Obstanlage

© HBLAWO Wurm

Götterbaum-HBLA: Biologische Bekämpfung des hochinvasiven Götterbaums (Ailanthus altissima) im Obstbau

Projektleitung

Lothar Wurm

Forschungseinrichtung

HBLA und BA für Wein- und Obstbau Klosterneuburg

Projektnummer

101771

Projektlaufzeit

-

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus

Allgemeine Projektinformationen

Abstract (deutsch)

Derzeit ist eine Bekämpfung des Götterbaums im Wein- und Obstbau, in Sonderkulturen sowie in ausgewählten Kulturen des Acker- und Gemüsebaus ausschließlich mittels mechanischer Maßnahmen (Ausreißen, partielles Ringeln) oder mittels chemischer Herbizide/Arborizide (Glyphosat-Injektionen in den Stamm bzw. Kappung und anschließendes Bestreichen der Schnittflächen mit Glyphosat!) möglich, wobei sich die Bekämpfung sehr aufwendig und kostenintensiv gestaltet und in der Mehrzahl der Fälle nur eine Kombination beider Maßnahmen zu einem annehmbaren Bekämpfungserfolg (Mortalitätsrate) am Götterbaum geführt hat. Zudem ist der Einsatz von chemischen Herbiziden im biologischen Wein- und Obstbau prinzipiell nicht gestattet! Biologische Bekämpfungsverfahren sind mittlerweile ein wesentlicher Bestandteil des integrierten Pflanzenschutzes. Das an der BOKU in 8-jähriger Forschungs- und Entwicklungsarbeit entwickelte Verfahren zur nachhaltigen, biologischen Bekämpfung des Götterbaums, das auf einem weitgehend spezifisch wirkenden Isolat eines heimischen Welke-Pilzes basiert, kann seit 2017 – basierend auf einer von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) jährlich neu erteilten Notfallzulassung – bisher im Forst, auf Gleisanlagen, landwirtschaftlich nicht genutzten Flächen sowie in Zierpflanzenkulturen und seit 2019 auch im Weinbau, jedoch mit der Einschränkung auf die Rebsorten Grüner Veltliner und Zweigelt, in einem Zeitraum von 120 Tagen angewendet werden. Um eine nachhaltige biologische Bekämpfung des Götterbaums (ohne Einschränkungen auf einzelne Sorten) auch in Obstkulturen durchführen zu können, bedarf es jedoch weiterer, umfassender und gründlicher Risikoanalysen, die die Auswirkungen des eingesetzten Pilzisolats auf die jeweiligen Nichtzielpflanzen zum Gegenstand hat.

Schlagwörter (deutsch)

Götterbaum, Ailanthus altissima, biologische Bekämpfung, Neophytenbekämpfung, Obstbau

Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)

Titel (englisch)

Biological control of highly invasive Tree-of Heaven (Ailanthus altissima) in fruit production

Abstract (englisch)

At present, control of the "Götterbaum" in viticulture and orchards, in special crops and in selected arable and vegetable crops is only possible by means of mechanical measures (uprooting, partial ringing) or by means of chemical herbicides/arboricides (glyphosate injections into the trunk or capping and subsequent coating of cut surfaces with glyphosate! In the majority of cases, only a combination of both measures has led to an acceptable control success (mortality rate) on the "Götterbaum". In addition, the use of chemical herbicides is in principle not permitted in organic viticulture and orcharding! Biological control methods have become an essential part of integrated pest management. The method developed at BOKU in 8 years of research and development work for the sustainable, biological control of the "Götterbaum", which is based on a largely specifically acting isolate of a native wilt fungus, can be used since 2017 - based on an annual emergency approval granted by the Agency for Health and Food Safety (AGES) - so far in forestry, on railway tracks, agriculturally unused areas as well as in ornamental plant cultures and, since 2019, also in viticulture, but with the restriction to the grape varieties Grüner Veltliner and Zweigelt, for a period of 120 days. However, in order to be able to carry out sustainable biological control of "Götterbaum" (without restrictions to individual varieties) in fruit crops as well, further, comprehensive and thorough risk analyses are required that focus on the effects of the fungal isolate used on the respective non-target plants.

