Beste_Kuh: Etablierung von Labormethoden zur Bestimmung der dünndarmverdaulichen Protein- und Aminosäurengehalte im Grundfutter für Milchviehbetriebe in Österreich
Projektleitung
Martin Gierus
Forschungseinrichtung
Universität für Bodenkultur Wien
Projektnummer
102072Projektlaufzeit
-
Finanzierungspartner
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft
Allgemeine Projektinformationen
Abstract (deutsch)
Im September 2023 wurden vom Ausschuss für Bedarfsnormen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) in Deutschland neue „Empfehlungen für die Energie- und Nährstoffversorgung von Milchkühen“ herausgegeben. Die wichtigsten Änderungen sind, dass mit den neuen Empfehlungen die umsetzbare Energie (ME) und das dünndarmverdauliche Protein (sidP) bzw. die dünndarmverdauliche Aminosäuren (sidAA), die Nettoenergie Laktation (NEL) und das nutzbare Rohprotein im Dünndarm (nXP) als Kennzahlen für die Energie- bzw. Proteinversorgung ablösen. Darüber hinaus wurde auch die Methodik zur Ermittlung der Bedarfskennzahlen und des Futterwertes grundlegend geändert.
In Zuge dieses Projekts sollen Österreich-spezifische Grundlagen für Rationsberechnungen nach der neuen Methodik geschaffen werden. Die Proteinfraktionen und das Aminosäuremuster sowie deren Dünndarmverdaulichkeit werden von Grundfutterproben aus wissenschaftlichen Versuchen der HBLFA Raumberg-Gumpenstein analysiert. Die Kenntnis der Proteinabbaubarkeit (kann aus den Proteinfraktionen abgeleitet werden) und des Aminosäuremusters sind Voraussetzung für eine exakte Rationsberechnung nach den neuen GfE-Empfehlungen. Bislang gibt es jedoch kaum Daten zu diesen Futterwertparametern in typischen österreichischen Futtermitteln. Die Ergebnisse dieses Projekts sollen daher dazu dienen, die Futterwerttabellen (primär für das Grundfutter aus dem Alpenraum) um die neuen Futterwertparameter zu erweitern.
Schlagwörter (deutsch)
Milchkuh, Proteinversorgung, Energieversorgung, Versorgungsempfehlung, Dünndarmverdaulichkeit der Aminosäuren
Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)
Titel (englisch)
Establishment of laboratory methods for the determination of small intestine digestible protein and amino acid contents in forage for dairy farms in Austria
Abstract (englisch)
In September 2023, the Committee for Requirements Standards of the Society for Nutritional Physiology (GfE) in Germany issued new "Recommendations for the Energy and Nutrient Supply of Dairy Cows". The most important changes are that with the new recommendations, the metabolisable energy (ME) and the small intestine digestible protein (sidP) or the small intestine digestible amino acids (sidAA) replace the net energy lactation (NEL) and the usable crude protein in the small intestine (nXP) as key figures for the energy and protein supply. In addition, the methodology for determining the requirement figures and the feed value was also fundamentally changed.
The aim of this project is to create an Austria-specific basis for ration calculations based on the new methodology. The protein fractions and the amino acid pattern as well as their small intestine digestibility are analysed from forage samples from scientific trials at the HBLFA Raumberg-Gumpenstein. Knowledge of the protein degradability (can be derived from the protein fractions) and the amino acid pattern is a prerequisite for an exact ration calculation according to the new GfE recommendations. So far, however, there is hardly any data on these feed value parameters in typical Austrian feeds. The results of this project should therefore serve to expand the feed value tables primarily for forage from the Alpine region to include the new feed value parameters.
Schlagwörter (englisch)
Dairy cow, Protein supply, Energy supply, Recommendations, small intestine digestibility of amino acids
Projektziele
Ziel dieses Projektes ist es, die Umsetzung der kürzlich veröffentlichten neuen Empfehlungen der GfE (2023) zur Energie- und Nährstoffversorgung von Milchkühen zu begleiten und eine entsprechende Methodik für die Routineanalytik zu etablieren.
Dabei handelt es sich um folgende Analysen, die zum Teil bereits in der Literatur beschrieben, aber noch nicht für die Routineanalytik etabliert sind:
- Untersuchung der Proteinfraktionen, des Aminosäuremusters und der Dünndarmverdaulichkeit von UDP (im Pansen nicht abbaubares Futterprotein) und UDAA (im Pansen nicht abbaubare Aminosäuren) von ausgewählten Futterproben aus Exaktversuchen der HBLFA Raumberg-Gumpenstein zur Bereitstellung notwendiger Berechnungsgrundlagen (Proteinabbaubarkeit im Pansen) für die neue Futterbewertung nach GfE (2023).
- Aktualisierung und Erweiterung der Futterwerttabellen für typische österreichische Grundfuttermittel unter Berücksichtigung von Bestandeszusammensetzung, Schnitthäufigkeit und Schnittzeitpunkt.
