AbduStop: Bestandsspezifische Impfstoffe zur Reduktion von Absetzdurchfall bei Bio-Ferkeln
Projektleitung
Nora Durec
Forschungseinrichtung
Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein
Projektnummer
102311Projektlaufzeit
-
Finanzierungspartner
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft| Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft
Allgemeine Projektinformationen
Abstract (deutsch)
Absetzdurchfall ist eine multifaktorielle Erkrankung, die sowohl das Tierwohl negativ beeinflusst als auch wirtschaftliche Einbußen bewirkt. Die Trennung von der Muttersau bedeutet für die Ferkel Stress: neue Stallumgebung, Nahrungsumstellung, Wegfall der maternalen Antikörper über die Sauenmilch und neue Buchtengenossen. Auch das Stallklima kann das Auftreten von Absetzdurchfall beeinflussen. Die Summe aus Stressfaktoren macht die Jungtiere anfällig für Krankheitserreger aus der Umwelt. Ein Beispiel für Erreger, die für schwerwiegende Krankheitsverläufe verantwortlich gemacht werden können, sind pathogene E.Coli-Bakterien. Diese werden oral von den Ferkeln aufgenommen, heften sich an die Darmwand und verursachen dort erhebliche Schädigung der Darmschleimhaut. Selbst wenn die Infektion rechtzeitig erkannt und antibiotisch behandelt wird, ist die Darmwand in manchen Fällen bereits in einem Maße geschädigt, dass die betroffenen Ferkel kein optimales Leistungspotential mehr erreichen. Um den Einsatz antibiotischer Arzneimittel und wirtschaftliche Verluste möglichst niedrig zu halten, muss Infektionen effektiv vorgebeugt werden. Neben einer Liste von Managementmaßnahmen, darunter restriktive Fütterung, optimierte Stallhygiene und Futtersäuren, ist auch die Applikation eines bestandsspezifischen Impfstoffes zur Vorbeugung gegen Absetzdurchfall denkbar. Die Wirksamkeit dieser Präventivmaßnahme soll in diesem Projekt untersucht werden.
Schlagwörter (deutsch)
E.coli, Absetzdurchfall, Bio-Schweine, Bestandsspezifische Impfstoffe
Titel, Abstract, Schlagwörter (englisch)
Titel (englisch)
Farm-specific vaccines to reduce post-weaning diarrhea
Abstract (englisch)
Post-weaning diarrhea is a multifactorial disease that negatively affects animal welfare and also leads to economic losses. Separation from the sow represents a major stress factor for piglets, including a new housing environment, dietary changes, loss of maternal antibodies provided through the sow’s milk, and new pen mates. Housing climate can also influence the occurrence of post-weaning diarrhea. The cumulative effect of these stressors makes young animals susceptible to pathogens from the environment. One example of pathogens responsible for severe disease courses are pathogenic E. coli bacteria. These are ingested orally by the piglets, adhere to the intestinal wall, and cause significant damage to the intestinal mucosa. Even if the infection is detected in time and treated with antibiotics, in some cases the intestinal wall is already damaged to such an extent that the affected piglets no longer reach their optimal performance potential.
In order to keep the use of antibiotic drugs and economic losses as low as possible, infections must be effectively prevented. In addition to a range of management measures—including restrictive feeding, optimized stable hygiene, and feed acids—the application of a farm-specific vaccine for the prevention of post-weaning diarrhea is also possible. The effectiveness of this preventive measure will be investigated in this project.
Schlagwörter (englisch)
E.coli, post weaning diarrhea, organic pigs, farm-specific vaccine
Projektziele
Die Entwicklung eines stallspezifischen Impfstoffes für den Schweinebestand des Versuchsguts der HBLFA Raumberg-Gumpenstein (Standort Wels/Thalheim) zur Reduktion von Absetzdurchfall basierend auf dem Keimspektrum im Bestand ist Ziel des Projekts. Als Projektpartner und Kompetenzstelle zur Entwicklung des Impfstoffes und Erhebung des Keimspektrums fungiert die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Das bestandspezifische Keimspektrum wird anhand von Kottupferproben ermittelt. In einem weiteren Schritt streben wir die wissenschaftlich fundierte Datenaufnahme und Dokumentation der Häufigkeit von Absetzdurchfall und Gewichtsentwicklung geimpfter Ferkel an. Nach der Ermittlung der Wirksamkeit wird eine Kostenaufstellung erarbeitet, die den Einsatz eines solchen stallspezifischen Impfstoffes wirtschaftlich beleuchtet. Dadurch wird eine Aussage über die Wirtschaftlichkeit (Impfstoffkosten, Behandlungskosten, wirtschaftliche Verluste durch verzögertes Wachstum) formuliert.
Praxisrelevanz
Das Thema ist nicht nur für die Bioschweinehaltung sondern auch für konventionelle Systeme relevant. Mit dem gesetzlichen Verbot des Zinkeinsatzes im Absetzfutter (01.07.2022) werden alternative Konzepte zur Eindämmung des Absetzdurchfalles unerlässlich. Auch soll der Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung weiter reduziert werden, um drohende Resistenzbildungen auch im Humanbereich zu verhindern. Um diesem Gebot Folge zu leisten, ist der Ansatz einer wirksamen Präventivmaßnahme ohne erwähnenswerte Umweltkosten eine Alternative, die auf Wirkung und wirtschaftliche Relevanz überprüft werden muss. Dieses Projekt überprüft Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit eines bestandsspezifischen Impfstoffes in mehreren Phasen.