Halbtagsweide: Futteraufnahme und Milchleistung von Milchkühen in Stallhaltung bzw. auf Halbtagsweide mit dem Ziel der Einsparung von Proteinkraftfutter

Projektleitung

Johann Häusler

Forschungseinrichtung

LFZ Raumberg-Gumpenstein

Projektnummer

100570

Projektlaufzeit

-

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft

Allgemeine Projektinformationen

Abstract (deutsch)

Durch die Umstellung der arbeitsintensiven Portionsweide auf moderne Intensivweiden (Kurzrasen- bzw. Koppelweide) aber auch wegen der in letzter Zeit schwankenden Kraftfutter- und Milchpreise präsentiert sich die Weidehaltung als durchaus ernst zu nehmende Alternative zur ganzjährigen Stallhaltung. Neben den Kosten für die Bestandesergänzung liegt in der Milchviehhaltung das größte Einsparungspotential in der Fütterung. Durch die Reduktion von Kraftfutter und die bestmögliche Nutzung des billigen aber hochwertigen Weidefutters gelingt es, die Kosten für die Fütterung erheblich zu senken. Laut Umfragen können sich etwa 30 % der Betriebe Weidehaltung vorstellen. Die Möglichkeit (begrenzte Weidefläche) aber auch die Bereitschaft zur Vollweidehaltung ist aber in vielen Betrieben nicht oder nur eingeschränkt gegeben. Aus diesem Grund erscheint Stunden- bzw. Halbtagsweide eine gute Möglichkeit zu sein, um auch in diesen Betrieben die Vorteile des günstigen Weidefutters zu nutzen und zusätzlich könnte dadurch teures Kraftfutter (vor allem Proteinkraftfutter) eingespart werden. Bis jetzt fehlen Erfahrungswerte, ob Stunden- oder Halbtagsweiden auch als Kurzrasen- oder Koppelweiden geführt werden können. Neben dem Kraftfuttereinsparungspotential ist daher die Weideführung eines der Hauptziele dieses Forschungsprojektes. Die Weidefutteraufnahmen auf Kurzrasen- bzw. Koppelweiden wurden bis jetzt meist indirekt über Kalkulationen bzw. über die tierischen Leistungen und zum Teil auch mittels Indikatormethoden ermittelt. Im Rahmen dieses Projektes soll die Weidefutteraufnahme mittels Differenzmethode (Massenerhebung des Aufwuchses vor und nach der Beweidung) erhoben werden. Die so ermittelten Futteraufnahmen sollen mit jenen aus Kalkulationen bzw. jener aus einer Indikatormethode verglichen werden.

Schlagwörter (deutsch)

Veränderung der Futteraufnahme durch Halbtagsweide, Kraftfuttereinsparungspotential durch Weide, Entwicklung einer praktikablen Methode zur exakten Erhebung von Weidefutteraufnahmen

Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)

Titel (englisch)

Feed intake and milk production of dairy cows fed indoor and alternatively half a day on pasture considerung the possible reduction of protein concentrates

Abstract (englisch)

The conversion of labor-intensive grazing methods to modern pasture methods (paddock grazing or continuous grazing) and also the recent fluctuation in the prices of milk and concentrates made pasture to a quite serious alternative for year-round stabling. In dairy farming besides the costs of restocking the largest potential of reducing the costs are in feeding. The reduction of concentrates and the best use of cheap but high-class pasture forage are able to reduce the costs of feeding significantly. According to surveys about 30% of all the Austrian farmers could imagine keeping their cows on pasture. But not all of them have the possibility to pasture all day (for example they have too little area) and not all of the farm managers show the willingness for this system. So keeping the cows on pasture only for hours or half a day could be a possibility to use the pros of pasture and to save expensive concentrates (especially protein concentrates). Till this day there are no experiences if these pasture systems could be managed with paddock or continual grazing. Besides the potential savings of concentrates the grazing management is one of the main themes of this research project. The intakes of pasture forage on paddocks or continuous grazing pastures were usually originated indirectly by calculations mostly out of animal performances and partly by indicator methods. In this project all the former described methods of calculating the intake of pasture forage will be completed by using a differential method (determining the herbage mass before and after grazing). The results out of this investigations and calculations will be compared and verified in plausibility.