- Überprüfung der etablierten in vitro Methoden zur Bestimmung der Verdaulichkeit der organischen Masse (OMD) zur Aktualisierung der umsetzbaren Energiegehalte (ME) von Futtermitteln, um einen Energiewert für alle Wiederkäuer zu erhalten.
Übergeordnetes Ziel dieses Projektes ist es, dass nach Abschluss des Forschungsprojektes die neuen GfE-Empfehlungen in der gesamten österreichischen Futtermittel- und Fütterungspraxis angewendet werden können bzw. die Routineanalytik etabliert ist. Dazu ist auch ein breites Fort- und Weiterbildungsangebot (Workshops, Webinare, Fachtagungen) notwendig. Daher ist es auch Ziel dieses Projektes, die neuen GfE-Empfehlungen sowie die in diesem Projekt gewonnenen Erkenntnisse bei möglichst vielen Veranstaltungen zu präsentieren und in möglichst vielen einschlägigen Fachzeitschriften zu publizieren.
Praxisrelevanz
Eine effiziente Fütterung der Milchkühe ist eine wesentliche Voraussetzung für eine ökonomisch und ökologisch nachhaltige Produktion, insbesondere in der kleinstrukturierten österreichischen Landwirtschaft. Nur durch eine optimale und ausgewogene Energie- und Proteinversorgung können die Tiere hohe Leistungen erbringen und die Umweltbelastung geringgehalten werden. Um die Tiere effizient mit Protein und Aminosäuren versorgen zu können, ist es notwendig, den Futterwert der Futtermittel zu kennen, um die Versorgungsempfehlungen mit genauen Kennzahlen zu untermauern. So kann zukünftig eine Versorgungsempfehlung z.B. für dünndarmverdauliches Lysin (sidLys) erarbeitet werden. Im Bereich der Futterbewertung werden daher Kennzahlen benötigt, die den Futterwert (Aminosäurengehalt, Dünndarmverdaulichkeit, Energiewert) für die jeweilige Tierkategorie möglichst gut beschreiben. Zur Ermittlung dieser Kennzahlen werden häufig Schätzformeln verwendet, die ebenfalls aus zahlreichen wissenschaftlichen Versuchen abgeleitet wurden (z.B. Gierus et al., 2016).
Im Jahr 2023 wurden neue „Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Milchkühen“ vom Ausschuss für Bedarfsnormen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie veröffentlicht (GfE, 2023). Die neuen Empfehlungen unterscheiden sich grundlegend von den bisherigen Empfehlungen (GfE, 2001), in denen der ruminale Protein- und Aminosäurenabbau sowie die dünndarmverdaulichen Aminosäuren des nicht im Pansen abgebauten Futterrohproteins berücksichtigt wurden. In der österreichischen Milchviehfütterung werden die GfE-Empfehlungen bereits seit vielen Jahren angewendet, was auch für eine gute Zusammenarbeit mit der deutschen Milchwirtschaft von großer Bedeutung ist. In Deutschland wurden bereits erste Schritte zur Umsetzung der neuen Empfehlungen in die Praxis gesetzt. Daher sollte auch in Österreich an der Umsetzung der neuen Empfehlungen gearbeitet werden.
Die neuen Empfehlungen haben weitreichende Auswirkungen auf die Praxis der Milchviehfütterung in Österreich. Im Bereich der Futterbewertung müssen einerseits neue Kennzahlen entwickelt und andererseits die Berechnungsmethoden bestehender Kennzahlen geändert werden. Dies hat Auswirkungen auf die Futtermittelwirtschaft und insbesondere auf die Deklaration der Futtermittel. Darüber hinaus haben die geänderten Methoden auch massive Auswirkungen auf die Futtermittelanalytik. Teilweise erfordert die Umsetzung der neuen Empfehlungen die Etablierung neuer Analysemethoden, die bisher vor allem in der Grundfutteranalytik nicht oder kaum Anwendung fanden (z.B. Proteinfraktionierung, Aminosäurenanalytik, Methanmessung, Bestimmung der Futteraufnahme).
Auch für die Milchviehbetriebe in Österreich haben die Änderungen wesentliche Auswirkungen. Die Empfehlungen der GfE bilden die Grundlage für Rationsberechnungsprogramme. Da nun die Grundlagen geändert wurden, ändern sich auch die Rationsberechnungen. Eine Umsetzung der neuen Empfehlungen in Rationsberechnungsprogramme ist notwendig, um möglichst effiziente Rationen planen zu können. Diese Änderungen erfordern auch ein umfangreiches Aus- und Weiterbildungsangebot für LandwirtInnen, SchülerInnen und StudentInnen sowie alle weiteren in der Milchwirtschaft beschäftigten Personen. Hier steht das Institut BOKU-TTE unterstützend zur Verfügung.