologischer Aspekte der Biodiversitätsentwicklung.

Ziel des Projekts ist es, die bestehenden Flächen nach rund zehn Jahren Entwicklungszeit erneut zu untersuchen und damit belastbare Aussagen zur langfristigen Wirkung unterschiedlicher Pflege- und Bewirtschaftungsformen zu ermöglichen.

Um den Zustand und die Entwicklung der Pflanzengemeinschaft zu dokumentieren, werden in allen Untersuchungsparzellen Vegetationserhebungen in definierten 5 x4 m großen Flächen durchgeführt. Zusätzlich werden in den neu angelegten Wiesen zu jedem Schnitttermin (Juni und September) Biomasseproben entnommen und auf ihren Futterwert untersucht, um praktische Empfehlungen für eine sinnvolle Nutzung geben zu können. Zu Ende des Projekts wird eine abschließende Analyse der Vegetationsdaten im Vergleich zu den ersten beiden Projektphasen durchgeführt, die zur Konzeption von Saatgutmischungen führen wird. Auf alle Parzellen werden Ertrags- und Qualitätsparameter untersucht, um mögliche Verwendungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Die Ziele des Projekts sind: (A) Dokumentation der Unterschiede zwischen gemähten (Mahd und Abfuhr) und gemulchten-Biodiversitätsflächen. (B) Formulierung abgeleiteter Empfehlungen für die Gestaltung ökologischer Ausgleichsflächen hinsichtlich Pflanzenzusammensetzung und Alter. (C) Empfehlungen zur Verwertung der anfallenden Biomasse. (D) Empfehlungen zur Mischungszusammensetzung, Ansaat und Pflege neu angelegter artenreicher Wiesen auf Ackerflächen für künftige ÖPUL-Programme.

Schlagwörter (deutsch)

diversity, predators and pollinators, Species richness

Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)

Titel (englisch)

Re-establishment of grassland strips to promote biodiversity and ecosystem services in croplands

Abstract (englisch)

Promoting biodiversity in agricultural landscapes is a key challenge for current agricultural and environmental policy. Species-rich meadows and biodiversity areas in particular are considered essential elements of ecological compensation measures. This project is designed as a long-term study and builds on two previous research projects in terms of content and methodology, in which species-rich biodiversity areas were created and documented in 2016. The planned investigations will be carried out in close cooperation with the University of Natural Resources and Life Sciences, Vienna, Department of Integrative Biology and Biodiversity Research, Institute of Zoology, and the University of Vienna, Department of Botany and Biodiversity Research. This interdisciplinary collaboration will enable an assessment of both botanical and entomological aspects of biodiversity development.

The aim of the project is to re-examine the existing areas after around ten years of development, thereby enabling reliable conclusions to be drawn about the long-term effects of different forms of maintenance and management. In order to document the condition and development of the plant community, vegetation surveys are carried out in all study plots in defined 5 x 4 m areas. In addition, biomass samples are taken from the newly created meadows at each cutting date (June and September) and examined for their feed value in order to provide practical recommendations for sensible use. At the end of the project, a final analysis of the vegetation data will be carried out in comparison with the first two project phases, which will lead to the design of seed mixtures. Yield and quality parameters will be examined on all plots in order to identify possible uses.

The objectives of the project are: (A) Documentation of the differences between mowed (mowing and removal) and mulched biodiversity areas. (B) Formulation of derived recommendations for the design of ecological compensation areas in terms of plant composition and age. (C) Recommendations for the utilisation of the biomass produced. (D) Recommendations on mixture composition, sowing and maintenance of newly created species-rich meadows on arable land for future ÖPUL programmes.

Schlagwörter (englisch)

Species richness, diversity, predators and pollinators

Projektziele

Die Förderung der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft stellt eine zentrale Herausforderung aktueller Agrar- und Umweltpolitik dar. Insbesondere artenreiche Wiesen und Biodiversitätsflächen gelten als wesentliche Elemente ökologischer Ausgleichsmaßnahmen, deren Wirksamkeit jedoch maßgeblich von Anlage, Pflege und Entwicklungsdauer abhängt. Trotz zahlreicher Initiativen und Förderprogramme, wie etwa im Rahmen des Österreichischen Programms für umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL), bestehen nach wie vor erhebliche Wissenslücken hinsichtlich der langfristigen Entwicklung, Stabilität und ökologischen Funktionalität dieser Flächen.

