Das Logo symbolisiert die imkerliche Arbeit, das seit Jahrtausenden schriftlich überlieferte Imkerwissen und den Fleiß der Honigbiene. Es zeigt im unteren Teil einen sogenannten \"Schabermeißel\". Dieser ist ein Werkzeug, das bei jeder Bearbeitung der Bie...

© BPRACTICES-Konsortium

BPRACTICES

Allgemeine Projektinformationen

Titel (deutsch)

ERA-Net SUSAN: Neue Indikatoren und Maßnahmen der imkerlichen Praxis zur Verbesserung der Bienengesundheit in Europa im Zeitalter von Aethina tumida

Titel (englisch)

NEW INDICATORS AND ON-FARM PRACTICES TO IMPROVE HONEYBEE HEALTH IN THE AETHINA TUMIDA ERA IN EUROPE

Abstract (deutsch)

The BPRACTICES project aims to develop new management practices (Good Beekeeping Practices - GBPs) adopting new clinical methods,
biomechanical and innovative biomolecular techniques respecting the natural behaviour of bees. The research activities will focus on
developing new biosensors from honey to monitor SHB presence and PCR techniques to diagnose in advance honeybee diseases (AFB, EFB,
SHB) from debris. Another goal will be to accelerate and to raise efficiency of the clinical inspection of the hives to detect SHB. At the apiary
level we will indicate a proper bee-friendly management (e.g. traps for SHB, honeybee queen-cages for varroa control, powder sugar
method to assess varroa infestation level) to monitor and control the honeybee diseases, protecting their health and avoiding the
application of chemical treatments guaranteeing quality and safety of hive products.
The innovations will be validated in the daily apiary activities and disseminated internationally in collaboration with the International
Federation of Beekeepers' Associations (Apimondia). Economical impact on beekeeping industry will be quantified.
Consumers will be aware of the positive environmental impact of beekeeping and the ecosystem services provided, thanks to a cutting-edge
traceability system using the QR-code/RFID technology.

Abstract (englisch)

During the first year, Partners - in collaboration with the local beekeeping associations, Apimondia and the FAO TECA platform that will provide know-how and practical experience, will identify a cross-EU valid list of general and specific Good beekeeping Practices (GBPs) from management to traceability issues, to be applied at the apiary level, and innovative GBPs for diseases prevention. In this phase there will be a reciprocal exchange of knowledge and skills between partners and beekeepers, also exploiting the Apimondia international links and
experts in bee pathology. To determine the validity of the new management systems specific ratings in order to judge the compliance and feasibility of their application for hobbyist and professional beekeeping through the publication of a checklist. Furthermore, during the project, in collaboration with Apimondia Regional and Scientific Commissions and Working Groups, an evaluation of the productivity and competitiveness of European beekeeping and its resilience and adaptation to market fluctuations will be provided. Multiple impacts of
the GBPs application on the quality/safety/value of hive products will be checked. The real cost of production of the beekeepers in the different regions of Europe will be analysed.
All the laboratory methods adopted by partners will be harmonized and new techniques will be defined and standardized. International ring tests on these methods will be organized during the third year of the project to validate them. The best disease control methods previously identified will be verified with specific field trials carried out by partners to check the variations in quality and quantity of hive productions and colony survival rates.
During the 36 months of duration of the project an innovative traceability system based on QRCode/RFID technology and a user-friendly web application will be set up. The new management methods, the guidelines and the web application will be disseminated at European level thanks to the involvement of all partners, Apimondia and FAO TECA platform. GBPs to prevent honeybee diseases will be printed as part of the activities of the Apimondia Regional and Scientific Commissions. The traceability system and the guidelines will be disseminated in printed and online versions, by means of the institutional channel of the project partners and stakeholders even within the context of the Apimondia International Apicultural Congresses and Symposia and the FAO.

