FERTIG25: Ferkelaufzucht in der Abferkelbucht
Projektleitung
Lisa Baldinger
Forschungseinrichtung
Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein
Projektnummer
102306Projektlaufzeit
-
Finanzierungspartner
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft
Allgemeine Projektinformationen
Abstract (deutsch)
Auf Bio-Zuchtsauenbetrieben ferkeln Sauen überwiegend in Einzel-Abferkelbuchten ab, wo die Sau und ihre Ferkel für einige Wochen verbleiben. Spätestens nach dem Absetzen im Alter von mindestens 40 Tagen werden Ferkel aus mehreren Würfen gruppiert und gemeinsam aufgezogen bis sie ein Gewicht von mindesten 25 kg erreicht haben und in die Mast wechseln. Ist ein Gruppensäuge-System im Einsatz, kommt noch ein zusätzliches Umstallen dazu, nämlich das Gruppieren mehrerer Sauen mit ihren Ferkeln etwa 2-3 Wochen nach der Geburt. Diese Vorgehensweise entspricht dem Bedürfnis der Sau nach Absonderung von der Rotte kurz vor und einige Zeit nach der Geburt, und die Ferkelaufzucht in Aufzuchtbuchten mit gezielter Fütterung ermöglicht ein gutes Management der Tiere. Allerdings geht diese Vorgehensweise auch mit mehrfachem Umstallen einher, was sowohl mehrfache Reinigungsarbeit bedeutet als auch Stress für die Tiere. Daher wird im Projekt FERTIG25 folgende Alternative im Vergleich zum Verfahren Abferkelbucht-Gruppensäugen-Aufzuchtstall getestet: Die komplette Säugeperiode wird in den Einzel-Abferkelbuchten absolviert, und nach dem Absetzen verbleiben die Ferkel für die Aufzucht in der Abferkelbucht, während nur die Sau umgestallt wird. Die Ferkel bleiben also bis zum Ende der Aufzucht in derselben gewohnten Umgebung, wodurch weniger Arbeit für Umstallen und Reinigung anfällt, sowie Stress reduziert und möglicherweise das Auftreten von Absetzdurchfall verringert wird. Die Datenerhebung umfasst die Gewichtsentwicklung der Ferkel und den Futterverbrauch, die benötigte Arbeitszeit, sowie tierbezogene Indikatoren des Tierwohls (Verhalten, klinische Indikatoren) der Ferkel zu vier bestimmten Zeitpunkten.
Schlagwörter (deutsch)
Biologische Schweinehaltung, Ferkelaufzucht, Tierwohl, Aufstallung, Arbeitszeit
Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)
Titel (englisch)
Rearing piglets in the farrowing pen
Abstract (englisch)
On organic pig breeding farms, sows usually farrow in individual farrowing pens, where the sow and her piglets remain for several weeks. After weaning at the age of at least 40 days, piglets from several litters are grouped and raised together until they reach a weight of at least 25 kg, after which they are transferred to the fattening unit. If a group suckling system is used, there is an additional step, namely the grouping of several sows with their piglets about 2-3 weeks after birth. This approach is in accordance with the sow's natural behaviour to separate from the herd shortly before and some time after giving birth, and rearing the piglets in rearing pens with precision feeding allows for good control of the animals. However, this approach also involves multiple rehousings, which requires multiple cleaning tasks and causes stress for the piglets. Therefore, the FERTIG25 project is testing the following alternative to the farrowing pen-group suckling-rearing pen method: The entire suckling period is completed in individual farrowing pens, and after weaning, the piglets remain in the farrowing pen for rearing, while only the sow is moved to a new pen. This approach allows the piglets to remain in the same familiar environment until the end of rearing, thereby reducing the amount of work involved in rehousing and cleaning and also reducing stress, which in turn might also reduce the incidence of weaning diarrhea. Data collection includes the piglets´ weight development, feed consumption, labor time required for rehousing and cleaning, and indicators of piglet welfare including behavioral and clinical indicators.
Schlagwörter (englisch)
Organic pig husbandry, piglet rearing, animal welfare, pig barns, working hours
Projektziele
Ziel des Projekts ist es, Unterschiede hinsichtlich der Entwicklung der Ferkel, ihres Verhaltens und ihres Tierwohlstatus sowie des Arbeitszeitaufwands der beiden Varianten der Ferkelaufzucht zu ergründen. Der Versuch wird im Bio-Schweinestall der HBLFA Raumberg-Gumpenstein, Außenstelle Thalheim/Wels durchgeführt. Folgende Fragestellungen werden untersucht:
- Unterscheiden sich die Ferkel in den beiden Aufzuchtsystemen hinsichtlich der Gewichtsentwicklung, des Futterverbrauchs und der Häufigkeit von Absetzdurchfall?
- Unterscheiden sich die Ferkel in den beiden Aufzuchtsystemen hinsichtlich ihres Verhaltens zu bestimmten Zeitpunkten (Umstallen, Gruppieren) und in Indikatoren des Tierwohls?
- Unterscheiden sich die beiden Aufzuchtsysteme im damit verbundenen Arbeitszeitaufwand?
Praxisrelevanz
Die gewonnenen Erkenntnisse zu Stall-Belegdauer, tierischen Leistungen, Tierwohl und Arbeitsaufwand dienen Bio-Landwirt:innen die sich für diese Art der Ferkelaufzucht interessieren als Hilfestellung um informierte Entscheidungen treffen zu können. Da in der konventionellen Zuchtsauenhaltung der Umstieg auf freie Abferkelsysteme bevorsteht (Ende der Übergangsfrist 2033) und der dadurch erhöhte Arbeitsaufwand insbesondere Familienbetriebe an ihre Grenzen bringt, sind die Ergebnisse auch für konventionelle Sauenhalter von Interesse.