PVAWolf: Analytische Grundlagen für das Wolfsmanagement in Österreich – Populationsgefährdungsanalysen (PVAWolf)
Projektleitung
Jennifer Hatlauf
Forschungseinrichtung
Universität für Bodenkultur Wien
Projektnummer
102314Projektlaufzeit
-
Finanzierungspartner
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft| Amt der Kärntner Landesregierung| Amt der Niederösterreichischen Landesregierung| Amt der Oberösterreichischen Landesregierung| Amt der Salzburger Landesregierung| Amt der Steiermärkischen Landesregierung| Amt der Tiroler Landesregierung| Amt der Vorarlberger Landesregierung| Amt der Wiener Landesregierung| Amt der Burgenländischen Landesregierung
Allgemeine Projektinformationen
Abstract (deutsch)
Der Wolf (Canis lupus) breitet sich seit einigen Jahren wieder zunehmend nach Österreich aus. Daraus ergeben sich neue Anforderungen an Monitoring, Management, grenzüberschreitende Abstimmung und EU-rechtskonforme Berichtspflichten. Das Projekt PVAWolf entwickelt und prüft eine methodische Bewertungsgrundlage zur Bestimmung des günstigen Erhaltungszustands (FCS) des Wolfs in Österreich, angelehnt an Linnell & Boitani (2025) und in Abstimmung mit relevanten nationalen und internationalen Akteur*innen. Aufbauend auf den Modellen des DaFNE-Projekts LeKoWolf und unter Einbeziehung der Korridoranalysen aus WildCon werden zentrale Datengrundlagen für ein langfristig belastbares Wolfsmonitoring identifiziert, strukturiert und hinsichtlich ihrer Modellierbarkeit bewertet. PVAWolf berechnet keine rechtsverbindliche Endfestlegung des FCS, sondern liefert eine transparente, szenarienbasierte Entscheidungs- und Bewertungsgrundlage für FCS-relevante Größen, die ökologische Tragfähigkeit und Managementoptionen. Kernstück ist die Ableitung der ökologischen Tragfähigkeit (carrying capacity, CC) und die Anwendung szenarienbasierter Populationsgefährdungsanalysen (population viability analyses, PVA) und daraus resultierender kleinsten überlebensfähigen Population (minimum viable population, MVP) für Österreich. Dabei werden demografische und genetische Faktoren sowie Unsicherheiten hinsichtlich der Datenverfügbarkeit explizit berücksichtigt. Ein integrierter Datenmanagement- und Risikoplan sowie ein konkreter 16-Monats-Zeitplan mit Meilensteinen und Zwischenergebnissen werden veranschaulicht. Die Ergebnisse liefern Grundlagen für nationales und grenzüberschreitendes Wolfsmanagement, für FFH-relevante Berichte und für die Weiterentwicklung eines konfliktarmen adaptiven Managementrahmens für Österreich.
Schlagwörter (deutsch)
MVP, FCS, Populationsgefährdungsanalysen, Wolf
Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)
Titel (englisch)
Analytical foundations for wolf management in Austria – population viability analyses (PVAWolf)
Abstract (englisch)
The grey wolf (Canis lupus) has been increasingly recolonizing Austria, creating new requirements for monitoring, management, transboundary coordination and EU-compliant reporting. The PVAWolf project develops and tests an assessment methodology for evaluating the wolf's favourable conservation status (FCS) in Austria, following the approach proposed by Linnell & Boitani (2025) and in consultation with relevant national and international stakeholders. Building on the DaFNE LeKoWolf models and potentially incorporating connectivity information from WildCon, the project identifies and structures the monitoring data required for long-term population assessment and model-based projections. PVAWolf will not itself define a legally binding FCS, but will provide transparent, scenario-based evidence for MVP, FCS-relevant quantities, ecological carrying capacity and FCS-related management options. The core component is the derivation of ecological carrying capacity and the application of scenario-based population viability analyses to estimate a first minimum viable population for Austria, integrating demographic, genetic parameters, as well as data uncertainty. The revised project includes a risk plan and a detailed 16-month work plan with milestones and intermediate outputs. The project delivers evidence-based outputs to support national and transboundary wolf management, Habitats Directive reporting, and the development of a conflict-sensitive and adaptive management framework for Austria.
