Projekt-275: Erstellung von geologischen Basisdaten für bodenkundliche Klassifizierungen, Modellierungen und Typisierungen von Schutzwaldstandorten

Projektleitung

Manfred Rockenschaub

Forschungseinrichtung

Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung - Geologische Bundesanstalt

Projektnummer

2112

Projektlaufzeit

-

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft

Allgemeine Projektinformationen

Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)

Projektziele

Die zunehmend intensivere Nutzung besonders sensibler alpine Räume bringt ein erhöhtes Konfliktpotential in sich. Einerseits ist der Schutz von Bevölkerung und Infrastruktur vor Naturkatastrophen zu gewährleisten, andererseits ist ein nachhaltiger und verantwortungsvoller Umgang mit natürlichen Ressourcen zu fordern. Die Abwendung von Naturgefahren, wie z. B. Lawinen, Muren, Überschwemmungen, Massenbewegungen usw. durch intakte Schutzwälder ist ein wesentlicher Bestandteil einer nachhaltigen und harmonischen Nutzung naturräumlicher Ressourcen. Für all diese Vorhaben ist die Kenntnis des geologischen Untergrundes eine entscheidende Vorraussetzung.
Ziel des Projektes ist daher die Erstellung von digitalen geologischen Karten durch Zusammenfassung und Neuinterpretation der vorhandenen geologischen Unterlagen, welche durch Fernerkundungsdaten (Auswertungen von Höhenmodellen, digitalen Orthofotos, und konventionellen Luftbildern) und punktuell durch Informationen aus Geländeerhebungen ergänzt werden. Diese Karten dienen dann u.a. als Basis für die Modellierung von Waldbodentypen im Rahmen des Interreg IIIb- Projekt: nab-Naturpotentiale Alpiner Berggebiete.
Die Erfüllung der Projektziele wird durch folgende Arbeitsschritte garantiert:
Einerseits werden die in den Archiven der GBA vorhandenen geologischen Karten und Daten erhoben, bezüglich ihrer qualitativen Eignung bewertet und redaktionell bearbeitet. Andererseits stellt die geomorphologische Auswertung von digitalen Orthofotos in Kombination mit den entsprechenden digitalen Höhenmodellen einen Schwerpunkt dar. Das Ziel dieser Fernerkundung ist eine präzise Abgrenzung von diversen geologischen Körpern wie z. B. Moränenwällen, Schwemm-, Muren- und Schuttfächern sowie die Erfassung von Massenbewegungen und tektonischen Strukturelementen (z. B. Störungslineamente). Durch Kombination dieser Arbeitsschritte sollen flächendeckende geologische Manuskriptkarten im Maßstab 1:25.000 erstellt werden. Die nachfolgende Digitalisierung der Manuskriptkarten gewährleistet eine zeitgemäße Verfügbarkeit der erarbeiteten Daten sowie deren Verwendbarkeit für automatisierten Modellierungen zu unterschiedlichsten Fragestellungen.
Die geologische Beratung bei der Ableitung der Bodentypen aus den geologischen Karten im Rahmen des Interreg IIIb- Projekts: nab - Naturpotentiale Alpiner Berggebiete wird in enger Zusammenarbeit zwischen Forstwirten des Landes Tirol und Geologen der GBA erfolgen. Aufgrund dieser Typisierungen werden von der Forstdirektion des Landes Tirol Empfehlungen für Aufforstung, Pflege und Bewirtschaftung von Schutzwäldern abgegeben. Diese Empfehlungen sind die Grundlage für die Etablierung von standortgerechten und nachhaltig bewirtschafteten Schutzwäldern.
Um für Siedlungsräume und Infrastruktur in sensiblen alpinen Lebensräumen ausreichend Schutz vor Naturkatastrophen zu gewährleisten, sind standortgerechte Bepflanzungen sowie naturnahe Pflege und Bewirtschaftung der Schutzwälder unumgänglich. Ungeeignete Bepflanzungen und mangelhafte Bewirtschaftung haben lokal bereits zu einer langfristigen Schädigung der Schutzwälder geführt. Die Abwendung von Naturgefahren, wie z. B. Lawinen, Muren, Überschwemmungen, Massenbewegungen usw., durch intakte Schutzwälder ist ein wesentlicher Bestandteil einer harmonischen Nutzung von naturräumlichen Ressourcen. Der Forstwirtschaft fehlen weitgehend Basisdaten in Form spezifischer Kartenwerke (Typisierung von Waldstandorten), die als Grundlage für eine optimale und nachhaltige Bewirtschaftung von Schutzwäldern dienen können. Derartige forstspezifische Kartenwerke setzen die möglichst genaue Kenntnis der Bodentypen voraus, welche u. a. aus geologischen Karten abzuleiten sind, da Bodenkarten für die projektrelevanten alpinen Regionen nicht vorhanden sind.
Der zentrale Aspekt des vorgeschlagenen Forschungsvorhabens ist daher die Erstellung von geologischen Grundlagen, im Speziellen für die Modellierung von Waldbodentypen, aber auch für die allgemeine Verwendung.
Für große Teile der zu bearbeitenden Gebiete existieren keine einheitlichen geologischen Karten. Die geologischen Informationen liegen in sehr heterogener Form und Qualität vor:
Unterschiede in Genauigkeit und Qualität der geologischen Aufnahmen.
Unterschiede in der Differenzierung der lithologischen Einheiten.
Heterogene geologisch-tektonische Konzepte, die zu widersprüchlichen Gliederungen der geologischen Einheiten führen und nicht dem derzeitigen Stand der Wissenschaft entsprechen.
Fehlende regional gültige Legenden.
Unterschiedliche Maßstäbe und Projektionen der vorliegenden Kartenwerke.
Diese Gegebenheiten erfordern, dass die verfügbaren geologischen Karten und Daten hinsichtlich ihrer qualitativen Eignung von regional erfahrenen Geologen geprüft und redaktionell bearbeitet werden.
Weiters zeigte eine erste Durchsicht der vorhandenen Unterlagen, dass zahlreiche Probleme hinsichtlich der Gliederung und Abgrenzung von oberflächennahen geologischen Körpern (speziell von Moränen, Schwemm- und Schuttfächern, ...), aber auch von Massenbewegungen und tektonischen Strukturen zu erwarten sind. Diese Problematik ist weitgehend mit den zur Verfügung stehenden Methoden der Fernerkundung zu bewältigen (Auswertung von digitalen Orthofotos in Verbindung mit digitalem Höhenmodell, konventionelle Luftbildauswertung).
Geologische Neuaufnahmen größerer Flächen sind in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich. Es sind jedoch lokal beschränkte Kartierungen in absoluten Problemzonen vorgesehen.