AGRAM: Innovatives Almmanagement durch gezielte Beweidung mit Schafen zur nachhaltigen Bewirtschaftung der alpinen Kulturlandschaft
Projektleitung
Ferdinand Ringdorfer
Forschungseinrichtung
LFZ Raumberg-Gumpenstein
Projektnummer
100385Projektlaufzeit
-
Finanzierungspartner
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Allgemeine Projektinformationen
Abstract (deutsch)
Die Entwicklung der Flächenbewirtschaftung in den Almregionen ist dramatisch. Seit 1960 ging die Fläche der reinen Almen und Bergmähder um 20 % zurück, die Summe der insgesamt extensiv bewirtschafteten Flächen gar um mehr als 40 %. Selten wurden diese Flächen durch Verbesserungsmaßnahmen in Wirtschaftsgrünland überführt, meistens gingen sie an die Kulturart Wald oder Ödland verloren (Grüner Bericht 2007). Die überproportionale Klimaerwärmung im Alpenbereich wird diesen Prozess noch beschleunigen (Dirnböck 2003, Dullinger 2004, Schaumberger 2005). Angesichts dieser Entwicklung und der zu erwartenden Notwendigkeit einer zukünftigen Nutzung (Energieproblematik, Nahrungsbedarf) muss die Almregion durch aktive Bewirtschaftungsmaßnahmen stabilisiert werden (ALP-Austria 2006). Das vorliegende Forschungsprojekt unterstützt dieses Ziel durch folgenden Ansatz: Der Steirische Schafzuchtverband entwickelt in der Leader-Region Liezen ein Leader+ Projekt mit einer Laufzeit von 2008-2013. In diesem Projekt wird eine geschlossene Almregion (Hauser Kaibling – Alm und Schipistenteile, ~ 150 ha) einer geregelten, aktiven Beweidung mit einer durch einen Schäfer begleiteten Schafherde (~ 600 Muttertiere und 200 Lämmer) zugeführt. Das LFZ begleitet dieses Projekt und schafft so beidseitige Synergien zur Abklärung folgender Teilfragen/-ziele:
1. Wirkung der Beweidung auf den Pflanzenbestand, Ertrag und Futterqualität von Schipisten und alpinen Weiden
2. Auswirkungen der Almweide auf die Entwicklung der Muttertiere, sowie die Mast- und Schlachtleistung der Lämmer und deren Fleischqualität
3. Tiergesundheit in den Heimbetrieben und Wirkung der Alpung auf die Gesundheit der Weidetiere
4. Wirtschaftlichkeit, Vermarktung und SWOT-Analyse des Managementansatzes
5. Großräumiges Monitoring der Almbewirtschaftung mit einem auf Satellitenbilder gestützten Planungswerkzeug
6. Entwicklung eines Praxishandbuches zur Etablierung des neuen, innovativen Almweideverfahrens.
Dieses Gemeinschaftsprojekt integriert alle Institute des LFZ und verfolgt den gesamten Produktionszyklus nach dem Motto: „From stable to table!“
1. Wirkung der Beweidung auf den Pflanzenbestand, Ertrag und Futterqualität von Schipisten und alpinen Weiden
2. Auswirkungen der Almweide auf die Entwicklung der Muttertiere, sowie die Mast- und Schlachtleistung der Lämmer und deren Fleischqualität
3. Tiergesundheit in den Heimbetrieben und Wirkung der Alpung auf die Gesundheit der Weidetiere
4. Wirtschaftlichkeit, Vermarktung und SWOT-Analyse des Managementansatzes
5. Großräumiges Monitoring der Almbewirtschaftung mit einem auf Satellitenbilder gestützten Planungswerkzeug
6. Entwicklung eines Praxishandbuches zur Etablierung des neuen, innovativen Almweideverfahrens.
Dieses Gemeinschaftsprojekt integriert alle Institute des LFZ und verfolgt den gesamten Produktionszyklus nach dem Motto: „From stable to table!“
Schlagwörter (deutsch)
Weidewirtschaft, Qualitätsprodukte, Botanik, Schutz alpiner Weideflächen, Skipistenbegrünung, Schäfer, Zuwachsleistung
Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)
Titel (englisch)
Sustainable, innovative grazing system with sheep on alpine meadows
Abstract (englisch)
Development of landuse in the alpine pasture zone is dramatical: Since 1960 the area of alpine pastures and alpine hay meadows decreased by 20%, overall extensively used areas even by 40%. Rarely this areas were meliorized and used as intensive grassland, mostly they were lost to forest or mountain wasteland (Grüner Bericht 2007).