Schlagwörter (deutsch)

Honigbiene, Varroa, Amerikanische Faulbrut, Europäische Faulbrut, Nosema, Kleiner Bienenstockkäfer,

Projektleitung

Alexandra Ribarits

Forschungseinrichtung

Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, Institut für Bienenkunde

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus
Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus

Projektnummer

101232

Projektlaufzeit

-

Projektziele

Verluste von Bienenvölkern sind in Europa eng mit dem Auftreten von Bienenkrankheiten in den verschiedenen Mitgliedsstaaten verknüpft. Die Ausbreitung des eingeschleppten Bienenstockparasiten Aethina tumida (Kleiner Bienenstockkäfer – SHB) aus Italien wird die Bienenverluste noch verstärken. Dadurch werden die Bestäubungssicherheit, die durch Bienen geförderte Biodiversität in der Umwelt und der Bienenwirtschaftssektor beeinträchtigt.
Ziele des Projektes sind die Entwicklung neuer Methoden zur Völkerführung (Gute imkerliche Praxis – GBP [Good Beekeeping Practices]), die Einführung und Annahme neuer klinischer Methoden, biomechanischer und innovativer molekularbiologischer Techniken unter Berücksichtigung der natürlichen Verhaltensweisen der Bienen.

BPRACTICES hat einen innovativen Ansatz zur Diagnose und Vorbeugung der wichtigsten Bienenkrankheiten (Varroa destructor und damit verbundener Viren, Amerikanische und Europäische Faulbrut, Nosema spp., Aethina tumida) unter Einbeziehung der Identifikation und Validierung geeigneter Maßnahmen der guten imkerlichen Praxis. Dieser umfasst die Anwendung neuer und revolutionärer diagnostischer Techniken, wie zum Beispiel Biosensoren aus Honig und PCR Analysen aus Gemülleproben, die dazu beitragen, die Bienengesundheit zu erhalten und die Anwendung chemischer Behandlungen zu reduzieren. Dadurch wird die Qualität und Sicherheit der Bienenprodukte erhalten. Dieses nachhaltige Produktionssystem, das die natürlichen Verhaltensweisen der Bienen zur Krankheitsabwehr stärkt, wird an die Verbraucher mit Hilfe neuer Informationstechnologien (QRCode/RFID system) kommuniziert. Diese erhalten dadurch genaue Informationen über den gesamten Gewinnungsprozess der Produkte. Diese Ziele werden mit Hilfe einer fachübergreifenden Strategie durch die Kombination aus wissenschaftlicher Forschung, praktischer Sachkenntnis bei der Validierung der Methoden und in der Lebensmittelüberwachung, sowie durch betriebswirtschaftliche, gesellschaftliche und marktorientierte Auswertungen, erreicht. Dieser breite Zugang wird durch die Einbindung unterschiedlicher Akteure in den einzelnen Arbeitspaketen (WPs) ermöglicht. Diese bestehen aus Experten unterschiedlicher Fachgebiete mit verschiedenen Arbeitsschwerpunkten, aber auch aus Imkervertretern, die über die Apimondia ihr praktisches und wertvolles Wissen einbringen. Die Steigerung der Produktivität, Ausfallssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der
europäischen Produktion im Tiersektor (Research Area 1) wird durch die Verbesserung in der Völkerführung mit dem Ziel, die Verbreitung der wichtigsten Bienenkrankheiten in der EU zu beschränken, erreicht. Dies wird die Quantität, Qualität und Sicherheit der Bienenprodukte in der EU erhöhen und die wirtschaftlichen Verluste durch Krankheiten und durch suboptimale Völkerführung reduzieren. Es wird ein länderspezifischer Zugang im Hinblick auf die Bienenkrankheiten gewählt, um künftige Bedrohungen der Bienenzucht in Europa abzuwenden. Dazu werden die wichtigsten Probleme untersucht, die in den verschiedenen Ländern etablierten effektivsten Methoden zur Beherrschung von Krankheitsausbrüchen verglichen und allgemein umsetzbare Lösungen erarbeitet. Die außereuropäische Zusammenarbeit mit der Universität von Mississippi (USA) ermöglicht es, verschiedene Methoden zur Diagnose