FoKo2025_HirseBohne: Trockenbohnen und Sorghumhirse: Etablierung neuer Kulturen für Kreislauf-Bioökonomie und klimafitte Landwirtschaft in Österreich, Bayern und Südtirol
Projektleitung
Raumberg-Gumpenstein Research & Development
Forschungseinrichtung
Raumberg-Gumpenstein Research & Development
Projektnummer
102270Projektlaufzeit
-
Finanzierungspartner
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft| Ressort Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Tourismus (Südtirol, Italien)| Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus
Allgemeine Projektinformationen
Abstract (deutsch)
Der Anbau von Trockenbohnen und Sorghumhirse ist in den Alpenregionen aktuell noch wenig verbreitet, gewinnt jedoch zunehmend an Interesse – besonders im Kontext von Klimawandel, Trockenheitstoleranz und regionaler Diversifizierung. Sorghumhirse ist aufgrund ihrer hohen Trockenheitstoleranz, dem geringen Inputbedarf und der kurzen Vegetationszeit eine Kulturart mit hohem Potenzial auch in der Alpenregion. Trockenbohnen stellen eine hochwertige pflanzliche Proteinquelle dar, zeichnen sich durch eine kurze Vegetationsperiode ähnlich der von Hirse aus und tragen durch ihre symbiotische Stickstofffixierung maßgeblich zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit bei. Beide Kulturen bieten aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit an klimatische Herausforderungen und Ressourceneffizienz ideale Potenziale für eine diversifizierte und klimafitte Landwirtschaft. Zudem besitzen sie ein großes Potenzial für die nachhaltige Produktion regionaler Erzeugnisse, da sie zur Resilienz landwirtschaftlicher Systeme gegenüber klimatischen Schwankungen beitragen. Im Projekt werden Sortenversuche zur Prüfung der agronomischen Eigenschaften beider Kulturen in den drei Projektregionen durchgeführt. Bei Sorghumhirse werden Sorten berücksichtigt, die speziell an die Bedingungen der Alpenregion angepasst sind, indem sie früh blühen, schnell abreifen, ein hohes Ertragspotenzial aufweisen und sich gut verarbeiten lassen. Bei Trockenbohnen liegt der Fokus zum einen auf der Sortenprüfung für von Verarbeitern besonders nachgefragten Typen wie der Kidneybohne oder der kleinen schwarzen Bohne. Zum anderen wird der Einfluss einer Beimpfung mit Rhizobien geprüft. Dieser Aspekt ist bis heute für den Anbau in Mitteleuropa noch nicht ausreichend untersucht und wird seitens der Beratung oft nachgefragt. Im Projekt werden die notwendigen Grundlagen für eine erfolgreiche Ernte, Aufbereitung und Verarbeitung der beiden Kulturen geschaffen, um die erforderlichen Qualitäten sicherzustellen und die Aufbereitungsprozesse effektiv und kostengünstig zu gestalten. Das Projekt ist von hoher praktischer Bedeutung, da es zentrale Herausforderungen der Landwirtschaft im gemäßigten Klima Mitteleuropas aufgreift und konkrete Lösungen für einen erfolgreichen Anbau von Trockenbohne und Sorghumhirse für eine klimafitte Landwirtschaft in den Projektregionen entwickelt.
Schlagwörter (deutsch)
Klimaanpassung, Trockenbohne, Hirse, Produktionstechnik, nachhaltige Landwirtschaft, regionale Produktion
Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)
Titel (englisch)
Phaseolus-Beans and Sorghum: Establishing new crops for a circular bioeconomy and climate-resilient agriculture in Austria, Bavaria, and South Tyrol
Abstract (englisch)
The cultivation of beans and sorghum is currently still not very widespread in the Alpine regions, but is gaining increasing interest – especially in the context of climate change, drought tolerance, and regional diversification. Due to its high drought tolerance, low input requirements, and short growing season, sorghum is a crop with high potential in the Alpine region as well. Beans are a high-quality source of plant protein, have a short growing season similar to that of millet, and contribute significantly to improving soil fertility through their symbiotic nitrogen fixation. Due to their adaptability to climatic challenges and resource efficiency, both crops offer ideal potential for diversified and climate-resilient agriculture. They also have great potential for the sustainable production of regional products, as they contribute to the resilience of agricultural systems to climatic fluctuations. The project involves variety trials to test the agronomic characteristics of both crops in the three project regions. In the case of sorghum, varieties that are specially adapted to the conditions of the Alpine region are being considered, as they flower early, ripen quickly, have a high yield potential, and are easy to process. In the case of beans, the focus is on variety testing for types that are particularly in demand by processors, such as kidney beans and small black beans. On the other hand, the influence of inoculation with rhizobia is being investigated. This aspect has not yet been sufficiently researched for cultivation in Central Europe and is often requested by consultants. The project is laying the necessary foundations for the successful harvesting, preparation, and processing of both crops in order to ensure the required qualities and to make the preparation processes effective and cost-efficient. The project is of great practical importance as it addresses key challenges facing agriculture in the temperate climate of Central Europe and develops concrete solutions for the successful cultivation of dry beans and sorghum for climate-resilient agriculture in the project regions.
