Kopfporträt einer Haflingerstute

© Barbara Wallner

Verbreitung und Prävention des durch den genetischen Risikofaktor ‚DDB2-R‘ verursachten Plattenepithelkarzinoms am Auge in der Zucht von Haflinger und Noriker

Das okuläre Plattenepithelkarzinom (PEK) ist eine sehr häufige Krebserkrankung bei Pferden. Die Ätiopathogenese ist multifaktoriell, wobei die Exposition gegenüber UV-Strahlung und ein Mangel an Pigment, sowie eine genetische Disposition als Risikofaktoren gelten. Das erste Ziel dieser Studie bestand in einer robusten Abschätzung des mit PEK-assoziierten Risikoallels im DDB2-Gen in den österreichischen Haflinger- und Norikerpopulationen. Hierzu wurden insgesamt 1.806 Haflinger und 1.643 Noriker genotypisiert und die Verbreitung hin-sichtlich der Linien, Farben und Populationsstruktur dargestellt. Die Ergebnisse zeigten deutliche Unterschiede in der Häufigkeit des Risikoallels DDB2-T zwischen den Zuchtpopulationen von Haflingern und Norikern. Bei den Haflingern liegt die Allelfrequenz bei 32,56 %, wobei 10,52 % der Tiere homozygot für das DDB2-T-Allel (DDB2-TT) sind. Im Vergleich dazu ist das DDB2-T-Allel bei den Norikern seltener, mit einer Allelfrequenz von 16 % und einem Anteil von 2,37 % an homozygoten Tieren.

In beiden Rassen ist das DDB2-T-Allel gleichmäßig über die verschiedenen Fellfarben, Zuchtlinien und die Populationsstruktur verteilt. Während die Frequenz des DDB2-T-Allels bei den Norikern über die letzten 30 Geburtsjahrgänge stabil geblieben ist, zeigt sich bei den Haflingern ein abrupter Anstieg in den Jahrgängen 2005–2009. Die Analyse der DDB2-Genomregion identifizierte einen verbreiteten DDB2-T-Haplotyp, der in beiden Rassen nach-gewiesen wurde.

Im zweiten Teil des Projekts wurde die Häufigkeit des Auftretens von PEKs am Auge mittels klinischer Augenuntersuchung von 103 Haflingern und 96 Norikern ermittelt. Die Ergebnisse bestätigten den Einfluss des Genotyps auf das Auftreten von PEKs beim Haflinger. In der untersuchten Gruppe von Tieren über 10 Jahren zeigten 60 % der DDB2-TT-Tiere (Doppelträger) ein PEK. Auch bei DDB2-CT-Tieren (Einfachträgern) wurden bei 16 % Tiere ein PEK festgestellt. Die Ergebnisse deuten jedoch nicht darauf hin, dass die Schattierung der Fuchsfarbe beim Haflinger einen Einfluss auf das Auftreten von PEKs hat. Bei der Rasse Noriker konnten aufgrund der geringeren Allelfrequenz des DDB2-T-Allels und der damit verbundenen begrenzten Anzahl an DDB2-TT-Tieren nur vorläufige Aussagen getroffen werden. Eine genomweite Bestätigung der Assoziation von DDB2-T oder anderen Varianten mit dem Auftreten von PEKs war nicht möglich. Die Ergebnisse bei den Norikern deuten jedoch auf ein komplexes Zusammenwirken von Fellfarbe und DDB2-Genotyp hin.

Der signifikante Einfluss des DDB2-T-Allels auf das Auftreten von PEKs erfordert Maß-nahmen in der Zuchtplanung. Beim Haflinger stellt ein ausgeprägter Inzuchtgrad in der Population sowie die hohe Frequenz des DDB2 Allels eine besondere Herausforderung dar. Um die Auswirkungen potenzieller züchterischer Maßnahmen beim Haflinger zu bewerten, wurden verschiedene Szenarien der Selektion und der strategischen Verpaarung mit Hilfe von Simulationen abgeschätzt.

Auf Basis der Ergebnisse wurden gemeinsam mit den Züchtern in einem Workshop mögliche Strategien für beide Rassen ausgearbeitet. Diese sollten darauf abzielen, die Gesundheit der einzelnen Tiere mit der genetischen Vielfalt und der Qualität der Populationen in Einklang zu bringen.

zum Projekt