und Kontrolle von Bienenkrankheiten vergleichend zu betrachten und Positivproben (z. B. Honig für Tests mit Biosensoren) zum Test auf Aethina tumida – dieser Käfer ist in den USA inzwischen endemisch - zu erhalten. Das Ressourcenmanagement zur Abfallvermeidung und Erhöhung einer umweltfreundlichen und nachhaltigen europäischen Tierproduktion (Research Area 2) wird sowohl durch die Vermeidung der Probleme der Bienengesundheit und die damit verbundene Kostenreduktion (Behandlungskosten, Völkerverluste, Ernteverluste) erreicht, als auch durch die Produktionssteigerung aufgrund von Effizienzsteigerungen und Managementverbesserungen. Es ist eng verbunden mit der ökologischen Nachhaltigkeit dieser Produktionsart, die durch den Einsatz von Bekämpfungsmaßnahmen ohne negative Umweltaspekte erreicht wird und auch die Entstehung von resistenten Pathogenen verhindert und die Biodiversität durch die Bestäubungstätigkeit der Bienen sichert. Diese Fakten sind mit einer Steigerung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Bienenwirtschaft verbunden. Die wirtschaftlichen Auswirkungen und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Bienenzucht mit dem neuen Züchtungssystem und innovativen Technologien werden bewertet (Qualität/Sicherheit/Wert von Bienenprodukten). In ähnlicher Weise werden die Widerstandsfähigkeit und die Anpassung an Marktschwankungen evaluiert, indem die effektiven Produktionskosten für die Imker in verschiedenen Regionen Europas untersucht werden. Verbesserte Betriebsweisen sollen die Konsumentenakzeptanz stärken und den gesellschaftlichen Herausforderungen in Bezug auf das Wohlergehen der Tiere, die Produktqualität und –sicherheit, Biodiversität und Bereitstellung der Bestäubungsleistung (Research Area 3) entsprechen, und ein bienenfreundliches System der Völkerführung wird die Qualität der Bienenprodukte aufwerten.
Dieses nachhaltige Produktionssystem, das die natürlichen Verhaltensweisen der Bienen zur Krankheitsabwehr anregt, wird den Konsumenten durch ein innovatives System zur Nachverfolgbarkeit (QRCode/RFID system) nähergebracht werden, um sie auf die Qualitäts- und Sicherheitsaspekte von Bienenprodukten aufmerksam zu machen. Das innovative Produktionssystem wird in jedem europäischen Land einsetzbar sein und alle Ebenen der Bienenzucht umfassen, vom ökologischen Aspekt bis zu ökonomischen Elementen.
Dank der Zusammenarbeit mit dem EU-Referenzlabor für Bienengesundheit (ANSES), der außereuropäischen Kooperation mit der Mississippi State University (USA) und der Einbeziehung der Internationalen Vereinigung der Bienenzüchter (Apimondia), wird das innovative Produktionssystem zusätzlich profitieren und die Zahl erfolgreicher Lösungen für Bienenkrankheiten vergrößern.


Praxisrelevanz

Ausführungen dazu finden sich unter dem Punkt Ziele des Projektes (siehe oben), sowie im Full proposal (siehe Anhang) bzw. nachfolgenden Textauszügen:

The outputs of the project will be:
1. Good Beekeeping Practices (GBPs) guidelines, harmonized within partner countries in the project;
2. guidelines on innovative laboratory diagnostic methods, harmonized among project partners, with the collaboration of the European
Union Reference Laboratory for Bee Health (ANSES);
3. sustainable honeybee diseases control guidelines in respect of bee welfare and hive products quality;
4. an economic study concerning the impact of the innovative GBPs system application;
5. dissemination of results and technical assistance/training, that will benefit from the transnational participation of Apimondia (
http://apimondia.com/) and FAO TECA platform (http://teca.fao.org/) and the release of a free web-application to act as a dynamic
surveillance system on colony health status and a on-going training and up-skilling for beekeepers.

