Microfarms arbeiten vielfältig, ressourcenschonend, aber bio-intensiv im Freiland und in einfachen geschützten Kulturräumen

© Wolfgang Palme/HBLFA Gartenbau

Microfarm: Microfarming: lebensfähige Gemüsebetriebe auf kleinster Fläche – Anbauverfahren, Hilfsmittel, Fruchtfolgen

Projektleitung

Wolfgang Palme

Forschungseinrichtung

Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau

Projektnummer

101429

Projektlaufzeit

-

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus

Allgemeine Projektinformationen

Schlagwörter (deutsch)

Gemüsevielfalt, Kleinstrukturierter Gemüsebau, Low-Energy-Produktion, Small Farming

Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)

Titel (englisch)

Microfarming: tools for small scaled prosperous farms

Projektziele

Die Stärkung der Eigenversorgung im Bereich Gemüse soll verbessert werden. Dies bietet nicht nur einen ökonomischen Wert durch eine erhöhte regionale Wertschöpfung und ökologische Vorteile kurzer Transportwege, sondern dient auch dazu, der Bevölkerung sowohl eine gesicherte Qualität als auch eine regionale (energieautarke) Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Das Konzept der Vielfaltsgärtnerei verspricht eine ressourcenschonende Bewirtschaftung in Bezug auf Bodenverbrauch, Düngung und Pestizideinsatz. Gleichzeitig wird erwartet, dass durch die bio-intensive Bewirtschaftung der kleinen Flächen der Ertrag, verglichen mit konventionellen Anbausystemen, signifikant höher ist und damit die Ressourceneffizienz gesteigert werden kann. Durch den zum ersten Mal projektierten energieautarken Ansatz ist es möglich, sowohl die Produktion als auch den Vertrieb der Produkte vollständig durch vor Ort produzierte Energie (Photovoltaik, mit Batterien und Smart Grid Anwendungen) zu bewerkstelligen. Durch den low-tech Ansatz (kein Einsatz von Traktoren!) werden keine Arbeitsplätze vernichtet, sondern im Gegenteil hochwertige, regionale, den Ansprüchen einer modernen Gesellschaft gerechte, Arbeitsplätze geschaffen. Die Entwicklung vielfältiger Strukturen auf den Produktionsflächen (Blühflächen, Sträucher und Bäume mit Fruchtnutzung) sorgt nicht nur für die Förderung der Artenvielfalt, das Bestäuben der Nutzpflanzen und die Förderung von Nützlingen, sondern schafft neben der zusätzlichen Lebensmittelproduktion auch ein menschenwürdiges Arbeitsumfeld und damit einen Mehrnutzen. Sowohl durch den Humusaufbau (Kohlenstoffspeicherung) auf den Produktions- und Diversitätsflächen als auch durch die fehlende Verbrennung fossiler Energie, wird die Klimaerwärmung eingebremst und durch das Konzept der Vielfaltsgärtnerei eine aktive Adaptierung an den Klimawandel eingeführt. Durch Bewusstseinsbildung und Vermittlung hat das Projekt auch das Ziel, junge Menschen in die unternehmerische Lebensmittelproduktion zu bringen. Ein besonderes Ziel ist auch das Bewusstsein für die Bedeutung einer hochwertigen und diversen Nahrung für den Gesundheitsbereich zu stärken und vermehrte Forschungstätigkeit und Kooperationen in diesem Sektor auszulösen.

Praxisrelevanz

Die Eigenversorgung mit Gemüse in Österreich liegt bei nur etwa 60% mit einem stetig ansteigenden Verbrauch. Die derzeit verwendeten Methoden zur Gemüseproduktion in Niederösterreich sind durch sehr hohen technischen Aufwand (Investitionsbedarf!), kombiniert mit hohem Pestizid- und Mineraldüngereinsatz (konventionell) oder hohem mechanischen Aufwand (biologisch) gekennzeichnet.
Neue (alte) Methoden erleben in Nordamerika und Teilen Europas einen Aufschwung. Junge Menschen (oft Quereinsteiger) entwickeln ressourcenschonende Methoden mit einem geringen Technik-, aber umso höherem Wissenseinsatz. Dieser regenerative Ansatz etabliert eine vielfältige und gesunde Gemüseversorgung, bei gleichzeitiger Schaffung von regionalen Arbeitsplätzen und regionaler Wertschöpfung.