Schlagwörter (englisch)

Ailanthus altissima, biological control, neophyte control, fruit growing

Projektziele

Das Hauptziel des vorliegenden Projekts ist die Testung der in Österreich am häufigsten kultivierten Obstarten sowie einiger weiterer ausgewählter Arten in Hinblick auf ihre Anfälligkeit gegenüber dem in der biologischen Götterbaumbekämpfung eingesetzten V. nonalfalfae-Isolat Vert56. Dazu sollen im Rahmen eines dreijährigen Freiland-Projekts umfangreiche "non-target"-Versuche an allen in Österreich wichtigen Obstbaumarten/-sorten durchgeführt werden. Dabei soll nachgewiesen werden, dass selbst bei direkter Inokulation des zur Götterbaum-Bekämpfung eingesetzten Welkepilz-Isolats in das Stämmchen der Obstpflanzen, an diesen keine Symptome entwickelt werden. Zudem sollen im Projektzeitraum auch etwaige sonstige Auswirkungen der Welkepilz-Inokulation z.B. auf den Ertrag, die Qualität des Ernteguts, die Anfälligkeit der getesteten Arten/Sorten gegenüber anderen Krankheitserregern oder spezifischen Schädlingen, etc. erhoben werden. Sollten die Ergebnisse dieses Freiland-Projekts die in einem Vorversuch unter Glashaus-Bedingungen erzielten Ergebnisse bestätigen, wäre eine Ausweitung des Einsatzbereichs von Ailantex auf den Obstbau durch das Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES) durchaus realistisch. Zu Kulturen, die sich in diesen Versuchen entgegen unseren Erwartungen doch als anfällig gegenüber dem Verticillium nonalfalfae-Isolat Vert 56 erweisen sollten, müssten bei der biologischen Bekämpfung des Götterbaums dann künftig entsprechende, vom BAES festzulegende Sicherheitsabstände eingehalten werden. Basierend auf den Erkenntnissen aus diesem Projekt könnten dem Bund als vollziehendes Organ in den Bereichen Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft und Umwelt aber auch den für den Naturschutz zuständigen Bundesländern und nicht zuletzt den Anwendern in der Praxis ein biologisches und nachhaltig wirksames Bekämpfungsverfahren gegen den Götterbaum zur Verfügung gestellt werden. Ein solches wäre – insbesondere in Hinblick auf die von der EU von den Mitgliedstaaten eingeforderten Management-Strategien gegen den mittelweile auf der EU-Liste der Invasiven Arten gelisteten Götterbaum – von hoher Relevanz!

Praxisrelevanz

Eine nachhaltige Bekämpfung des Götterbaums ist für alle der o.g. Bereiche von großer Bedeutung, denn mittlerweile hat sich diese invasive Baumart – überall dort, wo die klimatischen Bedingungen eine Etablierung des Götterbaums erlauben – in so gut wie allen Bereichen ausgebreitet. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, diese Baumart nicht nur sektoral (z.B. auf Brachflächen, im Forst oder entlang von Infrastruktureinrichtungen etc.) zu bekämpfen, sondern überall dort, wo der Baum auftritt (also auch im Weinbau, Obstbau, in Sonderkulturen und betroffenen LW-Kulturen), diesen mittels gezielter Managementmaßnahmen zurückzudrängen und nachhaltig zu bekämpfen. Für den Bereich Umwelt ist besonders das Vordringen des Götterbaums in Natura 2000 Gebiete, Europaschutzgebiete, Nationalparks, etc. von großer Problematik, wo diese Art durch ihre besonders hohe Konkurrenzkraft andere Baum- und Pflanzenarten unterdrückt oder durch Allelopathie ihr Aufkommen überhaupt hemmt. In der Folge verdrängt der Götterbaum somit die natürliche Vegetation und hat damit nachhaltig negativen Einfluss auf die natürlichen Wald- und Pflanzengesellschaften. In der Wasserwirtschaft liegt die besondere Gefahr in der Besiedlung von Hochwasserschutzdämmen, wodurch es im Hochwasserfall infolge der Entwurzelung von etabliertem Götterbaumbewuchs zu Zerstörungen an Schutzeinrichtungen kommen kann. In der Forstwirtschaft kann das Auflichten von Beständen, in deren Nähe sich Samenbäume befinden, zur sehr raschen Etablierung von dichtem Götterbaumjungwuchs führen, der mit mechanischen Methoden oder klassischen Managementmethoden des Waldbaus kaum mehr zurückgedrängt werden kann! In Sizilien hat dieser Verdrängungsprozess bereits derartige Ausmaße angenommen, dass dort mittlerweile in der Forstinventur ein eigener Vegetationstyp „Götterbaumreinbestand“ ausgeschieden wurde! In der Landwirtschaft ist die Götterbaum-Problematik besonders in mehrjährigen Kulturformen wie dem Weinbau, dem Obstbau, in Sonderkulturen sowie anderen mehrjährigen LW-Kulturen gegeben, da hier das jährliche Ausreißen von etwaig angeflogenen Sämlingen bzw. das Ausreißen einer von benachbarten Flächen ausgehenden Wurzelbrut bzw. klonal vordringender Götterbaumschösslinge nicht durch jährliches Pflügen und Eggen unterbunden wird.