Above average climatic warming in the Alpine Region will accelerate this process (Dirnböck 2003, Dullinger 2004, Schaumberger 2005). In the face of this development and foreseeable needs of future use (energy problems, food requirements) the alpine pasture zone has to be stabilised through active management (ALP-Austria 2006).
This research project supports this aim with the following approach: The Styrian Sheep Breeding association develops in the Leader-Region Liezen a Leader+ project with the duration from 2008 to 2013. In this project, a whole alpine pasture (Hauser Kaibling – Alm and parts of adjacent ski runs, around 150 ha) will be regularily and actively pastured, with a flock accompanied by a shepherd (around 600 ewes and around 200 lambs).
AREC will support this project and creates synergies for both sides for the clarification of the following questions and aims:
1. Effects of pasturing on vegetation, yield and fodder quality of ski runs and alpine pastures
2. Effects of alpine pasturing on the development of the ewes, as well as the fattening perfomance, carcass yield and meat quality
3. Animal health on farm and effects of pasturing on the grazing animals
4. Cost effectiveness, Marketing and SWOT analyses of the management approach
5. Large scale monitoring of the alpine pasture use with a satellite based planning tools
6. Development of a practical handbook for the establishement of the new, innovative alpine pasturing system
This joint project integrates all institutess of AREC and accompanies the whole production cycle, following the motto „From stable to table!“
Above average climatic warming in the Alpine Region will accelerate this process (Dirnböck 2003, Dullinger 2004, Schaumberger 2005). In the face of this development and foreseeable needs of future use (energy problems, food requirements) the alpine pasture zone has to be stabilised through active management (ALP-Austria 2006).
This research project supports this aim with the following approach: The Styrian Sheep Breeding association develops in the Leader-Region Liezen a Leader+ project with the duration from 2008 to 2013. In this project, a whole alpine pasture (Hauser Kaibling – Alm and parts of adjacent ski runs, around 150 ha) will be regularily and actively pastured, with a flock accompanied by a shepherd (around 600 ewes and around 200 lambs).
AREC will support this project and creates synergies for both sides for the clarification of the following questions and aims:
1. Effects of pasturing on vegetation, yield and fodder quality of ski runs and alpine pastures
2. Effects of alpine pasturing on the development of the ewes, as well as the fattening perfomance, carcass yield and meat quality
3. Animal health on farm and effects of pasturing on the grazing animals
4. Cost effectiveness, Marketing and SWOT analyses of the management approach
5. Large scale monitoring of the alpine pasture use with a satellite based planning tools
6. Development of a practical handbook for the establishement of the new, innovative alpine pasturing system
This joint project integrates all institutess of AREC and accompanies the whole production cycle, following the motto „From stable to table!“
Projektziele
