Projekt-857

Allgemeine Projektinformationen

Titel (deutsch)

Implementierung und Effektivität der agrarischen Umweltprogramme nach VO 2078/92

Projektleitung

Michael GROIER

Forschungseinrichtung

Direktion Bergbauern

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft

Projektnummer

10409

Projektlaufzeit

-

Projektziele

Das internationale Auftragsprojekt der EU-Kommission über die Implementierung und Evaluierung der 2078-Maßnahmen in einzelnen EU-Ländern wurde im Frühjahr 1999 abgeschlossen. Teilgenommen an diesem Projekt hat neben den neun EU-Ländern Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Griechenland, Portugal, Spanien, Schweden, Dänemark und Österreich auch die Schweiz. Ein kurzer Auszug über den Vergleich der Implementierung der einzelnen Umweltprogramme findet sich im Grünen Bericht 1995, S. 47f. Ein ausführlicher Bericht darüber in englisch ist unter dem Titel: Agri-environmental policy in the European Union, herausgegeben von Henry Buller, Geoff A. Wilson und Andreas Höll, Aldershot (UK), Ashgate, erschienen.
Für die Untersuchung wurde im Sommer 1997 eine Fragebogenerhebung in insgesamt 20 Studienregionen durchgeführt. Studienregionen in Österreich waren die Gunstlage Nordburgenland mit den Bezirken Neusiedl/See, Eisenstadt und Mattersburg sowie das Berggebiet Osttirol. Daneben wurden aber auch statistische und Literatur-Analysen durchgeführt. Die Erhebung umfasste insgesamt 1000 landwirtschaftliche Haushalte, davon nahmen 789 an Agrarumweltmaßnahmen teil, die übrigen 211 Nicht-Teilnehmer/innen wurden in der Auswertung mit den Teilnehmer/innen verglichen.
Methodologisch neu war der Ansatz der task by task analysis, d.h. die Teams haben in einer oder mehreren Arbeitsgruppen zu den folgenden Themen zusammengearbeitet:
AG 1: Analyse der Umwelteffekte der VO 2078/92, AG 2: Analyse der Einkommenseffekte der VO 2078/92, AG 3: Analyse des Teilnahme- und Umweltverhaltens der Bäuerinnen und Bauern, AG 4: Analyse der Synergieeffekte der VO 2078/92 mit anderen Politiken, AG 5: Modellsimulation für die Evaluierung der Effektivität der Maßnahmen in der Schweiz, AG 6: Ländervergleich der Agrarumweltprogramme zwischen Österreich und Schweiz. Das österreichische Team hat in den Arbeitsgruppen 3, 4 und 6 mitgearbeitet.