Berichte

Abschlussbericht , 30.04.2024

Kurzfassung

Ailanthus altissima wird auf Grund seines invasiven Charakters seit 2019 auf der Liste der invasiven gebietsfremden Arten von EU-weiter Bedeutung geführt. Alle Mitgliedsstaaten sind daher verpflichtet, Maßnahmen zu setzen, die seine weitere Ausbreitung verhindern. Die bisher eingesetzten mechanischen und chemischen Bekämpfungsmaßnahmen sind jedoch teuer, zeitaufwändig und oft nur partiell erfolgreich. Hingegen hat sich eine biologische Bekämpfung von Götterbaum mit Verticillium nonalfalfae in zahlreichen Versuchen als hochwirksam erwiesen. Seit 2017 wurde für ein entsprechendes Präparat daher jährlich eine Notfallzulassung (ab 2019 unter dem Handelsnamen Ailantex®) erteilt. Für das Inverkehrbringen eines Pathogens als Pflanzenschutzmittel sind jedoch neben der Wirksamkeit auch die Auswirkungen auf potenziell anfällige Nicht-Ziel-Organismen sehr entscheidend. Im Rahmen der bisher an Gehölzen durchgeführten Untersuchungen konnten jedoch keine negativen Auswirkungen auf andere Arten als Götterbaum festgestellt werden. Aufgrund fehlender Daten war eine Indikation für Ailantex® im Bereich der Landwirtschaft bisher nicht gegeben. Ziel des Projekts VERT-AGRI ist es daher, die Auswirkungen von Ailantex® im Wein- und Obstbau zu untersuchen. In einem Freilandversuch, der in Kooperation mit der HBLA Klosterneuburg sowie der LFS Krems von 2021-2024 durchgeführt wird, werden daher die häufigsten Obstarten und Rebsorten auf ihre Anfälligkeit gegenüber dem Erreger getestet. Dazu wurden die ausgewählten Obstbäume bzw. Rebstöcke in zwei Gruppen geteilt und im Frühjahr 2021 mit Ailantex® bzw. mit sterilem Wasser behandelt. Alle im Versuch stehenden Pflanzen wurden in den nachfolgenden Vegetationsperioden hinsichtlich des Auftretens einer Verticillose bonitiert. Um die Wirksamkeit des Präparats zu demonstrieren wurden am Versuchsstandort stockende Götterbäume zeitgleich mit den Obstbäumen und Rebstöcken mit der identen Charge Ailantex behandelt. Während es an Götterbäumen zu einer starken Verticillose kam, konnten weder an den beimpften Obstgehölzen noch an den Weinreben typische Welke-Symptome beobachtet werden. Im Vergleich der behandelten mit der Kontroll-Gruppe zeigte sich bei allen getesteten Arten/Sorten vielmehr eine idente Entwicklung im Lauf der bisher beobachteten zwei Vegetationsperioden. Auf Basis der bisher erzielten Ergebnisse wurde die Indikation für Ailantex® durch die Zulassungsbehörde (BAES) auf Weinreben, Steinobst, Kernobst, Walnüsse und Beerenobst ausgeweitet.

Berichtsdateien

Götterbaum.pdf

Abstract (deutsch)

Ailanthus altissima wird auf Grund seines invasiven Charakters seit 2019 auf der Liste der invasiven gebietsfremden Arten von EU-weiter Bedeutung geführt. Alle Mitgliedsstaaten sind daher verpflichtet, Maßnahmen zu setzen, die seine weitere Ausbreitung verhindern. Die bisher eingesetzten mechanischen und chemischen Bekämpfungsmaßnahmen sind jedoch teuer, zeitaufwändig und oft nur partiell erfolgreich.

