KICAT: Förderung des Kichererbsenanbaus als trockenstresstolerante, proteinhaltige Alternativkultur für Österreich

Projektleitung

Samuel Winkler

Forschungseinrichtung

Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES)

Projektnummer

102124

Projektlaufzeit

-

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft 

Allgemeine Projektinformationen

Abstract (deutsch)

Kichererbsen sind weltweit die dritthäufigste kultivierte Leguminose und kommen vor allem in semiariden und subtropischen Klimazonen vor. Ihre ausgeprägte Trocken- und Hitzestresstoleranz machen die Kichererbse zu einer vielversprechende Alternativkultur insbesondere für die Trockengebiete in Österreich, und bieten die Möglichkeit einer besser gesicherten Versorgung mit pflanzlichem Eiweiß im Sinne der nationalen Eiweißstrategie. Mit 355 ha (2025 AMA-Auswertung) stellt der Kichererbsenanbau in Österreich derzeit noch eine Nischenkultur dar. Das Projekt KICAT hat zum Ziel, praxisrelevantes Wissen und Expertise im Kichererbsenanbau in Österreich zu erweitern und den Anbau als trockentolerante Alternativkultur weiter zu fördern. Dafür werden Feldversuche mit 16 verschiedenen Kichererbsensorten (Kabuli- und Desi-Typen) über einen Zeitraum von drei Anbaujahren an Standorten in Trockengebieten und in Feuchtgebieten in Österreich durchgeführt und ausgewertet. Das Projekt gliedert sich in sechs Arbeitspakete: (1) Sortenscreening, mit Fokus auf verschiedene Wachstumsmerkmale, Abreifeverhalten, Krankheitsanfälligkeiten und Ertragspotentiale, (2) Pflanzenschutz, das Krankheiten, Schädlinge und Unkräuter sowie deren Auswirkungen auf den Kichererbsenanbau und Kontrollmaßnahmen bewertet, (3) Qualitätsanalytik, die wichtige Qualitätsindikatoren wie Tausendkornmasse, Feuchtigkeitsgehalt und Proteingehalt misst, (4) Düngeversuche, die optimale Düngestrategien für den Kichererbsenanbau entwickeln, insbesondere im Hinblick auf Kalium-, Phosphor und Spurenelementversorgungen, (5) Inokulierungsversuche, bei denen die Rolle der Beimpfung mit spezifischen Rhizobien sowie die N2-Fixierungsrate und Wassernutzungseffizienz bewertet werden sowie (6) Dissemination, um eine strukturierte Verbreitung der Forschungserkenntnisse sowie Informationen zum effektiven Anbau der Kichererbse in Österreich zu gewährleisten. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen Landwirt:innen bei der Sortenwahl, Düngestrategie, Pflanzenschutzmanagement, Beikrautregulierung und Vermarktungsoptionen unterstützen. Zudem können Informationen zum N2-Fixierungspotential verschiedener Kichererbsensorten, insbesondere für die ökologische Landwirtschaft, von besonderer Bedeutung sein. Die Weitergabe der Ergebnisse soll über Fachbeiträge, Feldtage und die Erstellung einer Fachbroschüre mit Anbau- und Sortenempfehlungen in Kooperation mit den Landwirtschaftskammern (LK) und den landwirtschaftlichen Fachschulen erfolgen.

Schlagwörter (deutsch)

Kichererbsen, Klimawandelanpassung, Trockenheit, Anbaupotential

Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)

Titel (englisch)

Promotion of chickpea cultivation as a drought-tolerant, protein-rich alternative crop for Austria

Abstract (englisch)

Chickpeas are the third most widely cultivated legume in the world and are primarily found in semi-arid and subtropical climates. Their pronounced drought and heat stress tolerance make chickpeas a promising alternative crop, especially for dryland areas in Austria. They also offer the potential for a more secure supply of plant-based protein in line with the national protein strategy. With 355 hectares (2025 AMA evaluation), chickpea cultivation in Austria currently remains a niche crop.

The KICAT project aims to expand practical knowledge and expertise in chickpea cultivation in Austria and further promote it as a drought-tolerant alternative crop. To achieve this, field trials with 16 different chickpea varieties (Kabuli and Desi types) will be conducted and evaluated over three growing seasons at sites in both dryland and wetland areas of Austria. The project is structured into six work packages: (1) Variety screening, focusing on various growth characteristics, maturity behavior, disease susceptibility, and yield potential; (2) Plant protection, which assesses diseases, pests, and weeds, as well as their impact on chickpea cultivation and control measures; (3) Quality analysis, which measures important quality indicators such as thousand kernel weight, moisture content, and protein content; (4) Fertilization trials, aimed at developing optimal fertilization strategies for chickpea cultivation, particularly with regard to potassium, phosphorus, and micronutrient supply; (5) Inoculation trials, which evaluate the role of inoculation with specific rhizobia, as well as nitrogen fixation rates and water use efficiency; and (6) Dissemination, to ensure the structured dissemination of research findings and information on the effective cultivation of chickpeas in Austria.

