Parzellen des Seedmix-Versuches an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein

© Raumberg-Gumpenstein

Saatgutmischungen für die intensive Grünlandbewirtschaftung unter Berücksichtigung der sich ändernden klimatischen Rahmenbedingungen

Das Forschungsprojekt „Seedmix“ untersuchte an sieben Standorten in unterschiedlichen Klimaräumen Österreichs die Leistungsfähigkeit und Stabilität intensiver Grünlandbestände unter sich ändernden klimatischen Rahmenbedingungen. Im Fokus standen der Vergleich verschiedener Saatgutmischungen und Saatgutqualitäten, unterschiedliche Nutzungsintensitäten, die Wirkung von Nachsaatmaßnahmen sowie die Substitution von Wiesenschwingel durch trockenheitstolerantere Arten wie Rohrschwingel und Festulolium. Ziel war es, praxisrelevante Strategien für eine resiliente, ertragreiche und qualitativ hochwertige Grünlandbewirtschaftung abzuleiten.

Die Ergebnisse zeigen, dass Ertrag und Futterqualität in erster Linie durch Standort, Jahr und Witterung sowie durch die Bewirtschaftungsintensität beeinflusst werden. Insbesondere die Schnittfrequenz erwies sich als zentraler Steuerungsfaktor: Eine höhere Nutzungsintensität führte in der Regel zu höheren Rohproteingehalten und Energieerträgen, während die Trockenmasseerträge weniger stark reagierten. Unterschiede zwischen den geprüften Mischungen waren meist geringer als erwartet, wobei auch Mischungen, die ursprünglich für extensivere Nutzung empfohlen sind, unter intensiven Bedingungen stabile und konkurrenzfähige Leistungen erbrachten.

Ein klarer Vorteil zeigte sich langfristig zugunsten der ÖAG-Qualitätssaatgutmischungen. Diese wiesen im Vergleich zu Referenzmischungen eine höhere projektive Deckung, geringere Verunkrautung sowie höhere Erträge und Rohproteinerträge auf. Damit bestätigte sich die Bedeutung geprüfter Sorten und hoher Saatgutqualität für die Bestandesstabilität und Nachhaltigkeit im Intensivgrünland.

Die Substitution von Wiesenschwingel durch Rohrschwingel oder Festulolium brachte insgesamt nur begrenzte und stark standortabhängige Effekte. Während rohrschwingelbetonte Mischungen – insbesondere eine Südtiroler Mischung für trockene Lagen – auf einzelnen Standorten sehr hohe Trockenmasseerträge erzielten, gingen diese Vorteile häufig mit niedrigeren Rohproteingehalten und geringerer Energiekonzentration einher. Festulolium zeigte vor allem in den ersten Nutzungsjahren positive Effekte, verlor jedoch mit zunehmender Nutzungsdauer an Bedeutung. Insgesamt konnte keine generelle Empfehlung für eine Substitution des Wiesenschwingels ausgesprochen werden.

Nachsaatmaßnahmen erwiesen sich als wenig wirksam in jungen, dichten und intensiv genutzten Beständen. Eine regelmäßige Nachsaat von Rotklee zeigte an einzelnen Standorten positive Effekte auf Leguminosenanteil und Ertrag, insbesondere bei geeigneter Sortenwahl und geringerer Konkurrenz im Bestand.

Zusammenfassend belegen die Ergebnisse, dass eine standortangepasste Bewirtschaftung, die Wahl hochwertiger Saatgutmischungen sowie eine angemessene Nutzungsintensität entscheidend für die langfristige Ertragsstabilität und Futterqualität im intensiven Grünland sind. Das Projekt liefert damit eine fundierte Grundlage für Beratung und Praxis zur Weiterentwicklung eines klimaresilienten Grünlandsystems.

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