Die Entwicklung der Flächenbewirtschaftung in den Almregionen ist dramatisch. Seit 1960 ging die Fläche der reinen Almen und Bergmähder um 20 % zurück, die Summe der insgesamt extensiv bewirtschafteten Flächen gar um mehr als 40 %. Selten wurden diese Flächen durch Verbesserungsmaßnahmen in Wirtschaftsgrünland überführt, meistens gingen sie an die Kulturart Wald oder Ödland verloren (Grüner Bericht 2007). Die überproportionale Klimaerwärmung im Alpenbereich wird diesen Prozess noch beschleunigen (Dirnböck 2003, Dullinger 2004, Schaumberger 2005). Angesichts dieser Entwicklung und der zu erwartenden Notwendigkeit einer zukünftigen Nutzung (Energieproblematik, Nahrungsbedarf) muss die Almregion durch aktive Bewirtschaftungsmaßnahmen stabilisiert werden (ALP-Austria 2006). Das vorliegende Forschungsprojekt unterstützt dieses Ziel durch folgenden Ansatz: Der Steirische Schafzuchtverband entwickelt in der Leader-Region Liezen ein Leader+ Projekt mit einer Laufzeit von 2008-2013. In diesem Projekt wird eine geschlossene Almregion (Hauser Kaibling – Alm und Schipistenteile, ~ 150 ha) einer geregelten, aktiven Beweidung mit einer durch einen Schäfer begleiteten Schafherde (~ 600 Muttertiere und 200 Lämmer) zugeführt. Das LFZ begleitet dieses Projekt und schafft so beidseitige Synergien zur Abklärung folgender Teilfragen/-ziele:
1. Wirkung der Beweidung auf den Pflanzenbestand, Ertrag und Futterqualität von Schipisten und alpinen Weiden: Im Untersuchungsgebiet finden sich zwei Arten von Weideflächen. Einerseits künstlich errichtete Pistenflächen zwischen 1.300 und 1.800 Meter Seehöhe und andererseits ursprüngliches Almgebiet oberhalb dieser Region bis zur Vegetationsgrenze. Die Vegetation und der Bodenaufbau auf den Pistenflächen sind als gestört zu betrachten. Durch die aktive Beweidung mit Schafen werden dominante Pflanzenarten vollständig abgefressen. Die natürliche Düngung mit den organischen Ausscheidungen unterstützt die Standorte im Humusaufbau und der Entwicklung eines standortgerechten Pflanzenbestandes. Im Laufe der 5 Jahre werden systematisch wiederholend 32 Monitoringflächen exakt hinsichtlich ihrer Pflanzengemeinschaft untersucht. Zusätzlich wird der Ertrag erhoben und die Futtermittelinhaltstoffe chemisch analysiert. Es wird davon ausgegangen, dass sich diese Parameter in Laufe der Zeit durch die Beweidung positiv entwickeln. Darüber hinaus werden folgende Ziele angestrebt:
o ein flächendeckendes Biotopinventar (pflanzensoziologische Polygone) des Untersuchungsgebietes mit Bodenproben und Bodenprofilen
o flächendeckende Ertragsschätzung gemäß des genannten \"Almbewertungsmodells\" auf Basis des Biotopinventars, unterstützt durch weitere, bedarfsorientierte
Futterertragsanalysen (Weidekörbe)
o Monitoring weiterer getroffener Maßnahmen zusätzlich zur Weidetätigkeit (z. B. Schwenden)
o Dokumentation der Vegetationsänderungen durch die getroffenen Maßnahmen (speziell im Bezug auf Arten- und Biotopvielfalt)
o Grundlagendaten für weitere Modellierungen
2. Auswirkungen der Almweide auf die Entwicklung der Muttertiere, sowie die Mast- und Schlachtleistung der Lämmer und deren Fleischqualität: Für die Leistung landwirtschaftlicher Nutztiere sind vor allem zwei Kennwerte von Bedeutung. Dies sind ihre Ernährung, sowie die Summe der Umgebungsbedingungen. Die Wirkung der Alpung auf die Muttertiere wird neben den tiergesundheitlichen Aspekten auch an deren Lebendgewichtsentwicklung abgelesen. Zusätzlich ist eine Abschätzung der Milchleistung über die Entwicklung der Lämmer denkbar. Im Rahmen des Projektes werden stichprobenartig Lämmer aus konventioneller Stallmast und von der Almweide geschlachtet. Deren Mast- und Schlachtleistungsparameter sowie die Fleischqualität (Fettsäuremuster, Omega-3-Fettsäuren) sind eine der stärksten Treiber für den wirtschaftlichen Erfolg des innovativen Almweideprojektes. Es sind folgende Hypothesen abzuklären:
o Zwischen den Rassen/Kreuzungen sowie zwischen den beiden Produktionssystemen gibt es deutliche Unterschiede in der Fleischqualität
o Zwischen den Produktionssystemen gibt es deutliche Unterschiede in der Fettsäurenzusammensetzung, die auf die Fütterung (Weide/Alm vs. intensive Stallfütterung) zurückzuführen sind
3. Tiergesundheit in den Heimbetrieben und Wirkung der Alpung auf die Gesundheit der Weidetiere: Neben den leistungsorientierten Einflüssen tragen externe Faktoren wie Haltung, Krankheits- und Seuchendruck, Parasitenbefall und dergleichen zum Gesundheitszustand der Weidetiere bei. Der Erfolg einer gemeinsamen Bewirtschaftung von 600 Mutterschafen und 200 Lämmern hängt enorm von der Gesundheit der Herde ab. Einzelne Tiere können durch den engen Kontakt die gesamte Herde mit Krankheiten anstecken. Der gesundheitliche Status jedes Einzeltieres wird am Beginn der Beweidung festgestellt. Klinisch kranke Tiere werden vom Projekt ausgeschlossen. Die Schafe sind zu Weidebeginn geschoren und entwurmt. Im Laufe des Almsommers werden eventuell anfallende Erkrankungs- und Todesfälle vom Schäfer dokumentiert. Eine tiergesundheitliche Untersuchung am Ende der Weidesaison erhebt nochmals den Zustand der Tiere. Trächtigkeitsraten und weitere Entwicklung in der Folgesaison runden das Datenmaterial ab. Ziel ist die Überprüfung folgender Hypothese:
o Die Weidehaltung im Sommer verbessert die Tiergesundheit der Schafe
4. Wirtschaftlichkeit, Vermarktung und SWOT-Analyse des Managementansatzes: Langfristig wird sich das zu entwickelnde Managementsystem nur dann durchsetzen, wenn die ökonomische Komponente optimiert werden kann. Die Almweide als solches wird immer der öffentlichen Unterstützung bedürfen, der Einsatz der Interessenten wird aber immer an möglichen Gewinnen abzulesen sein. Ziel der Teilkomponente ist:
o die vollständige Erhebung aller Kostenfaktoren
o die finanzielle Bewertung des Projektes
o Darstellung ökonomisch kritischer Faktoren.
5. Großräumiges Monitoring der Almbewirtschaftung mit einem auf Satellitenbilder gestützten Planungswerkzeug: Neben den praktischen Ansätzen im Untersuchungsgebiet verfolgt das Projekt eine möglichst hohe Verbreitungsrate. Für die Eignung von alpinen Weideflächen für Rinder, Schafe und Ziegen wurde im Rahmen des INTERREG IIIB Alpine Space Projekts AlpiNET GHEEP der grundsätzliche methodische Ansatz bereits ausgearbeitet und zum ersten Mal in Form eines Pilotprojektes angewandt. Das beantragte Projekt erlaubt jetzt eine direkte Umsetzung und Validierung in die Praxis in einem größeren Rahmen.
6. Entwicklung eines Praxishandbuches zur Etablierung des neuen, innovativen Almweideverfahrens: Neben allen messbaren Parametern stellt vor allem die Erhebung der praktischen Aspekte der Beweidung eine große Herausforderung dar. Wie im Begleitprojekt beschrieben, wird die Herde durch einen Schäfermeister aus Deutschland geführt. Seine Erfahrungen werden für die Projektbetreiber aber erst durch die intensive Auseinandersetzung mit der praktischen Schäfertätigkeit greifbar. Das wissenschaftliche Begleitprojekt unterstützt das Leader+ Projekt hier durch eine systematische Befragungs-, Dokumentations- und Interviewtätigkeit. Dieser Projektteil ist entscheidend für die Nachhaltigkeit des Projektes und wird deshalb unter Beteiligung aller Projektspartner betrieben.