The insights gained will help farmers with variety selection, fertilization management, plant protection management, and weed control. Additionally, information on the nitrogen fixation potential of different chickpea varieties, particularly for organic farming, could be of special significance. The results will be shared through expert contributions, field days, and the creation of a technical brochure with key cultivation and variety recommendations in cooperation with the Agricultural Chambers (LK) and agricultural schools (LFS).

Schlagwörter (englisch)

Chickpeas, climate change adaptation, drought, cultivation potential

Projektziele

Hauptziel dieses Projekts ist es die Expertise für den Kichererbsenanbau in Österreich zu erweitern und den Anbau als trockentolerante, proteinreiche Alternativkultur zu fördern. Mit 355 ha Anbaufläche im Jahr 2025 (AMA-Auswertung) gilt der Kichererbsenanbau in Österreich nach wie vor als Nischenkultur. Fehlende Kenntnisse über Anbauverfahren und Sortenwahl erschweren den Zugang für Landwirt:innen um Kichererbsen erfolgreich zu kultivieren. Die zunehmende Veränderung der klimatischen Bedingungen inklusive sich häufender Wetterextreme wie Dürren und Hitzeperioden (Jandl et al., 2024) erfordern jedoch eine Anpassung des hiesigen Ackerbaus, und machen zukünftig ggf. auch den Anbau von Alternativkulturen notwendig. Hierbei kann die hitze- und trockenstresstolerante Kichererbse, deren Anbau in Österreich noch über ein großes Entwicklungspotential verfügt, einen wichtigen Beitrag leisten. Die Förderung des Anbaus dieser Eiweißpflanze kann ein wichtiges Puzzlestück zum angestrebten zukünftigen hohen Grad der Eigenversorgung mit pflanzlichem Eiweiß im Sinne der nationalen Eiweißstrategie darstellen. Im Rahmen des Projekts KICAT wird das Anbaupotenzial der Kichererbse durch mehrjährige Feldversuche an Standorten im österreichischen Trockengebiet sowie im Feuchtgebiet untersucht. Daraus werden praxisorientierte Empfehlungen für den Anbau und Sortenempfehlungen entwickelt.

Zur Bewertung der Sortenleistungen verschiedener Kichererbsen-Genotypen werden drei Sortenversuche an zwei Trockenstandorten im Weinviertel (Großnondorf und Eichhorn) von der AGES sowie ein Standort im Feuchtgebiet (Lambach, Oberösterreich) vom Projektpartner HBLFA Raumberg-Gumpenstein durchgeführt. Die Sortenversuche erstrecken sich über drei Ertragsjahre (2025, 2026 und 2027) und umfassen 16 verschiedene Kichererbsensorten unterschiedlicher Typen (Kabuli- und Desitypen). Das Versuchsdesign umfasst eine Vollrandomisierung sowie einer Vierfachwiederholung der jeweiligen Prüfsorten um äußere Einflüsse (z.B. Bodenunterschiede) zu verringern. Die Durchführung der Sortenversuche an drei verschiedenen Standorten über drei Anbaujahre gewährleistet zudem die Berücksichtigung von Jahres- und Standorteffekten. Auf dieser Basis erfolgt eine varianzanalytische Auswertung der Versuche hinsichtlich des Kornertrages, um statistisch belegbare Sortenunterschiede zu ermitteln. Zudem wird ein weiterer Krankheitsregister-Feldversuch (mit vollem Sortensortiment, zweifach wiederholt) an der AGES-Versuchsstation in Grabenegg im Feuchtgebiet (Mostviertel, NÖ) durchgeführt, um zusätzliche Erkenntnisse zu Krankheitsanfälligkeiten sowie zur Schadwirkung anderer Schadorganismen zu gewinnen.