Projektziele

Durch die Umstellung der arbeitsintensiven Portionsweide auf moderne Intensivweiden (Kurzrasen- bzw. Koppelweide) aber auch wegen der in letzter Zeit schwankenden Kraftfutter- und Milchpreise präsentiert sich die Weidehaltung als durchaus ernst zu nehmende Alternative zur ganzjährigen Stallhaltung. Neben den Kosten für die Bestandesergänzung liegt in der Milchviehhaltung das größte Einsparungspotential in der Fütterung. Durch die Reduktion von Kraftfutter und die bestmögliche Nutzung des billigen aber hochwertigen Weidefutters gelingt es, die Kosten für die Fütterung erheblich zu senken.
Laut Umfragen können sich etwa 30 % der Betriebe Weidehaltung vorstellen. Die Möglichkeit (begrenzte Weidefläche) aber auch die Bereitschaft zur Vollweidehaltung ist aber in vielen Betrieben nicht oder nur eingeschränkt gegeben. Aus diesem Grund erscheint Stunden- bzw. Halbtagsweide eine gute Möglichkeit zu sein, um auch in diesen Betrieben die Vorteile des günstigen Weidefutters zu nutzen und zusätzlich könnte dadurch teures Kraftfutter (vor allem Proteinkraftfutter) eingespart werden. Bis jetzt fehlen Erfahrungswerte, ob Stunden- oder Halbtagsweiden auch als Kurzrasen- oder Koppelweiden geführt werden können. Neben dem Kraftfuttereinsparungspotential ist daher die Weideführung eines der Hauptziele dieses Forschungsprojektes. Die Weidefutteraufnahmen auf Kurzrasen- bzw. Koppelweiden wurden bis jetzt meist indirekt über Kalkulationen bzw. über die tierischen Leistungen und zum Teil auch mittels Indikatormethoden ermittelt. Im Rahmen dieses Projektes soll die Weidefutteraufnahme mittels Differenzmethode (Massenerhebung des Aufwuchses vor und nach der Beweidung) erhoben werden. Die so ermittelten Futteraufnahmen sollen mit jenen aus Kalkulationen bzw. jener aus einer Indikatormethode verglichen werden.
Weideproduktionsformen und die Einsparung von Kraftfutter (vor allem Proteinkraftfutter) entsprechen in hohem Ausmaß den agrarpolitischen Zielvorgaben. Da wie bereits erwähnt viele Betriebe gerne Weidehaltung betreiben würden, aber nicht die Möglichkeit zur Vollweide haben, besteht Handlungs- bzw. Forschungsbedarf im Bereich der Halbtags- oder Stundenweide. Diesem Bedarf wird im Rahmen des vorliegenden Projektes erstmals Rechnung getragen. Die zu erwartenden Ergebnissen sollen unter alpinen Rahmenbedingungen praxisrelevante Antworten zu vielen offenen Fragen liefern und die praktische Erfahrungen, die gesammelt werden können, sollen die Basis für die Optimierung des Weidemanagements auf den Betrieben darstellen. Alle Ergebnisse stehen unmittelbar nach Versuchsende der Landwirtschaft zur Verfügung. Sie sollen in landwirtschaftlichen Fachzeitungen umfangreich publiziert und bei Tagungen sowohl der Lehre und Beratung als auch den praktizierenden Bauern vorgestellt werden und damit eine breite Ergebnisumsetzung sicher stellen.

