Rebstockwurzel

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Evaluierung der Etablierung der bei der Rebenpflanzung beigegebenen Mykorrhizapilze an den Rebwurzeln

Die Reben sind im Zuge der klimatischen Veränderungen mit Hitzeperioden, Trockenphasen und Starkregenereignissen zunehmend extremen Witterungssituationen ausgesetzt. Diese Umweltbedingungen beeinflussen nicht nur das vegetative und generative Wachstum der Reben, sondern auch die Zusammensetzung und Funktion des Bodenmikrobioms. Um die Resilienz der Reben unter solchen Bedingungen zu verbessern, rücken biotische Faktoren wie Mykorrhiza-Pilze stärker in den Fokus der Forschung. Mit dem Ziel, die Reben resilienter zu machen, wurden unter diesen Bedingungen im Freiland die Etablierung und mögliche positive sowie negative Auswirkungen der Applikation eines kommerziellen Mykorrhiza-Bodenpilzpräparates an den Rebwurzeln untersucht. Die Versuche wurden über mehrere Vegetationsperioden hinweg durchgeführt und kombinierten mikroskopische Analysen der Wurzelbesiedelung mit molekularbiologischen Methoden zur Charakterisierung des Wurzel- und Rhizosomenmikrobioms, sowie weinbauliche Methoden zur Evaluierung von Effekten auf die generative und vegetative Entwicklung der Reben. Ein Fokus lag dabei auf der natürlichen Mykorrhiza-Inokulation sowie auf der Rolle funktionell relevanter mikrobieller Gruppen wie Arbuskulärer Mykorrhizapilze (AMF), Sordariomycetes, Dothideomycetes, Orbilomycetes und der bakteriellen Klasse Blastocatellia. Die Ergebnisse zeigten, dass eine natürliche Mykorrhizabesiedelung unter geeigneten Bedingungen effizient stattfinden konnte, allerdings mit teils stark unterschiedlicher Ausprägung je nach Lokalisation und Jahr. Die Anwendung des Präparates führte in manchen Fällen zu einer erhöhten Besiedelung, in anderen zu keiner signifikanten Veränderung. Besonders auffällig war der Rückgang bestimmter Gruppen wie Blastocatellia im Jahr 2025, die zuvor in natürlich inokulierten Reben nachgewiesen worden waren. Diese Veränderungen warfen Fragen hinsichtlich der Stabilität und Funktionalität mikrobieller Netzwerke im Rebrhizosphärenraum auf, insbesondere unter Stressbedingungen. Bei den vegetativen weinbaulichen Parametern zeigte die Mykorrhizapräparatbeigabe während der Pflanzung weder Effekte auf die Trieblängen der Reben am Ende des Jahres der Pflanzung noch auf die im vierten und fünften Standjahr ermittelten Schnittholzgewichte. Ebenso konnten bei den im vierten und fünften Standjahr ermittelten generativen Parametern Traubengewicht und Beerengewicht sowie bei den Gehalten an Zucker, Säure, Stickstoff, Kalium, Magnesium und Natrium und beim pH-Wert im Most keine signifikanten Effekte der zum Zeitpunkt der Pflanzung erfolgten Mykorrhizapräparatbeigabe beobachtet werden.

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