Agrilus

Allgemeine Projektinformationen

Titel (deutsch)

Entwicklung und Beurteilung von Überwachungsmethoden für Prachtkäfer der Gattung Agrilus (Euphresco Project 2020-A-337)

Titel (englisch)

Developing and assessing surveillance methodologies for Agrilus beetles (Euphresco Project 2020-A-337)

Abstract (englisch)

Buprestid beetles of the genus Agrilus got into the focus of plant protection organizations worldwide as (potentially) invasive forest pests. Examples are A. planipennis, which causes enormous damage in North America, A. anxius or A. bilineatus. Some species, such as A. viridis or A. biguttatus, can cause significant damage in their home range, particularly when host trees are weakened from other stress factors. Early detection of Agrilus spp. is extremely difficult because infested trees do not show externally visible symptoms for a long time. Therefore, development of efficient trapping systems for adult beetles is very important for surveillance programs. The proposed project represents the Austrian contribution to Eupresco Project 2020-A-337 on development and assessment of surveillance methodologies for Agrilus beetles, which will be carried out in a consortium of research institutions from 11 countries in Europe and North America. Results from studies of monitoring techniques for Agrilus and their application will be analysed and compiled. Coordinated field experiments in all partner countries will test different trap types (sticky traps and multi-funnel traps) as well as lures for Agrilus species. The methods will be evaluated for their application in early detection in high risk areas for introduction of alien species. The comparative studies in North America and Europe will produce results that will be particularly interesting for surveillance on the other continent. In addition, novel detection tools like automated traps will be tested. The international field experiments together with the literature studies will provide important contributions to the development of surveillance and early detection methods for Agrilus spp. – a genus that will be increasingly important due to global trade as well as increasingly stressed host trees in a warming climate.

Schlagwörter (deutsch)

Quarantäneschädlinge, Lockstoff-Fallen, Surveys, Eichenschäden, EUPHRESCO

Projektleitung

Gernot Hoch

Forschungseinrichtung

Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft

Finanzierungspartner

Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus

Projektnummer

101607

Projektlaufzeit

-

Projektziele

Prachtkäfer der Gattung Agrilus traten als (potentiell) invasive Fortschädlinge in den letzten Jahren vermehrt in den Focus der Pflanzenschutzdienste weltweit. Beispiele sind A. planipennis, der in Nordamerika massive Schäden verursacht, A. anxius oder A. bilineatus. Aber auch im Heimatgebiet können Arten wie A. viridis oder A. biguttatus nach Vorschädigung der Wirtsbäume schädlich werden. Die Früherkennung ist bei Vertretern dieser Gattung extrem schwierig, da ein befallener Baum lange keine außen sichtbaren Symptome zeigt. Umso bedeutender ist die Entwicklung effizienter Fallensysteme zum Fang der adulten Käfer in Überwachungsprogrammen.

Im vorliegenden Euphresco-Projekt soll nun einerseits der Stand des Wissens zum Fallenfang von verschiedenen Agrilus Arten analysiert und zusammengefasst werden und andererseits in koordinierten Freilandexperimenten in Europa und Nordamerika Fallen und Lockstoffe getestet werden. Darüber hinaus sollen neue Techniken für die Überwachung, wie automatisierte Fallen oder bioakustische Detektion von Befall, geprüft werden. Aus den im Projekt gewonnenen Erkenntnissen soll zur Entwicklung spezifischer Protokolle zur Überwachung von Agrilus spp. beigetragen werden.

Die Hauptziele des Euphresco-Projektes 2020-A-337 sind (aus dem Euphresco Project Proposal):
• Sammlung, Analyse und Zusammenstellung von Ergebnissen aus Europäischen und Nordamerikanischen Untersuchungen zu Monitoringtechniken und Überwachung für Agrilus-Arten; Übersicht zu aktuellen Methoden, die in nationalen Überwachungsprogrammen eingesetzt werden
• Beitrag zur Bewertung bzw. Entwicklung von Fallenfangmethoden für Agrilus spp.
• Validierung von Monitoringmethoden zur Detektion bestimmter Agrilus-Arten. Test von Fallentypen und Lockstoffen für heimische und/oder invasive Agrilus-Arten; Beurteilung der Methoden im Hinblick auf ihren Einsatz zur Früherkennung in Hochrisikogebieten für die Einschleppung
• Evaluierung neuartiger Detektionsmethoden und –werkzeuge, wie akustische Detektion oder automatisierte Fallensysteme