Schlagwörter (englisch)
climate adaptation, beans, sorghum, production technology, sustainable agriculture, regional production
Projektziele
Ziel des geplanten Verbundprojektes im Rahmen der Agri-Innovation Bayern – Südtirol – Österreich ist es, das Potenzial des Anbaus und der Verwertung der trockenheitstoleranten Kulturen Trockenbohnen (Phaseolus vulgaris) und Sorghumhirse (Sorghum bicolor) zur Humanernährung als Beitrag zu einer klimafitten Landwirtschaft zu erschließen.
Die Alpenregion erwärmt sich überdurchschnittlich schnell, was den Druck auf bestehende Kulturen wie Mais oder Weizen erhöht. Längere Trockenphasen werden zunehmend zur Realität. Trockenbohnen und Sorghumhirse können einen wertvollen Beitrag zur Erweiterung des heimischen Kulturartenspektrums um trockenheitsverträgliche Arten, die gleichzeitig auch mit den feuchteren Witterungen des gemäßigten Klimas in Österreich, Bayern und Südtirol zurechtkommen, leisten.
Das Projekt reagiert auf die Trends zu einer stärker pflanzenbasierten Ernährung und zur regionalen Herkunft von Lebensmitteln. Dieser Wandel in den Konsumgewohnheiten verstärkt die Notwendigkeit, den regionalen Anbau von Speisekulturen wie Trockenbohnen und Sorghumhirse auszubauen. Dies unterstützt die Ernährungssouveränität, reduziert Importabhängigkeiten und leistet zugleich einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz.
Sorghumhirse ist von Natur aus glutenfrei, was sie für Menschen mit Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit besonders interessant macht. Es können regionale Nahrungsmittel etabliert werden, die Importware (z. B. Soja, Reis) substituieren und den wachsenden Bedarf an vegetarischen und veganen Produkten decken. Dadurch eröffnen sich neue Chancen für die Landwirtschaft, verarbeitende Betriebe und den regionalen Lebensmitteleinzelhandel. Mit der Förderung dieser Kulturen leistet das Projekt einen Beitrag zu einer gesunden, nachhaltigen Ernährung und zur Ernährungssicherheit durch die Verbesserung der Selbstversorgung. Das Projekt trägt zur Diversifizierung und zur Klimaanpassung bäuerlicher Betriebe bei.
Vor diesem Hintergrund definiert das Projekt folgende Teilziele:
- Optimierung des Trockenbohnen- und Sorghumhirseanbaus in Österreich, Bayern und Südtirol
- Identifizierung effektiver und kostengünstiger Ernte- und Aufbereitungsverfahren für eine hohe Produktqualität
- Identifizierung hochwertiger, regionaler Absatzmöglichkeiten und zielgerichteter Vermarktungsstrategien (z. B. glutenfreie Hirsespezialitäten wie Müsli, Backwaren, Bier bei Hirse, Veggie-Burger, Tempeh bei Trockenbohnen): Angebot und Nachfrage durch Kooperation mit Verarbeitern zusammenbringen. Nur wenn sich die Ernte gewinnbringend vermarkten lässt, kann sich der Anbau dauerhaft etablieren. Kleine, aber hochwertige Märkte bieten eine hohe Wertschöpfung für Landwirte, unabhängig vom Weltmarktpreis. Eine spätere Ausweitung auf größere Märkte kann folgen.
- Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit durch eine Analyse von Kosten und Leistungen im Anbau, in der Aufbereitung und in der Distribution.
Transnationale Kooperation und Impact
- Gemeinsame Durchführung von Feldversuchen in Bayern, Südtirol und Österreich, um die Anbauwürdigkeit von Trockenbohnen und Sorghumhirse unter unterschiedlichen Standort- und Klimabedingungen zu prüfen. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft und die HBLFA Raumberg-Gumpenstein arbeiten bereits seit 2021 erfolgreich im Feldversuchswesen zu Trockenbohnen im Rahmen des Projektes "Speiseleguminosen BioBayern" zusammen. Das Versuchszentrum Laimburg führte in den vergangenen Jahren Feldversuche mit verschiedenen Hülsenfrüchten durch. Seit 2025 gibt es auch eine Sortenprüfung mit Trockenbohnen, die in Zusammenarbeit mit der HBLFA Raumberg-Gumpenstein geplant wurde.
