Almwirtschaft: Entwicklung der Almwirtschaft mit besonderem Fokus auf Landaufgabe
Projektleitung
Daria Ernst
Forschungseinrichtung
Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen
Projektnummer
102217Projektlaufzeit
-
Finanzierungspartner
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft
Allgemeine Projektinformationen
Abstract (deutsch)
Die Almwirtschaft in Österreich hat eine lange Tradition und erfüllt eine Vielzahl von wichtigen Funktionen. Sie wird als multifunktional bezeichnet, da neben der landwirtschaftlichen Nutzung auch Schutzfunktionen sowie ökologische und soziokulturelle Funktionen erfüllt werden. Doch gerade alpine Gebiete sind von einem hohen Risiko der Landaufgabe betroffen. Obwohl die aktuellen Zahlen zur Almbewirtschaftung in Österreich im Vergleich zum Vorjahr Stabilität zeigen, lässt sich längerfristig eine negative Entwicklung der Almzahlen erkennen: Zwischen 2000 und 2023 ging die Zahl der bewirtschafteten Almen in Österreich um 12 % zurück (Grüner Bericht, 2024). Dieser Rückgang ist ein Ausdruck von vielschichtigen Herausforderungen wie u.a. dem Klimawandel, mangelnder wirtschaftlicher Rentabilität, demografischer Veränderungen, sinkender Attraktivität traditioneller Bewirtschaftungsformen sowie komplexe Eigentumsverhältnisse.
Das vorliegende Forschungsprojekt knüpft an statistische Daten zum Rückgang der Almflächen an. Ziel ist es, die Veränderungen in der Landnutzung und Landbedeckung aufgelassener Almflächen vor und nach der Landaufgabe zu analysieren und diese in einen breiten sozio-ökonomischen Kontext zu stellen. Durch einen Mixed-Methods Ansatz werden sowohl räumlich-quantitative Daten als auch qualitative sozioökonomische Perspektiven miteinander verknüpft um eine fundierte Wissensgrundlage zu schaffen. Auf Basis dessen sollen regional angepasste Empfehlungen für Politik und Praxis entwickelt werden.
Schlagwörter (deutsch)
Berglandwirtschaft, Ländliche Entwicklung, Soziokulturelle Kontexte, Fernerkundung, Big Data Processing
Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)
Titel (englisch)
Development of alpine pasture farming with a special focus on land abandonment
Abstract (englisch)
Alpine pasture farming in Austria has a long tradition and fulfills a wide range of important functions. It is considered multifunctional, as it not only provides agricultural production but also protective, ecological, and sociocultural services. However, alpine regions in particular are at high risk of land abandonment. Although recent figures on alpine pasture management in Austria indicate short-term stability compared to the previous year, a long-term negative trend is evident: between 2000 and 2023, the number of actively managed alpine pastures declined by 12% (Grüner Bericht, 2024). This decline reflects a complex set of challenges, including climate change, limited economic viability, demographic shifts, decreasing attractiveness of traditional management practices, and complex ownership structures.
This research project builds on existing statistical data on the decline of alpine pasture areas. The aim is to analyze changes in land use and land cover of abandoned alpine pastures before and after abandonment and to place these changes in a broader socio-economic context. Using a mixed-methods approach, spatial-quantitative data and qualitative-socioeconomic perspectives will be integrated to establish a solid knowledge base. On this foundation, regionally adapted recommendations for policy and practice will be developed.
Schlagwörter (englisch)
Mountain Farming, Rural Development, Socio-Cultural Contexts, Remote Sensing, Big Data Processing
Projektziele
Ziel des Projekts ist ein besseres Verständnis der komplexen Ursachen für die Flächenaufgabe von Almen in Österreich – mit einem klaren Fokus auf regionalen Unterschieden und Besonderheiten.
Die räumliche und zeitliche Entwicklung der Landnutzung und Landbedeckung von Almflächen soll analysiert werden, basierend auf Erdbeobachtungs- und agrarstatistischen Daten. Die INVEKOS-Daten dienen dabei als Grundlage für die statistische Analyse der Entwicklung von Almflächen. Mithilfe von Fernerkundungsdaten und etablierten Prozessierungsmethoden sollen Trends oder Muster im Prozess der Landaufgabe von Almflächen identifiziert werden.
Ebenfalls sollen durch qualitative Forschungsmethoden die sozio-ökonomischen Faktoren analysiert werden, die die Veränderungen auf den Almflächen beeinflussen. Im Fokus stehen dabei die Ursachen, Beweggründe und Reaktionen der Almwirt:innen im Zusammenhang mit der Bewirtschaftung bzw. der Aufgabe von Almflächen in Österreich. Das Interesse liegt insbesondere auf den regional unterschiedlichen Voraussetzungen, Herangehensweisen und Entwicklungsoptionen.
Die Ergebnisse dieser beiden Methoden sollen zusammengefasst werden, um ein umfassendes Bild der aktuellen und zukünftigen Herausforderungen in der Almwirtschaft zu gewinnen. Ziel ist es, regional abgestimmte Empfehlungen für Politik und Praxis zu entwickeln, die die Almwirtschaft nachhaltig stärken und sie auf sozioökonomische Veränderungen vorbereiten.
Praxisrelevanz
Almen spielen eine zentrale Rolle für die Erhaltung der Kulturlandschaft und erbringen, unter nachhaltiger, standortangepasster Bewirtschaftung, neben der Erholungsfunktion zahlreiche weitere Ökosystemleistungen. Dazu zählen die Förderung und Erhaltung der Biodiversität sowie der Schutz wichtiger Bodenfunktionen, wie Erosionsschutz und die Reduzierung von Nährstoffbelastungen in Gewässern. Gleichzeitig stehen die Almen vor wachsenden Herausforderungen wie dem Klimawandel, dem Rückgang traditioneller landwirtschaftlicher Praktiken und einer geringen wirtschaftlichen Rentabilität. Diese Entwicklungen führen zunehmend zur Aufgabe von Almflächen, was den Druck auf die verbleibenden Almen und deren Bewirtschafter:innen weiter erhöht. Die Folgen der Aufgabe sind bereits sichtbar – Verbuschung, der Verlust von Biodiversität und ein Rückgang traditioneller Landwirtschaftsformen.
Während das Thema der Landnutzungs- und Landbedeckungsänderungen insbesondere im Hinblick auf Flächeninanspruchnahme von Ackerflächen für Infrastruktur und Wohnbau bereits intensiv beforscht wird, besteht eine Forschungslücke zur Aufgabe von Almflächen in Österreich.
Ein besonderer Fokus dieses Projekts ist dabei der Blick auf die regional unterschiedlichen Voraussetzungen, Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten. Ziel des Projekts ist es daher, ein differenziertes Bild der Situation der Almwirtschaft in Österreich zu zeichnen – denn jede Region bringt eigene Bedingungen und Dynamiken mit. Diese Lücke soll in diesem Projekt geschlossen werden.