All the studies will be carried out considering the ethical aspect of refinement (methods that avoid suffering and improve animal welfare).

The BPRACTICES project will develop a transnational European new system for Bee Healthcare focused on: preclinical disease approach, prevention, surveillance and control adopting a sustainable low-environmental impact approach respecting the product's quality and consumer’s safety. Moreover, BPRACTICES include an innovative traceability system (QR Code/RFID based) applied for the first time throughout the entire hive production chain (from the hive to the jar) to the advantage of beekeepers and consumers. BPRACTICES will impact on: the economy pillar (Research Area 1) improving the productivity, resilience and competitiveness of European production from the hives; the environment pillar (Research Area 2) promoting a sustainable and environment-friendly bee management; the society and farmers’ pillar (Research Area 3) developing an innovative traceability system to share and disseminate innovative on-farm practices and enhance consumer acceptability and awareness of high-quality products coming from a sector respectful of animal welfare, able to improve
biodiversity and provision of ecosystem services.

Berichte

Zwischenbericht

Verluste von Bienenvölkern sind in Europa eng mit dem Auftreten von Bienenkrankheiten verknüpft. Die Ausbreitung des eingeschleppten Bienenstockparasiten Aethina tumida (Kleiner Bienenstockkäfer - SHB) ist eine weitere Bedrohung für die Honigbienen. Das Projekt BPRACTICES zielt auf die Entwicklung neuer Methoden zur Völkerführung (Gute imkerliche Praxis; Good Beekeeping Practices, GBPs) ab. Im Projekt werden wichtige Bienenkrankheiten bearbeitet. Dazu zählen Varroa destructor, Amerikanische und Europäische Faulbrut, Nosema spp. und Aethina tumida, denen mittels GBPs vorgebeugt werden soll. Weiters soll mit Hilfe von innovativen molekularbiologischen Techniken eine frühe Diagnose und Kontrolle ermöglicht werden. Die AGES ist an mehreren Arbeitspaketen im Projekt BPRACTICES beteiligt. Zunächst wurde eine Datei für die Sammlung der GBPs entwickelt, anhand derer die Projektpartner die GBPs zusammenstellten und aus denen die am höchsten bewerteten GBPs mittels statistischer Methoden ausgewählt wurden. Im von der AGES geleiteten Arbeitspaket zur Amerikanischen und Europäischen Faulbrut erfasste die AGES die aktuellen molekularbiologischen Methoden zur Detektion der entsprechenden Erreger (Paenibacillus larvae und Melissococcus plutonius), etablierte geeignete Protokolle im AGES-Labor und entwickelte einen \"Ringtest\", der unter Beteiligung der Partner im BPRACTICES-Projekt durchgeführt wurde. Parallel wurden Feldversuche durchgeführt. Unter ImkerInnenbeteilung wurde die Kehrschwarmmethode zur Eliminierung von P. larvae getestet. Der Erfolg wurde anhand von Futterkranzproben überprüft und zeigte die Eignung der Methode zur Sanierung. Die Ergebnisse sollen anhand der molekularbiologischen Untersuchung von Gemülleproben überprüft werden. Im Arbeitspaket zu Varroa und Varroose koordinierte die AGES einen Versuch zur Varroakontrolle mittels des befristeten Sperrens der Königin und der Anwendung von Oxalsäure. Als Kontrolle wurden die Völker zweimal mit Oxalsäure ohne Sperren der Königin behandelt. Auch diese Versuche wurden unter Beteiligung von ImkerInnen durchgeführt. Nach dem ersten Versuchsjahr wurde das Protokoll gemeinsam mit den beteiligten ImkerInnen angepasst. Das Arbeitspaket zum Kleinen Bienenstockkäfer sieht ein SHB-Monitoring vor. Dazu wurden ImkerInnen zur Mitnahme aufgefordert, die Gemülleproben zur Verfügung stellten. Die gesammelten Proben werden mittels molekularbiologischer Methoden überprüft. Die AGES nahm weiters an von den Partnern organisierten \"Ringtests\" teil und wird die Partner bei der Auswertung unterstützen. Aufgrund der Beteiligung von ImkerInnen wurde das BPRACTICES-Projekt bereits bei mehreren Gelegenheiten vorgestellt, nicht zuletzt, um Freiwillige für die Mitarbeit an den Feldversuchen zu gewinnen. Die AGES beteiligte sich auch an der Erstellung von Publikationen und Postern.

