Kalbinextensiv: Schlachtkörper- und Fleischqualität von Mastkalbinnen im Grünland (Weide vs. Silagefütterung)

Projektleitung

Margit Velik

Forschungseinrichtung

LFZ Raumberg-Gumpenstein

Projektnummer

100369

Projektlaufzeit

-

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft

Allgemeine Projektinformationen

Abstract (deutsch)

- Aufzeigen der Möglichkeiten und Grenzen Kalbinnen auf Kurzrasenweide ohne Kraftfutterergänzung zu mästen
- Abschätzen des Weide-Ertragspotenzials sowie des Zuwachspotenzials der Kalbinnen
- Aufzeigen von Unterschieden zwischen der Kalbinnenmast auf der Weide (mit Endmast im Stall) und reiner Stallfütterung mit Silage und moderaten Kraftfuttermengen hinsichtlich Mastleistung, Schlachtleistung und Fleischqualität (Fleisch- und Fettfarbe, Marmorierung, Zartheit)
- Untersuchung des Fettsäurengehaltes und der Fettsäurenzusammensetzung des Kalbinnenfleisches; Abklären von Unterschieden im Fettsäurenmuster bei unterschiedlichen Grünland-Fütterungssystemen

Schlagwörter (deutsch)

Kalbinnenmast, Weide, Fütterung, Fleischqualität, Schlachtkörperqualität

Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)

Titel (englisch)

Meat quality and carcass performance of heifers fattened in grassland regions (pasture vs. indoor feeding)

Abstract (englisch)

- Identification of possibilities for and limitations on the fattening of heifers on pasture without supplementation
- Assessment of the potential yield of pastures (of pasture based feeding systems) and the daily live weight gain of heifers
- Investigation of differences in fattening performance, carcass quality and meat quality (fat and meat colour, marbling, tenderness) between two grassland-based fattening systems (pasture with an indoor finishing period versus indoor feeding)
- Examination of the fatty acid content and composition of meat from heifers fed different grassland rations
In the present study, 20 heifers (Fleckvieh x Charolais) with an initial live weight of 300 kg are fattened up to 550 kg live weight. The heifers are divided into two groups; the stable group is fed a mixture of grass- and maize silage and moderate concentrate levels during the whole experiment. The pasture group is kept on pasture (without supplements) during the whole growing season. At the end of the growing season an indoor finishing period is attached. The experiment lasts from March to December 2008.
The heifers are weighted every two weeks. Representative samples of all feedstuffs (not from pasture) are collected and analysed. Feed and nutrient intake of the stable group is recorded daily and individually using Calan Gates. Fattening performance, carcass quality and meat quality (including fatty acid analyses) are examined.

Projektziele

- Abschätzen der Möglichkeiten und Grenzen der Kalbinnenmast auf der Weide (mit anschließender Endmast im Stall) im Vergleich zur Stallfütterung mit Silage und moderaten Kraftfuttermengen
- Abschätzen des Weide-Ertragspotenzials (Flächenbedarf, Besatzstärke, Weideführung) sowie des Zunahmepotenzials der Kalbinnen bei Weidehaltung im Vergleich zur Silagefütterung
- Aufzeigen von Unterschieden zwischen den beiden Grünlandrationen hinsichtlich Mastleistung und Schlachtkörperqualität
- Untersuchung der Fleischqualität von Kalbinnenfleisch aus den beiden oben genannten Fütterungssystemen
- Untersuchung des Fettsäurengehaltes und der Fettsäurenzusammensetzung von Kalbinnenfleisch, das in zwei unterschiedlichen Gründland-Fütterungssystemen erzeugt wurde
Folgende Hypothesen sollen überprüft werden:
H1: Auf Kurzrasenweide (mit anschließender Endmast im Stall) erzielen Kalbinnen bei gleicher Mastdauer die gleiche Schlachtkörperqualität wie bei Stallfütterung (Silage und moderate Kraftfuttergaben)
H2: Weidefleisch von Kalbinnen hat keine ungünstigere Fett- und Fleischfarbe (gelberes Fett, dunklere Fleischfarbe), keine schlechtere Marmorierung und geringere Zartheit als bei Stallfütterung
H3: Die Fettsäurenzusammensetzung von Kalbinnenfleisch aus Weidemast ist günstiger (mehr PUFA, CLAs, geringeres ?-3:?-6 Fettsäuren-Verhältnis) als von Fleisch aus Fütterungssystemen mit Silage und moderaten Kraftfuttermengen
H4: Kurzrasenweide ist für die Kalbinnenmast sehr gut geeignet und ermöglicht das gleiche Zunahmeniveau wie bei Stallfütterung