- Gegenseitiges Lernen zwischen Regionen mit unterschiedlichen Ausgangsbedingungen und vielseitigen Wertschöpfungsketten.
- Einbindung von Praxisbetrieben, KMUs und Verarbeitern, um die Ergebnisse direkt in die Praxis zu bringen.
Praxisrelevanz
Das Projekt ist von hoher praktischer Bedeutung, da es zentrale Herausforderungen der Biologischen Landwirtschaft, als auch des konventionellen Anbaus im gemäßigten Klima Mitteleuropas aufgreift und konkrete Lösungen für einen erfolgreichen Anbau von Trockenbohnen und Sorghumhirse entwickelt. Beide Kulturen gelten als vielversprechend für die Landwirtschaft, da sie nicht nur ernährungsphysiologisch wertvoll sind, sondern auch zur Stärkung regionaler Wertschöpfung und zur Verbesserung der Nachhaltigkeit beitragen.
Beitrag zur heimischen Landwirtschaft
- Trockenbohnen bereichern Fruchtfolgen, fördern durch Stickstofffixierung die Bodenfruchtbarkeit und reduzieren den Zukauf externer Betriebsmittel.
- Sorghumhirse ist als glutenfreie Kultur zunehmend gefragt und kann in landwirtschaflichen Betrieben als ertragssichere Alternative zu Mais und Sommergetreiden integriert werden.
- Beide Kulturen tragen dazu bei, die Vielfalt auf den Feldern zu erhöhen, was wiederum positive Effekte auf Biodiversität und Resilienz der Produktionssysteme hat.
Relevanz für die Markt- und Konsumentenseite
- Bio-Konsument:innen greifen überdurchschnittlich häufig zu pflanzlichen Lebensmitteln. Die Nachfrage nach Hülsenfrüchten und glutenfreien Produkten wächst stetig. Regionalität ist im konventionellen als auch im biologischen Bereich ein wichtiges Kriterium beim Einkauf.
- Durch die Förderung des heimischen Anbaus können Importe (z. B. Soja oder Reis) reduziert und regionale Proteinquellen gestärkt werden.
- Dies erhöht die Versorgungssicherheit und schafft zugleich Marktchancen für Biobetriebe, Verarbeiter und Handel.
Lösungen für konkrete Anbauprobleme
- Im gemäßigten Klima stellen hoher Unkrautdruck, verzögerte Abreife und Ertragsunsicherheiten wesentliche Hürden beim anbau von Sorghumhirse und Trockenbohnen dar.
- Das Projekt entwickelt praxistaugliche Strategien zur Sortenwahl, Saatgutbeimpfung (Trockenbohnen), mechanischen Unkrautregulierung und Kulturführung, die speziell auf diese Bedingungen zugeschnitten sind.
Wirtschaftliche Chancen für Betriebe
- Der erfolgreiche Anbau von Bohnen und Hirse eröffnet neue Einkommensmöglichkeiten durch Absatz in der Lebensmittelverarbeitung (Mehl, Flocken, Fertigprodukte).
- Durch die zirkuläre Nutzung von Nebenprodukten (Schalen, Bruchware, Hirsestroh) können zusätzliche Wertschöpfungsketten entstehen, die die Wirtschaftlichkeit erhöhen.
- Langfristig tragen diese Maßnahmen zur Stabilisierung der Einkommen und zur Risikostreuung in Biobetrieben bei.
Stärkung regionaler Wertschöpfung und Ernährungssouveränität
- Mit der Etablierung von Trockenbohnen und Sorghumhirse als Bio-Speisekulturen entstehen neue Chancen für regionale Verarbeiter und Vermarkter.
- Dies stärkt die gesamte Wertschöpfungskette von der Landwirtschaft bis zum Handel und erhöht die Unabhängigkeit von globalen Märkten.
- Konsument:innen profitieren von einer größeren Verfügbarkeit an regionalen, nachhaltigen und gesunden Lebensmitteln.
Die Praxisrelevanz des Projekts liegt in der direkten Antwort auf aktuelle Herausforderungen der Biologischen Landwirtschaft: Klimaanpassung, Entwicklung praxisnaher Anbauverfahren, Schaffung neuer Einkommensquellen für Landwirt:innen und Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten. Damit wird ein entscheidender Beitrag zu einer klimafitten, nachhaltigen und marktorientierten Landwirtschaft in Bayern, Südtirol und Österreich geleistet.