Anhänge

Dateiname

101232_BPRACTICES_Zwischenbericht_v2.pdf

Beschreibung

Maßnahmen der imkerlichen Praxis zur Verbesserung der Bienengesundheit in Europa (BPRACTICES) - Zwischenbericht Stand Jän2019

Autor/innen

Alexandra Ribarits; Irmgard Derakhshifar; Hemma Köglberger; Josef Mayr; Linde Morawetz; Katharina Etter; Richard Gottsberger; Antonia Griesbacher; Oliver Alber; Rudolf Moosbeckhofer

Berichte

Zwischenbericht

Weltweit liegt der geschätzte Wert der Bestäubungsleistungen zwischen 13,5 und 21,5 Milliarden Dollar (FAO, 2006). Ein beträchtlicher Teil davon steht in direktem Zusammenhang mit der Imkerei und ihren Dienstleistungen. Bei den Völkerverlusten weist die europäische Imkereiwirtschaft erhebliche regionale Unterschiede auf, die auf externe Auswirkungen, einschließlich Klima und dem Vorkommen von Krankheiten, zurückzuführen sind (EPILOBEE, 2014). Diese Situation dürfte sich mit der Ausbreitung von Aethina tumida (Kleiner Bienenstockkäfer, Small Hive Beetle – SHB) – einem neuen Parasiten der Honigbienen, der 2014 erstmals in der EU in Italien gefunden wurde – verschärfen. Zusammen mit anderen Bienenkrankheiten (Amerikanische Faulbrut – AFB, Europäische Faulbrut – EFB, Nosemose und Bienenviren) kann SHB in Zukunft eine wichtige Rolle bei Völkerverlusten und in der Bienenwirtschaft spielen. Das Projekt BPRACTICES zielt darauf ab, neue Methoden zur Völkerführung (Gute imkerliche Praxis – GBPs [Good Beekeeping Practices]) zu entwickeln, die neue klinische Methoden, biomechanische und innovative molekularbiologische Techniken unter Berücksichtigung des natürlichen Verhaltens der Bienen anwenden. Die Forschungsaktivitäten konzentrieren sich auf die Entwicklung neuer Biosensoren aus Honig zur Überwachung der SHB-Präsenz und PCR-Techniken zur frühzeitigen Diagnose von Krankheiten der Honigbienen (AFB, EFB, SHB) aus Gemülle. Ein weiteres Ziel ist es, die klinische Inspektion der Bienenstöcke zum Nachweis von SHB zu beschleunigen und effizienter zu gestalten. Auf der Ebene des Bienenstocks werden wir ein geeignetes bienenfreundliches Management (z.B. Fallen für SHB, Sperren der Königinnen zur Varroabekämpfung, Staubzuckermethode zur Beurteilung des Varroabefalls) zur Überwachung und Bekämpfung der Honigbienenkrankheiten vorschlagen, mit dem Ziel, die Gesundheit der Bienen zu schützen und die Anwendung chemischer Behandlungen zu vermeiden, wodurch die Qualität und Sicherheit der Bienenprodukte gewährleistet wird. Die Innovationen werden in den täglichen Imkereiaktivitäten validiert und in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Verband der Bienenzüchtervereinigungen (Apimondia) international verbreitet. Die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Bienenzucht werden quantifiziert. Die Verbraucher werden sich der positiven Umweltauswirkungen der Imkerei und der angebotenen Ökosystemdienstleistungen bewusst sein, dank eines hochmodernen Rückverfolgbarkeitssystems unter Verwendung der QR-Code/RFID-Technologie.