1. Wirkung der Beweidung auf den Pflanzenbestand, Ertrag und Futterqualität von Schipisten und alpinen Weiden: Im Untersuchungsgebiet finden sich zwei Arten von Weideflächen. Einerseits künstlich errichtete Pistenflächen zwischen 1.300 und 1.800 Meter Seehöhe und andererseits ursprüngliches Almgebiet oberhalb dieser Region bis zur Vegetationsgrenze. Die Vegetation und der Bodenaufbau auf den Pistenflächen sind als gestört zu betrachten. Durch die aktive Beweidung mit Schafen werden dominante Pflanzenarten vollständig abgefressen. Die natürliche Düngung mit den organischen Ausscheidungen unterstützt die Standorte im Humusaufbau und der Entwicklung eines standortgerechten Pflanzenbestandes. Im Laufe der 5 Jahre werden systematisch wiederholend 32 Monitoringflächen exakt hinsichtlich ihrer Pflanzengemeinschaft untersucht. Zusätzlich wird der Ertrag erhoben und die Futtermittelinhaltstoffe chemisch analysiert. Es wird davon ausgegangen, dass sich diese Parameter in Laufe der Zeit durch die Beweidung positiv entwickeln. Darüber hinaus werden folgende Ziele angestrebt:
o ein flächendeckendes Biotopinventar (pflanzensoziologische Polygone) des Untersuchungsgebietes mit Bodenproben und Bodenprofilen
o flächendeckende Ertragsschätzung gemäß des genannten \"Almbewertungsmodells\" auf Basis des Biotopinventars, unterstützt durch weitere, bedarfsorientierte
Futterertragsanalysen (Weidekörbe)
o Monitoring weiterer getroffener Maßnahmen zusätzlich zur Weidetätigkeit (z. B. Schwenden)
o Dokumentation der Vegetationsänderungen durch die getroffenen Maßnahmen (speziell im Bezug auf Arten- und Biotopvielfalt)
o Grundlagendaten für weitere Modellierungen
2. Auswirkungen der Almweide auf die Entwicklung der Muttertiere, sowie die Mast- und Schlachtleistung der Lämmer und deren Fleischqualität: Für die Leistung landwirtschaftlicher Nutztiere sind vor allem zwei Kennwerte von Bedeutung. Dies sind ihre Ernährung, sowie die Summe der Umgebungsbedingungen. Die Wirkung der Alpung auf die Muttertiere wird neben den tiergesundheitlichen Aspekten auch an deren Lebendgewichtsentwicklung abgelesen. Zusätzlich ist eine Abschätzung der Milchleistung über die Entwicklung der Lämmer denkbar. Im Rahmen des Projektes werden stichprobenartig Lämmer aus konventioneller Stallmast und von der Almweide geschlachtet. Deren Mast- und Schlachtleistungsparameter sowie die Fleischqualität (Fettsäuremuster, Omega-3-Fettsäuren) sind eine der stärksten Treiber für den wirtschaftlichen Erfolg des innovativen Almweideprojektes. Es sind folgende Hypothesen abzuklären:
o Zwischen den Rassen/Kreuzungen sowie zwischen den beiden Produktionssystemen gibt es deutliche Unterschiede in der Fleischqualität
o Zwischen den Produktionssystemen gibt es deutliche Unterschiede in der Fettsäurenzusammensetzung, die auf die Fütterung (Weide/Alm vs. intensive Stallfütterung) zurückzuführen sind
3. Tiergesundheit in den Heimbetrieben und Wirkung der Alpung auf die Gesundheit der Weidetiere: Neben den leistungsorientierten Einflüssen tragen externe Faktoren wie Haltung, Krankheits- und Seuchendruck, Parasitenbefall und dergleichen zum Gesundheitszustand der Weidetiere bei. Der Erfolg einer gemeinsamen Bewirtschaftung von 600 Mutterschafen und 200 Lämmern hängt enorm von der Gesundheit der Herde ab. Einzelne Tiere können durch den engen Kontakt die gesamte Herde mit Krankheiten anstecken. Der gesundheitliche Status jedes Einzeltieres wird am Beginn der Beweidung festgestellt. Klinisch kranke Tiere werden vom Projekt ausgeschlossen. Die Schafe sind zu Weidebeginn geschoren und entwurmt. Im Laufe des Almsommers werden eventuell anfallende Erkrankungs- und Todesfälle vom Schäfer dokumentiert. Eine tiergesundheitliche Untersuchung am Ende der Weidesaison erhebt nochmals den Zustand der Tiere. Trächtigkeitsraten und weitere Entwicklung in der Folgesaison runden das Datenmaterial ab. Ziel ist die Überprüfung folgender Hypothese:
o Die Weidehaltung im Sommer verbessert die Tiergesundheit der Schafe
4. Wirtschaftlichkeit, Vermarktung und SWOT-Analyse des Managementansatzes: Langfristig wird sich das zu entwickelnde Managementsystem nur dann durchsetzen, wenn die ökonomische Komponente optimiert werden kann. Die Almweide als solches wird immer der öffentlichen Unterstützung bedürfen, der Einsatz der Interessenten wird aber immer an möglichen Gewinnen abzulesen sein. Ziel der Teilkomponente ist:
o die vollständige Erhebung aller Kostenfaktoren
o die finanzielle Bewertung des Projektes
o Darstellung ökonomisch kritischer Faktoren.
