KastFleischOX: Auswirkungen von Kastrationszeitpunkt, Fleischrasse-Kreuzung und Fütterung auf die tierischen Leistungen und Fleischqualität von Mastochsen

Projektleitung

Margit Velik

Forschungseinrichtung

Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein

Projektnummer

102235

Projektlaufzeit

-

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft 

Allgemeine Projektinformationen

Abstract (deutsch)

Die österreichische Ochsenmast ist ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen, grünlandbasierten Rindfleischproduktion und entspricht der gesellschaftlichen Forderung nach hoher Produktqualität, mehr Tierwohl und Ressourcenschonung. Im Gegensatz zur intensiveren Stiermast benötigt sie weniger Kraftfutter und eignet sich daher besonders für Betriebe im Grünland.

Das Projekt untersucht den Einfluss von Kastrationszeitpunkt (früh vs. spät), Rasse (Fleckvieh-Fleisch vs. Fleckvieh-Fleisch×Charolais) und Fütterungsintensität (extensiv vs. mittelintensiv) auf die Mastleistung, Schlachtleistung und Fleischqualität von Ochsen.

Im Versuch an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein werden 40 Tiere in zwei Durchgängen gemästet. Die Kälber stammen vom Betrieb Ossiacher Tauern der Landwirtschaftskammer Kärnten, gefüttert werden zwei unterschiedliche Rationen: (1) Heu und Grassilage, Kraftfutter nur in der Endmast (2) Ration aus Heu, Grassilage, Maissilage und Kraftfutter. Die Tiere werden bei 695 kg Lebendgewicht geschlachtet. Neben Futteraufnahme, Gewichtszunahmen und Schlachtleistungsparametern wird auch die Fleischqualität untersucht. Ein zusätzlicher Projektteil widmet sich Effizienzaspekten und einer umfassenden Literaturrecherche.

In Österreich fehlt es an aktuellen, wissenschaftlich fundierten Studien zur Ochsenmast unter mitteleuropäischen Bedingungen. Auch der optimale Kastrationszeitpunkt ist bisher kaum untersucht. Das Projekt hilft diese Lücke zu schließen und liefert neue Erkenntnisse zur grünlandbasierten und effizienten Fleischproduktion mit Wiederkäuern.

Die Ergebnisse werden sowohl wissenschaftlich veröffentlicht als auch praxisnah aufbereitet und in Beratung, Ausbildung und Fortbildung eingebunden. Damit leistet das Projekt einen konkreten Beitrag zur Weiterentwicklung einer nachhaltigen Rindermast in Österreich.

Schlagwörter (deutsch)

Kastrationsalter, Fleckvieh, Charolais, Mastleistung, Schlachtleistung, Effizienz

Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)

Titel (englisch)

Effects of castration age, beef breed and feeding regime on performance traits and meat quality of fattening steers

Abstract (englisch)

Austrian steer fattening is an important component of sustainable, grassland-based beef production and meets societal demands for high product quality, improved animal welfare and resource efficiency. In contrast to more intensive bull fattening, it requires less concentrate feed and is therefore particularly suitable for grassland-based farms.

The project investigates the effects of castration time (early vs. late), breed (Fleckvieh-beef vs. Fleckvieh-beef×Charolais) and feeding intensity (extensive vs. semi-intensive) on fattening performance, slaughter performance and meat quality of steers.

In a trial at the AREC Raumberg-Gumpenstein, 40 animals will be fattened in two runs. The calves originate from the Ossiacher Tauern farm of the Chamber of Agriculture Carinthia. Two different feeding rations will be tested: (1) hay and grass silage, concentrate feed only during the finishing phase; (2) hay, grass silage, maize silage and concentrate feed. Animals will be slaughtered at a live weight of 695 kg. In addition to feed intake, weight gains and slaughter performance parameters, meat quality will also be evaluated. An additional part of the project is dedicated to efficiency aspects and a comprehensive literature review.

In Austria, there is a lack of up-to-date, scientifically based studies on steer fattening under Central European conditions. Likewise, the optimal castration time has hardly been investigated so far. The project helps close this gap and provides new insights into grassland-based and efficient beef production with ruminants.

The results will be published in scientific journals as well as prepared in a practice-oriented manner for use in advisory services, education and training. In this way, the project makes a concrete contribution to the further development of sustainable beef production in Austria.