Berichte

Abschlussbericht

Das ERA-NET SusAn Projekt BPRACTICES „Neue Indikatoren und Maßnahmen der imkerlichen Praxis zur Verbesserung der Bienengesundheit in Europa im Zeitalter von Aethina tumida“ bearbeitete in acht Arbeitspaketen (AP) folgende Themen: AP1: Varroose und Virosen; AP2: Amerikanische und Europäische Faulbrut; AP3: Nosema; AP4: Aethina tumida (Kleiner Bienenstockkäfer); AP5: Validierung; AP6: Wirtschaftliche Auswirkungen; AP7: Neues System zur Produkt-Rückverfolgbarkeit; AP8: Dissemination und Informationsaustausch. Die Bearbeitung der einzelnen Arbeitspakete erfolgte arbeitsteilig und durch eine jeweils unterschiedliche Anzahl von Projektpartnern. Die nachfolgende Kurzfassung berichtet über jene Arbeitspakte, an denen die AGES in führender Rolle (AP2: Leitung Abteilung Bienenkunde und Bienenschutz) oder in beträchtlichem Umfang (AP 1, 4, 5 und 8) beteiligt war. AP2: Amerikanische Faulbrut (Paenibacillus larvae; AFB) und Europäische Faulbrut (Melissococcus plutonius; EFB) Diese beiden Krankheiten sind weit verbreitete, schädliche Brutkrankheiten der Honigbiene. Die AFB ist in der EU anzeigepflichtig. Die zur Vorbeugung, Diagnose und Kontrolle empfohlenen Maßnahmen der guten imkerlichen Praxis (Good Beekeeping Practice = GBP) wurden unter Einbindung des Imkersektors gesammelt, kategorisiert und von den Partnern bewertet. Für die als „obligatorisch“ bzw. „von hoher Relevanz“ gekennzeichneten GBPs wurde die Häufigkeit dieser Angaben über alle Partner berechnet und basierend auf dem Mittelwert in absteigender Reihung sortiert. So entstand eine Liste der am höchsten bewerteten Maßnahmen. Bei der Amerikanischen Faulbrut sind dies beispielsweise die Prüfung verdächtiger Brutzellen mit dem „Streichholztest“, die Labordiagnose, die rasche Sanierung klinisch erkrankter Völker, die Untersuchung von Futterkranz- oder Gemülleproben aus unauffälligen Völkern auf den Erreger, das Einschmelzen des Wabenbaues, die Sanierung im Kehrschwarmverfahren und die Durchführung umfangreicher Desinfektionsmaßnahmen. Sowohl für die Amerikanische als auch die Europäische Faulbrut wurde die jeweilige Liste an Maßnahmen veröffentlicht („Guidelines on sustainable management of honey bee diseases in Europe“; Broschüre; Ed. Giovanni Formato, 2020; http://www.izslt.it/bpractices/2020/03/17/480/). Nach einer Literaturrecherche bezüglich PCR-Methoden zum Nachweis der Erreger von AFB und EFB in unterschiedlichen Probenmatrizes aus dem Bienenvolk wurden ausgewählte Methoden hinsichtlich DNA-Extraktion, Spezifität und die Möglichkeit einer Quantifizierung geprüft. Die Testleistung wurde im Laborvergleich an einem Probenset geprüft. Die Testleistungsstudie zu AFB und EFB wurde von der AGES organisiert und ausgewertet. Im Ergebnis zeigten die RT-PCR-Protokolle für beide Krankheitserreger eine bessere Sensitivität als die herkömmlichen PCRs. Die Spezifität war für alle getesteten Protokolle hoch. Die Triplex real-time PCR nach Dainat et al. (2018) erwies sich als beste Methode zum Nachweis von P. larvae und M. plutonius. Daher