© Leopold Kirner
IBeSt-HAUP: Innovationen für bestehende Aufzucht- und Mastställe für Schweine in Österreich (IBeSt) – zum Wohl von Tier und Mensch
Projektleitung
Direktion Forschungskoordination HAUP (Leopold Kirner)
Forschungseinrichtung
Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik
Projektnummer
101740Projektlaufzeit
-
Finanzierungspartner
Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus
Allgemeine Projektinformationen
Abstract (deutsch)
Das Forschungsprojekt ist Teil eines Verbundprojektes im Auftrag des österreichischen Landwirtschaftsministeriums. Die Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik bearbeitet den Teil Ökonomie und persönliche Erfahrungen der Landwirtinnen und Landwirt. Im Rahmen dieses Teilprojekts werden die zusätzlichen Kosten für Tierwohlmaßnahmen kalkuliert und getrennt nach pagatorischen und kalkulatorischen Kosten dargestellt. In qualitativen Interviews werden die Erfahrungen der Landwirtinnen und Landwirte mit höheren Tierwohlstandards ermittelt. Die Erkenntnisse aus diesem Projekt werden direkt in die Beratung und in landwirtschaftliche Schulen transferiert, um die Adaption von Stallsystemen für höhere Tierwohlstandards bestmöglich zu begleiten.
Schlagwörter (deutsch)
Schweinehaltung, Wirtschaftlichkeit, Tierwohl, Best practise
Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)
Titel (englisch)
Innovations for existing rearing and finishing pig production systems in Austria – benefitting animals and humans
Abstract (englisch)
This research project is part of a cooperative project on behalf of the Austrian Ministry of Agriculture. The University College for Agrarian and Environmental Education is responsible for the two parts economy and individual experiences of farmers. Within this subproject, we calculate the additional costs of animal welfare systems, namely divided between financial and imputed costs. Additionally, qualitative interviews with farmers analyses their experiences with higher animal welfares standards. We transfer the key findings of the project to agricultural extension services and schools with the intention to accompany such adaptations more professional in the future.
Schlagwörter (englisch)
Pig production, animal friendly husbandry, best practice, economy
Projektziele
Derzeit wird ein Großteil der Sauen und Mastschweine in Österreich in konventionellen Systemen nach den Mindestanforderungen der Gesetzgebung. gehalten. Diese stehen im Spannungsfeld zwischen Marktanforderungen, den Interessen von Konsument*innen, der Landwirt*innen sowie der Anrainer*innen. Um rasche Verbesserungen für eine große Zahl an Tieren zu erreichen, sollen im Rahmen des gegenständlichen Projekts in bestehenden schweinehaltenden Betrieben, die nicht auf biologische Wirtschaftsweise bzw. auf Standards von Tierwohl-Labels umstellen können/wollen (Neubau nicht möglich bzw. kein Platz für Zubauten), durch einen innovativen Ansatz Lösungen für die Zukunft zur Verfügung gestellt werden können. Zentrales Ziel des Projekts ist es, bestehende Haltungssysteme in der Schweineaufzucht und Schweinemast im Rahmen eines integralen Ansatzes zu verbessern.
Dieser integrale Ansatz umfasst die Aspekte Tier, Stallklima/Umwelt und Mensch/Ökonomie. Die Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik bearbeitet das Themenfeld Mensch und Ökonomie. Folgende Fragestellungen werden in diesem Teilbereich analysiert:
- Welche Mehrkosten resultieren aus der Umstellung von Vollspaltensystemen auf Basis des gesetzlichen Mindeststandards auf Systeme mit höheren Tierwohlstandards?
- Wie hoch müsste der Mehrpreis für Produkte aus der Schweinehaltung nach Abzug der öffentlichen Gelder sein, um die zusätzlichen Kosten von Tierwohlsystemen abzufedern?
- Wie verändern sich die Arbeitsabläufe und die Arbeitszeiten bei Umstellung auf unterschiedliche Tierwohlsysteme?
Wie geht es Landwirtinnen und Landwirten mit Tierwohlsystemen und welche Erfahrungen lassen sich darauf für die Optimierung solcher Systeme für Österreich ableiten?