Berichte

Abschlussbericht

Umwelteffekte der Agrarumweltmaßnahmen Der analytische Hauptansatz der Studie war der Vergleich der landwirtschaftlichen Praktiken bei Teilnehmer/innen und Nicht-Teilnehmer/innen an Agrarumweltprogrammen im Zeitraum 1993 bis 1997 (Österreich: 1995 bis 1997). Entsprechend den Zielen der VO 2078/92 war die Reduktion oder Vermeidung von Intensivlandwirtschaft in den meisten Maßnahmen und Schemes klar zu erkennen. In anderen Programmen/Schemes ging es in erster Linie um den Schutz und die Aufrechterhaltung der Kulturlandschaft. Dementsprechend wurde auch zwischen Schutz- und Verbesserungseffekten unterschieden, da auch keine Veränderung (in Richtung Intensivierung) eine positive Wirkung sein kann. Die Veränderungen bewegen sich auf zwei verschiedenen Niveaus: einerseits die Veränderung in der Landnutzung, d.h. zwischen Grünland, Ackerland und Wald und andererseits die Veränderungen im Management, das sind die Veränderungen in der Intensität, zum Beispiel in der Verwendung/Reduktion von Mineraldüngern und Pestiziden. Es wurden 20 Indikatoren entwickelt, die die Effekte der Teilnahme an bestimmten Maßnahmen gemessen haben, um diese mit den Nicht-Teilnehmer/innen zu vergleichen. Insgesamt kann im Vergleich zwischen Teilnehmer/innen und Nicht-Teilnehmer/innen festgestellt werden, dass die verfolgten Zielsetzungen der Maßnahmen im Rahmen der VO 2078/92 - Reduktion des Betriebsmitteleinsatzes und der Viehbestandsdichten in den Intensivgebieten und Aufrechterhaltung der Bewirtschaftung in den Extensivgebieten - durch die berechneten Effekte als gegeben angenommen werden können. Um jedoch die Indikatoren flächendeckend berechnen zu können, ist noch die Erhebung einer Reihe von statistischen Daten erforderlich, beispielsweise einer Düngermittelstatistik. Einkommenseffekte der Agrarumweltmaßnahmen Eine Methode, die Einkommensveränderungen durch die Teilnahme an Agrarumweltprogrammen zu erheben, ist die direkte Befragung. Dies stellte sich jedoch als schwierig heraus, da die meisten Bäuerinnen und Bauern nicht wissen, wieviel sie für die einzelnen Maßnahmen, an denen sie teilnehmen, erhalten. Darüber hinaus sind oft weder sie noch die Wissenschaft in der Lage, die tatsächlichen Einkommenswirkungen (abzüglich der Ertragseinbussen, Kosten zusätzlichen Arbeitsaufwandes etc.) zu berechnen. In Österreich meinten auch viele Bäuerinnen und Bauern, dass es für sie schwierig sei, zwischen Ausgleichszahlungen, Ausgleichszulage, degressiven Ausgleichszahlungen und Fördergeldern für die Teilnahme an ÖPUL zu unterscheiden. Dazu wäre eine obligatorische Buchführung wie beispielsweise in der Schweiz erforderlich. Deshalb wurden für die Analyse auch Buchhaltungsdaten und eine Modellsimulation in der Schweiz verwendet. Im allgemeinen hat sich gezeigt, dass die größeren Betriebe die höheren Prämien beziehen, und zwar sowohl in Ackerbau-, als auch in Grünlandgebieten. Dieses Resultat ist natürlich nicht verwunderlich, da die Prämien nach Hektar resp. GVE bezahlt werden. Für den Durchschnitt beträgt der Anteil der Prämie am landwirtschaftlichen Bruttoeinkommen 12%. Bei kleineren Betrieben ist dieser Anteil aufgrund ihrer geringeren Einkommen höher. Effekte der Teilnahme auf die Umwelteinstellungen der Bäuerinnen und Bauern Die Umwelteinstellungen der Biobäuerinnen und -bauern wurden als Indikator für das Verhältnis zwischen Umwelteinstellung und tatsächlichem Umweltverhalten herangezogen. Die Untersuchung hat gezeigt, dass sich die 123 Biobäuerinnen und -bauern in der Stichprobe in ihren Umwelteinstellungen wie auch in ihrem Umweltverhalten sowohl von den Teilnehmer/innen als auch von den Nicht-Teilnehmer/innen unterscheiden, beides ist erwartungsgemäß stärker ausgeprägt. Insgesamt konnte jedoch festgestellt werden, dass die Teilnahme an einem Umweltprogramm die Sensibilität der Bäuerinnen und Bauern für Umweltbelange steigert. Synergieeffekte Diese Untersuchung hat gezeigt, dass die verschiedenen Politiken im Bereich der Umwelt- und Agrarpolitik noch stärker harmonisiert werden müssen. Es gibt zwar einige positive Synergie-Effekte, aber auch Überschneidungen und teilweise sogar Gegensätzlichkeiten. Die wichtigste Synergie ist mit der EU-Struktur- und Regionalpolitik gegeben, in deren Zusammenhang auch der biologische Landbau erwähnt werden muss. Es wird in Zukunft nicht genügen, den Biolandbau mittels Prämien zu fördern, sondern es müssen beispielsweise auch Vermarktungsmöglichkeiten für diese Qualitätsprodukte, Investitionsförderungen, und Weiterbildungsmöglichkeiten geschaffen werden, um eine integrale ländliche Entwicklung zu unterstützen. Ländervergleich Schweiz - Österreich Es war Wunsch der Kommission, ein Agrarumweltprogramm im Rahmen 2078 mit einem Umweltprogramm des Nicht-EU-Landes Schweiz zu vergleichen. Aufgrund der topografischen Gemeinsamkeiten und der Bedeutung der Bergbauernpolitik wie auch der Politik für den biologischen Landbau wurde der Vergleich mit Österreich vorgeschlagen. Das Schweizer Programm 31b hat eine größere Abstufung zwischen den einzelnen Maßnahmen, bietet ähnlich dem ÖPUL spezielle Maßnahmen für das Berggebiet an, ist aber im Vergleich einfacher organisiert, die Prämien pro Hektar sind höher und die Maßnahmen zur tiergerechten Haltung sind integraler Bestandteil des Programms. Die Teilnahme ist in beiden Programmen sehr hoch, sowohl hinsichtlich der teilnehmenden Betriebe als auch der Flächen, die unter Vertrag stehen. Es ist davon auszugehen, dass in beiden Ländern die Direktzahlungen auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen werden, nicht nur um eine umweltfreundliche Landwirtschaft zu gewährleisten, sondern damit auch weiterhin landwirtschaftliche Einkommen gesichert sind, die gewährleisten, dass sowohl die Kulturlandschaft als auch die Besiedelung von peripheren Gebieten - vor allem in Berggebieten - aufrecht erhalten bleibt.