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Züchterische Nutzung physiologischer Unterschiede und Vermehrung maßgebender Genotypen der Kornelkirsche im Pielachtal, Triestingtal und Gölsental als Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel
Im Projekt „Züchterische Nutzung physiologischer Unterschiede und Vermehrung maßgebender Genotypen der Kornelkirsche im Pielachtal, Triestingtal und Gölsental als Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel“ wurde die heimische Wildobstart Cornus mas hinsichtlich ihres Potenzials für eine klimaangepasste Nutzung systematisch untersucht. Ziel war es, genetisch und phänotypisch wertvolle Genotypen zu identifizieren, effizient zu vermehren und durch moderne Züchtungsmethoden zur regionalen Entwicklung beizutragen.
Mittels in vitro-Technologien konnten zahlreiche Genotypen erfolgreich etabliert, bewurzelt und akklimatisiert werden. Zudem wurde die Keimdauer der schwer keimbaren Samen durch chemische und mechanische Behandlungen signifikant verkürzt. Veredelungsversuche im Glashaus – insbesondere mittels Top-Wedge-Technik – zeigten vielversprechende Erfolge, während die In-vitro-Veredelung aufgrund limitierter Materialverfügbarkeit noch am Anfang steht.
Ein wesentlicher Meilenstein war die Erstellung eines hochqualitativen Referenzgenoms von C. mas, ergänzt durch RNA-Seq-basierte Annotationen. Die genomischen Analysen, einschließlich Mikrosatelliten-Analysen, Karyotypisierung und Durchflusszytometrie, lieferten wichtige Einblicke in die genetische Diversität und Ploidie-Variationen. Dies bildet die Grundlage für die Entwicklung einer Marker-gestützten Selektion (MAS), um Zuchtentscheidungen frühzeitig treffen zu können.
Parallel dazu wurden umfassende phytopathologische Erhebungen durchgeführt, um das Infektionsrisiko durch Viren und Phytoplasmen zu bewerten. Trotz morphologisch auffälliger Symptome konnten keine relevanten Pathogene nachgewiesen werden, was die Einführung eines langfristigen Monitorings nahelegt.
Die Ergebnisse unterstreichen das Potenzial von Cornus mas als landschaftsprägende und wirtschaftlich bedeutende Wildobstart. Sie tragen zur Biodiversitätserhaltung, nachhaltigen Regionalentwicklung und Entwicklung klimafitter Pflanzensorten bei. Öffentliche Veranstaltungen, wissenschaftliche Publikationen und die Weiterentwicklung des „Dirndl-Schaugartens“ stärken zusätzlich den Wissenstransfer und Tourismusbezug in der Region.