Praxisrelevanz
Bisher lag der Fokus der Forschung und Innovation vorwiegend auf der Entwicklung neuer Haltungssysteme, die auch Neubauten erfordern. Für bestehende Betriebe gab es bisher abgesehen von Pro-SAU nur wenige Anstrengungen, praktikable und umsetzbare Verbesserungen für die Tiere und auch Halter*innen zu entwickeln. Da jedoch über 90% der Betriebe in konventionellen Systemen z.B. mit vollperforierten Böden produzieren und Neubauten für die meisten Betriebe aus verschiedensten Gründen nicht in Frage kommen, braucht es hier praxistaugliche Weiterentwicklungen in Form von Umbaulösungen
Die Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik leistet durch die entsprechende Kompetenz am Institut für Unternehmensführung einen wesentlichen Beitrag zur fundierten ökonomischen Bewertung tierfreundlicher Stallsysteme in der Schweinehaltung. Als zentrale Institution der agrarischen Bildung und Beratung in Österreich können die Ergebnisse rasch und effizient an die land- und forstwirtschaftlichen Schulen sowie im Rahmen der Fort- und Weiterbildung in die agrarische Beratung transferiert werden. Damit können wertvolle Impulse für eine gesellschaftlich akzeptierte Schweinehaltung gesetzt werden.
Berichte
Kurzfassung
Berichtsdateien
Abstract (deutsch)
Die Zusammenfassung geht nur auf die Ergebnisse zur Wirtschaftlichkeit ein, da die Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik das Arbeitspaket „Ökonomie und Arbeitswirtschaft“ analysierte. Ziel war es, die wirtschaftlichen Folgen von höheren Tierwohlstandards in der österreichischen Schweinehaltung im Vergleich zum gesetzlichen Mindeststandard zu ermitteln. Methodisch basiert die Kalkulation auf Betriebsbesuchen und verifizierten Daten wie Schlachtdaten, wobei die Differenz bei den Leistungen und Kosten unter Einbezug von Deckungsbeitragsdifferenzen, Investitionskosten, Arbeitszeitaufwand und Minderbelegung ermittelt wurden. Die Ergebnisse verdeutlichen eine große Variabilität unter den 15 Projektbetrieben: In der Mast resultierten durchschnittliche Mehrkosten der acht Mastbetriebe von 32 € pro Platz (Spanne: 1,5 € bis 62 €), ausgelöst durch höhere Kapitalkosten aus den Umbaumaßnahmen, geringeren Deckungsbeiträgen, weniger verkauften Tieren aufgrund des größeren Platzangebots und Mehrarbeit. In der Ferkelaufzucht beliefen sich die ermittelten Mehrkosten im Schnitt der sieben Betriebe auf 71 € pro Platz, wobei die Minderbelegung den entscheidenden Kostenfaktor darstellte. Trotz vereinzelt positiver Effekte auf die Betriebsleistung führt die Implementierung höherer Tierwohlstandards im Regelfall zu erheblichen Mehrkosten und Einkommensrückgängen, was die Notwendigkeit betriebsspezifischer Optimierungsstrategien bei der baulichen Transformation unterstreicht.
Abstract (englisch)
The summary addresses the results relating to economic efficiency, as the University of Agricultural and Environmental Education analysed the work package ‘Economics and Labour Management’. The aim was to determine the economic consequences of higher animal welfare standards in Austrian pig farming compared to the legal minimum standard. Methodologically, the calculation is based on farm visits and verified data such as slaughter data, whereby the difference in performance and costs was determined taking into account differences in contribution margins, investment costs, working time and reduced occupancy. The results show great variability among the 15 project farms: in fattening, the eight fattening farms incurred average additional costs of €32 per place (range: €1.5 to €62), triggered by higher capital costs from the conversion measures, lower contribution margins, fewer animals sold due to the larger space available and additional work. In piglet rearing, the additional costs determined averaged €71 per place across the seven farms, with under-occupancy being the decisive cost factor. Despite isolated positive effects on farm performance, the implementation of higher animal welfare standards generally leads to significant additional costs and income declines, which underlines the need for farm-specific optimisation strategies during structural transformation.
Autor/innen
Leopold Kirner, Bernhard Stürmer und Julia Slama