5. Großräumiges Monitoring der Almbewirtschaftung mit einem auf Satellitenbilder gestützten Planungswerkzeug: Neben den praktischen Ansätzen im Untersuchungsgebiet verfolgt das Projekt eine möglichst hohe Verbreitungsrate. Für die Eignung von alpinen Weideflächen für Rinder, Schafe und Ziegen wurde im Rahmen des INTERREG IIIB Alpine Space Projekts AlpiNET GHEEP der grundsätzliche methodische Ansatz bereits ausgearbeitet und zum ersten Mal in Form eines Pilotprojektes angewandt. Das beantragte Projekt erlaubt jetzt eine direkte Umsetzung und Validierung in die Praxis in einem größeren Rahmen.
6. Entwicklung eines Praxishandbuches zur Etablierung des neuen, innovativen Almweideverfahrens: Neben allen messbaren Parametern stellt vor allem die Erhebung der praktischen Aspekte der Beweidung eine große Herausforderung dar. Wie im Begleitprojekt beschrieben, wird die Herde durch einen Schäfermeister aus Deutschland geführt. Seine Erfahrungen werden für die Projektbetreiber aber erst durch die intensive Auseinandersetzung mit der praktischen Schäfertätigkeit greifbar. Das wissenschaftliche Begleitprojekt unterstützt das Leader+ Projekt hier durch eine systematische Befragungs-, Dokumentations- und Interviewtätigkeit. Dieser Projektteil ist entscheidend für die Nachhaltigkeit des Projektes und wird deshalb unter Beteiligung aller Projektspartner betrieben.
Praxisrelevanz
Die praktische Relevanz dieser Darstellung kann an der Entwicklung der Almen in Österreich abgelesen werden: Die Gesamtfläche aller Gemeinden in den benachteiligten Gebieten – Kategorie Berggebiet – in Österreich beträgt rund 5,7 Mio. ha (~ 69 % des Bundesgebietes). Die tatsächlich landwirtschaftlich genutzte Fläche (Wirtschaftsgrünland + Acker) in diesen Gebieten macht aber nur 16 % (~ 696.000 ha Grünland, 262 000 ha Ackerland) aus (Grüner Bericht 2007, Tabelle 3.1.13). Eine von Wagner, 2004 abgegrenzte Gebietskulisse der österreichischen Almregion (im Hochalpenbereich ähnlich der Abgrenzung des Berggebietes) weist zusätzlich zum Wirtschaftsgrünland eine Almfläche von rund 1 Mio. ha aus. Davon werden 480.000 ha als Almfutterfläche bezeichnet, die im Schnitt mit 0,59 GVE/ha sehr extensiv genutzt wird (Alp Austria 2006). Die insgesamt gute Flächenausstattung im Almbereich wird heute insofern zum Problem, als diese nicht mehr ausreichend homogen genutzt werden kann. Die aktive Beweidung mit Rindern, als dominierendes landwirtschaftliches Nutztier im Berggebiet, konzentriert sich auf Nieder- und Mittelalmen, sowie auf die Gunstlagen der Hochalmen. Gerade im Ökoton (Übergangsbereich) von Hochwald zu den hochalpinen Matten wurden zwischen 1986 und 2004 rund 20 % aller Almen aufgelassen (ÖSTZ 1988, INVEKOS 2005). Regionen unter der Waldgrenze werden nach ihrer Aufgabe relativ rasch zu Wald (Klimaxstadium), ehemalige Almweiden über der Waldgrenze treten in einen Sukzessionsprozess ein. In Folge sinkt nicht nur die Nutzbarkeit der Flächen für die Landwirtschaft, sondern auch die Biodiversität dieser ehemaligen Almflächen. Dieser Prozess findet laufend statt: Seit 1960 hat sich der Anteil des extensiv genutzten Grünlandes in Österreich um 