Ein Klassenzimmer mit viel evolutionsbezogenen Gedankenblasen...

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Evolution lernen: Finale einer Längsschnittstudie zur Evolution in allgemeinbildenden höheren Schulen

Projektleitung

Martin Scheuch

Forschungseinrichtung

Hochschule für Agrar- & Umweltpädagogik

Projektnummer

101495

Projektlaufzeit

-

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus

Allgemeine Projektinformationen

Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)

Projektziele

Übergeordnetes Ziel dieses Forschungs- & Entwicklungs-Projektes ist die weitere Entwicklung der Unterrichts-Sequenzen auf Basis der Erfahrungen, der bisherigen Forschung und den weiteren Untersuchungen, um den Schwächen im Lehrplan der allgemeinbildenden höheren Schulen zur Evolution beispielhaft entgegen zu wirken. Dafür werden zwei Arbeitspakete konzipiert: Das erste Arbeitspaket beschäftigt sich mit den Lernwegen der SchülerInnen über die 5 Jahre (2013-2018). Im zweiten Arbeitspaket werden österreichische Schulbuchreihen analysiert, um über den in diesen Lernunterlagen realisierten Lehrplan systematische Erkenntnisse zu erlangen. Auch dieses Projekt läuft schon, erste Ergebnisse sind publiziert (Scheuch, Wäger, 2018), in der Folgestudie geht es um Detailanalysen in ausgewählten Schulbuchreihen.
Folgend ergeben sich die Forschungsfragen für die beiden Teilprojekte:
Übergeordnet ist das Interesse:
Wie lernen SchülerInnen Evolution über fünf Jahre über längere Zeiträume hinweg mit den entwickelten Unterrichtssequenzen in einer Fallstudie (Unterrichtssequenzen) sowie auf Basis verbreiteter Schulbücher?
Konkret: Wie entwickeln sich die Vorstellungen der SchülerInnen zu zentralen Aspekten der Evolution (wie z.B.: Population, Variation, künstliche/natürliche bzw. sexuelle Selektion) über fünf Jahre?

In welchen Schulstufen, in welchen Kontexten werden Evolutionskonzepte in den österreichischen Schulbüchern thematisiert? Wie wird das kumulative konzeptuelle Lernen in diesen Lernunterlagen konzipiert?
Wird durch die Darbietung der Themen und Aufgaben kumulatives Lernen ermöglicht?
Wie kohärent ist der Evolutionsunterricht in Sekundarstufe I & II aufbereitet?
Welche Konzepte (Population, Variation, Selektion, etc.) werden systematisch aufgebaut und erläutert, welche nicht?

Berichte

Abschlussbericht

Kurzfassung

Diese Studie untersuchte die Entwicklung von Schülervorstellungen zur Evolution an allgemeinbildenden höheren Schulen in Österreich. Das Projekt kombinierte drei methodische Zugänge: eine qualitative Interviewstudie mit denselben Probandinnen von der 8. bis zur 12. Schulstufe, eine frequenzanalytische Schulbuchanalyse von 63 approbierten Biologieschulbüchern und eine vertiefende mit 2 Schulbuchreihen sowie eine quantitative Quasi-Längsschnittstudie mit 263 Teilnehmenden. Die Ergebnisse zeigen, dass das Erlernen evolutionärer Konzepte ein langsamer, nicht-linearer Prozess ist, der eine schrittweise Rekonstruktion von Alltagsvorstellungen erfordert. Besonders hartnäckig erwiesen sich teleologische und finalistische Denkmuster, bei denen Anpassung als zielgerichteter Prozess verstanden wird. Während lamarckistische Vorstellungen im Laufe der Schulzeit abnehmen, bleibt das Zweckdenken bis zur Matura bestehen und vermischt sich lediglich mit wissenschaftlichem Wissen. Die Schulbuchanalyse offenbarte eine starke Fragmentierung der Evolutionskonzepte, besonders in der Unterstufe. Zentrale Begriffe wie „Population" fehlen weitgehend oder werden erst spät eingeführt, wobei Definitionen oft nicht für den evolutionären Kontext taugen. Die Erkenntnisse flossen in Lehrplanrevisionen ein und dienen der Lehrkräfteausbildung. Die internationale Vernetzung erfolgte über die COST-Action „EuroCitizen: Building on Scientific Literacy in Evolution".

Berichtsdateien

Abschlussbericht

Abstract (deutsch)

Diese Studie untersuchte die Entwicklung von Schülervorstellungen zur Evolution an allgemeinbildenden höheren Schulen in Österreich. Das Projekt kombinierte drei methodische Zugänge: eine qualitative Interviewstudie mit denselben Probandinnen von der 8. bis zur 12. Schulstufe, eine frequenzanalytische Schulbuchanalyse von 63 approbierten Biologieschulbüchern und eine vertiefende mit 2 Schulbuchreihen sowie eine quantitative Quasi-Längsschnittstudie mit 263 Teilnehmenden.

Die Ergebnisse zeigen, dass das Erlernen evolutionärer Konzepte ein langsamer, nicht-linearer Prozess ist, der eine schrittweise Rekonstruktion von Alltagsvorstellungen erfordert. Besonders hartnäckig erwiesen sich teleologische und finalistische Denkmuster, bei denen Anpassung als zielgerichteter Prozess verstanden wird. Während lamarckistische Vorstellungen im Laufe der Schulzeit abnehmen, bleibt das Zweckdenken bis zur Matura bestehen und vermischt sich lediglich mit wissenschaftlichem Wissen.

Die Schulbuchanalyse offenbarte eine starke Fragmentierung der Evolutionskonzepte, besonders in der Unterstufe. Zentrale Begriffe wie „Population" fehlen weitgehend oder werden erst spät eingeführt, wobei Definitionen oft nicht für den evolutionären Kontext taugen.

Die Erkenntnisse flossen in Lehrplanrevisionen ein und dienen der Lehrkräfteausbildung. Die internationale Vernetzung erfolgte über die COST-Action „EuroCitizen: Building on Scientific Literacy in Evolution".

Abstract (englisch)

This study investigated the development of student conceptions about evolution in Austrian secondary schools. The project combined three methodological approaches: a qualitative interview study following the same participants from grade 8 to grade 12, a frequency-based textbook analysis of 63 approved biology textbooks complemented by an in-depth analysis of two textbook series, and a quantitative quasi-longitudinal study with 263 participants.

Results demonstrate that learning evolutionary concepts is a slow, non-linear process requiring gradual reconstruction of everyday conceptions. Teleological and finalistic thinking patterns proved particularly persistent, with students understanding adaptation as a goal-directed process. While Lamarckian conceptions decrease throughout schooling, purpose-driven thinking remains until graduation, merely mixing with scientific knowledge.

The textbook analysis revealed strong fragmentation of evolutionary concepts, especially in lower secondary education. Central terms like "population" are largely absent or introduced late, with definitions often unsuitable for evolutionary contexts.

The findings contributed to curriculum revisions and serve teacher education. International networking occurred through the COST Action "EuroCitizen: Building on Scientific Literacy in Evolution".

Autor/innen

Scheuch, Martin