Projekt-210: Erstellung typspezifischer biozönotischer Leitbilder - Hauptstudie

Projektleitung

Otto Moog

Forschungseinrichtung

Universität für Bodenkultur - Department Wasser - Atmosphäre - Umwelt Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement

Projektnummer

3014

Projektlaufzeit

-

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft

Allgemeine Projektinformationen

Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)

Projektziele

Ökologische Bewertungen der Gewässer haben in den letzten Jahren Eingang in die nationale und europäischen Gesetzgebung gefunden. In Österreich wurde bereits 1990 die Erhaltung der ökologischen Funktionsfähigkeit der Gewässer als Zielvorgabe im Wasserrechtsgesetz verankert. Mit der nunmehr Ende 2000 in Kraft getretenen EU-Wasserrahmenrichtlinie 2000/60/EG (WRRL) wurden die Mitgliedsstaaten verpflichtet, den Zustand ihrer Gewässer ökologisch zu bewerten und bei Nichteinhaltung des guten Zustandes zu sanieren. Die ökologische Bewertung beruht auf dem Vergleich der typspezifischen Referenzbiozönose mit der Ist-Zönose. Zur Vorbereitung der Umsetzung der WRRL war es daher notwendig, Gewässertypen zu definieren und typspezifische biozönotische Leitbilder zu erarbeiten, wobei als erster Schritt die in Österreich zahlreich vorliegenden Makrozoobenthosdaten ausgewertet werden sollten.