Die Beurteilung der Sorten erfolgt in Anlehnung an die österreichische Sortenwertprüfung. Anhand von verschiedenen Parametern für Entwicklung, Reifeverhalten, Anfälligkeit für Schadorganismen, Ertrag und Qualität können Sortenunterschiede in Form von Ausprägungsstufen erhoben werden und somit eine Auskunft über die gesamte Sortenleistung gegeben werden. Die erhobenen Ergebnisse aus den Feldversuchen sollen wie in der beschreibenden Sortenliste eine ausführliche Auskunft über die Eigenschaften der jeweiligen Sorten geben und Landwirt:innen bei der Entscheidung der Sortenwahl für ihren Betrieb und Standort unterstützen.

Darüber hinaus werden je ein Versuch mit verschiedenen Dünge- und Inokulierungsvarianten Auskunft über optimale Nährstoffversorgungen sowie Stickstofffixierungsleistungen der Kichererbsen liefern. Der Düngeversuch wird im Trockengebiet am AGES Versuchsstandort Fuchsenbigl (Marchfeld) ebenfalls alle drei Versuchsjahre angelegt, und dient dem Ziel, eine bedarfsgerechte Düngung für die Kulturart Kichererbse im Trockengebiet zu erheben. Der Inokulationsversuch wird vom Projektpartner BOKU in zwei aufeinanderfolgenden Projektjahren (2026 und 2027) am biologisch bewirtschafteten Standort Raasdorf (Marchfeld) angelegt. Durch die Entnahme von Pflanzenproben, und die Interpretation von Analyseergebnissen hinsichtlich Trockenmasseertrag, Stickstofffixierung und Wassernutzungseffizienz wird festgestellt, ob durch die Anwendung eines geeigneten Inokulates die Stickstofffixierungsleistung, die Ertragsleistung und der Rohproteingehalt der Kichererbse im semiariden Gebiet gesteigert werden kann bzw. ob es Unterschiede zwischen den Inokulaten gibt. Diese Erkenntnisse können insbesondere für die ökologische Landwirtschaft von großer Bedeutung sein. Fehlende Möglichkeiten vom Einsatz an schnell verfügbaren, synthetischen Düngemitteln erfordern besonders in der ökologischen Landwirtschaft abgestimmte sowie ausgewogene Fruchtfolgeabläufe. Gut fundierte Kenntnisse über Nährstoffbedarf sowie Stickstofffixierungsleistungen erleichtern eine erfolgreiche Eingliederung von Kichererbsen in die Fruchtfolge.

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen zum einen in Fachbeiträgen und Publikationen für die wissenschaftliche Community aufgearbeitet und disseminiert werden, als auch durch eine Fachbroschüre an die praktizierende Landwirtschaft weitergegeben werden. Die in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Niederösterreich erstellte Broschüre soll sich sowohl auf wesentliche Anbau- und Sortenempfehlungen als auch auf potenzielle Vermarktungsstrategien und wirtschaftliche Aspekte fokussieren. Auch werden in dieser Broschüre die Ergebnisse der durchgeführten Untersuchungen zum Pflanzenschutz zusammengefasst. Dies beinhaltet eine Übersicht zu den wichtigsten Schadorganismen und Unkräuter im Kichererbsenanbau inklusive einer Beschreibung des Aussehens und der Symptomatik, der Biologie, der Schadwirkung sowie spezifischer Maßnahmen zur Kontrolle. Ebenfalls werden die Ergebnisse aus dem Düngungsversuch und aus dem Inokulationsversuch in dieser Broschüre abgebildet.

Praxisrelevanz

Die Kichererbse als proteinreiche Alternativkultur – vor allem im Trockengebiet Österreichs – ist in den letzten Jahren verstärkt in das Bewusstsein der Landwirt:innen, der weiterverarbeitenden Industrie und der Konsument:innen gerückt. Folglich weisen die im Projekt geplanten Arbeiten eine große Praxisrelevanz auf mehreren Ebenen auf. Hier sind insbesondere I.) die hohe Relevanz der Ergebnisse aus den mehrjährigen Sortenversuche an multiplen Standorten mit unterschiedlicher Charakteristik (Trocken- und Feuchtgebiet) für den heimischen Ackerbau, II.) die ernährungsphysiologischen Erkenntnisse aus der Inhaltsstoffanalytik der verschiedenen Kichererbsensorten sowie III.) der angestrebte Wissensaustausch zwischen den verschiedenen Projektpartnern und dessen Mehrwert für die Kichererbsenproduktion in Österreich zu nennen.

