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NuBe2

Allgemeine Projektinformationen

Titel (deutsch)

Nutzung, Erhaltung und Rekultivierung extensiver Grünlandstandorte in den Bergregionen

Titel (englisch)

Utilisation, preservation and recultivation of extensive grasslandareas in mountain regions

Abstract (deutsch)

Viele Grünlandstandorte in Österreich sind in einer weniger produktiven Lage für die Viehwirtschaft. Aus Sicht der Kulturlandschaft ist es aber enorm von Bedeutung, diese Wiesen und Weiden offen zu halten. Die grünfutterverzehrenden Nutztiere sind in den letzten Jahren insgesamt rückläufig und es ist gerade bei den Milchkühen ein starker Trend in Richtung Hochleistungstiere mit verstärktem Kraftfuttereinsatz zu verzeichnen. Beide Fakten verursachen eine verringerte Grünlandnutzung, sodass künftig doch große Flächenanteile für eine extensive Grünlandnutzung mit Tieren oder eine energetische wie auch stoffliche Nutzung der heranwachsenden Biomasse aus dem Grünland frei werden. Es sollten in diesem sehr praxisnahen Versuch die ökologischen wie auch ökonomischen Auswirkungen der extensiven Grünlandbewirtschaftung mit tierischer Nutzung im Vergleich zu mechanischer Freihaltung ganzheitlich abgetestet werden. Nachdem sich diese Bewirtschaftungssysteme bereits auf diesem Standort in der Buchau über 15 Jahre routinemäßig eingelaufen haben, sollte in den nächsten vier Jahren die Datenlage verbessert und die Langzeitwirkungen zum Tragen kommen. Außerdem sollte auf den Flächen mit Nutzungsaufgabe und eine Mulchvariante, eine Rekultivierung zu einem Wirtschaftsgrünland stattfinden. Die einzelnen Varianten der Bewirtschaftung können in den gefährdeten Bergregionen vielleicht auch im überbetrieblichen Einsatz eine Problemlösung darstellen. Mit extensiven Bewirtschaftungssystemen (Mutterkühe, Schafe, Mulchpflege, periodische Nutzungssysteme und Brache mit Sukzession) sollten die ökologischen und ökonomischen Fragen abgeklärt werden. Der Einfluss dieser Systeme auf die botanische Zusammensetzung, auch die Stoffflüsse im Boden und im Betrieb sollten erfasst werden. Dieses Forschungsprojekt sollte Aussagen über mögliche Nutzungsvarianten für gefährdete Regionen zur Erhaltung der Kulturlandschaft sowie der Rekultivierung erarbeiten.

Abstract (englisch)

Many grassland locations in Austria are unfavourable in terms of produktive livestock farming, but regarding the quality of cultural landscape it is of great importance to keep open these meadows and pastures.
By means of this very practical project, the ecological and economic impact of extensive grassland use with livestock will be investigated in comparison with mechanical treatments for keeping open grassland. In the next four years the data basis of the previous period at the location Buchau/styria should be improved and long term effects should be worked out. Several treatments used via machinery rings could provide a future solution for endangered mountainous regions.
Both the significant reduction in the number of grassland using livestock and the tendency to high yielding dairy cows lead to less use of grassland, especially in unfavourable regions. Therefore large grassland areas will be available for extensive livestock management o ras a resource for energy and alternative use of biomass. Ecological an economic Questions of extensive management systems as suckling cows, sheep, energetic and material use of biomass, periodical mulching and natural succession will be answered. Impacts on botanical composition, nutrient fluxes in soil and on a farm level will be investigated and an erergy balance will be set up.
By means of project reliable conclusions on possible management variants for endangered regions can be expected aiming at the maintenance of the cultural landscape.

Schlagwörter (deutsch)

Bergregionen, Kulturlandschaft, Rekultivierung, Grünlandwirtschaft, Biodiversität, Produktqualität

Projektleitung

Karl BUCHGRABER

Forschungseinrichtung

LFZ Raumberg-Gumpenstein

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus

Projektnummer

101182

Projektlaufzeit

-

Projektziele

Die Rekultivierung von total verkrauteten Beständen (Rossminze - Mentha longifolia, Weißer Germer - Veratrum album, Behaarter Kälberkropf - Chaerophyllum hirsutum, Adlerfarn - Pteridium aquilinum etc.) soll in dieser Projektperiode mit biologischen, mechanischen und chemische Maßnahmen erfolgen.