Das gegenständliche Projekt ist als Langzeitstudie konzipiert und baut inhaltlich sowie methodisch auf zwei vorangegangenen Forschungsprojekten auf. Ziel des Projekts ist es, die bestehenden Flächen nach rund zehn Jahren Entwicklungszeit erneut zu untersuchen und damit belastbare Aussagen zur langfristigen Wirkung unterschiedlicher Pflege- und Bewirtschaftungsformen zu ermöglichen. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Vergleich gemähter (Mahd mit Abfuhr) und gemulchter Biodiversitätsflächen, da sich bereits im Vorprojekt deutliche Unterschiede in der Artenzusammensetzung und Struktur – insbesondere eine zunehmende Dominanz von Gräsern bei gemulchten Flächen – abgezeichnet haben. Durch ergänzende botanische Erhebungen sollen diese Entwicklungen systematisch dokumentiert und bewertet werden.

Darauf aufbauend sollen praxisrelevante Empfehlungen zur Gestaltung, Pflege und Weiterentwicklung ökologischer Ausgleichsflächen abgeleitet werden. Neben der Bewertung der Effektivität solcher Flächen für Pflanzen- und Insektenvielfalt soll insbesondere deren Funktion als Sekundär-, Futter- und Lebensraum für anspruchsvollere Insektengruppen untersucht werden. Ziel ist es, einen fundierten Maßnahmenmix aus kurz- und langfristigen Strategien zur nachhaltigen Förderung der Biodiversität in der Agrarlandschaft zu entwickeln.

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Verwertung der anfallenden Biomasse. Da die Abfuhr des Schnittmaterials eine zentrale Voraussetzung für den Erhalt artenreicher, kräuterbetonter Bestände darstellt, sollen auf Basis der erhobenen Daten Empfehlungen zu Mengen, Futterwert, Aschegehalt sowie alternativen Nutzungsmöglichkeiten der Biomasse erarbeitet werden.

Schließlich adressiert das Projekt die weiterhin bestehenden Herausforderungen bei der Neuanlage artenreicher Wiesen auf nährstoffreichen Ackerböden. Aufbauend auf bisherigen Erfahrungen werden langfristige Entwicklungen analysiert, um Empfehlungen zur Saatgutzusammensetzung, Anlage und Pflege solcher Flächen abzuleiten. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, konkurrenzschwächere Arten langfristig zu sichern und Zielzustände artenreicher, extensiv bewirtschafteter Wiesen – vergleichbar mit traditionellen Wienerwaldwiesen – auch auf ehemaligen Ackerstandorten zu erreichen.

Durch den Langzeitansatz, die interdisziplinäre Kooperation und den starken Praxisbezug leistet das Projekt einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung evidenzbasierter Biodiversitätsmaßnahmen in der österreichischen Agrarlandschaft.

Praxisrelevanz

Vorliegendes Projekt wird Erkenntnisse darüber liefern, welche Auswirkungen neu angelegte Wiesen auf die Biodiversität von Arthropoden und die Ökosystemleistungen haben. Dies muss im Zusammenhang mit dem zunehmenden Verlust von extensiven Wiesen und dem rapiden Insektensterben gesehen werden. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, ist die Etablierung von mehrjährigen bis ausdauernden extensiven Wiesen von großer Bedeutung. Da die Schaffung von großflächigen extensiven Wiesen aufgrund agrarischer Vorgaben meist nicht möglich ist, sollten zumindest streifenförmige neu etablierte Wiesenflächen zur Förderung der Biodiversität angelegt werden. Wenn nur wenig Fläche zur Verfügung steht, sollte diese effizient genutzt werden. Die Ergebnisse aus den Projekten REGRASS 1 und 2 haben gezeigt, dass die mittelfristige Biodiversitätsförderung gelungen ist. In REGRASS 3 ist es wichtig nachzuweisen, ob die bisherigen positiven Entwicklungen bis ins 10te Jahr nach Ansaat der neuen Wiesen anhalten. Sollte dem so sein, wären unsere neu angelegten Wiesen ein vielversprechender Vegetationstyp für künftige ÖPUL-Programme. Nachdem die Agrarumweltprogramme der verschiedenen europäischen Länder hinsichtlich der Förderung und Erhaltung der Biodiversität unterschiedlich wirksam sind, können wir vielleicht dazu beitragen, die ÖPUL-Maßnahmen in Österreich in naher Zukunft für die Förderung der Biodiversität sowie der Ökosystemleistungen natürliche Schädlingskontrolle und Bestäubung etwas effizienter zu gestalten.