Schlagwörter (englisch)
MVP, FCS, population viability analysis
Projektziele
Projektziele, Zielabgrenzung und erwartete Ergebnisse
Gesamtziel
PVAWolf schafft analytische Grundlagen für ein wissenschaftlich fundiertes, EU-rechtskonformes Wolfsmanagement in Österreich. Im Zentrum stehen die Ermittlung von Mindestanforderungen an einfließende Variablen, die Ableitung ökologischer Tragfähigkeit, szenarienbasierte PVAs, die Übersetzung der Ergebnisse in adaptive Managementszenarien sowie die Darstellung der Bandbreite an Berechnungsoptionen des FCS. Der Antrag wird bewusst von einer endgültigen, rechtsverbindlichen Festlegung des günstigen Erhaltungszustands abgegrenzt, da dies einen partizipativen Prozess der Interessengruppen erfordern würde, doch es werden Berechnungsmethoden (Linnell und Boitani, 2025) geprüft und deren Ergebnisse dargestellt. Projektgegenstand sind Grundlagen, Szenarien, Unsicherheitsbereiche und Entscheidungspfade, die Behörden, Fachinstitutionen und Politik für eine künftige FCS-Bewertung sowie die Entwicklung von adaptiven Managementplänen nutzen können.
Teilziele
- Systematische Darstellung der vorhandenen und benötigten Daten für PVA- und FCS-Berechnungen, einschließlich der Datenlücken und der optionalen zusätzlichen Erhebungen für zukünftiges Monitoring (in Hinblick auf PVAs).
- Berechnung einer ersten PVA bzw. PVA-Szenarien für Österreich auf Basis verfügbarer demografischer und genetischer Daten.
- Erarbeitung einer Zusammenfassung und Interpretation der Entscheidungspfade, Datenanforderungen, Modellannahmen, Szenarien sowie der Empfehlungen zur Weiterentwicklung eines FCS-konformen adaptiven Managementrahmens.
Ausgangslage, Relevanz und Einbettung in bestehende Arbeiten
Die Rückkehr des Wolfs nach Österreich ist naturschutzfachlich relevant und zugleich gesellschaftlich konfliktbehaftet. Managemententscheidungen stehen unter dem Anspruch, ökologische Tragfähigkeit, genetische Vernetzung, EU-rechtliche Berichtspflichten, Nutztierschutz, Landwirtschaft, Jagd, Naturschutz und gesellschaftliche Akzeptanz miteinander in Beziehung zu setzen. Die FFH-Richtlinie verlangt die Bewertung des Erhaltungszustands und entsprechende Berichterstattung; hierfür fehlen in Österreich bislang belastbare, transparent hergeleitete und wiederholbare PVA-basierte Kennwerte für den Wolf. PVAWolf beginnt nicht isoliert, sondern nutzt vorhandene Arbeiten als Ausgangspunkt (Hatlauf et al. 2024; Hatlauf et al. 2025; Kramer-Schadt et al. 2024). Berücksichtigt werden insbesondere: bestehende Monitoringdaten der Bundesländer, genetische Daten und Genotypisierungen über die zuständige Fachinstitution (Anfrage an Österreichzentrum Bär Wolf Luchs), Ergebnisse aus LeKoWolf zu Habitat- und Konfliktpotenzialen, Korridor- und Vernetzungsinformationen aus WildCon (zur Analyse aus welchen Nachbarländern die Bestände in Österreich auch in Zukunft weiter gestützt werden), nationale und internationale Vorarbeiten zur FFH-Berichterstattung sowie aktuelle methodische Arbeiten zu PVA, effektiver Populationsgröße (Ne) und FCS. Bestehende Standards werden nicht ersetzt, sondern hinsichtlich ihrer Eignung für PVAs und Berechnungen des FCS geprüft, harmonisiert und in Übersichtslisten zusammengefasst. Die Neuheit des Vorhabens liegt in der systematischen Verknüpfung von Habitatmodellen (bzw. der daraus abzuleitenden ökologischen Tragfähigkeit), demografisch-genetischen PVAs und einem praktisch nutzbaren Daten- und Entscheidungsrahmen für Österreich.
Praxisrelevanz
Praxisrelevanz, Verwertung und Kommunikation
PVAWolf liefert eine methodische Grundlage für die Analyse von PVA- und FCS-Bewertungsgrößen für große Beutegreifer in Österreich. Die Ergebnisse können die FFH-Berichterstattung, die nationale Entwicklung von adaptiven Managementplänen, die grenzüberschreitende Abstimmung und die transparente Kommunikation von Unsicherheiten unterstützen. Die Kommunikation wird als eigener Baustein gestärkt: Neben dem wissenschaftlichen Endbericht werden Tagungsbeiträge, eine verständliche Kurzfassung, eine Abschlusspräsentation und ein populärwissenschaftlicher Artikel vorgesehen. Ziel ist, Modellannahmen, Unsicherheiten und Managementfolgen nachvollziehbar zu vermitteln und Fehlinterpretationen zu vermeiden.