Berichte

Abschlussbericht

Kurzfassung

Das vorliegende Projekt versteht sich als Ergänzung zu dem im Jahr 2025 abgeschlossenen Forschungsprojekt ​„Marktgärtnerei – Innovation zur Stärkung der österreichischen Frischgemüseversorgung“ (DaFNE #101824), das im Rahmen des EIP-AGRI-Formats gemeinsam mit zahlreichen Partnern aus Wissenschaft und Praxis durchgeführt wurde. Wie aus einem ​„Werkzeugkasten“ sollen gemüsebauliche Kulturverfahren, Sortimentserweiterungen oder Anbauoptionen kleinstrukturierten Praxisbetrieben angeboten werden. Stets geht es dabei um einen niederschwelligen Low-Input-Zugang mit einfachen Anwendungsmöglichkeiten. Folgende Erkenntnisse wurden zusammenfassend aus dem vorliegenden Projekt gewonnen: „Cut-and-Come-again“-Kulturverfahren nutzen das biologische Regenerationspotenzial vieler Gemüsearten, die eigentlich nur für eine Einmalernte vorgesehen sind. Ein Neuaustrieb aus der im Boden verbleibenden Wurzel erlaubt einen oder mehrere zusätzliche Ernteschnitte.  Gute Anwendungschancen dafür bestehen bei Salaten im geschützten Anbau (kalter Folientunnel), wobei dafür eher die kühlen Vegetationswochen genutzt werden müssen.  Es zeigte sich, dass bei den getesteten Gemüsearten große Sortenunterschiede bestehen: bei Salaten sollte auf eher ​„alte“, ursprüngliche Sorten oder Multileaf-Sorten zurückgegriffen werden, weil sie ein höheres Regenerationspotenzial auf-weisen. Bei einer zweiten Ernte kann man mit einem Ertragsplus von 50 – 80% (gegenüber Einmalschnitt) rechnen.  Winterkohlgemüse hat entgegen stereotyper Einordnung ein durchaus vielversprechendes Potenzial zur innovativen Sortimentsbereicherung für die Direktvermarktung zu bieten. Kohlgemüse leidet im Frühwinter unter feuchten Witterungsbedingungen. Daraus entstehende Fäulniserscheinungen führen zu starken winterlichen Ausfällen. Durch den Einsatz von fahrbaren Schutzeinrichtungen wie Rollfolientunneln kann eine bedarfsgerechte Abdeckung punktgenau der Ertragsverbesserung und ‑sicherung dienen.  Dieser Schutz darf nicht zu spät über die Kultur gefahren werden. Eine Abdeckung ab Ende November erbrachte die besten Ergebnisse.  Betrieben, die mit eigenvermehrten Jungpflanzen arbeiten, bietet der Einsatz von LED-Belichtung statt Beheizung in der Jungpflanzenanzucht energetische Vorteile.  Eine unbeheizte Salatpflanzenanzucht erfordert längere Zeiträume: eine Aussaat ist schon Mitte November nötig, damit Pflanztermine im kalten Folientunnel von Ende Jänner bis Mitte Februar möglich sind.

Berichtsdateien

Microfarming: lebensfähige Gemüsebetriebe auf kleinster Fläche – Anbauverfahren, Hilfsmittel, Fruchtfolgen

Abstract (deutsch)

Das vorliegende Projekt versteht sich als Ergänzung zu dem im Jahr 2025 abgeschlossenen Forschungsprojekt „Marktgärtnerei – Innovation zur Stärkung der österreichischen Frischgemüseversorgung“ (DaFNE #101824), das im Rahmen des EIP-AGRI-Formats gemeinsam mit zahlreichen Partnern aus Wissenschaft und Praxis durchgeführt wurde. Wie aus einem „Werkzeugkasten“ sollen gemüsebauliche Kulturverfahren, Sortimentserweiterungen oder Anbauoptionen kleinstrukturierten Praxisbetrieben angeboten werden. Stets geht es dabei um einen niederschwelligen Low-Input-Zugang mit einfachen Anwendungsmöglichkeiten.