Berichte

Abschlussbericht , 31.12.2000

Kurzfassung

Mit dem Inkrafttreten der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) ist in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union die Zuordnung der im Rahmen des Gewässermessnetzes zu untersuchenden Gewässer zu \"Typen\" ein fixer Bestandteil der methodischen Vorgaben: Die Beurteilung der Gewässerqualität ist an einem möglichst naturnahen Leitbild sehr guten ökologischen Zustandes ausgerichtet, die biologischen Leitbilder werden typbezogen formuliert. Die höchste in der WRRL vorgegebene Hierarchieebene für Gewässertypen stellt die Zugehörigkeit zu einer Ökoregion nach ILLIES (1978) dar. Weitere typologische Unterteilungen lassen individuelle Gestaltungsmöglichkeiten zu (Annex II; System A und B). Die typologische Gebietseingrenzung der österreichischen Gewässerlandschaft erfolgt durch die Kombination von \"a priori\" - und \"a posteriori\"-Techniken. Auf der Grundlage geoökologischer Faktorenkombinationen und anderer Kriterien werden im Expertenkonsens die Anteile und Grenzverläufe der Ökoregionen Österreichs sensu ILLIES ermittelt und diese in weiterer Folge nach Fließgewässer-Naturräumen (FINK et al. 2000) und Fließgewässer-Grundtypen (WIMMER & CHOVANEC 2000, WIMMER et al 2000 a und b) unterteilt. Österreich hat nach den Definitionen der WRRL Anteil an sechs europäischen Ökoregionen (Nummerierung nach ILLIES 1978): Italien (3), Alpen (4), Dinarischer Westbalkan (5), Zentrales Mittelgebirge (9), Karpaten (10) und Ungarische Tiefebene (11). Die präzise Grenzziehung dieser Ökoregionen auf Basis einer \"a priori\"-Auswertung von geoökologischen Milieufaktoren im Expertenkonsens publizieren MOOG et al. (2001). Die multivariate Analyse von Makrozoobenthoszonösen bekräftigt für vier Ökoregionen die Eigenständigkeit der Faunengesellschaften: \"Alpen\", \"Zentrales Mittelgebirge\", \"Ungarische Tiefebene\" und \"Dinarischer Westbalkan\". Die Anteile der Ökoregionen \"Italien\" und \"Karpaten\" können mangels geeigneter Referenzstellen bzw. ungenügender faunistischer Dokumentation nicht belegt werden (SCHMIDT-KLOIBER et al. 2001). Die Einteilung Österreichs in Ökoregionen im Sinne der zoogeografischen Regionen nach ILLIES (1978) stellt somit eine typologische Klassifizierung dar, die als Grundlage für die praktische Umsetzung der WRRL verwendbar ist (Abbildung 13). Die weitere Unterteilung der österreichischen Landschaft in Fließgewässer-Naturräume stellt eine wichtige Grundlage zur Klassifikation der Fließgewässer-Vielfalt unseres Bundesgebietes dar. Unter Fließgewässer-Naturräumen werden Landschaftseinheiten zusammengefasst, die in Bezug auf fließgewässerökologische Eigenschaften typologisch einheitliche Elemente aufweisen. Die zu Grunde liegende Hierarchie der Grenzfestlegung der naturräumlichen Gliederung richtet sich vorwiegend nach Ökoregion, geologischem Untergrund, Klimafaktoren, Relief (physiogeografische und geomorphologische Aspekte, Höhenerstreckung, Landschaftsform), Einzugsgebiet, hydrologischer Charakteristik (Abflussregimetyp) und vegetationskundlichen Höhenstufen. Die Detailausweisung dieser Naturräume erbringt die Ausweisung von 40 Fließgewässer-Naturräumen (FINK et al. 2000), (Abbildung 14). Aufbauend auf FINK et al. (2000) werden die Fließgewässer-Naturräume unter Verwendung von System A und B Kriterien der WRRL in ein handhabbares Set von 17 Fließgewässer-Typregionen und 9 \"großen Flüssen\" zusammengefasst (Abbildung 15). Diese Typenzuordnung der österreichischen Fließgewässer bildet eine wesentliche Grundlage für die Umsetzung der ökologischen Bewertung nach den Vorgaben der WRRL (WIMMER & CHOVANEC 2000, WIMMER et al. 2000 a & b). Vergleichbar der Analyse der Ökoregionen wird den Ergebnissen der weiterführenden typologischen a priori-Ansätze eine multivariate a posteriori-Analyse der Makrozoobenthos-Zönosen gegenübergestellt (NMS - non-metric multidimensional scaling). Die 582 analysierten Gewässerstrecken repräsentieren Referenzbedingungen eines naturnahen, beziehungsweise eines gutes ökologischen Zustandes mit fast vollständig erhaltener Fauna, unter besonderer Berücksichtigung sensitiver Arten. Die Daten entstammen Untersuchungen zum bundesweiten Gewässermonitoring (Wassergüte-Erhebungs-Verordnung), Landesmessnetzen der österreichischen Bundesländer, Gutachten, Berichten und Fachstudien, Diplomarbeiten, Dissertationen und Studien der Arbeitsgruppe \"Benthosökologie\" der Abteilung Hydrobiologie der BOKU Wien, sowie Untersuchungen im Rahmen des von der EU finanzierten Projektes AQEM. Als Ergebnis dieser Verknüpfung von Elementen der unbelebten Systemkomponenten mit dem Informationsgehalt der Makrozoobenthoszönosen werden biozönotisch ähnliche Fließgewässer-Naturräume bzw. Fließgewässer-Typregionen als \"Fließgewässer- Bioregionen\" zusammengefasst. Die Auswertungen ergeben 15 als Fließgewässer- Bioregionen unterscheidbare Landschaftseinheiten in Österreich (geordnet nach Ökoregionen). Bioregionen der Ökoregion \"Alpen\" – Sub-Ökoregion Zentralalpen 1. Vergletscherte Zentralalpen 2. Unvergletscherte Zentralalpen 3. Bergrückenlandschaft und Ausläufer der Zentralalpen Bioregionen der Ökoregion \"Alpen\" – Sub-Ökoregion Kalkalpen 4. Flysch 5. Kalkvoralpen 6. Kalkhochalpen 7. Südalpen 8. Helvetikum in Vorarlberg 9. Alpine Molasse Bioregionen der Ökoregion \"Zentrales Mittelgebirge\" 10. Österreichisches Granit- und Gneisgebiet der Böhmischen Masse 11. Vorarlberger Alpenvorland 12. Bayerisch-Österreichisches Alpenvorland Bioregionen der Ökoregion \"Ungarische Tiefebene\" 13. Östliche Flach- und Hügelländer Bioregionen der Ökoregion \"Dinarischer Westbalkan\" 14. Grazer Feld und Grabenland 15. Südliche inneralpine Becken Die einzelnen Bioregionen werden entsprechend ihrer Zugehörigkeit zu Ökoregionen kurz geografisch beschrieben und in der Österreichkarte dargestellt (Abbildung 82). Generell decken sich die Außengrenzen der Bioregionen mit jenen der Ökoregionen in der Neudefinition von MOOG et al. (2001). Die detaillierten Grenzziehungen richten sich im wesentlichen nach der Karte der Fließgewässer-Naturräume (FINK et al. 2000), wobei im Detail darüber hinausgehend die Grenzlinien in kleinerem Maßstab angepasst werden (beispielsweise entsprechend der geologischen Situation, dem Relief oder dem Anteil von Teil-Einzugsgebieten). Auf gröbere Abweichungen wird bei der Besprechung der entsprechenden Bioregionen eingegangen. In diesem Zusammenhang sei nochmals eindrücklich darauf hingewiesen, dass Grenzen oftmals ein Produkt anthropozentrischer Sichtweisen sind. Die angeführten Trennungslinien treten in der Natur kaum als distinkte Barrieren auf, sondern sind als Grenzsäume aufzufassen. Innerhalb einer Bioregion sind die Biozönosen möglichst homogen, ähnlicher als zwischen verschiedenen Bioregionen und weisen statistisch belegte Unterschiede zu anderen Bioregionen auf (Schmidt-Kloiber in prep.). Für die praktische Anwendung der Gewässerbewertung ergibt sich der Vorteil, dass durch die Ausweisung von Gebietsteilen zu Bioregionen die natürliche Variabilität zahlreicher biologischer Messgrößen (Metrics, Indices etc.) deutlich geringer wird und sich somit die Trennschärfe bei der Unterscheidung von Zustandsklassen erhöht. Vergleichbare Auswertungen auf Basis von Phytobenthos-, Makrophyten- und Fisch-Gesellschaften Österreichs bekräftigen die getroffene Regionseinteilung. Im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie bieten somit die ausgewiesenen Fließgewässer-Bioregionen eine typologische Grundlage zur Ausweisung von Fließgewässertypen unter Berücksichtung aller biologischen Qualitätselemente.

Berichtsdateien

EcoBioReg02.pdf

Autor/innen

Otto Dr. Moog