wurde sie in den folgenden Feldstudien verwendet. Für die Studie zum vergleichenden Nachweis von P. larvae aus Futterkranz- und Gemülleproben stand Material von 121 Völkern zur Verfügung, das volkweise jeweils zum selben Zeitpunkt aus den Völkern entnommen worden war. Bei 82 % der Völker lieferten die Futterkranz- und die Gemülleprobe übereinstimmende Ergebnisse. Bei 18 % der Völker unterschieden sich die Ergebnisse der Futterkranzprobe von jener der Gemülleprobe, aus diesem Völkerpool wurden 13 subklinisch befallene Völker in 5 Imkereibetrieben ausgewählt, um unter Praxisbedingungen die Wirksamkeit der durchgeführten Sanierungsmaßnahmen zur Eliminierung von P. larvae zu testen. Während die durchgeführten Sanierungsmaßnahmen bei zehn subklinisch infizierten Völkern erfolgreich waren, konnte P. larvae bei drei Völkern aus zwei Betrieben auch nach der Sanierung nachgewiesen werden. Weiters wurde die Methode von Dainat et al. (2018) zum Nachweis des Erregers der Europäischen Faulbrut (M. plutonius) an Gemülle- und Bienenproben verwendet. Dabei zeigte sich, dass die Zahl positiver Nachweise bei den Gemülleproben wesentlich höher war als bei den Bienenproben. Gemülleproben sollten daher bevorzugt verwendet werden, um unauffällige Bienenvölker auf ein mögliches Vorkommen von M. plutonius zu überprüfen. AP1: Varroose und Viren: Die Varroose, die durch die ektoparasitische Milbe Varroa destructor verursacht wird, ist eine der wichtigsten Bienenkrankheiten weltweit. Sie kann vor allem in gemäßigten Klimazonen zu massiven Verlusten von Honigbienenvölkern (Apis mellifera) führen. Um diese zu vermeiden, sind zeitgerecht wirksame Maßnahmen zur Befallsreduktion erforderlich. Da die Varroa als Vektor bei der Übertragung bestimmter Viren (z. B. Deformed Wing Virus, Akute Bienenparalyse Virus) eine wichtige Rolle spielt, ist eine effektive Varroakontrolle gleichzeitig der Schlüssel für die Prävention dadurch verursachter Viruserkrankungen bei Bienen. In einem zweijährigen Feldversuch wurden drei Behandlungsprotokolle (zeitlich befristetes Sperren der Königinnen plus Anwendung von Oxalsäure bei Brutfreiheit bzw. bei offener Brut; Einsatz von Ameisensäure ohne Sperren der Königinnen) zur Varroa-Befallsreduktion im Sommer unter Praxisbedingungen in Imkereibetrieben erprobt. Zusätzlich erfolgte bei allen drei Gruppen eine Restentmilbung im Spätherbst/Winter bei Brutfreiheit. Bewertungsparameter waren Wirksamkeit, Königinnenverluste, Überwinterungsverluste und der Anteil trachtreifer Völker im Frühjahr des Folgejahres. Die Ergebnisse zeigten, dass es nicht allen beteiligten Imkereibetrieben möglich war, die Vorgaben des Versuchsprotokolls vollständig umzusetzen. Gesamt betrachtet, zeigte die Anwendung von Ameisensäure nach Trachtschluss eine klare Überlegenheit gegenüber den beiden anderen Varianten mit einem befristeten Sperren der Königinnen und anschließender Oxalsäureanwendung in brutlosen Völkern bzw. Völkern mit offener Brut. Dies gilt sowohl für die Parameter Königinnen- und Völkerverluste, den Prozentsatz