Praxisrelevanz

Die Landwirtschaft sollte alles unternehmen, um Top-Qualitäten in erkennbaren und differenzierter Form sowohl im Milch- als auch im Fleischsektor auf dem Markt zu erzeugen – unsere Abgrenzung zum globalen Markt muss eine verlässliche, rückverfolgbare und gesicherte Lebensmittelqualität sein. Die permanente Verfügbarkeit dieser alpenländischen Lebensmittel wird auch dann noch von großer Bedeutung, wenn Trockenheit, Unwetter, Produktionsskandale und seuchen in den wenig kontrollierten Hauptproduktionsgebieten der Erde (Brasilien, Argentinien, Australien, usw. …) Probleme verursachen.
Dieser Unsicherheitsfaktor und die Konkurrenz Futter/Energie vom Ackerland wird die Bedeutung des Grünlandes für den Wiederkäuer auch in unserer Region wieder steigen lassen.
Jeder von uns schätzt und weiß auch, dass die gepflegte Kulturlandschaft für uns Österreicher ein unverzichtbares „Gut oder Produkt“ ist. Die Landwirtschaft kann dieses Produkt weiterhin nur bereitstellen, wenn auch die Produkte der Nutznießer Schaf, Ziege, Pferd und vor allem Rind weiterhin aus der eigenen Produktion und in höchster Qualität auf dem Teller angeboten werden.
In den gefährdeten Regionen sollten mit optimaler Betreuung und Förderung (Leader) flächen- und betriebsübergreifende Bewirtschaftungsformen begonnen werden, damit wir diese Kleinparzelliertheit und historisch gewachsenen Benachteiligungen unter Beibehaltung der Eigentumsrechte ausschalten. Hier braucht es einen gewaltigen Ruck in der Bauernschaft, um über diese Hürde hin zur gemeinsamen Bewirtschaftung zu gelangen.
Entscheidend für all diese Bemühungen wird sein, ob es uns gelingt, die Konsumentenschaft und die gesamte Gesellschaft zu überzeugen, dass diese unsere Landwirtschaft mehr ist als Lederhose und Jodelei. Dass die Landwirte ehrliche Partner sind in der Herstellung von qualitätsgesicherten Lebensmitteln aus der Natur, dass sie dabei die ökologische und nachhaltige Wirtschaftsweise einsetzen, um die Lebensgrundlagen abzusichern. Der Konsument soll auch die Sorgen der Landwirte kennen und dabei erkennen, wofür sie stehen.
Es läuft eine bewegte Zeit am Ende der Epoche „Erdöl – Erdgas – Kohle“ und die Übergänge in die neue Epoche „Energie und Lebensmittel aus der Natur“ werden dem Urproduzenten Landwirt anfänglich Probleme bereiten und danach auch viele neue Chancen bringen.
In einem interdisziplinären Ansatz werden extensive Grünlandbewirtschaftungssysteme zur Erhaltung der alpinen Kulturlandschaft im direkten Vergleich sowohl in ökologischen wie auch ökonomischen Fragestellungen in einem 20 ha Grünlandbetrieb geprüft und Modelle für die Zukunft abgeleitet.

Berichte

Abschlussbericht

Im Jahre 2001 wurden bis dahin extensive bewirtschaftete Dauerwiesen und Dauerweiden im Berggebiet nebeneinander mit Mutterkühe und Schafe bestoßen, daneben wurde mit einem Mulcher versucht die Pflanzenbestände zu regulieren und damit die Wiesen und Weiden „offen“ zu halten. Eine Wiesen- und Weidefläche hingegen wurde ab 2001 nicht mehr bewirtschaftet, um zu sehen, wie sich die Natur wieder den Lebensraum selber gestaltet. Nach 14 Jahren zeigte sich, dass die mechanische „Offenhaltung“ der Flächen gelingt, jedoch gewisse Pflanzenarten extrem dominant werden und die Artenvielfalt und die Wiese und Weide als Charakter so verloren gehen. Die Beweidung mit Schafen konnte auf der ebenen und steileren Weide den Pflanzenbestand dicht halten und es kamen auch keine giftigen und dominanten Pflanzenarten auf. Die Mutterkühe, es waren Tiere mit rund 700 kg Lebendgewicht, konnten die Weide auf der Ebene gut nutzen. Bei nasser Witterung traten sie die Grasnarbe auf und es kamen gewisse Kräuter z.B. Stumpfblättriger Ampfer (Rumex obtusifolius) stärker durch. Am Hang bewegten sich die Mutterkühe nur mehr schwer und auch nicht oft, sodass am Hang verstärkt Sträucher aufkamen und dort wo sie gegangen sind auch der Boden aufgetreten wurde und sogenannte Trittwege sich bildeten. Die Fläche mit Nutzungsaufgabe zeigte sich nach 14 Jahren mit Bäume, Sträucher und massive Kräuter. Auf der Ebene, wo der Boden gut (nährstoffreich und tiefgründig) ist, da kamen Behaarter Kälberkopf (Chaerophyllum hirsutum) und die Quecke (Elymus) massiv im Pflanzenbestand durch. Im Hangbereich zeigte sich nach diesem Zeitraum ein „verwachsenes“ Gestrüpp mit Bäumen, Sträuchern und hochwachsenden Kräutern. Der Charakter von einer Wiese oder Weide ist hier nach dieser kurzen Zeit verloren gegangen. Waren am Anfang auf diesen Flächen rund 76 Arten bonitiert worden, so waren es nach der Zuwachsperiode nur mehr 20 Arten. Mit Hilfe der Rekultivierung konnte die Anzahl der Pflanzenarten wieder auf 78 Arten gehoben werden.

Anhänge

Dateiname

Abschlussbericht_Nube_2019.pdf

Beschreibung

Nutzung, Erhaltung und Rekultivierung extensiver Grünlandstandorte in den Bergregionen

Autor/innen

Univ.Doz. Dr. Karl Buchgraber, HBLFA Raumberg-Gumpenstein