Schlagwörter (englisch)

time of castration, Charolais, fattening performance, carcass quality, efficiency, Simmental

Projektziele

Die Ochsenmast trägt – neben der Mutterkuhhaltung und Wiederkäuerhaltung generell – maßgeblich zur Grünlandverwertung bei und unterstützt damit die Biodiversität sowie die nachhaltige Nutzung und Erhaltung alpenländischer Regionen. Im Gegensatz zur Stiermast kommt die Ochsenmast mit weniger Kraftfutter aus – ein Ansatz im Sinne des „feed no food“-Prinzips. Die Forderung der Gesellschaft und der KonsumentInnen nach artgerechter Haltung und Extensivierung der Produktion ist als anhaltender Trend zu erkennen. Auch im Rahmen der Vision 2028+ werden für die Rindermast dezitiert die Ausrichtung auf Qualität und Tierwohl sowie alternative Formen wie grünlandbasierte Fleischerzeugung als Zukunftsperspektiven genannt (Kirner et al. 2025). Zur Ochsenmast gibt es im deutschsprachigen Raum kaum aktuelle Versuche und Versuchsergebnisse. Das vorliegende Projekt kann neue Daten zu den tierischen Leistungen generieren und damit dazu beitragen, die Ochsenmast bei unterschiedlicher Fütterungsintensität als Alternative zur Stiermast stärker zu forcieren.

In der landwirtschaftlichen Praxis werden männliche Kälber mit unterschiedlichem Alter kastriert. Häufig wird die Meinung vertreten, dass für junge Kälber die Kastration mit weniger Nebenwirkungen verbunden ist. Bei späterer Kastration wird oft von höheren Zunahmen und höherer Schlachtleistung ausgegangen, da die Tiere hormonell länger Stieren gleichgesetzt sind. Hinsichtlich innerer Fleischqualität – die Merkmale wie Zartheit, Saftigkeit oder Fleischmarmorierung umfasst – werden frühkastrierte Rinder oft als höherwertig angesehen. Dennoch werden auch spätkastrierten Ochsen bessere Fleischqualitäten als Stieren nachgesagt. Daher ist ein wesentliches Ziel des vorliegenden Projekts früh- und spätkastrierte Ochsen hinsichtlich Mastleistung, Schlachtleistung und innerer Fleischqualität in einem Mastversuch zu vergleichen. Auch eine umfassende Literaturrecherche zum Thema „Kastrationszeitpunkt und Effekt auf die tierischen Leistungen“ sowie die praxisnahe Aufbereitung der Rechercheergebnisse sind wesentliche Projektziele.

Dass Fleischrassen bessere Mast- und Schlachtleistungen als die in Österreich weit verbreitete Zweinutzungsrasse Fleckvieh zeigen, ist bekannt und wurde auch in Österreich in mehreren bereits etliche Jahre zurückliegenden Mastversuchen der damaligen BVW Wieselburg bestätigt. Im Rahmen des geplanten Mastversuchs soll die Frage beleuchtet werden, ob es Unterschiede zwischen reinrassigen Fleckvieh-Fleisch Ochsen und Kreuzungsochsen Fleckvieh-Fleisch×Charolais gibt. Im noch laufenden DaFNE-Forschungsprojekt Nr. 101730 wurden Ochsen der Rassen Pinzgauer und Fleckvieh gemästet. Da im neu beantragten und im genannten DaFNE-Projekt Nr. 101730 die gleichen Futterrationen gefüttert werden, ist ein (vorsichtiger) deskriptiver Vergleich der eingesetzten Rassen möglich.

Weitere Projektziele sind eine umfassende Literaturrecherche sowie die Effizienz (z.B. Lebensmittelkonversionseffizienz) der österreichischen Ochsenmast zu beleuchten.

Praxisrelevanz

Jährlich werden in Österreich rund 39.000 Ochsen geschlachtet, was circa 6 % der österreichischen Rinderschlachtungen entspricht (Statistik Austria, 2025). Wenngleich im mitteleuropäischen Raum die Stiermast derzeit deutlich mehr Bedeutung für die Rindfleischproduktion als die Ochsenmast hat, ist ein klarer Trend in Richtung grünlandbasierte Rindfleischerzeugung erkennbar (Kirner et al. 2025).

Hinsichtlich Fütterungsintensität, Kraftfuttereinsatz-Mengen und Rassenwahl in der Rindermast gibt es in Österreich weiterhin Forschungs-, Optimierung- und Beratungsbedarf.

Der optimale Kastrationszeitpunkt von Kälbern wird in der landwirtschaftlichen Praxis vielfach diskutiert und diese Fragestellung wurde von der Landwirtschaftskammer Kärnten an die HBLFA Raumberg-Gumpenstein herangetragen. Oft wird eine Kastration zwischen dem 2. und 3. Lebensmonat praktiziert (ÖAG-Info 2/2020). Gerade in der österreichischen Mutterkuhhaltung mit Einstellerproduktion könnte aber auch der Zeitpunkt des Absetzens und Einstellerverkaufs ein möglicher Kastrationszeitpunkt sein.

In Österreich sind ¾ aller Rinder Fleckvieh in der Hauptrasse. Die Fleischrinderzucht und Fleischrassen haben in der Gebrauchskreuzung auch in Österreich große Bedeutung. Wie weit sind Fleischrassen im Vergleich zur Zweinutzungsrasse Fleckvieh in der Mastleistung abheben, soll im vorliegenden Projekt herausgearbeitet werden.

Das Projekt adressiert somit nach Ansicht der Projektleiterin eine zentrale Fragestellung in der österreichischen Rindermast und unterstützt Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit unserer Rindermastbetriebe.