trachtreifer Völker im Frühjahr des Folgejahres als auch in Bezug auf den mit dem Sperren der Königinnen verbundenen Mehraufwand an Arbeitszeit. AP 4: Kleiner Bienenstockkäfer: Aethina tumida (engl. Small hive beetle; SHB) stammt ursprünglich aus Afrika und ist ein Parasit und Schädling an Honigbienen. Die Käfer und Larven fressen an Bienenbrut, Honig und Pollen. Dadurch verderben die im Volk vorhandenen Honigvorräte und der Wabenbau wird zerstört. Bei starkem Befall gehen die Völker zugrunde. In den letzten Jahrzehnten wurde der Käfer auf alle Kontinente verschleppt. In Europa gibt es seit September 2014 ein Vorkommen in Süditalien (Kalabrien), das bis heute nicht getilgt werden konnte. Im Rahmen des Projektes wurde an der AGES eine molekularbiologische Diagnosemethode (PCR) zum Nachweis von A. tumida etabliert, entsprechend ihrer Funktion als nationales Referenzlabor für Bienenkrankheiten. Auf Basis dieser etablierten Methode erfolgte über drei Jahre ein PCR-gestütztes SHB-Monitoring an Gemülleproben. Dazu wurden unter freiwilliger Mitwirkung von Imkerinnen und Imkern in einem „Citizen Scientists“-Ansatz Gemülleproben aus allen österreichischen Bundesländern eingesandt und untersucht. Das Ergebnis zeigte, dass in keiner der 172 eingesandten Sammelproben A. tumida nachweisbar war – weder in Form von sichtbaren Käfern, Käferteilen oder Larven noch in Form von DNA des Kleinen Bienenstockkäfers. Damit ist es im Einklang mit den amtlichen Daten, die keinen Befall in Österreich ausweisen. Im Rahmen dieses AP wurden amtliche Bienensachverständige aus ganz Österreich bezüglich Biologie und diagnostischen Merkmalen des SHB eingehend geschult und Gebiete mit erhöhtem Risiko für eine Einschleppung von A. tumida identifiziert. Mitarbeit in weiteren AP: Die AGES war an vier Ringversuchen beteiligt, in denen PCR-Methoden zum Erregernachweis getestet wurden: Paenibacillus larvae (AFB) und Melissococcus plutonius (EFB; Leitung: AGES), Nosema, Aethina tumida, Kodamaea ohmeri. Die federführenden Labors wurden von der AGES bei der statistischen Planung und Auswertung unterstützt. Dissemination und Informationsaustausch: 194 Bienensachverständige aus allen Bundesländern nahmen an den sechs 4-stündigen Schulungen zum Themenbereich „Kleiner Bienenstockkäfer“ teil. Von AGES-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurden im Rahmen des Projektes 20 Vorträge gehalten, 20 Publikationen und 7 Poster mitgestaltet und allgemeine Informationen zum Projekt auf der AGES-Website präsentiert (https://www.ages.at/themen/umwelt/bienen/bienengesundheit/bpractices-neue-methoden-zur-voelkerfuehrung/).

Anhänge

Dateiname

Finalversion_BPRACTICES_Abschlussbericht_barrierefrei.pdf

Beschreibung

Neue Indikatoren und Maßnahmen der imkerlichen Praxis zur Verbesserung der Bienengesundheit in Europa im Zeitalter von Aethina tumida

Autor/innen

Alexandra Ribarits; Hemma Köglberger; Josef Mayr; Katharina Etter; Linde Morawetz; Irmgard Derakhshifar; Richard Gottsberger; Antonia Griesbacher; Oliver Alber; Rudolf Moosbeckhofer