Praxisrelevanz

Die zu beobachtende Veränderung im Bereich der Energie- und Rohstoffversorgung wird auch in der Landwirtschaft nicht ohne Folgen bleiben. Die weltweit stärkere Nachfrage nach Nahrungsmitteln, bei gleichzeitiger Ausweitung der Energieproduktion auf Ackerstandorten, werden die Preise für Körner und Ackerfrüchte weiter erhöhen. Dies dürfte zu einer Abnahme der Tierzahlen im Ackergebiet führen und im Grünland- und Berggebiet den Einsatz hoher Kraftfuttermengen zunehmend unwirtschaftlich machen.
Rinder sind wie alle Wiederkäuer sehr effiziente Grundfutterverwerter. Sie können für den Menschen nicht direkt nutzbare Rohstoffe zu Lebensmitteln umwandeln. In der Rinderhaltung wird daher der grünlandfutter- und weidebasierten Milch- aber auch Fleischproduktion wieder größeres Augenmerk zu schenken sein. Unsere Weiden liefern das preiswerteste Futter und sind sehr energieeffizient und zeigen bei guter Bewirtschaftung ein hohes Einsparungspotential in der Fütterung. Dies zeigt sich auch darin, dass Regionen mit einem hohem Weidegrasanteil in der Jahresration auch international am Markt bestehen können (Irland, Neuseeland). Bei steigenden Energie- und Maschinenkosten wird die Weidehaltung zwangsläufig konkurrenzfähiger.
Im geplanten Projekt soll eine Strategie für jene Betriebe im Grünlandgebiet Österreichs, die zwar Weidehaltung aber nicht Vollweidehaltung betreiben wollen, entwickelt werden. Stunden- bzw. Halbtagsweidehaltung ermöglicht höhere Einzelleistungen als Vollweide und dies ist für viele Landwirte nach wie vor wichtig. Ein höherer Anteil von Stallfütterung bringt vor allem in den ersten Laktationsmonaten Vorteile hinsichtlich Nährstoffversorgung, Leistung und Tiergesundheit mit sich. Allerdings muss mit einem Rückgang des Weidegrasanteils in der Gesamtjahresration und einem höheren Kraftfutteraufwand gerechnet werden. Aber auch durch den reduzierten Einsatz von Weidefutter kann Kraftfutter, vor allem Proteinkraftfutter, gespart werden. Dieses Einsparungspotential soll in unserem Forschungsprojekt ebenso wie die Auswirkung der Reduktion von Proteinkraftfutter auf Milchleistung, Nährstoffversorgung, physiologische, ökonomische und ökologische Parameter erhoben werden. Stunden- bzw. Halbtagsweide soll als weitere Alternative zur ganzjährigen Stallhaltung angeboten und etabliert werden.

