© Wolfgang Palme/HBLFA Gartenbau
Microfarming: lebensfähige Gemüsebetriebe auf kleinster Fläche – Anbauverfahren, Hilfsmittel, Fruchtfolgen
Das vorliegende Projekt versteht sich als Ergänzung zu dem im Jahr 2025 abgeschlossenen Forschungsprojekt „Marktgärtnerei – Innovation zur Stärkung der österreichischen Frischgemüseversorgung“ (DaFNE #101824), das im Rahmen des EIP-AGRI-Formats gemeinsam mit zahlreichen Partnern aus Wissenschaft und Praxis durchgeführt wurde. Wie aus einem „Werkzeugkasten“ sollen gemüsebauliche Kulturverfahren, Sortimentserweiterungen oder Anbauoptionen kleinstrukturierten Praxisbetrieben angeboten werden. Stets geht es dabei um einen niederschwelligen Low-Input-Zugang mit einfachen Anwendungsmöglichkeiten.
Folgende Erkenntnisse wurden zusammenfassend aus dem vorliegenden Projekt gewonnen:
„Cut-and-Come-again“-Kulturverfahren nutzen das biologische Regenerationspotenzial vieler Gemüsearten, die eigentlich nur für eine Einmalernte vorgesehen sind. Ein Neuaustrieb aus der im Boden verbleibenden Wurzel erlaubt einen oder mehrere zusätzliche Ernteschnitte.
Gute Anwendungschancen dafür bestehen bei Salaten im geschützten Anbau (kalter Folientunnel), wobei dafür eher die kühlen Vegetationswochen genutzt werden müssen.
Es zeigte sich, dass bei den getesteten Gemüsearten große Sortenunterschiede bestehen: bei Salaten sollte auf eher „alte“, ursprüngliche Sorten oder Multileaf-Sorten zurückgegriffen werden, weil sie ein höheres Regenerationspotenzial aufweisen. Bei einer zweiten Ernte kann man mit einem Ertragsplus von 50 – 80% (gegenüber Einmalschnitt) rechnen.
Winterkohlgemüse hat entgegen stereotyper Einordnung ein durchaus vielversprechendes Potenzial zur innovativen Sortimentsbereicherung für die Direktvermarktung zu bieten.
Kohlgemüse leidet im Frühwinter unter feuchten Witterungsbedingungen. Daraus entstehende Fäulniserscheinungen führen zu starken winterlichen Ausfällen. Durch den Einsatz von fahrbaren Schutzeinrichtungen wie Rollfolientunneln kann eine bedarfsgerechte Abdeckung punktgenau der Ertragsverbesserung und ‑sicherung dienen.
Dieser Schutz darf nicht zu spät über die Kultur gefahren werden. Eine Abdeckung ab Ende November erbrachte die besten Ergebnisse.
Betrieben, die mit eigenvermehrten Jungpflanzen arbeiten, bietet der Einsatz von LED-Belichtung statt Beheizung in der Jungpflanzenanzucht energetische Vorteile.
Eine unbeheizte Salatpflanzenanzucht erfordert längere Zeiträume: eine Aussaat ist schon Mitte November nötig, damit Pflanztermine im kalten Folientunnel von Ende Jänner bis Mitte Februar möglich sind.