635.000 ha (- 41 %) reduziert (Grüner Bericht 2007). Ein kleiner Teil davon hat sich in höherwertiges Grünland verwandelt, der Rest in Wald oder Ödland. Die Landwirtschaft im Berggebiet muss zukünftig verstärkte Maßnahmen im Almbereich setzen, dieses Projekt gibt eine Möglichkeit vor. Mit der Weidehaltung von Schafen auf der Alm assoziiert der Konsument auch eine naturnah und tiergerechte Produktion von wertvollen Lebensmitteln. Lammfleisch gilt als Spezialität, die nicht jeden Tag auf den Tisch kommt. Von der Milch, aber auch vom Rindfleisch ist bekannt, dass vor allem der Gehalt an wertvollen Fettsäuren höher ist, wenn die Tiere auf der Weide gehalten werden. Slogans wie die grüne Milch werden in der Vermarktung erfolgreich eingesetzt. Sollte die Almhaltung auch im Lammfleisch einen höheren Gehalt an wertvollen Fettsäuren bewirken, so ist das sicherlich für die Vermarktung ein Vorteil. Das Produkt Lammfleisch könnte dadurch einen ganz anderen Stellenwert bekommen.
Zum näheren Verständnis über die Umweltwirkung und Interaktion zwischen Land- und Almwirtschaft wird deren Zusammenhang noch näher beleuchtet: Almen sind während der Sommermonate beweidete Berggebiete der submontanen und der subalpinen Stufe, die meist durch Rodung entstanden sind. Durch die Almwirtschaft konnten notwendige, zusätzliche Ressourcen für die Viehhaltung erschlossen werden. Durch Veränderung der Wirtschaftsweise in der Landwirtschaft, vornehmlich durch eine zunehmende Intensivierung und den verstärkten Zukauf von Getreide für die Fütterung, verlor dieses regionale Grünland und das ursprüngliche System von Berg- bzw. Alm- und Talweide wieder an Bedeutung. Dadurch ergab sich eine teilweise Aufgabe von Almflächen. Diese Nutzung durch den Menschen stellt den entscheidenden Standortfaktor in diesen wertvollen Ökosystemen dar (vgl. Glavac 1996) und wirkt sich unmittelbar auf den Pflanzenbestand aus. In neuerer Zeit sind zusätzlich aktuell überwiegend gehölzfreie Gebiete durch Klimaänderungen verstärktem Druck von (Wieder-)Bewaldung ausgesetzt. Beweidung oder Verbiss beeinflussen und prägen nicht nur die Struktur von Pflanzengemeinschaften, sondern vermögen auch die Sukzession zu verlangsamen, sie gänzlich aufzuhalten oder sogar rückgängig zu machen (vgl. „retardierte Sukzession“, Klapp 1979). Der Vorteil der Weidenutzung liegt in dem relativ geringen Aufwand im Vergleich zur mechanischen Pflege, zusätzlich sind über Tiere auch Flächen nutzbar, die für Maschinen nicht erreichbar sind. Durch das Weideverhalten, speziell von Schafen, wird auch eine Zonierung der Vegetation geschaffen, die zur Diversität der Biotope und der Landschaft insgesamt beiträgt. Um jedoch negative Auswirkungen durch stellenweise Übernutzung zu vermeiden, ist eine Hütung oder zumindest eine Betreuung erforderlich (vgl. Spatz 1994). Insgesamt sind Schafe (und auch Ziegen) in ungünstigen Lagen anderen Nutztierarten überlegen und hervorragend für die Nutzung extensiver Weideflächen in den Alpen geeignet (Guggenberger et al. 2007, Bertaglia et al. 2007). Eine Bewirtschaftung ohne (extensive) Beweidung ist seitens des Naturschutzes nicht durchführbar.