Berichte

Abschlussbericht

Kurzfassung

Im Jahr 2010 (März - Oktober) stand in Rahmen einer wissenschaftlichen Tätigkeit (WT) an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein die Haltung von Milchkühen auf einer Stunden- (Halbtags-) weide im Mittelpunkt. 16 Milchkühe (Holstein Friesian und Fleckvieh) wurden gleichmäßig auf zwei Gruppen verteilt. Eine dieser beiden Gruppen (Stallgruppe) wurde über den gesamten Versuchszeitraum im Stall gehalten und die andere (Weidegruppe) erhielt nach dem morgendlichen Melken für 6 Stunden Zugang auf eine (Kurzrasen-) Weide. Untersucht wurden die Auswirkungen der Weidehaltung auf Futteraufnahme und Nährstoffversorgung, Milchleistung und Milchinhaltsstoffe, Zellzahl und Milchfettsäurenmuster. Auch der Aspekt einer möglichen (Protein-) Kraftfuttereinsparung wurde in die Untersuchung mit einbezogen. Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zeigen, dass sich die beiden Versuchsgruppen in ihrer Gesamtfutteraufnahme mit durchschnittlich 17 kg Trockenmasse (TM) pro Tag nicht voneinander unterschieden, dass aber in der Weidegruppe durch die Aufnahme des nährstoffreicheren Weidefutters (durchschnittlich 7,5 kg TM/Tag) eine bessere Energie- und Proteinversorgung erreicht werden konnte. Dies führte zu einer zweiten Laktationsspitze kurz nach Weideaustrieb (1. Versuchswoche: Weidegruppe: ca. 30 kg Milch/Tag, Stallgruppe: ca. 27 kg Milch/Tag) sowie zu einer besseren Persistenz (Weideende: Weidegruppe: ca. 20 kg Milch/Tag, Stallgruppe: ca. 12 kg Milch/Tag) und damit zu einer signifikant höheren Milchleistung der Weidegruppe (Weidegruppe 3.756 kg ECM (= energiekorrigierte Milch), Stallgruppe 2.975 kg ECM) im Versuchszeitraum. Der Fettgehalt der Milch zeigte keine Unterschiede (Weide: 4,08 %, Stall: 4,10 %). Im Gegensatz dazu waren die Protein- (3,19 % bzw. 2,94 %) und Harnstoffgehalte (32,2 mg/100 ml bzw. 18,5 mg/100 ml) in der Weidegruppe signifikant höher, während sich die Zellzahlen nicht signifikant voneinander unterschieden. Signifikante Auswirkungen des Weidegrases konnten beim Milchfettsäurenmuster beobachtet werden. Das Verhältnis von gesättigten zu ungesättigten Fettsäuren (Weidegruppe: 73:27, Stallgruppe: 78:22), sowie die Gehalte an Omega-3-Fettsäuren (Weidegruppe: 1,13 g/100 g FS, Stallgruppe: 0,94 g/100 g FS) und konjugierten Linolsäuren (Weidegruppe: 0,79 g/100 g FS, Stallgruppe: 0,55 g/100 g FS) wurden durch das junge Weidefutter positiv beeinflusst. Trotz der besseren Nährstoffversorgung war die tägliche Lebendmasseveränderung in der Hauptversuchsperiode in der Weidegruppe (-484 g/Tag) signifikant höher als in der Stallgruppe (-383 g/Tag). Besonders in den Umstellungs-phasen (zu Beginn des Vorversuches und zu Weidebeginn) waren hohe Lebendmasseabnahmen zu erkennen.Trotz der besseren Nährstoffversorgung war die tägliche Lebendmasseveränderung in der Hauptversuchsperiode in der Weidegruppe (-484 g/Tag) signifikant höher als in der Stallgruppe (-383 g/Tag). Besonders in den Umstellungsphasen (zu Beginn des Vorversuches und zu Weidebeginn) waren hohe Lebendmasseabnahmen zu erkennen. Aufgrund der höheren Milchleistung der Weidegruppe wurde im Verlauf der Weidezeit – trotz höher angenommener Grundfutterleistung – in der Weidegruppe mehr Energiekraftfutter (EKF) verbraucht als in der Stallgruppe (Weidegruppe: 434 kg TM/Tier, Stallgruppe: 314 kg TM/Tier). Im KF-Aufwand je kg ECM zeigte sich jedoch kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen (Weidegruppe: 134 g FM, Stallgruppe: 135 g FM). Auf Proteinkraftfutter wurde in der Weidegruppe verzichtet, weshalb im Vergleich zur Stallgruppe 59 kg TM Proteinkraftfutter pro Tier eingespart werden konnte. Auch in den Effizienzparametern (Milch-, Futterkonvertierungs- und Energiekonvertierungseffizienz) schnitt die Weidegruppe besser ab als die Stallgruppe. Zudem konnte in der Weidegruppe eine um ca. 29 % höhere Grundfutterleistung erreicht werden. Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung bestätigen, dass der Einbau von Weidefutter in die Ration Vorteile bringt und großes Potenzial hat. Stunden- oder Halbtagsweiden können auch als Kurzrasenweide geführt werden und sind eine gute Alternative zur ganzjährigen Stallhaltung. Das System eignet sich auch als Einstieg in die Weidehaltung. Dabei muss – bei angepasstem Kraftfuttereinsatz – nicht auf hohe Einzeltierleistungen verzichtet werden. Das junge, nährstoffreiche Weidefutter führt zu einer höheren Grundfutterleistung, wodurch sich bei gleicher Kraftfuttermenge die Milchleistung erhöht oder bei gleicher Milchleistung Kraftfutter, vor allem teures Proteinkraftfutter, eingespart werden kann.

Berichtsdateien

Abschlussbericht_Halbtagsweide.pdf

Autor/innen

Johann Häusler; PD Dr. Andreas Steinwidder; Daniel Eingang; Johannes Wildling; Ing. Reinhard Resch; Barbara Steiner; Ing. Josef Kaufmann; Ing. Markus Gallnböck; ECBHM Dr. Johann Gasteiner; Dr. Margit Velik; Univ.-Doz. Dr. Leonhard Gruber; Ao.Univ.Prof. Dr. Wilhelm Knaus; DI Katja Bachler

Publikationen

Alle Publikationen wurden vom Projektverantwortlichen eingetragen und liegen in dessen Verantwortung.

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