By-Product: Untersuchungen zum Verzicht auf lebensmitteltaugliche Kraftfutterkomponenten in der Bio-Milchviehfütterung

Projektleitung

Andreas Steinwidder

Forschungseinrichtung

Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein

Projektnummer

102219

Projektlaufzeit

-

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft

Allgemeine Projektinformationen

Abstract (deutsch)

Wiederkäuer sind auf Grund ihrer Physiologie sehr effiziente Verwerter von strukturkohlenhydratreichen Futtermittel. Speziell in der biologischen Landwirtschaft wird eine grundfutterbetonte Fütterung angestrebt. Zu Laktationsbeginn steigt jedoch bei Milchkühen die Milchleistung rascher als die Futteraufnahme an, wodurch ein Energiedefizit auftreten kann. Um dies in größerem und stoffwechselbelastendem Ausmaß zu vermeiden, wird speziell zu Laktationsbeginn auf beste Grundfutterqualität Wert gelegt und das Grundfutter auf vielen Betrieben auch mit Kraftfutter ergänzt. Im Vergleich zum Monogastier (z.B. Mensch bzw. Schweinen und Geflügel) sind Wiederkäuer in der Verwertung hochwertiger Futtermittel weniger effizient. Daher sollte bei Wiederkäuern der Einsatz direkt lebensmitteltauglicher Futterkomponenten, wie Getreide, Mais und Körnerleguminosen, möglichst begrenzt bzw. vermieden werden. 

Im vorliegenden Projekt soll der Verzicht von lebensmitteltauglichen Kraftfuttermitteln im Vergleich zur üblichen Kraftfutterergänzung (z.B. Getreide, Mais, Erbse) unter Bio-Fütterungsbedingungen in den ersten Laktationsmonaten untersucht werden.

Schlagwörter (deutsch)

Biologische Milchviehfütterung, Nebenprodukte, lebensmitteltaugliches Kraftfutter, feed no food, Kreislaufwirtschaft

Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)

Titel (englisch)

Effects of avoidance of human-edible concentrates in organic dairy cattle feeding

Abstract (englisch)

Due to their physiology, ruminants are very efficient utilisers of feed rich in structural carbohydrates. Organic farming in particular therefore also aims to provide feed that emphasises forage. However, at the beginning of lactation, milk yield in dairy cows increases faster than feed intake, which can result in an energy deficit. In order to avoid this to a greater and metabolically stressful extent, emphasis is placed on the best forage quality, especially at the start of lactation, and the forage is also supplemented with concentrates on many farms. Compared to monogastric animals (e.g. humans, pigs and poultry), ruminants are less efficient at utilising high-quality feed. Therefore, the use of feed components that are directly suitable for human consumption, such as cereals, maize and grain legumes, should be limited or avoided as far as possible. This project therefore aims to compare the avoidance of food-grade feedstuffs compared to the usual concentrate supplementation under organic feeding conditions in the first three months of lactation.

Schlagwörter (englisch)

Organic dairy cows, human-edible concentrate, by product, feed no food, circular economy

Projektziele

Im vorliegenden Projekt soll der Verzicht von lebensmitteltauglichen Kraftfuttermitteln im Vergleich zur üblichen Kraftfutterergänzung unter Bio-Fütterungsbedingungen in den ersten Laktationsmonaten unter Bio-Bedingungen verglichen werden. Das Projekt "By-Product" verfolgt folgende Hauptziele:

  • Untersuchung zu den Auswirkungen des Ersatzes von lebensmitteltauglichen Futtermittelkomponenten (wie Bio-Getreide, -Mais und -Körnerleguminosen) durch faserreiche Produkte (Bio-Trockenschnitzel und Bio-Luzerne-Kleepellets)in der Bio-Milchviehfütterung.
  • Bewertung der Auswirkungen auf die Leistung, Körperkondition und Stoffwechselgesundheit der Kühe (insbesondere im Hinblick auf Energiestoffwechselparameter).
  • Förderung der Kreislaufwirtschaft durch die Nutzung von Nebenprodukten aus der Lebensmittelindustrie bzw. Bio-Luzerne-Kleepellets. 
  • Bewertung der Wirtschaftlichkeit und Ableitung von Fütterungsstrategien für österreichische Bio-Milchviehbetriebe, die sich auf faserreiche Nebenprodukte anstelle von Getreide, Mais und Körnerleguminosen konzentrieren.
  • Publikation und Verbreitung der Projektergebnisse durch wissenschaftliche Publikationen, Fachzeitschriften, Vorträge, Seminare und neue Medien (z.B. Videos bzw. Podcast-Beiträge etc.).

Praxisrelevanz

Das Forschungsprojekt „By-Product“ adressiert die Reduktion lebensmitteltauglicher Kraftfutterkomponenten in der Bio-Milchviehfütterung und trägt damit erheblich zur Ressourcenoptimierung und Nachhaltigkeit in der österreichischen Landwirtschaft bei. Der gezielte Einsatz von Nebenprodukten bzw. Klee- und Luzernepellets - anstelle von Getreide und Körnerleguminosen - reduziert die Konkurrenz um Nahrungsmittelressourcen, fördert die Kreislaufwirtschaft und kann auch die Abhängigkeit von Importfuttermitteln und die ökologische Belastung durch Futtermitteltransporte direkt oder indirekt verringern helfen.

In der Bio-Landwirtschaft ist der Verzicht auf lebensmitteltaugliche Futtermittel besonders relevant, da biologische Betriebe häufig auf lokale, nachhaltige Futterquellen angewiesen sind, lebensmitteltaugliche Kraftfuttermittel hochpreisig vermarktet werden können und auch der/die Konsumentin zunehmend kritisch zum Einsatz von hochwertigen Futtermitteln bei Nutztieren (insbesondere bei Wiederkäuern) steht.

Das Projekt bietet Potenzial, alternative Futterstrategien speziell für österreichische Milchviehbetriebe zu entwickeln, die weniger auf Getreide, Mais und Körnerleguminosen setzen und stattdessen Nebenprodukte wie Rübenschnitzel oder Klee-Luzernepellets etc. nutzen wollen. Dies könnte die (biologische) Produktion resilienter machen bzw. weiter verbessern und die Wirtschaftlichkeit der Betriebe erhöhen, ohne die Milchleistung signifikant zu beeinträchtigen.

Die Umsetzung der Projektergebnisse kann als Modell für eine nachhaltige, ressourcenschonende Bio-Landwirtschaft im Alpenraum dienen und als Vorbild für andere Qualitätsprogramme, Regionen und auch für sie konventionellen Landwirtschaft fungieren.