© Malina Flessner
Erkennung von klimatischem Stress ‑insbesondere Hitzestress- bei Kälbern mittels digitaler Technologien
Im Rahmen der Studie wurde der Einfluss des Temperatur-Luftfeuchtigkeits-Indexes (THI) auf Kälber untersucht. Zusammenhänge konnten zwischen dem THI und der Futter- und Wasseraufnahme, sowie im Verhalten nachgewiesen werden. Die Milchaufnahme war hauptsächlich vom Alter abhängig, nahm aber mit zunehmendem THI zu. Dies zeigt, wie wichtig es ist, den Kälbern insbesondere während Stresssituationen, ausreichend Milch anzubieten. Ein deutlicher Zusammenhang konnte zwischen dem THI und der Tageszeit der Milchaufnahme hergestellt werden. Die Tiere verlegten bei Hitze die Milchaufnahme vorwiegend in die kühleren Früh-, Abend- und Nachtstunden. Besonders bei restriktiv gefütterten Kälbern sollte dies berücksichtigt werden. Das betrifft vor allem die Abendfütterung, die meist noch in die heißen Stunden fällt. Da eine späte bzw. wiederholte Abend- oder Nachtfütterung häufig nicht praktikabel ist, könnte dies durch das Anbieten von Milch ad libitum umgangen werden. Ein Abfall der Sauggeschwindigkeit hat ein hohes Potential auf Hitzestress hinzuweisen. Interessant waren auch die Ergebnisse zur Evaluierung des Liegeverhaltens. Neben geringeren Gesamtliegedauern und kürzeren Liegeperioden konnten wir sehen, dass die Kälber unbeeinflusst häufig eng beieinander lagen. Ein weiteres interessantes Ergebnis war, dass Kälber bei höheren THI-Werten den Nestbereich vermehrt zum Liegen aufsuchten, obwohl in diesem der THI durchschnittlich höher, als im offenen Bereich war.
Ein weiterer Parameter, der vom THI beeinflusst war, war die Wasseraufnahme. Nach wie vor haben viele Kälber in den ersten Lebenswochen keinen freien Zugang zu Wasser. Kombiniert mit der restriktiven Milchfütterung haben solche Kälber kaum die Möglichkeit ihren Flüssigkeitshaushalt den Bedürfnissen entsprechend anzupassen.
Zusammenfassend konnte, wie auch in anderen Studien, kein einzelner THI-Grenzwert bestimmt werden. Die Reaktionen auf einen steigenden THI scheinen viel mehr graduell und individuell zu sein und von vielen verschiedenen Faktoren abzuhängen. Erste Veränderungen zeigten sich bereits bei relativ geringen THI-Werten. Daher sollten die häufig angegebenen Grenzwerte für Rinder von 68 oder 72 mit Vorsicht genutzt werden.
Auf Grund dieser Ergebnisse scheint es wichtig, dass die Kälber individuell und kontinuierlich beobachtet werden. Dies ist über verschiedene digitale Technologien, wie Beschleunigungssensoren, automatische Fütterungssysteme und Künstliche-Intelligenz gestützte Computer Vision möglich. Im Kälberbereich ist dies jedoch zurzeit noch zu wenig entwickelt bzw. unabhängig evaluiert. Auf Grund der Komplexität von Hitzestress bedarf es wahrscheinlich der Vernetzung mehrerer Systeme bzw. Technologien.