Hingegen hat sich eine biologische Bekämpfung von Götterbaum mit Verticillium nonalfalfae in zahlreichen Versuchen als hochwirksam erwiesen. Seit 2017 wurde für ein entsprechendes Präparat daher jährlich eine Notfallzulassung (ab 2019 unter dem Handelsnamen Ailantex®) erteilt.

Für das Inverkehrbringen eines Pathogens als Pflanzenschutzmittel sind jedoch neben der Wirksamkeit auch die Auswirkungen auf potenziell anfällige Nicht-Ziel-Organismen sehr entscheidend. Im Rahmen der bisher an Gehölzen durchgeführten Untersuchungen konnten jedoch keine negativen Auswirkungen auf andere Arten als Götterbaum festgestellt werden.

Aufgrund fehlender Daten war eine Indikation für Ailantex® im Bereich der Landwirtschaft bisher nicht gegeben. Ziel des Projekts VERT-AGRI ist es daher, die Auswirkungen von Ailantex® im Wein- und Obstbau zu untersuchen.
In einem Freilandversuch, der in Kooperation mit der HBLA Klosterneuburg sowie der LFS Krems von 2021-2024 durchgeführt wird, werden daher die häufigsten Obstarten und Rebsorten auf ihre Anfälligkeit gegenüber dem Erreger getestet.
Dazu wurden die ausgewählten Obstbäume bzw. Rebstöcke in zwei Gruppen geteilt und im Frühjahr 2021 mit Ailantex® bzw. mit sterilem Wasser behandelt. Alle im Versuch stehenden Pflanzen wurden in den nachfolgenden Vegetationsperioden hinsichtlich des Auftretens einer Verticillose bonitiert. Um die Wirksamkeit des Präparats zu demonstrieren wurden am Versuchsstandort stockende Götterbäume zeitgleich mit den Obstbäumen und Rebstöcken mit der identen Charge Ailantex behandelt.

Während es an Götterbäumen zu einer starken Verticillose kam, konnten weder an den beimpften Obstgehölzen noch an den Weinreben typische Welke-Symptome beobachtet werden. Im Vergleich der behandelten mit der Kontroll-Gruppe zeigte sich bei allen getesteten Arten/Sorten vielmehr eine idente Entwicklung im Lauf der bisher beobachteten zwei Vegetationsperioden. Auf Basis der bisher erzielten Ergebnisse wurde die Indikation für Ailantex® durch die Zulassungsbehörde (BAES) auf Weinreben, Steinobst, Kernobst, Walnüsse und Beerenobst ausgeweitet.

Abstract (englisch)

Due to its invasive nature, Ailanthus altissima has been on the list of invasive alien species of EU-wide concern since 2019. All member states are therefore obliged to take measures to prevent its further spread. However, the mechanical and chemical control measures used to date are expensive, time-consuming and often only partially successful.

In contrast, biological control of Götterbaum with Verticillium nonalfalfae has proven to be highly effective in numerous trials. Since 2017, an emergency authorisation has therefore been granted annually for a corresponding preparation (from 2019 under the trade name Ailantex®).

However, in addition to efficacy, the effects on potentially susceptible non-target organisms are also very important when placing a pathogen on the market as a plant protection product. However, the tests carried out on woody plants to date have not identified any negative effects on species other than the tree of heaven.

Due to a lack of data, Ailantex® has not yet been indicated for use in agriculture. The aim of the VERT-AGRI project is therefore to investigate the effects of Ailantex® in viticulture and fruit growing.

In an outdoor trial, which will be carried out in cooperation with the HBLA Klosterneuburg and the LFS Krems from 2021-2024, the most common fruit species and grape varieties will therefore be tested for their susceptibility to the pathogen.
For this purpose, the selected fruit trees and vines were divided into two groups and treated with Ailantex® and sterile water in spring 2021. All plants in the trial were assessed for the occurrence of verticillosis in the subsequent vegetation periods. In order to demonstrate the efficacy of the preparation, trees of the gods growing at the trial site were treated with the identical batch of Ailantex at the same time as the fruit trees and vines.
While there was a strong verticillosis on the trees of the gods, no typical wilt symptoms were observed on either the inoculated fruit trees or the vines. A comparison of the treated and control groups showed an identical development in all tested species/varieties over the course of the two vegetation periods observed to date. Based on the results obtained to date, the indication for Ailantex® was extended by the authorisation authority (BAES) to include grapevines, stone fruit, pome fruit, walnuts and soft fruit.

Autor/innen

Dr. Lothar Wurm