I.: Der Klimawandel und die daraus resultierenden zunehmenden Wetterextreme, wie Dürre- und Hitzeperioden führen besonders in den niederschlagsarmen Regionen des Pannonikums zu Ertragsverlusten (ZAMG, 2024). Kichererbsen gelten als trocken- und hitzestabil und sind aufgrund ihrer Ertragsstabilität auch bei Trockenphasen eine sicherere Alternative zu den etablierten heimischen Kulturarten, insb. hitzeempfindliche Leguminosen wie z.B. der Käferbohne. Darüber hinaus kann die Kichererbse als Stickstofffixierer neben dem konventionellen auch im ökologischen Pflanzenbau erfolgreich kultiviert werden, wo von dem Einsatz von mineralischem Kunstdünger abgesehen werden muss. Das Potenzial des Kichererbsenanbaus in Österreich liegt deutlich über den aktuellen tatsächlichen Anbauflächen, zumal die Nachfrage nach Kichererbsen – auch als Ausgangsmaterial für Produkte wie Falafel und Hummus – in den letzten Jahren von Seiten des Handels deutlich zugenommen hat. Mangelnde praxisrelevanten Kenntnisse für die landwirtschaftliche Praxis in Österreich stehen jedoch der vollständigen Ausschöpfung des Anbaupotenzials von Kichererbsen im Weg. Ziel dieses Projektes ist es praxisrelevante Kenntnisse und Expertise auszubauen, um den Kichererbsenanbau in Österreich zu fördern und Landwirt:innen hinsichtlich Sortenwahl, Dünge-, Beikraut- und Pflanzenschutzmanagement fachlich zu beraten. Durch den Anbau der hohen Anzahl an unterschiedlichen Kichererbsentypen- und sorten, die Auswahl der verschiedenen Versuchsstandorte und den mehrjährigen Anbau der Versuche im Projekt KICAT können sowohl verschiedene österreichische Anbauregionen als voraussichtlich auch unterschiedliche klimatische Vegetationsperioden abgedeckt werden, sodass praxisnahe Anbauempfehlungen auch und insbesondere hinsichtlich einer regionsspezifischen Sortenauswahl erarbeitet werden können. So wird der Anbau dieser Kulturart in Österreich weiter gefördert.

II.: Kichererbsen zählen zu den Hülsenfrüchten und gelten als hochwertige Proteinquelle, sind reich an Calcium, Eisen sowie wichtigen Vitaminen wie B-Vitamine und finden in der Küche eine vielseitige Verwendung (z.B. Hummus, Falafel, Salate, Mehl). Im Sinne der EU-Farm to Fork Strategie sowie der Nationalen Eiweißstrategie stimmt der Kichererbsenanbau mit den Anforderungen einer nachhaltigen Erzeugung von hochwertigen, gesunden Lebensmitteln für die direkte Humanernährung bestens überein, und kann als Alternativkultur einen wichtigen Beitrag zur Proteinwende leisten. Die Zunahme der vegetarischen und veganen Ernährung in der Gesellschaft wirkt sich auch positiv auf den Konsum von Hülsenfrüchten aus. Kichererbsenprodukte gewinnen hierbei gleichermaßen an Beliebt- und Bekanntheit, wobei die steigende Nachfrage von Seiten der weiterverarbeitenden Industrie und des Handels durch das mangelnde heimische Angebot von Seiten der Landwirtschaft derzeit nicht gedeckt werden kann. Oftmals stehen hier unklare Absatzwege, Unsicherheiten beim Anbau und ein Mangel an Informationen zu Sorten und Anbaugebieten einem hohen Grad der Selbstversorgung mit Kichererbsen im Wege. Die Untersuchungen zur ernährungsphysiologischen Qualität der verschiedenen Sorten unter unterschiedlichen Anbaubedingungen deckt hier eine hochgradig praxisrelevante Wissenslücke ab, welche von großem Interesse für die weiterverarbeitende Industrie ist, zumal die Nachfrage von Seiten der Konsument:innen nach insbesondere biologischen Erzeugnissen mit vorteilhaften Nährwerten hoch ist.

III.: Die im Projekt involvierten Partner (AGES, BOKU, HBLFA Raumberg-Gumpenstein) verfügen bereits über erste wissenschaftliche und praxisorientierte Erfahrungen mit dem Anbau der Kichererbse, welche in anderen Projekten und Tätigkeiten gewonnen werden konnte. Durch die gemeinsamen Tätigkeiten im Projekt KICAT wird der gegenseitige Austausch dieses bereits generierten Wissens gefördert, sodass auf den gewonnenen Erkenntnissen aufgebaut werden kann. Dies betrifft insbesondere hochgradig praxisrelevante Aspekte wie Anbautechnik (im Trocken- und Feuchtgebiet), Kulturführung und Überblick über das (verfügbare) Sortenspektrum.