Praxisrelevanz

Die Bedeutung der Weidehaltung hat in den letzten Jahren stark zugenommen und es kann davon ausgegangen werden, dass die alternative Rindfleischerzeugung (Weiderindhaltung und Mutterkuhhaltung) in Dauergrünlandgebieten in den nächsten Jahren aufgrund der Rahmenbedingungen (hohe Kraftfutterpreise, Umstellung von Haupt- auf Nebenerwerb, Arbeitsextensivierung, Einsatz von Futtermitteln zur Erzeugung erneuerbarer Energien, Erhalt der Kulturlandschaft) noch zunehmen wird. Die Haltung von Tieren auf der Weide (Milchkuh, Mutterkuh, Mastkalbinnen, Mastochsen, Jungrinder) ist ein Beispiel für ein arbeitsextensives, kostengünstiges, energieeffizientes und nachhaltiges Low-Input System, das hohe Grundfutterqualitäten bereitstellt und bei entsprechendem Weidemanagement gute Leistungen ermöglicht. Durch die zunehmende Bedeutung von erneuerbaren Energien (Nutzung von Getreide und Silage für die Biogas- und Ethanolerzeugung) wird die Futterbasis für die Intensivmast (Maissilage, Getreide) immer teurer. Für den Konsumenten werden neben dem Qualitätsaspekt auch ethische Aspekte wie die artgerechte Haltung und Fütterung der für die Fleischerzeugung genutzten Tiere immer wichtiger. Auch die Fettsäurenzusammensetzung und die Fleischqualität landwirtschaftlicher Erzeugnisse gewinnen seit den letzten Jahren für den Konsumenten immer mehr an Bedeutung. Die im Rahmen des Projektes geplanten Fettsäurenanalysen und Fleischqualitätsuntersuchungen liefern wichtige Informationen für den Konsumenten und den Handel, wodurch das Projekt nicht nur unmittelbar dem Landwirt von Nutzen ist, sondern auch den nachgelagerten Bereichen (Vermarktung, Verarbeitung). Die steigende Sensibilisierung der österreichischen Bevölkerung für Klimaveränderungen und Umweltbelastungen können Produkten aus Low-Input Systemen neue Marktchancen bieten.
In Österreich werden knapp 2,0 Millionen Rinder (davon gut 0,5 Millionen Milchkühe und knapp 0,3 Millionen Mutterkühe) auf knapp 80.000 Betrieben gehalten. 50 % der österreichischen landwirtschaftlich genutzten Fläche ist Grünland. Die Erzeugung von hochwertigen landwirtschaftlichen Produkten (Fleisch) mit geringem Kosten- und Arbeitsaufwand, die gleichzeitig einen hohen Erlös bringt, ist eine Möglichkeit das Einkommen der österreichischen Landwirte zu sichern und eine wichtige Maßnahme zur Erhaltung und Pflege der österreichischen Kulturlandschaft und des österreichischen Grünlandes.
Der Versuchsplan des vorliegenden Projektes wurde in enger Zusammenarbeit mit der Österreichischen Rinderbörse und ARGE Rind erarbeitet. Daher entspricht der Versuchsansatz den in der Praxis zu findenden Fütterungssystemen und den damit verbundenen Unklarheiten/Problemen.

Berichte

Abschlussbericht

Kurzfassung

Der Versuch sah den Vergleich zweier Fütterungsregime bei gleicher Tierkategorie (Kalbinnen Fleckvieh x Charolais) vor. Die Fütterungsregime waren (1) Stallmast mit Gras- und Maissilage und moderaten Kraftfuttergaben und (2) Kurzrasenweide mit Stallendmast (gleiche Futterration wie Stallgruppe). Untersucht wurden Unterschiede in der Mast- und Schlachtleistung sowie in der Fleischqualität. Die Mast erfolgte im Gewichtsbereich 300 bis 550 kg Lebendmasse. Die täglichen Zunahmen lagen in beiden Gruppen mit durchschnittlich 1.050 g auf hohem Niveau. Bei den Weidekalbinnen schwankten die Gewichtszunahmen deutlich stärker als bei den Stalltieren. Die Grundfutteraufnahme war in der Weidegruppe signifikant höher als in der Stallgruppe (Futteraufnahme der Weidegruppe wurde nur im Stall erhoben). Generell zeigten sich in den Schlachtleistungsmerkmalen keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Fütterungsregime (durchschnittlich 57 % Ausschlachtung, Fleischklasse U, Fettklasse 3, 46 % wertvolle Teilstücke). Zur Bestimmung der Fleischqualität wurde der Rostbraten (Musculus longissimus dorsi) beprobt. Im Wasserbindungsvermögen des Fleisches (Tropf-, Koch- und Grillsaftverlust) zeigten sich keine Unterschiede zwischen den Gruppen und der Reifung (7, 14 und 21 Tage Fleischreifung im Vakuumbeutel). Bei der Fleischfarbe und der Zartheit (Scherkraft) gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Fütterungsverfahren. Die Fleischreifung hatte keinen Einfluss auf die Fleischfarbe, jedoch auf die Zartheit des gegrillten Fleisches. So war das sieben Tage gereifte Fleisch signifikant zäher als das 14- bzw. 21-tägig gereifte Fleisch. Das Fett der Weidetiere war intensiver gelb gefärbt als jenes der Stalltiere. Im Nährstoffgehalt (Wassergehalt, Eiweiß, intramuskuläres Fett) des Fleisches gab es keine statistisch nachweisbaren Unterschiede. Die Gehalte an MUFA und Ω-3-Fettsäuren waren in der Weidegruppe tendenziell höher.

Berichtsdateien

Abschlussbericht_Kalbinnenmast_100369.pdf

Velik.pdf

Autor/innen

Margit Velik, Eva-Maria Friedrich, Johann Häusler, Roland Kitzer, Josef Kaufmann, Andrea Adelwöhrer, Andreas Steinwidder

Publikationen

Alle Publikationen wurden vom Projektverantwortlichen eingetragen und liegen in dessen Verantwortung.

Schlachtkörper- und Fleischqualität von Mastkalbinnen im Grünland (Weide vs. Silagefütterung)