Zum näheren Verständnis über die Umweltwirkung und Interaktion zwischen Land- und Almwirtschaft wird deren Zusammenhang noch näher beleuchtet: Almen sind während der Sommermonate beweidete Berggebiete der submontanen und der subalpinen Stufe, die meist durch Rodung entstanden sind. Durch die Almwirtschaft konnten notwendige, zusätzliche Ressourcen für die Viehhaltung erschlossen werden. Durch Veränderung der Wirtschaftsweise in der Landwirtschaft, vornehmlich durch eine zunehmende Intensivierung und den verstärkten Zukauf von Getreide für die Fütterung, verlor dieses regionale Grünland und das ursprüngliche System von Berg- bzw. Alm- und Talweide wieder an Bedeutung. Dadurch ergab sich eine teilweise Aufgabe von Almflächen. Diese Nutzung durch den Menschen stellt den entscheidenden Standortfaktor in diesen wertvollen Ökosystemen dar (vgl. Glavac 1996) und wirkt sich unmittelbar auf den Pflanzenbestand aus. In neuerer Zeit sind zusätzlich aktuell überwiegend gehölzfreie Gebiete durch Klimaänderungen verstärktem Druck von (Wieder-)Bewaldung ausgesetzt. Beweidung oder Verbiss beeinflussen und prägen nicht nur die Struktur von Pflanzengemeinschaften, sondern vermögen auch die Sukzession zu verlangsamen, sie gänzlich aufzuhalten oder sogar rückgängig zu machen (vgl. „retardierte Sukzession“, Klapp 1979). Der Vorteil der Weidenutzung liegt in dem relativ geringen Aufwand im Vergleich zur mechanischen Pflege, zusätzlich sind über Tiere auch Flächen nutzbar, die für Maschinen nicht erreichbar sind. Durch das Weideverhalten, speziell von Schafen, wird auch eine Zonierung der Vegetation geschaffen, die zur Diversität der Biotope und der Landschaft insgesamt beiträgt. Um jedoch negative Auswirkungen durch stellenweise Übernutzung zu vermeiden, ist eine Hütung oder zumindest eine Betreuung erforderlich (vgl. Spatz 1994). Insgesamt sind Schafe (und auch Ziegen) in ungünstigen Lagen anderen Nutztierarten überlegen und hervorragend für die Nutzung extensiver Weideflächen in den Alpen geeignet (Guggenberger et al. 2007, Bertaglia et al. 2007). Eine Bewirtschaftung ohne (extensive) Beweidung ist seitens des Naturschutzes nicht durchführbar.
Berichte
Kurzfassung
Das Projekt \"Innovatives Almmanagement durch gezielte Beweidung mit Schafen zur nachhaltigen Bewirtschaftung der alpinen Kulturlandschaft\" konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Besonders hervorzuheben ist, dass die Vision, die Wiederbelebung eines Almgebietes mit Schafen, unter Mitwirkung von zahlreichen Partnern der unterschiedlichsten Interessensgruppen erfolgreich umgesetzt werden konnte. Die Kooperationspartner waren von der Idee des Projektes total überzeugt und haben sich auch aktiv eingebracht.
In dem nun vorliegenden Praxishandbuch zur Wiederbelebung von Almen mit Schafen sind, von der Vision bis zur Umsetzung, alle Ergebnisse zusammengefasst. Das Werk dient als Grundlage für ähnlich geplante Projekte im europäischen Alpenraum.