BioHirseBohne: Sorghum und Bohne im Bio-Ackerbau des Alpenvorlandes – Anbaueignung, Qualität und regionale Wertschöpfung
Projektleitung
Daniel Lehner
Forschungseinrichtung
Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein
Projektnummer
102307Projektlaufzeit
-
Finanzierungspartner
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft
Allgemeine Projektinformationen
Abstract (deutsch)
Die HBLFA Raumberg-Gumpenstein beteiligt sich mit einem eigenständigen Forschungsprojekt an der transnationalen Zusammenarbeit mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, dem Versuchszentrum Laimburg und Raumberg-Gumpenstein Research & Development. Ziel dieses HBLFA-Teilprojekts ist die Durchführung und wissenschaftliche Auswertung von Exaktversuchen zu Trockenbohnen (Phaseolus vulgaris) und Sorghumhirse (Sorghum bicolor) am Bio-Ackerbaustandort Lambach/Stadl-Paura. Beide Kulturen gelten als vielversprechende, klimaangepasste Alternativen für eine diversifizierte Biologische Landwirtschaft im Alpenraum.
Der Standort Lambach/Stadl-Paura ermöglicht es, die Kulturen unter feucht-gemäßigten Bedingungen zu prüfen – Klimabedingungen, die für viele österreichische Landwirtschaftsregionen repräsentativ sind. Die HBLFA untersucht Sortenwahl, Ertragseigenschaften, Qualitätsparameter sowie den Einfluss biologischer Saatgutbeimpfung bei Trockenbohnen. Die Ergebnisse fließen in gemeinsame Auswertungen des Verbundprojektes ein und dienen der praxisorientierten Entwicklung von Anbauempfehlungen und Wertschöpfungsketten. Durch die eigenständige Durchführung der Exaktversuche an der HBLFA wird ein wesentlicher Beitrag zur Wissensbasis für die Etablierung regionaler Speisehirse- und Bohnenproduktion geschaffen.
Schlagwörter (deutsch)
Speiseleguminosen, Rhizobien-Beimpfung, Klimaanpassung, Sortenprüfung
Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)
Titel (englisch)
Sorghum and Beans in Organic Cropping Systems of the Alpine Foothills – Suitability, Quality and Regional Value Creation
Abstract (englisch)
The HBLFA Raumberg-Gumpenstein contributes to the transnational research initiative on dry beans and sorghum with an independent national project. The HBLFA project focuses on establishing and evaluating field trials at the organic cropping research site Stadl-Paura. The aim is to generate agronomic data on cultivar performance, crop development, grain quality, and—in the case of beans—the effect of biological seed inoculation under cool and humid conditions typical of many Austrian growing regions.
By providing standardized field data and methodological expertise, the HBLFA strengthens the scientific foundation for introducing dry beans and sorghum as climate-resilient food crops in Austria. The results support the joint synthesis within the larger consortium and will contribute to the development of practical recommendations and regional value chains.
Schlagwörter (englisch)
Edible legumes, rhizobial inoculation, climate resilience, variety testing
Projektziele
Ziel des Projektes ist es, die agronomische Leistungsfähigkeit sowie die Qualitäts- und Inhaltsstoffmerkmale von Sorghum und Trockenbohnen im Bio-Ackerbau des Alpenvorlandes umfassend zu untersuchen und damit wissenschaftliche Grundlagen für klimafitte und diversifizierte Produktionssysteme zu schaffen. Dazu werden an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein mehrjährige Exaktversuche angelegt, um unter den feucht-gemäßigten Klimabedingungen des Alpenvorlandes die Anbaueignung ausgewählter Sorten zu bewerten. Im Fokus stehen Ertragsvermögen, Kulturentwicklung, Reifeverhalten, Stressreaktionen und agronomisch relevante Aspekte wie Unkrautunterdrückung oder Witterungstoleranz. Ergänzend wird der Einfluss biologischer Saatgutbeimpfung auf die Entwicklung und den Ertrag von Phaseolus-Bohnen geprüft, um belastbare Daten zur Wirksamkeit verschiedener Rhizobienpräparate im ökologischen Anbau zu gewinnen. Ein zentrales Ziel ist außerdem die umfassende Qualitätsanalyse der erzeugten Speiseware im chemischen Labor der HBLFA, wobei Protein-, Stärke- und Faserfraktionen, Mineralstoffe, optische Eigenschaften sowie weitere Qualitätsparameter bestimmt werden. Die gesammelten agronomischen und analytischen Daten werden für gemeinsame wissenschaftliche Auswertungen im transnationalen Verbundprojekt bereitgestellt und fließen in praxisorientierte Empfehlungen und Wissenstransferformate ein. Damit leistet das Projekt einen direkten Beitrag zur Stärkung regionaler Wertschöpfung, zur Erweiterung des Kulturartenspektrums im Bio-Ackerbau und zur Klimaanpassung der Landwirtschaft im Alpenvorland.
Praxisrelevanz
Das Projekt besitzt eine hohe Praxisrelevanz für den Bio-Ackerbau im Alpenvorland, da es zentrale Herausforderungen einer klimafitten und diversifizierten Landwirtschaft adressiert. Sorghum und Trockenbohnen gelten als vielversprechende Kulturen zur Erweiterung der Fruchtfolgen, insbesondere in Regionen, die zunehmend von Witterungsunstabilität und Trockenperioden betroffen sind. Für beide Kulturen fehlen jedoch bislang belastbare, standortspezifische Daten zur Sorteneignung, Kulturführung und Qualitätsbildung unter den Bedingungen des feucht-gemäßigten Klimas, das für weite Teile des österreichischen Alpenvorlandes charakteristisch ist.
Durch die standardisierte Versuchsanlage und -bewirtschaftung mit der Parzellentechnik der HBLFA sowie die umfassenden Bonituren werden erstmals agronomische Grundlagen erarbeitet, die Landwirtinnen und Landwirten eine fundierte Entscheidung über Anbauwürdigkeit, Risikofaktoren und Ertragspotenziale ermöglichen. Die Untersuchung der Rhizobien-Saatgutbeimpfung liefert zudem praxisrelevante Erkenntnisse für den biologischen Anbau von Speisebohnen, da hierzu bislang kaum verwertbare Informationen für österreichische Betriebsbedingungen vorliegen.
Die zusätzlich durchgeführten Inhaltsstoffanalysen im eigenen chemischen Labor bieten einen direkten Mehrwert für die Praxis und die nachgelagerte Verarbeitung, da sie die ernährungsphysiologische und technologische Qualität der erzeugten Speiseware bewerten. Damit schafft das Projekt eine wichtige Entscheidungsgrundlage für Verarbeiter, Direktvermarkter und regionale Wertschöpfungsketten.
Die Ergebnisse tragen dazu bei, neue Kulturen im Bio-Ackerbau zu etablieren, Importabhängigkeiten zu verringern, regionale Eiweiß- und Getreidealternativen zu fördern und Betrieben zusätzliche Einkommensmöglichkeiten zu eröffnen. Durch Wissenstransferformate wie Feldbegehungen und Workshops gelangen die Erkenntnisse unmittelbar in die landwirtschaftliche Praxis und stärken langfristig die Resilienz und Nachhaltigkeit der regionalen Landwirtschaft.