Folgende Erkenntnisse wurden zusammenfassend aus dem vorliegenden Projekt gewonnen:

  • „Cut-and-Come-again“-Kulturverfahren nutzen das biologische Regenerationspotenzial vieler Gemüsearten, die eigentlich nur für eine Einmalernte vorgesehen sind. Ein Neuaustrieb aus der im Boden verbleibenden Wurzel erlaubt einen oder mehrere zusätzliche Ernteschnitte.
  • Gute Anwendungschancen dafür bestehen bei Salaten im geschützten Anbau (kalter Folientunnel), wobei dafür eher die kühlen Vegetationswochen genutzt werden müssen.
  • Es zeigte sich, dass bei den getesteten Gemüsearten große Sortenunterschiede bestehen: bei Salaten sollte auf eher „alte“, ursprüngliche Sorten oder Multileaf-Sorten zurückgegriffen werden, weil sie ein höheres Regenerationspotenzial auf-weisen. Bei einer zweiten Ernte kann man mit einem Ertragsplus von 50-80% (gegenüber Einmalschnitt) rechnen.
  • Winterkohlgemüse hat entgegen stereotyper Einordnung ein durchaus vielversprechendes Potenzial zur innovativen Sortimentsbereicherung für die Direktvermarktung zu bieten.
  • Kohlgemüse leidet im Frühwinter unter feuchten Witterungsbedingungen. Daraus entstehende Fäulniserscheinungen führen zu starken winterlichen Ausfällen. Durch den Einsatz von fahrbaren Schutzeinrichtungen wie Rollfolientunneln kann eine bedarfsgerechte Abdeckung punktgenau der Ertragsverbesserung und -sicherung dienen.
  • Dieser Schutz darf nicht zu spät über die Kultur gefahren werden. Eine Abdeckung ab Ende November erbrachte die besten Ergebnisse.
  • Betrieben, die mit eigenvermehrten Jungpflanzen arbeiten, bietet der Einsatz von LED-Belichtung statt Beheizung in der Jungpflanzenanzucht energetische Vorteile.
  • Eine unbeheizte Salatpflanzenanzucht erfordert längere Zeiträume: eine Aussaat ist schon Mitte November nötig, damit Pflanztermine im kalten Folientunnel von Ende Jänner bis Mitte Februar möglich sind. 

Abstract (englisch)

This project is intended to complement the research project “Market Gardening – Innovation to Strengthen the Austrian Fresh Vegetable Supply” (DaFNE #101824), which was completed in 2025 and carried out within the framework of the EIP-AGRI format in collaboration with numerous partners from science and practice. Vegetable cultivation methods, assortment expansions, and cultivation options are to be offered to small-scale practical farms from a “toolbox.” The focus is always on low-threshold, low-input access with simple application options. 

The following findings were summarized from the present project:
Cut-and-come-again cultivation methods exploit the biological regeneration potential of many vegetable species that are actually only intended for a single harvest. New shoots from the roots remaining in the soil allow for one or more additional harvests.
This method is particularly suitable for salads grown under protection (cold plastic tunnels), although it is best to use the cooler weeks of the growing season for this.
It was found that there are significant differences between the vegetable varieties tested: for lettuces, older, original varieties or multi-leaf varieties should be used because they have a higher regeneration potential. A second harvest can be expected to yield an additional 50-80% (compared to a single harvest).

Contrary to stereotypical classification, winter cabbage vegetables offer promising potential for innovative product range enrichment for direct marketing.
Cabbage vegetables suffer from damp weather conditions in early winter. The resulting rot leads to severe winter losses. The use of mobile protective devices such as mobile plastic tunnels can provide targeted coverage to improve and secure yields.

This protection must not be applied too late to the crop. Covering from the end of November yielded the best results.
For farms that work with self-propagated young plants, the use of LED lighting instead of heating in young plant cultivation offers energy advantages.
Unheated lettuce cultivation requires longer periods of time: sowing is necessary as early as mid-November so that planting dates in the cold plastic tunnel are possible from the end of January to mid-February.
With additional LED lighting, it is ultimately possible to achieve an early harvest of 5-6 days with increased yields (+5-20%) for head lettuce, oak leaf lettuce, and Batavia lettuce.

Autor/innen

Palme, W.