Eine Sau liegt zwischen ihren vitalen Ferkeln im Tiefstreu. Klinisch unauffällige Tiere und gute Reproduktionsleistungen schließen das Vorkommen von Chlamydia suis nicht aus. Die Bedeutung des Erregers als Kommensale, Reservoir und möglicher Faktor bei Reproduktionsstörungen steht im Mittelpunkt dieser Untersuchungen.

© Unterweger Christine

Chlamydia suis induzierte Fruchtbarkeitsstörungen bei Sauen: Optimierung von Diagnostik und Gewinn neuer Erkenntnisse zu Pathogenese, Epidemiologie sowie Resistenzlage

Reproduktionsstörungen zählen zu den bedeutendsten Gesundheits- und Wirtschaftsproblemen in der Ferkelproduktion. Da ihre Ursachen multifaktoriell sind und die Bedeutung von Chlamydia (C.) suis als Erreger reproduktiver Erkrankungen bislang unklar ist, verfolgte diese Arbeit das Ziel, betriebliche Risikofaktoren für Fruchtbarkeitsstörungen zu identifizieren, die Rolle von Chlamydien bei Reproduktionsproblemen zu untersuchen sowie die genomische Diversität und Tetrazyklinresistenz österreichischer C. suis-Isolate zu charakterisieren.

Zur Analyse betrieblicher Einflussfaktoren wurden 40 österreichische Ferkelproduktionsbetriebe mittels standardisiertem Fragebogen untersucht. Höhere Abferkelraten waren mit größeren und PRRS-negativen Betrieben assoziiert, höhere Umrauschraten mit kleineren Betrieben, vermehrtem postpartalem Vaginalausfluss und älteren Suchebern. Größere Betriebe erzielten zudem höhere Wurfgrößen und Absetzleistungen. Konsequente Biosicherheit und optimiertes Herdenmanagement wirkten sich positiv auf die Reproduktionsleistung aus.

Zur Untersuchung der Rolle von Chlamydien wurden diese Betriebe sowie zehn Kontrollbetriebe mit insgesamt 770 Sauen beprobt. Eine zervikale C. suis-Ausscheidung wurde nur selten (2,1 %) nachgewiesen, während die rektale Ausscheidung mit 39,7 % weit verbreitet war, jedoch ohne Zusammenhang mit Reproduktionsstörungen. Antikörper gegen Chlamydiaceae wurden bei rund der Hälfte der Tiere nachgewiesen, ebenfalls ohne Assoziation zu klinischen Symptomen. Erstmals wurde C. pecorum in österreichischen Schweinen identifiziert. Die Analyse von 42 C. suis-Isolaten zeigte eine hohe Prävalenz genetischer und phänotypischer Tetrazyklinresistenzen unabhängig vom aktuellen Tetrazyklineinsatz.

Die genomische Charakterisierung von 43 Isolaten mittels Ganzgenomsequenzierung belegte eine hohe genetische Diversität der österreichischen C. suis-Population ohne geographische Clusterbildung. Unterschiede zwischen MLST- und ompA-basierten Stammbäumen bestätigten die ausgeprägte Rekombinationsfähigkeit. Verschiedene Varianten der Tetrazyklin-Resistenzinsel sowie die Variabilität der intergenen Region zwischen tetA(C) und tetR weisen auf eine dynamische Evolution der Resistenzdeterminanten hin.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass Fruchtbarkeitsstörungen überwiegend multifaktoriell bedingt sind und C. suis nur eine untergeordnete Rolle als Ursache spielt. Die hohe genomische Diversität und weite Verbreitung von Tetrazyklinresistenzen unterstreichen die Notwendigkeit eines verantwortungsvollen Antibiotikaeinsatzes.

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