Das Schwergewicht liegt in dem Projekt auf der Durchführung abgestimmter Freilandexperimente durch alle Projektpartner in Nordamerika und in Europa. Diese groß angelegte Untersuchung sollte zusammen mit der Literaturarbeit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung praktikabler Überwachungs- und Früherkennungsmethoden für Agrilus spp. leisten – einer Gattung der sowohl durch Einschleppungen im Zuge des globalen Warenverkehrs als auch durch häufigere Vorschädigung von Wirtsbäumen im Klimawandel vermehrte Bedeutung zukommen wird.

Praxisrelevanz

Mit dem Auftreten von Agrilus planipennis in Nordamerika und im europäischen Russland rückte das Schadpotential dieser Prachtkäfer-Gattung in den Focus des Pflanzenschutzes. Diese im asiatischen Heimatgebiet unauffällige Art führt im Einschleppungsgebiet zum Absterben von Eschen in bisher nicht dagewesenem Ausmaß. Der Birkenprachtkäfer A. anxius hat in Nordamerika in den letzten Jahren vermehrt Bedeutung erlangt, da er an dort gepflanzten europäischen und asiatischen Birkenarten schädlich wurde. Entsprechend hoch ist das Schadpotential, sollte diese Art nach Europa eingeschleppt werden. Vor einigen Jahren wurde der nordamerikanische A. bilineatus in die Türkei eingeschleppt, von wo aus er zum bedeutenden Schädling an Eichen und Kastanie werden könnte. In Nordamerika konnten sich bislang zumindest 12 nicht-heimische Agrilus spp. etablieren. Den Arten Gattung wird ein großes Potential attestiert, zu invasiven Forstschädlingen zu werden.

Aber auch im Heimatgebiet können Agrilus spp. schädlich werden, wenn ihre Wirtsbaumarten durch – zumeist klimatische – Vorschädigung für den Befall disponiert werden. Mit dem Klimawandel ist mit zunehmenden Dürreperioden zu rechnen, Prachtkäfer wie Agrilus spp. werden dadurch vermehrt als Schädlinge auffallen. Der heimische A. biguttatus tritt in Großbritannien als ein mortalitätsauslösender Faktor im Zusammenhang der acute oak decline Komplexkrankheit der Eichen in Erscheinung. Die Symptome dieser Krankheit und die beteiligten Bakterien wurden im Herbst 2020 erstmals in Österreich nachgewiesen, auch dort wurde Befall durch Agrilus festgestellt (Cech & Hoch, unpublizierte Daten). Es scheint ratsam, vermehrtes Augenmerk auf diese neuartige Komplexkrankheit zu legen, zumal die Eichen ja als Hoffnungsbaumarten im Klimawandel gesehen werden.

Sowohl im Falle eingeschleppter, nicht-heimischer Arten als auch bei bislang ungekannten Schadauftreten heimischer Agrilus-Arten wären gute Methoden zur Überwachung wünschenswert. Bessere Monitoringwerkzeuge ermöglichen es den Pflanzenschutzdiensten und Forstbehörden, neue zunächst nicht auf großer Fläche auffällig werdende Schadereignisse früh zu entdecken und dadurch rascher Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

Die Kooperation von Partnern in Europa und Nordamerika in diesem Projekt bietet die hervorragende Möglichkeit, ein besseres Verständnis der Ökologie von Agrilus-Arten und geeigneter Überwachungsmethoden zu erlangen. Erkenntnisse aus den Freilandarbeiten und Literaturreviews werden gerade auch für den jeweils anderen Kontinent von großem Interesse sein, sind doch einige der Arten jeweils potentiell invasive Arten, sollten sie eingeschleppt werden.

Nicht zuletzt bietet das Projekt Gelegenheit, neue Exemplare für die Sammlung im Nationalen Referenzlabor zu bekommen und einen verbesserten Überblick über die heimischen Agrilus-Arten zu erlangen, die im Zuge von Surveys gemäß EU Verordnung 2916/2031 zu erwarten sind. Ganz grundsätzlich könnte die Kenntnis dieser wichtigen Gattung im Rahmen der Projektzusammenarbeit wesentlich vertieft werden.