© Mathew Herrnegger, BOKU Wien (Originalfoto); Bildbearbeitung: Google Gemini (KI-generierte Skizzenillustration)
RestStrom - Abschätzung der Auswirkungen von Restwasservorschreibungen auf die Stromerzeugung
Wasserkraft deckt rund 60 % der österreichischen Stromproduktion und ist damit das Rückgrat der heimischen Energieversorgung. Gleichzeitig verfehlen derzeit rund 1.700 Restwasserstrecken den ökologisch erforderlichen Mindestabfluss gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Das Projekt RestStrom quantifiziert die energiewirtschaftlichen Auswirkungen einer vollständigen WRRL-Umsetzung auf die österreichische Wasserkraftproduktion.
Die Modellierung umfasst 200 Mittel- und Großwasserkraftwerke (> 5 MW), 16 Wehrkraftwerke sowie eine repräsentative Stichprobe von 703 Kleinwasserkraftwerken (≤ 5 MW), deren Ergebnisse auf den Gesamtbestand hochgerechnet wurden. Für alle Standorte wurden Zuflusszeitreihen für den Zeitraum 2010–2021 modelliert. Die hydrologische Modellgüte liegt im unabhängigen Test bei einer medianen Nash-Sutcliffe-Effizienz von 0,71. Das simulierte Regelarbeitsvermögen (RAV) weicht um lediglich 0,36 % vom E-Control-Referenzwert ab. Neben dem IST-Zustand wurden sieben Restwasserszenarien untersucht – von schrittweisen Mindestabflusserhöhungen bis zu dynamischen saisonalen Vorgaben.
Im IST-Zustand erzeugte die österreichische Wasserkraft im Betrachtungszeitraum durchschnittlich 39,5 TWh pro Jahr. Die untersuchten Szenarien führen zu Erzeugungsverlusten zwischen −3 % und −7 % (1,2 bis 2,6 TWh). Die natürliche Schwankungsbreite zwischen Trocken- und Nassjahren beträgt hingegen bis zu 8 TWh und übersteigt die szenariobedingten Unterschiede deutlich. Am stärksten betroffen sind Ausleitungskraftwerke und Kleinspeicher (Verluste: 8–16,5 %), während Laufwasserkraftwerke im Flusslauf, die 53 % der Erzeugung erbringen, von Restwasservorgaben nicht berührt werden. Kleinwasserkraftwerke weisen mit −3 % bis −12 % überdurchschnittliche Verluste auf, da rund 94 % als Ausleitungsanlagen betrieben werden. Saisonal zeigen sich stärkere Auswirkungen im Winter, wenn die natürlichen Zuflüsse geringer sind.
Die Ergebnisse basieren auf standardisierten Szenarien mit einheitlichen Annahmen. In der Praxis erfolgt die Restwasserfestsetzung als Einzelfallbetrachtung; insbesondere bei mittleren und größeren Gewässern können die WRRL-Ziele bereits mit geringeren Mengen erreicht werden, sodass die modellierten Verluste für einen Teil der Anlagen überschätzt werden dürften. Die Studie liefert dennoch eine belastbare quantitative Basis für wasserwirtschaftliche Planungen.